BELÉM

Belém überrascht mit hübschen Alleen, in denen sich Bars und Restaurants aneinanderreihen, hier das Cosanostra Caffé © Brasilien Insider
Nicolas Stockmann, dein Insider für Belém

Die Stadt Belém verdankt ihre Existenz ihrer strategischen Lage am Südrand des Amazonasdeltas. Von hier aus konnte man den Zugang ins Hinterland kontrollieren, hier hatte man den Schlüssel für ganz Amazonien in der Hand. Auf dem Hügel über der Mündung des Rio Guamá in die Bucht von Guajará legten die Portugiesen 1616 eine erste Befestigung an und nannten sie „Forte do Presépio” – „die Festung, die die Krippe (von Bethlehem) bewacht”. Um 1910 hatte Belém 100 000 Einwohner, war der Hauptausfuhrhafen des Rohgummis und profitierte vom Kautschukboom. Die Stadt verfügte über Elektrizität, Telefone, Straßenbahnen und hatte trotz Tropenhitze eine deutlich europäische Atmosphäre.

Die 1,5-Mio.-Einwohner-Stadt, die nur ein Grad südlich des Äquators und 145 km vom offenen Meer entfernt liegt, ist auch das Tor zum Hinterland. Am Hafen der Stadt erkennt man die Orientierung des wirtschaftlichen Lebens zum Wasser hin; auch die Altstadt, der Markt und die wichtigsten Kirchen sind in der Nähe der Baía do Guajará gelegen. In den Wohnvierteln um den Stadtteil Nazaré herum liegen viele Grünanlagen und von Mangobäumen gesäumte Straßen. Vor allem in der schönen und relativ ruhigen Avenida Brás de Aguiar finden sich etliche nette Bars und Restaurants, in denen man teilweise auch gut draußen sitzen kann.

Zwischen Dezember und Februar fällt in Belém außerordentlich viel Regen, im Juli ist es deutlich trockener und die Stadtbevölkerung zieht es zu den nah gelegenen Strand- und Ferienorten.

Typische Wohnstraße mit Mangobäumen in Beléms Stadtteil Nazaré © Brasilien Insider

Rundgang im Zentrum

Der Kautschukboom verhalf zu den nötigen finanziellen Mitteln für die Errichtung der schönen Denkmäler der Stadt, wie das Teatro da Paz und den Palácio Antônio Lemos. Viele historische Belle-Époque-Bauwerke erinnern noch heute an die Blütezeit Beléms. Der Traum vom grenzenlosen Reichtum war aber schlagartig zu Ende, als die Kautschukplantagen der Engländer in Malaysia das Angebot der Brasilianer mengenmäßig überboten und preislich unterboten.

Das Teatro da Paz an der Praça da República, eines der schönsten Denkmäler Beléms © Brasilien Insider

Von der Altstadt ausgehend könnt Ihr über die Docas von Belém und die Praça da República bis zum Goeldi-Park und dem Parque da Residência auf einem längeren, sehr schönen Spaziergang alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu Fuß erkunden:

Altstadt

Halbkreisförmig gruppiert sich um Kastell, Konvent und Kathedrale die Altstadt im Kolonialstil mit zierlichen Balkongittern und gefliesten Fassaden aus handbemalten Kacheln. Eine der kunstgeschichtlich bedeutendsten Perioden Beléms war das Schaffen des italienischen Architekten António Landi. Er war 1754 in die Stadt gekommen; hier entwarf er ein Vierteljahrhundert lang nicht nur Sakralbauten, sondern auch den Gouverneurspalast im damals bahnbrechenden klassizistischen Stil. Eine vergleichbare Baulust stellte sich erst wieder um die Jahrhundertwende in der Zeit des Kautschukbooms ein, wobei freilich Quantität oft Vorrang vor Qualität hatte.

Die Altstadt ist leicht zu Fuß zu erkunden. Einen Rundgang sollte man am besten dort beginnen, wo alles anfing: am Forte do Presépio (Forte do Castelo). Die Kanonen des Forts zielen immer noch in die Ferne, aber sie sollen auch Besucher anziehen. Deshalb wurden das gesamte Fort und das unter ihm liegende Ufer einem Umbau unterzogen. Von hier aus bietet sich ein prächtiger Blick auf den gegenüberliegenden Ver-o-Peso-Markt, die Bucht und das Treiben der Altstadt.

Das Forte do Presépio © Brasilien Insider

Im alten Mauerwerk des Forts befindet sich das moderne Museu do Encontro, das über die Geschichte der Besiedlung der Region informiert. Es zeigt Keramiken, Werkzeuge und Waffen von Tupinambás-Indios und Portugiesen sowie interessante Schautafeln mit Erklärungen zur Lebensweise der Indigenen (nur auf Portugiesisch). Beeindruckend ist die wandgroße Replik eines Gemäldes von Antônio Parreiras (1907), das den Zusammenprall der Kulturen illustriert (das Original befindet sich im Museu do Estado, s. unten). Öffnungszeiten Di–Fr 10–17, Sa, So 9–13 Uhr, Eintritt Fort und Museum R$4, Di frei.

Indigene Keramiken im Museu do Encontro © Brasilien Insider

Gleich neben dem Fort liegt der aus dem 18. Jh. stammende Stadtpalast Casa das Onze Janelas, der zeitweise als Militärhospital fungierte und heute ein interessantes Kulturzentrum beheimatet. In fünf Sälen werden Gemälde, Fotografien und Keramiken moderner und zeitgenössischer Künstler präsentiert. Vom großen Balkon aus eröffnet sich ein schöner Blick auf die Baía do Guajará. Ein Gastronomieangebot an diesem privilegierten Ort war zuletzt leider nicht mehr vorhanden, soll aber eventuell wiedereröffnen. Öffnungszeiten Di–Fr 10–17, Sa, So 9–13 Uhr, Eintritt R$4, Di frei.

Wunderschön zum Sonnenuntergang: die Casa das Onze Janelas in der Altstadt von Belém © Brasilien Insider
Im Museu de Arte Sacra © Brasilien Insider

Einige Schritte weiter gelangt man zu der mit bequemen Stuhlreihen ausgestatteten Jesuitenkirche Igreja Santo Alexandre (1719) mit einem der bedeutendsten Museen der Stadt, dem Museu de Arte Sacra. Im klimatisierten, schön gestalteten Museum (Infos auf Portugiesisch) sind von Indios geschnitzte Heiligenbilder zu sehen, erkennbar an den kürzeren Gliedmaßen, die mutmaßlich der damaligen indigenen Physiognomie entsprachen. Öffnungszeiten Di–Fr 10–17, Sa, So 9–13 Uhr, Eintritt R$6, Di frei.

Wer aus der Kirche heraustritt, sieht die Fassade der Catedral da Sé (1748–71), die im Oktober Ausgangspunkt der großen Prozession do Círio de Nazaré ist. Die von Barock und Neoklassik geprägte und schön restaurierte Kathedrale beherbergt Werke des Malers Domenico de Angelis. Öffnungszeiten Mo–Fr 8–20, Sa, So 8–12, 16–20 Uhr.

Die Kathedrale von Belém © Brasilien Insider

Aus der Kathedrale tretend rechts über die Praça Frei Caetano Brandão (Largo da Sé) erreicht man zwei sehenswerte Museen: Zunächst das Museu Histórico do Estado do Pará (MHEP, Infos auf Englisch) im Palácio Lauro Sodré (1771), der über 200 Jahre Sitz der Staatsregierung von Pará war. Zu sehen sind einige Möbel und Gemälde aus dieser Zeit, herausragend dabei das Werk „Conquista do Amazonas“ von Antônio Parreiras (1907). Das 8,75 x 4,50 m große Gemälde (das größte Brasiliens) erstreckt sich über die gesamte Wand eines klimatisierten Saals im 1. Stock, Details lassen sich von Sesseln aus studieren. Öffnungszeiten Di–Fr 10–17, Sa, So 9–13 Uhr, Eintritt R$4, Di frei.

Das berühmte Gemälde von Antônio Parreiras hängt im Museu Histórico do Estado do Pará © Brasilien Insider
Im Palácio Antônio Lemos © Brasilien Insider

Gleich links davon liegt im schönen Palácio Antônio Lemos das aufwändig restaurierte Museu de Arte de Belém (MABE), in dessen prunkvollen Sälen im Obergeschoss in einer Dauerausstellung zahlreiche Kunstwerke und Zeugnisse aus der Geschichte Beléms ausgestellt sind. Öffnungszeiten Di–Fr 9–17 Uhr.

Gegenüber, in der Rua Padre Champagnat, befindet sich noch das Museu do Círio, das der Geschichte der berühmtesten Prozession Brasiliens gewidmet ist. Öffnungszeiten Di–Fr 10–17, Sa, So 9–13 Uhr, Eintritt R$4, Di frei.

Exponate des kleinen Museu do Círio in der Altstadt © Brasilien Insider

Am Hafen

Wer die hübsche Praça Dom Pedro II. – ein typischer Platz der Gründerjahre mit Palmen und einem kleinen See – überquert und sich am Wasser hält, sieht schon von Weitem die markantesten Zeugnisse der früheren Blütezeit der Stadt: die Markthalle mit den Spitzgiebeln am Flusshafen. Das Gebäude mit den Türmen beherbergte ehemals die Staatskasse, Baujahr 1688. Die Halle, die als schmiedeeiserner Bausatz aus Glasgow importiert worden war, dient heute als Fischmarkt, umgeben von rund 2000 Verkaufsständen.

Postkartenmotiv von Belém: der Ver-o-Peso-Markt am Rio Guamá © Brasilien Insider

Einer der bekanntesten und farbenprächtigsten Märkte ganz Brasiliens mit unglaublich skurrilen Waren ist der Markt Ver-o-Peso – „Achte auf das Gewicht!“. Der Name ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Markt als eine Art Kontrollstelle gegründet wurde, an der die Portugiesen das Gewicht maßen, um darauf Steuern erheben zu können. Der Markt ist ein tägliches Spektakel. Im Hafenbecken dümpeln Holzboote, aus deren Leibern gekühlte Fische an Land geworfen und in der lärmigen Fischhalle angeboten werden. Zwischen Straße und Ufer schließt sich ein Labyrinth aus einigen hundert Buden an, die duftende Gewürze, Heilkräuter, tropische Früchte, gebratenen Fisch, Fleischspießchen und Suppe verkaufen. Der interessanteste Teil des Marktes ist der, wo Heilkräuter und Heilwurzeln, Schlangenhäute, Jacaré-Zähne und Amulette mit geheimnisvollen Kräften angeboten werden. Dort gibt es auch Geschäfte mit Zaubersachen und wunderschönen religiösen Gegenständen für die afrobrasilianischen Umbanda-Rituale. Am Vormittag ist das Markttreiben am lebhaftesten. Auf dem Markt werden Frugalien nicht nur gehandelt, sondern auch gleich verspachtelt. Rund 100 Futterkrippen will man gezählt haben – jedenfalls gibt es kaum einen besseren Tipp, als sich hier mal umzusehen und den Löffel in die Hand zu nehmen. Ängste vor möglicher Vergiftung sind unangebracht: Die Zubereitung ist durchaus hygienisch, nur bei Salaten ist ein wenig Zurückhaltung geboten.

Verkäufer auf dem Ver-o-Peso-Markt © Brasilien Insider
Die berühmte Wendeltreppe im Mercado Municipal Francisco Bolonha © Brasilien Insider

Gegenüber steht der nach vierjähriger Restauration 2011 wiedereröffnete Fleischmarkt Mercado Municipal Francisco Bolonha, in dem auch Kunsthandwerk und andere Artikel verkauft werden. Größte Sehenswürdigkeit ist die hohe schmiedeeiserne Wendeltreppe in der Mitte der Markthalle. Öffnungszeiten tgl. 6–16 Uhr.

Im Anschluss solltet Ihr noch ein wenig die Uferpromenade weiter entlang spazieren. Ihr stoßt nach rund 500 m auf die zu Erlebniszentren umgebauten Lagerhallen Estação das Docas. Am Terminal Fluvial, gleich zu Beginn, befinden sich die Anleger für Bootsausflüge, in den Hallen 1 und 2 gibt es Restaurants, Bars, Souvenirstände und Geschäfte. Am Abend trifft sich in den Docas tout Belém – eine wahrlich erfolgreiche Umwandlung der ehemals heruntergekommenen Zone!

Gelungene Stadtentwicklung: die umgestalteten Docks (Docas) von Belém © Brasilien Insider

Praça da República und Nazaré

Der Rückweg führt durch die Travessa Frutuoso Guimarães. An der ersten Ecke links steht die Igreja das Mercês, die Kirche des Klosters Nossa Senhora das Mercês aus dem Jahr 1640. Sie wurde im 18. Jh. angeblich unter Beteiligung des italienischen Architekten António Landi restauriert.

Aus der Kirche heraustretend geht’s nach links bis zur Avenida Presidente Vargas; sie verbindet die Altstadt (Cidade Velha) mit der Neustadt (Cidade Nova) und ist eine der geschäftigsten Straßen Beléms. Ein Stück nach rechts hinauf ist mit der Praça da República das Zentrum der Neustadt erreicht.

Altes und Modernes an der Praça da República, im Herzen von Belém © Brasilien Insider

Dort befindet sich am Ende des Platzes das mächtige neoklassizistische Teatro da Paz (1868–78) mit seinen imposanten Marmorsäulen sowie Spiegeln und Leuchtern aus venezianischem Kristall. Zur Zeit des Kautschukbooms fanden hier bedeutende Aufführungen von internationalem Rang statt. Und hier versuchte Carlos Gomes, der noch vom Kaiser geförderte Komponist von Opern im italienischen Stil (O Guarani), sein Lebenswerk zu vollenden. Das vollständig renovierte Theater kann besichtigt werden. Die Führungen sind auch ohne Portugiesisch-Kenntnisse interessant, achtet zum Beispiel auf das ausgeklügelte natürliche Belüftungssystem mit Luftschächten unter den Sitzen. Öffnungszeiten Di–Fr 9–17, Sa 9–12, So 9–11 Uhr, 45-minütige Führungen stdl. (außer 13 Uhr), Eintritt R$6.

Das neoklassizistische Teatro da Paz © Brasilien Insider

Hinter dem Theater geht’s ein Stück weiter auf der Avenida Serzedelo Correa und dann nach links in Beléms wohl schönste Straße, die Avenida Brás de Aguiar. An dieser recht verkehrsarmen und von Mangobäumen beschatteten Allee liegen etliche Geschäfte, Cafés, Restaurants und Bars. Es ist der atmosphärisch schönste Teil der Wanderung, an dem sich auch diverse Möglichkeiten für eine Ruhepause mit Snacks und Erfrischungen bieten, zum Beispiel in den Restaurants Mango und Casa Mia (s. Essen), oder in der Bar Cosanostra Caffé (s. Nachtleben).

Eine von vielen Mangobaum-Alleen in Belém: die Avenida Brás de Aguiar © Brasilien Insider

Soweit gestärkt könnt Ihr die Avenida Brás de Aguiar nun bis ganz zu ihrem Ende laufen, danach geht Ihr links und gleich wieder rechts, und steht schon fast vor der farbenfrohen Basílica de Nazaré: Sie ist eine wahre Deluxe-Kirche mit Air Condition, komfortabel gepolsterten Sitzbänken und rund einem Dutzend Spendenboxen für diverse Heilige und natürlich die Jungfrau Nazaré selbst. Der mächtige Bau im romanischen Stil (1909–23) wurde nach dem Vorbild der römischen Basílica de São Paulo errichtet, die Standortwahl geht zurück auf eine im Jahr 1700 hier gefundene Statue der Hl. Nossa Senhora de Nazaré. Alljährlich am zweiten Sonntag im Oktober findet ihr zu Ehren die berühmte Prozession do Círio de Nazaré statt, das größte religiöse Fest Brasiliens. Ihr Verlauf entspricht fast unserem Stadtrundgang: Catedral da Sé, Boulevard Castilho França (Hafen und Mercado Ver-o-Peso), Av. Presidente Vargas und Av. Nazaré bis zur Basílica (5 km). Öffnungszeiten Mo–Sa 6–20, So 6–12, 15–23 Uhr.

Die Basílica de Nazaré zählt zu Brasiliens bedeutendsten Wallfahrtskirchen © Brasilien Insider

Wer die Av. Nazaré noch etwas weiter geht, gelangt zum Museu Paraense Emílio Goeldi in der Av. Magalhães Barata 376. 1866 vom Naturforscher Domingos Soares Ferreira Pena gegründet, hatte der Deutschschweizer Emil Goeldi 1900 aus dem Raritätenkabinett ein modernes Museum geschaffen, das heute in der Erforschung Amazoniens führend ist. Hier befindet sich ein schöner zoologisch-botanischer Garten mit beeindruckender Vegetation und über 1000 Tieren, darunter 22 freilebenden Spezies und einigen bedrohten Arten. Verschlungene, relativ schlecht beschilderte Wege führen durch den städtischen Urwald, man lässt sich am besten einfach treiben und stößt dann mit einiger Wahrscheinlichkeit auf einen Vogelpark mit roten Ibissen und Aras, oder verschiedene Gehege mit Kaimanen, Affen, Jaguaren oder Riesenottern. Öffnungszeiten Di–So 9–17 Uhr, Eintritt R$3.

Grüne Oase in der Stadt: der Zoologisch-botanische Garten des Goeldi-Museums © Brasilien Insider

Vom Eingang des Goeldi-Parks aus gelangt Ihr geradewegs zum Pavilhão Rocinha, in dem wechselnde, teilweise sehr gut gemachte Ausstellungen zu sehen sind, unter anderem zur Gefährdung des amazonischen Lebensraums.

Der Pavilhão Rocinha im Goeldi-Park zeigt gute Ausstellungen © Brasilien Insider
Einen Eindruck der Amazonasfische erhält man im Aquário Jacques Huber im Goeldi-Park © Brasilien Insider

Das Aquário Jacques Huber, das sich ebenfalls auf dem Gelände des Goeldi-Parks befindet, beherbergt Aquarien mit diversen Amazonasfischen, Reptilien und Schlangen.

Der Spaziergang lässt sich noch ein Stück fortsetzen, nur einen Block weiter erreicht man den Parque da Residência, dessen Hauptgebäude Gouverneurssitz war und heute das Kulturministerium beherbergt. In dem hübschen grünen Anwesen befindet sich neben einem Theater (Estação Gasômetro) und einem alten Eisenbahnwaggon noch ein gutes Restaurant, das unter anderem auch Açaí-Eis serviert – ein schöner Abschluss des Rundgangs!

Schöner Abschluss des Rundgangs: der Parque da Residência © Brasilien Insider

Weitere Sehenswürdigkeiten

Parks und Gärten

Belém besitzt zahlreiche von Mangobäumen gesäumte Alleen sowie gepflegte Parks und Plätze. Schnell fällt die zentrale Praça da República ins Auge, oder auch die Praça Dom Pedro II. in der Altstadt. Ein „verstecktes“ Kleinod ist die Praça Batista Campos an der Av. Serzedelo Correa mit ihren Seen und Brücken, die schon zum schönsten Platz Brasiliens gewählt wurde.

Grüne Fußgängerallee an der Praça da República © Brasilien Insider

Von den Parks sind neben dem Parque Zoobotânico, der auch das Goeldi-Museum beherbergt, und dem benachbarten Parque da Residência vor allem der etwas außerhalb des Zentrums gelegene Jardim Botânico Bosque Rodrigues Alves zu nennen, der mit 16 ha ursprünglichem Regenwald eine grüne Lunge der Metropole ist. Über 2000 Baum- und Pflanzenarten sind dort zu bewundern. Öffnungszeiten Di–So 8–16 Uhr, Eintritt R$3.

Auf dem Hauptweg durch den Utinga-Park © Brasilien Insider

Ein weiteres schönes Naherholungsgebiet ist der Parque Estadual do Utinga, ein ganz in der Nähe des  Jardim Botânico Bosque Rodrigues Alves liegendes Schutzgebiet, dessen Infrastruktur erst kürzlich renoviert wurde. Die Fläche des Parks umfasst die Größe von mehr als 1400 Fußballfeldern, auf der mehr als 400 Tier- und 151 Pflanzenarten vorkommen. Zwei große Seen versorgen 70 % der Bevölkerung des Großraums Belém mit Trinkwasser. Neben wissenschaftlicher Forschung gibt es hier auch ein üppiges Angebot an Aktivitäten zur Umweltbildung, Kultur und Freizeit. Außerdem können Fahrräder und Team Bikes ausgeliehen werden, und auf dem Gelände verteilen sich Sportmöglichkeiten wie Rapel, Tree Climbing oder Boia Cross. Wer einfach nur spazieren will, kann einen der neun durch den Park führenden Wanderwege nehmen, von denen zwei auch selbständig gelaufen werden können (für die anderen müsst Ihr euch am Info-Stand nahe des Eingangs einen Guide bestellen). Ein schöner Ausflug für zwei bis drei Stunden, nur sonntags wird es wie fast überall deutlich voller. Öffnungszeiten Mi-Mo 6-17 Uhr, Eintritt frei.

Eingang zum Parque Estadual do Utinga © Brasilien Insider
Namensgeber des Parks © Brasilien Insider

Und dann gibt es natürlich noch den „Park der Reiher“: Fast mitten in der Stadt, nur 3 km vom Zentrum entfernt, liegt am Ufer des Rio Guamá das 40 ha große Naturschutzgebiet Parque Naturalístico Mangal das Garças, ein schöner innerstädtischer Park mit Schmetterlingshaus, einem Vogelgehege (unter anderem mit Flamingos) sowie einem Turm mit Aussichtsplattform auf 27 m Höhe. Auf den Wegen des Parks begegnet Ihr freilaufenden Reihern, Enten, Leguanen und Schildkröten.

Blick vom Aussichtsturm auf den Rio Guamá © Brasilien Insider

In einem zwischen Mangroven errichteten Stelzenhaus befinden sich außerdem ein Schifffahrtsmuseum (R$5, Di gratis) und das außergewöhnliche Restaurant Manjar das Garças, mit wunderschönem Ambiente und Flussblick. Der vor dem Restaurant entlangführende Holzsteg ist ein beliebter Treffpunkt zum Sonnenuntergang. Die schönste Besuchszeit ist an einem sonnigen Nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr. Öffnungszeiten Di–So 9–18 Uhr, der Eintritt zum Park ist gratis, einzelne Punkte wie Aussichtsturm oder Schmetterlingshaus kosten R$5, wer alle 4 kostenpflichtigen Attraktionen sehen möchte, kann einen Tagespass für R$15 kaufen.

Grüne Oase mitten in der Stadt: der Park Mangal das Garças © Brasilien Insider

Ein schmuckes Ausflugsziel

Kapelle in historischen Mauern © Brasilien Insider

Ein lohnenswerter Ausflug führt zum Pólo Joalheiro São José Liberto an der Praça Amazonas. Das 1749 als Franziskanerkloster errichtete Gebäude fungierte von 1843 bis 2000 als Gefängnis für Schwerverbrecher, ehe es nach Gefangenenaufständen geschlossen wurde. Die alte Franziskanerkapelle ist noch gut erhalten, auch kann eine der beklemmend engen Gefängniszellen besichtigt werden. Im Innern befinden sich das Museu de Gemas do Pará, ein Edelsteinmuseum, und der Pólo Joalheiro, wo man bei der Schmuckherstellung zuschauen und diesen auch gleich kaufen kann.

Beeindruckender Innenhof des Pólo Joalheiro © Brasilien Insider

In der dahinter liegenden Casa do Artesão, eine große Halle mit Amphitheater, werden Kunsthandwerk, Kleidung, Likör oder Kosmetik aus dem Amazonas angeboten, auch ein Café und eine Eisdiele sind vorhanden. Im Innenhof des gepflegten Areals beeindrucken Tausende um einen Springbrunnen verstreute Rosenquarze und Bergkristalle. Öffnungszeiten Pólo Joalheiro und Casa do Artesão Di–Sa 9–18, So 10–16 Uhr, Eintritt frei; Edelsteinmuseum Di–Fr 9–17, Sa, So 10–14 Uhr, Eintritt R$6, Di frei.

Ausflugsziel: Der Pólo Joalheiro mit Edelsteinmuseum © Brasilien Insider

Übernachtung

Je näher Ihr an der Praça República logiert, umso besser. Am schönsten und sichersten sind die Wohnviertel rund um den Stadtteil Nazaré. Grundsätzlich könnt Ihr in Belém durchaus nach Rabatt fragen (desconto), vor allem an Wochenenden und bei längeren Aufenthalten (ab 3 Tage) und/oder bei Barzahlung (10–20 % möglich) ist das sinnvoll. Während des Karnevals und des Círio-Festes im Oktober platzt die Stadt aus allen Nähten – dann sind Buchungen beinahe sinnlos und die Hotels vervielfachen die Preise. In der Regenzeit (Jan–Mai) solltet Ihr das Hotelfenster stets geschlossen halten, um Euer Hab und Gut vor der hohen Luftfeuchtigkeit zu schützen.

In diesen Hotels in Belém fühle ich mich immer sehr wohl, sie bieten zudem ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis:

Hotel Princesa Louçã, Av. Presidente Vargas 882. Das frühere Hilton Hotel ist fast schon ein Wahrzeichen der Stadt. 361 Zimmer und alle Einrichtungen, die in dieser Preisklasse üblich sind: AC, Minibar, Kabel-TV mit den wichtigsten Sport- und Filmsendern, Pool, Fitnessraum usw. Die Zimmer in den obersten Stockwerken („Executive“) bieten eine großartige Aussicht auf die Praça da República. Das sehr gute Frühstück wird im fast rund um die Uhr geöffneten Buffet-Restaurant Açaí serviert (Lunch/Dinner R$75 p. P.). Oft Ermäßigungen bei Buchung über die eigene Website. Für den gebotenen Standard in dieser exzellenten Lage die Top-Optionen in Belém. 5 % Tax. Hotel Princesa Louçã buchen.

Top-Hotel in bester Lage: Princesa Louçã © Brasilien Insider
Pool des Hotel Regente © Brasilien Insider

Das Hotel Regente in der Av. Gov. José Malcher 485 ist eines der traditionellsten Hotels der Stadt (1974), das nicht zuletzt wegen seiner zentralen Lage einen angenehmen Aufenthalt garantiert. Die meisten der 216 bequemen Zimmer (unter anderem mit Split AC) wurden bereits modernisiert und befinden sich in sehr gutem Zustand. Von den Hotels der oberen Kategorie in Belém ist dies eins der preiswertesten und mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Es bietet außerdem ein üppiges Frühstücksbuffet, ein gutes Restaurant und einen großen Pool, in dem man nach einem heißen Tag gerne entspannt. Hotel Regente buchen.

Bewährtes Hotel im Stadtteil Nazaré: das Hotel Regente © Brasilien Insider

Essen

Belém ist voller Bordsteinbars und Futterkrippen – selbst wer knapp bei Kasse ist, braucht hier nicht zu hungern. Um den Ver-o-Peso-Markt herum muss man geradezu aufpassen, um nicht in Suppentöpfe zu treten. Ein absoluter Hit sind die Saftstände mit Mixgetränken von Früchten, für deren Namen es oft keine deutsche Entsprechung gibt.

Die regionale Küche von Pará ist in den letzten Jahren in ganz Brasilien bekannt geworden und erfährt in den Spitzenrestaurants des Landes Wertschätzung. Schon die Namen der Zutaten verraten die indianischen Wurzeln: Caruru, Tacacá, Tucupi, Vatapá, Jambu, Maniçoba, Açaí … dafür gibt es keine deutschen Bezeichnungen. Wie der Schweinsbraten in Bayern, so ist die Ente à Tucupi hier das Flaggschiff auf dem Teller. Pato no tucupi muss man einfach gegessen haben! Als Sättigungsbeilage Maniok in allen Formen. Die Maniokblätter (Maniva) bedürfen einer besonderen Behandlung und werden sparsamst als Kraut (Tucupi) eingesetzt, das beim Verzehr die Zunge in einen kribbeligen und beinahe betäubten Zustand versetzt. Als Zwischengericht auch an der Straßenecke: Tacacá-Suppe, zum Schlürfen aus der Schale (Cuia). Und dann natürlich die Speisefische aus dem Amazonas, darunter der Gigant Pirarucu, der bis zu 2,5 m lang werden kann, und der köstliche Filhote (eine Art Wels).

Neben den indianischen Einflüssen gibt es weitere: So lebt in Pará die zweitgrößte japanische Kolonie Brasiliens, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es in Belém ein Dutzend Sushi-Bars gibt. Auch eine eigene Brauerei hat Belém, die Cerpa/SA, die unter bayerischer Regie ein leichtes Bier braut (Tijuca). An manchen Orten bekommt man es sogar frisch vom Fass.

In der Heimat des Açaí

Keinesfalls dürft Ihr Belém verlassen, ohne Açaí gegessen zu haben, eines der Hauptnahrungsmittel der Paraenses. Anders als im übrigen Brasilien, wo Açaí als süße Nachspeise mit Bananen und Müsli daherkommt, liebt man die lilafarbene Creme hier als Beilage (bacaba) zu Fleisch, Fisch oder Krabben. Dabei wird Açaí entweder pur beigegeben, oder man isst es mit viel Zucker sowie typischerweise dem grobkörnigen Farinha d‘Água (aus Maniok) oder alternativ dem Reisflocken ähnelnden Farinha de Tapioca. Der Kontrast zwischen „salzig“ und „süß“ mag für manchen gewöhnungsbedürftig sein, Touristen wird es daher nachgesehen, wenn sie die Beilage getrennt essen. Zu unterscheiden ist noch das „weiße Açaí“ (branco), das zwar eher grünbraun wirkt, dennoch sehr lecker ist.

Cremiger Açaí, so wie er nur in Pará zu finden ist © Brasilien Insider

Bester Ort zum Probieren ist der Point do Açaí, Boulevard Castilho França 744, gegenüber der Estação das Docas, in einem hübsch renovierten Kolonialhaus mit Tischen auf drei klimatisierten Etagen. Der Açaí ist hier cremig, frisch und in bester Qualität (nichts Eingefrorenes). Tipp: Chapa Mista Paraense (R$147/3 Pers.), eine große Platte u. a. mit Fisch, Hühnerfilet, Krabben, Gemüse, Pommes – und 1 l Açaí. Natürlich gibt es auch den traditionell in Brasilien bekannten süßen Açaí na Tigela. Oder auch einfach nur eine Glaskaraffe mit cremigem Açaí puro (500 ml, mit Farinha und Zucker), dessen Preis stark nach Saison variiert (Juli–Dez ca. R$8–18). Öffnungszeiten Di–Sa 11–23, So, Mo 11–16 Uhr.

Gegenüber von den Docas liegt das beste Açaí-Restaurant der Stadt: Point do Açaí © Brasilien Insider

Der Fress- und Vergnügungstempel Estação das Docas ist aus Belém nicht mehr wegzudenken. Eine gelungene Umwandlung von Docks und Lagerschuppen in eine luftige Konstruktion am Wasser, unter deren Dach sich ein Dutzend Kneipen, Bars und Restaurants zusammengefunden hat – darunter Top-Restaurants wie Lá em Casa, Capone und Soprano. Öffnungszeiten Mo–Di 10–24, Mi 10–1, Do–Sa 10–2, So 9–22 Uhr.

Lá em Casa, Estação das Docas, Halle 2. Das Restaurant rühmt sich verdientermaßen vieler Auszeichnungen. Es gibt keinen besseren Ort in Belém, um die Bandbreite der Amazonasküche auszuprobieren (R$60–85), wie Ente in Manioksoße (Pato no tucupi), gegrillter Fisch (Pirarucu na chapa), gesottener Wels (Filhote), Fischsuppe mit aromatischen Kräutern und Maniokbrei (Caldeirada) oder das Menu Paraense (von allem etwas, R$140/2 Pers.). Besonders gut ist Corridinho de Peixe (R$85/1–2 Pers.), eine Auswahl aus 6 Amazonasfischen mit Jambu-Reis, Feijão und Cupuaçu-Saft. Sa/So mittags köstliches All-you-can-eat-Buffet inkl. Nachtisch mit Açaí (12–16 Uhr, R$68–73). Täglich auch Mittagsteller „Executivo“ (R$33, 12–15 Uhr), z. B. Peixe mit 2 Beilagen (Jambu-Reis, in Butter gebratene Farofa) und 1 Soße (Redenção de Tucupi!). Nachtisch: Açaí (R$9). Ab 17 Uhr Tacacá (R$22). Auch Verkauf von regionalen Produkten, z. B. Açaí- oder Jambu-Marmelade. Öffnungszeiten So–Mi 12–24, Do–Sa 12–2 Uhr.

Beste Fischküche in den Docas ist bei Lá em Casa auch als günstiger Mittagsteller erhältlich © Brasilien Insider

Casa Mia, Trav. Quintino Bocaiúva 1696, Nazaré. Charmante Atmosphäre in restauriertem Haus mit Steinmauern und Holzbalken. Sehr guter Kaffee, frisch gebackener Kuchen und Sandwiches (R$25). Alles ist hausgemacht, auch gute Tellergerichte (R$32–48). Öffnungszeiten Mo–Do 12–22, Fr–So 12–24 Uhr.

Sei es für einen Kaffee oder ein gezapftes Bier, ein toller Stopp beim Stadtbummel ist Casa Mia © Brasilien Insider

Mango, Av. Brás de Aguiar 593, Nazaré. Prima Lokal, das auf gesunde Ernährung Wert legt: Die meisten Zutaten kommen von ausgewählten regionalen Herstellern, Säfte sind frisch aus der Frucht gemacht, es kommt wenig Salz in die Speisen usw. Auf dem Menü stehen Salate (R$34), Sandwiches (R$25–28), Omeletts, Suppen und sehr leckere täglich wechselnde Tagesgerichte („Prato do Dia“, R$30), wie z. B. Fisch in Maracuja-Soße mit Naturreis, „Spaghettigemüse“ und Tomatensoße. Sehr genial ist auch der cremige Açaí-Guaraná-Saft (R$15), der fast den Nachtisch ersetzt. Auch Lieferung. Öffnungszeiten tgl. 11.30–16, Mo–Sa 18–22 Uhr.

Frisches Design, gesundes Essen: Das Mango in Nazaré © Brasilien Insider

Nachtleben

Die Nächte von Belém sind heiß, aber erträglicher als die Tage. Kein Wunder, dass die halbe Stadt ab Sonnenuntergang bis weit nach Mitternacht auf den Beinen ist. Bevorzugt ist die Flussnähe, wo eine kühle Brise weht. Der Umbau der alten Docks zu einer überdachten Vergnügungsmeile wurde in Belém als größter Fortschritt seit Jahrzehnten begrüßt. Überall wird zur Happy Hour, von etwa 18–21 Uhr, sehr günstig gezapftes Bier ausgeschenkt. Teilweise gibt’s das Chope für nur R$4 – entsprechend voll ist es zu dieser Zeit! Weitere nette Bars und Cafés befinden sich in den Stadtteilen Nazaré und Umarizal, hier vor allem um die Av. Visconde de Souza Franco – oft mit hervorragender Livemusik, in die sich karibische Rhythmen mischen. Tradition und Moderne begegnen sich in einzigartigen Musikstilen wie Carimbó, Boi-Bumbá oder auch dem (gewöhnungsbedürftigen) Tecnobrega.

Chope für unter R$5 gibt es zur Happy Hour zum Beispiel im Soprano © Brasilien Insider

In der Estação das Docas gibt es neben Restaurants auch zwei beliebte Open-Air-Bars. Durch die Anlage „schweben“ zwei unter dem Hallendach montierte, fahrbare Bühnen, auf denen ab 20 Uhr (Sa schon ab 11 Uhr) Livemusik gespielt wird (Couvert R$2–4 p. P.).

Livemusik auf „schwebenden“ Bühnen in der Estação das Docas © Brasilien Insider

Cosanostra Caffé, Trav. Benjamin Constant 1499, Nazaré. Das „Cosa“ ist bekannt für gute Livemusik: unter anderem Chorinho, MPB, Jazz (tgl. ab 23 Uhr, Couvert R$10). Am meisten ist Dienstag los (Rock, Pop), am Donnerstag gibt’s Jazz. Auch gut essen kann man in dieser schick gestalteten Bar. Öffnungszeiten Mo–Sa 12–3 Uhr (oder länger).

Gute Biere, top Livemusik und gediegene Pub-Einrichtung warten im Cosanostra Caffé © Brasilien Insider

Touren und Ausflüge

Ausflug zur Ilha do Combu

Amazonasfeeling auf der Ilha do Combu © Brasilien Insider

Eine wirkliche Überraschung und einer der schönsten Ausflüge im Nahbereich von Belém führt per Boot zur Ilha do Combu. Die Überfahrt zu der archaisch wirkenden Insel dauert nicht einmal 15 Minuten, doch schon unterwegs wähnt man sich, mit Beléms Hochhaus-Skyline im Rücken, wie in einer anderen Welt. Die Linienboote fahren vom Anleger Trapiche Praça Princesa Isabel ab und im Prinzip ist es möglich, die Insel auf eigene Faust zu besuchen. Man erfährt jedoch wesentlich mehr – und sieht auch mehr von der Insel -, wenn man einen Ausflug über eine Agentur mit eigenem Boot bucht (s. unten).

Eine andere Welt, nur eine Viertelstunde von der Großstadt © Brasilien Insider

Der erste Besuch sollte der Casa do Chocolate gewidmet sein, wo die rührige Dona Nena vorführt, wie nach alter Familientradition Bio-Schokolade hergestellt wird. Diese eignet sich unter anderem als Trinkschokolade (es gibt Kostproben), wird aber auch gerne als Zutat für Nachtische oder Soßen verwendet. Wer den Besuch vorher über eine Agentur anmeldet, zum Beispiel bei Amazon Tour (s. unten), erhält auch Zutritt zum Tropengarten der Familie, in dem ein ca. 250 Jahre alter Samaúma-Baum 30 bis 35 Meter in die Höhe ragt. Um den gewaltigen Stamm vollständig zu umfassen, sind mehr als 50 Personen nötig. Öffnungszeiten tgl. 9-17 Uhr.

Dona Nena zeigt stolz ihre hausgemachte Schokolade © Brasilien Insider
Restaurant Saldosa Maloca © Brasilien Insider

Von der Casa do Chocolate verkehren Linienboote zu einem großartigen Fluss-Restaurant, das auf Stelzen in den Rio Guamá gebaut wurde, das Saldosa Maloca. Hier serviert die Familie der sympathischen Besitzerin Neneca Prazeres seit 1982 typische Amazonasküche, natürlich auf der Grundlage von Fisch. Bei einer angenehmen Brise blickt Ihr auf die Stadtsilhouette von Belém und genießt den köstlichen „Tambaqui na Brasa“ (ein kompletter Flussfisch), einen „Filhote ao Ver-o-Peso“ (Fischfilet) oder die großartige Vorspeise „Brasileirinho“ (krokante Fischbällchen mit einer Tucupi-Creme). Dazu gibt es leckere Cocktails wie den „Égua de ti“ mit Bio-Schokolade. Im Anschluss könnt Ihr in einer Hängematte relaxen oder einen Spaziergang durch den Garten machen, in dem Ihr auf einen gigantischen, etwa 40 Meter hohen und schätzungsweise 400 Jahre alten Sumaúma-Baum trefft und euch wie im Film Avatar wähnt.

Filhote Ver-o-Peso“ © Brasilien Insider

Eigentlich ist dieser unglaubliche und in Fotos nicht festzuhaltende Baum alleine schon einen Besuch wert. Sehr gut haben mir auch verschiedene Umweltmaßnahmen gefallen, so wird der Müll sauber getrennt und Wasser gibt es nicht in Plastikflaschen, sondern wird in recycelbaren Bechern serviert. In einem Souvenirshop bekommt Ihr noch ein hübsches Andenken an die Region (ideal bei wenig Zeit in Belém). Öffnungszeiten Fr-Mo 10-17 Uhr, Fr/Sa zur Mittagszeit Livemusik (Couvert R$5).

Besitzerin Neneca mit dem Aushängeschild ihres Restaurants: „Tambaqui na Brasa“ © Brasilien Insider

Bootsfahrt mit Folklore

Ein netter Kurzausflug am Spätnachmittag ist die stimmungsvolle Flusstour „Orla ao entardecer“, die zum Sonnenuntergang eine schöne Aussicht auf die Stadt vom Wasser aus bietet. Zunächst gibt es ein paar Infos zu Belém (auf Portugiesisch), die meiste Zeit aber werden sinnliche regionale Tänze aufgeführt (auch zum Mittanzen), dazu spielt das Duo des Sängers und Gitarristen Allan Roffé eingängige Rhythmen, vor allem Carimbó, Lundu, Xote und Retumbão. Eine schöne und nicht anstrengende Tour, die auch für Kinder gut machbar ist. Zu buchen bei Valeverde (s. unten). Abfahrt der Boote ist Di–So um 17.30 Uhr, Fr/Sa auch um 16 Uhr, Dauer 1 1/2 Stunden, Preis R$50 pro Person.

Schöne Tänze auf dem Wasser beim Ausflug „Orla ao entardecer“ © Brasilien Insider

Tourenanbieter

Amazon Tour, Trav. 3 de Maio 1167, São Brás. Der sympathische Francisco Rocha hilft bei allen Ausflügen und Transfers in ganz Pará (auch Ilha de Marajó und Alter do Chão). Ein Schwerpunkt der gut ausgearbeiteten Ausflüge liegt auf nachhaltigem Reisen, zum Beispiel bei der City Tour „Raízes Amazônicas“ unter anderem mit Besuch des Ver-o-Peso-Marktes und der Altstadt sowie einer Bootsfahrt zur Ilha do Combu, dort Präsentation der Açaí-Gewinnung und Herstellung von Bio-Schokolade der Flussbewohner (8–15 Uhr, deutschsprachiger Guide, R$1400/4 Pers. inkl. Mittagessen). Kontakt per Email: francisco@amazontour.tur.br. Öffnungszeiten Mo–Fr 8–18, Sa 8–13 Uhr.

Valeverde Turismo © Brasilien Insider

Valeverde, Terminal Fluvial (Estação das Docas), Stadtrundfahrten (ab 9 oder 14 Uhr, 4 Std., R$145 bzw. R$181 Englisch), Ausflüge nach Icoaraci (Mo–Sa, 4 Std., R$160/200) sowie diverse Bootstouren, unter anderem bei Sonnenuntergang. Außerdem zu den Inseln Marajó (2 Tage, R$596) und Papagaios (Beobachtung von Papageien, Di, Do, Sa ab 4.30 Uhr, 4 Std., R$200). Bei einigen Touren englischsprachige Guides möglich (25 % Aufschlag). Öffnungszeiten Di–So 10–20.30 Uhr.

Praktische Tipps

Geld

Die am zentralsten gelegenen Filialen sind die Bradesco an der Praça da República sowie in der Av. Presidente Vargas 670 (Geldautomaten 6–22 Uhr), und die Banco do Brasil in der Av. Presidente Vargas 248 (Geldautomaten 6–20 Uhr). Am Flughafen gibt es rund um die Uhr zugängliche Geldautomaten; und in der Estação das Docas findet Ihr Geldautomaten von Banco 24 Horas, die zwischen Halle 1 und 2 stehen – jedoch wird hier eine Automatengebühr fällig.

Geldwechsel ist mit Ausweis am Terminal Fluvial möglich © Brasilien Insider

Geld tauschen (nur mit Ausweis!) könnt Ihr bei Turvicam Câmbio, im Terminal Fluvial (Estação das Docas), Öffnungszeiten Mo–Sa 10–22, So 12–18 Uhr; und natürlich am Flughafen (Öffnungszeiten 24 Std.).

Transport

Taxi und Fahrdienste

Der Nahverkehr ist in Belém recht günstig. Vom Zentrum bis zum Flughafen zahlt Ihr mit Uber ca. R$20–25 (Taxi R$45–50), zur Rodoviária nur R$12–15 (Taxi R$25–30). Eine Fahrt von der Praça da República zur Estação das Docas kostet mit Uber ungefähr R$7–12.

Flüge

Der Aeroporto Internacional de Belém liegt in Val-de-Cans, 12 km vom Zentrum. Es ist ein moderner, sehr angenehmer Flughafen, in dem sich sogar ein kleiner botanischer Garten mit Fontänen verbirgt. Es gibt Direktflüge unter anderem nach Manaus, Santarém und São Luís, in den Südosten oder Nordosten führt der Weg oft über Brasília oder São Paulo.

Der hübsche Flughafen von Belém © Brasilien Insider

Busse

Die Rodoviária von Belém liegt in São Brás, nur 3 km vom Zentrum. Im Busbahnhof findet Ihr Gepäckaufbewahrung, Bankautomaten usw. Die wichtigste Verbindung führt nach:

  • São Luís: Boa Esperança, 3 x tgl., 13–14 Std., R$170–209.

Boote

Das neue, klimatisierte Terminal Hidroviário (Schuppen 9 der Docks von Pará) liegt an der Av. Marechal Hermes. Zum Kauf der Tickets ist keine Agentur nötig – diese nehmen z. T. happige Kommissionen – alle Karten sind bis kurz vor Abfahrt am Hafen erhältlich. Aktuelle Infos zu Abfahrtszeiten erhaltet Ihr an den Schaltern.

Boote von AR Transporte fahren nach Manaus (5 Tage, Hängematte R$370–400, Kabine R$1000–1500/2 Pers.) und Santarém (3 Tage, Hängematte R$230–270, Kabine R$800–1200/2 Pers.): Abfahrt Mi 19 Uhr.

Wie Ihr zur Ilha de Marajó kommen könnt, erkläre ich hier.

Am Terminal Hidroviário von Belém © Brasilien Insider

Umgebung von Belém

Icoaraci

Nachbildung von Marajoara-Keramiken in Icoaraci © Brasilien Insider

Ein schöner Tagesausflug führt nach Icoaraci (25 km, Anfahrt mit Uber/Taxi oder Stadtbus „Icoaraci/Paracuri via Base“, zurück „Icoaraci/Ver-o-Peso“). Hier leben viele Kunsthandwerker, die die berühmten, einst von der indigenen Urbevölkerung angefertigten Marajoara-Keramiken nachbilden (auch der Tapajônica und Maracá). Praktisch das gesamte Viertel Paracuri ist mit 200 Produktions- und Verkaufsstätten ein einziger Markt. Von hier werden die Produkte in über 170 Länder exportiert. Die farbigen Stücke, besonders Vasen, kann man günstig kaufen, auch ist es möglich bei der Produktion zuzusehen, zum Beispiel bei Mestre Anísio in der Tv. Soledade 740. Öffnungszeiten Mo–Fr 8–12, 14–18, Sa 8–12 Uhr.

Im Anschluss empfiehlt sich ein Spaziergang an der Strandpromenade, wo man in guten Fischrestaurants einkehren kann, unter anderem bei Na Telha, Rua Siqueira Mendes 263. Hier wird der Fisch im heißen Ziegelstein serviert, man bestellt am besten Peixe na Telha, fangfrischer Fisch in der Spezialsoße des Hauses mit Reis und Pirão. Öffnungszeiten tgl. 11–16, Mo–Sa 18–23 Uhr (Anfahrt mit Uber/Taxi/Mototaxi).

Bei ausreichender Zeit und Lust könnt Ihr noch einen Ausflug auf die Ilha do Outeiro anschließen, wo ein lockeres Strandambiente an der Praia do Amor oder Praia Grande mit Holzhüttengastronomie wartet.