CHAPADA DIAMANTINA

Faszinierende Tafelberglandschaft in Bahia: die Chapada Diamantina © Brasilien Insider
Nicolas Stockmann, dein Insider für die Chapada Diamantina

Etwa 420 km westlich von Salvador, inmitten eines ansonsten knochentrockenen Hinterlands (Sertão), liegt die aus drei parallelen Gebirgszügen bestehende grüne Hochebene Chapada Diamantina. Teile der östlichen Kette Serra do Sincorá wurden 1985 als Nationalpark ausgewiesen – heute einer der größten Brasiliens. Die Natur ist atemberaubend und bietet mit ihren rauschenden Wasserfällen, natürlichen Schwimmbecken, Flüssen, Höhlen und Sumpflandschaften eine wundervolle Abwechslung zu den Stränden in Nordostbrasilien.

Paradies für Blumenfreunde © Brasilien Insider

Durch Winderosion haben sich in Jahrmillionen gewaltige Tafelberglandschaften entwickelt, deren teils bizarre Sandsteinformen besonders bei Sonnenuntergang und Vollmond ein beeindruckendes Bild abgeben. Die reiche Pflanzenwelt (über 300 Orchideenarten, Bromelien, Kakteen und Kletterpflanzen) zeigt sich in der Hauptblütezeit im Dezember und Januar am vielfältigsten. Zudem haben mehr als 350 Vogelarten wie Papageien, Kolibris und Finken hier ihren Lebensraum, ebenso wie Nasenbären, Affen, Ozelot, Gürteltiere, Pumas, Jaguare und Kaimane.

Gelegentlich anzutreffen: Der Kleine Ameisenbär (Tamanduá mirim) © Brasilien Insider
Heute gibt es in der Chapada Diamantina kaum noch Garimpeiros © Brasilien Insider

Der Name Chapada Diamantina (Hochebene der Diamanten) entstand nach Diamantenfunden Mitte des 19. Jahrhunderts, der die Region zu einem wahren Eldorado werden ließ. Neue Ortschaften schossen aus dem Boden und die wichtigste Stadt jener Zeit, Mucugê, war über Jahrzehnte bedeutender als São Paulo. Doch der Traum vom Reichtum währte nur kurz: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren die Minen erschöpft und viele der neu entstandenen Städte verfielen.

Chapada Diamantina (zum Vergrößern auf das Bild klicken) © Open Street Map – Mitwirkende, www.openstreetmap.org/copyright

Heute, mehr als 100 Jahre nach den Diamanten- und Goldsuchern, liegt wieder ein Geist von Freiheit und Aufbruch in der guten Bergluft. Doch dieses Mal beruht er auf dem Naturerleben der Region. Touristen, Künstler und spirituell Interessierte werden von den landschaftlichen Reizen und der wohltuenden Ruhe, die das Gebiet ausstrahlt, angezogen. Wer in die Chapada Diamantina aufbricht, begegnet Natur pur, Abgeschiedenheit und teilweise auch prekärer Infrastruktur, besonders beim öffentlichen Verkehr. Die größeren Orte bieten aber allesamt einen guten bis gehobenen touristischen Komfort.

Attraktives Eintrittsportal mit dem größten Angebot ist Lençóis, von wo aus auch die meisten Touren starten. Weitere reizvolle Orte sind das Aussteiger-Tal Vale do Capão, sowie die alten Diamantengräberdörfer Mucugê und Igatu. Ideale Besuchszeit für die Chapada sind vier bis sieben Tage (auch wegen der Flugverbindungen, siehe Transport).

Naturparadies sechs Stunden von Salvador: die Chapada Diamantina © Brasilien Insider

Hübsch herausgeputzt und ausgestattet mit sehr guten Pousadas, Restaurants und Touranbietern ist Lençóis (6000 Einwohner) wichtigster Ausgangspunkt für Ausflüge in die Chapada Diamantina und in den Nationalpark. Wer nicht wandern mag, wird sich in den romantischen Gassen mit ihren Bars und Straßencafés ebenfalls wohlfühlen. Die ersten Diamantensucher hausten Mitte des 19. Jahrhunderts noch in improvisierten Zeltunterkünften, die aus der Ferne wie weiße Tücher in der Landschaft aussahen, daher auch der Name Lençóis („Bettlaken“). Mit zunehmendem Reichtum entstanden die bunten Kolonialbauten, die bis heute das Stadtbild prägen. Das ehemalige französische Vize-Konsulat steht stellvertretend für die Architektur jener Zeit, die stark von den Migranten aus Minas Gerais geprägt wurde. Der wirtschaftliche Abstieg begann um 1870 mit der Befreiungsbewegung der Sklaven, dem Ausbleiben neuer Diamantenminen und der Entdeckung von Minen in Südafrika. Die Geschichte der Diamantenschürfer, der Garimpeiros, lebt bei verschiedenen Feierlichkeiten wieder auf.

Weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt ist die Igreja Senhor dos Passos aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Igreja Nossa Senhora do Rosário wurde zur gleichen Zeit von Sklaven in angeblich nur 90 Tagen errichtet. Sie gilt als Kirche der Schutzheiligen der Garimpeiros. Das alte Marktgebäude Mercado Municipal am Flussufer ist heute ein Kulturzentrum. Der ehemalige Regierungssitz, das Antigo Prédio da Prefeitura mit neoklassizistischen Details von 1860, wurde vor einigen Jahren ansehnlich restauriert.

Im geschmückten Zentrum von Lençóis während des São-João-Festes im Juni © Brasilien Insider

Touren und Wanderungen

In der Umgebung von Lençóis gibt es eine Vielzahl von Tourzielen unterschiedlicher Entfernung. Einige liegen ganz in der Nähe und lassen sich leicht auf eigene Faust erkunden – ideal, um einen ersten Eindruck von der Gegend zu bekommen. Bei den meisten Ausflügen sind jedoch lokale Guides unverzichtbar, da die Wege nicht ausgeschildert sind. Über Wander- und Trekkingtouren hinaus ist die Chapada Diamantina auch ein Paradies für Abenteuersportler, beliebt sind Abseilen (Rapel), Klettern und Mountainbiking.

  • Typischerweise buchen Chapada-Gäste eine oder mehrere der überall angebotenen Tagestouren (in Gruppen von 3–14 Personen). Diese führen zu schönen Plätzen der Region, die Ihr somit auf recht komfortable und oft auch nicht allzu anstrengende Weise kennenlernen könnt. Diese Ausflüge eignen sich vor allem für Besucher, die in relativ kurzer Zeit möglichst viele der Naturschönheiten sehen möchten. Bei der Buchung der Touren müsst Ihr beachten, dass die Qualität der Touranbieter erheblich variiert (siehe unten).
  • Ein noch intensiveres Naturerlebnis garantieren die mehrtägigen Trekkingtouren, die meist über 3–5 Tage gehen. Übernachtet wird dabei in Höhlen, Zelten oder einfachen Familienunterkünften. Den Proviant trägt man in der Regel mit sich, in vielen Fällen kocht der Guide für die Gruppe. Oft kann man unterwegs sogar aus den sauberen Quellen und Bächen trinken.

Kurzausflüge in der Umgebung von Lençóis

Farbige Sande im Salão de Areias © Brasilien Insider

Es gibt ein paar sehenswerte Ziele im Nahbereich von Lençóis. Sie bieten sich zum Beispiel an, wenn Ihr mittags mit dem Bus aus Salvador eintrefft, und euch nach dem Einchecken am Nachmittag noch ein wenig die Beine in der Natur vertreten möchtet. Schnell zu erreichen ist vor allem das Serrano (20 Minuten): das sind zahlreiche Naturschwimmbecken, die im Rio Lençóis gelegen sind (vor 15 Uhr losgehen). Ebenfalls empfehlenswert ist ein Besuch des Salão de Areias, eine farbige Sandhöhle, oder der beiden Wasserfälle Cachoeirinha und Primavera mit dem Aussichtspunkt Mirante. Auch wenn alle diese genannten Orte nicht mehr als 2 km weit weg sind, so solltet Ihr euch trotzdem einem Guide anvertrauen. Der Preis ist ziemlich verhandelbar und dürfte um R$90/Person liegen.

Recht schnell zu erreichen, da stadtnah: die Cachoeira da Primavera © Brasilien Insider
Ribeirão do Meio
Relaxen im Ribeirão do Meio © Brasilien Insider

Etwas weiter ist es zum Ribeirão do Meio, nämlich ziemlich genau 5 km vom Ortskern in Lençóis. Der Ribeirão do Meio ist eine beliebte Naturwasserrutsche mit Fluss-Schwimmbecken und eine der leichtesten Touren in der näheren Umgebung – deshalb kann es auch an Wochenenden und Feiertagen etwas voller werden. Es ist zudem eine der ganz wenigen Wanderungen, die Ihr auch ohne Guide bewältigen könnt. Insofern perfekt geeignet als entspannte Halbtagestour für Leute jeder Kondition und jeden Alters. Der etwa einstündige Weg führt praktisch immer geradeaus und ist kaum zu verfehlen: Ihr verlasst den Ort in südlicher Richtung, an der Kirche vorbei, und haltet euch nach ca. 10 Minuten und einer kleinen Steigung an der ersten Wegweisung links. Etwas weiter stoßt Ihr dann bei der Pousada Canto no Bosque auf einen kleinen Pfad, dem Ihr einfach immer weiter folgt. Unterwegs besteht bei einer kleinen Holzbaracke die Möglichkeit, Getränke zu kaufen, auch der eine oder andere frisch geschürfte Diamant befindet sich im Sortiment. Am Flussbecken stehen meistens ambulante Händler, die (natürlich etwas teurer) Wasser, Cola und Bier anbieten. Von den Fleischspießen solltet Ihr aber lieber Abstand nehmen und euch stattdessen ein Lunchpaket mitbringen. Viele Pousadas stellen ihren Gästen zu einem fairen Preis ein Päckchen aus Sandwich, Obst, Wasser und Müsliriegel zusammen. Gegen Ende löst sich der Weg auf einer felsigen Lichtung unvermittelt im Nichts auf. Der Wasserfall ist hier noch nicht zu sehen, aber die Badenden sind bereits zu hören – also einfach der Geräuschkulisse folgen. Zum Schluss noch ein Hinweis: Zum Ribeirão do Meio solltet Ihr vor 14 Uhr aufbrechen und rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit den Rückweg antreten, der Weg ist unbeleuchtet.

Der Pool des Ribeirão do Meio ist groß genug, um ein paar Runden darin zu schwimmen © Brasilien Insider

Wanderungen mit Guide (1 Tag)

Cachoeira do Sossego © Brasilien Insider

Einer der schönsten Wasserfälle der Region ist sicherlich die Cachoeira do Sossego. Allerdings muss man sich das Bad im darunterliegenden Naturschwimmbecken hart verdienen, denn der Weg hat es in sich. Die anspruchsvolle Strecke zum Sossego-Wasserfall führt 7 km über die Felsen eines Gebirgsflusses, es geht im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein. Ihr braucht für den Trip auf jeden Fall eine gute Ausdauer und hervorragenden Gleichgewichtssinn. Knapp drei Stunden dauert der Hinweg, und dieselbe Strecke lauft Ihr auch wieder zurück. Für konditionsstarke Naturfans eine tolle Wanderung, die nicht massentouristisch überlaufen ist.

Empfehlenswert ist auch die Wanderung vom Morro do Pai Inácio nach Lençóis (ca. 6 Stunden). Der Morro do Pai Inácio (22 km, 1150 m) ist der berühmteste Tafelberg der Chapada, in einer halben Stunde ist er erklommen. Oben eröffnet sich eine majestätische Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Der Blick bleibt an interessanten Felsformationen hängen, zum Beispiel dem gigantischen Morro do Camelo, der tatsächlich einem liegenden Kamel ähnelt. Am schönsten ist die Stimmung bei Sonnenuntergang. Der Morro do Pai Inácio liegt nahe der Hauptstraße und ist daher auch in den meisten Tourprogrammen enthalten (siehe unten).

Eine weitere sehr schöne Tageswanderung führt von Lençóis nach Capão (mit Übernachtung in Capão) – oder in umgekehrter Richtung, wobei man sich dann am besten frühmorgens von einer Agentur nach Capão bringen lässt (25 km, 6–8 Stunden).

Fabelhafter Ausblick vom Tafelberg Pai Inácio © Brasilien Insider

Klassische Tagestouren (über Touranbieter)

Alle Agenturen haben die folgenden Tagestouren im Programm, die Abfahrt am Hotel ist in der Regel um 8.30, Rückkehr etwa gegen 18 Uhr:

Grutas bzw. „Roteiro 1“

Diese Tagestour durch den nördlichen Nationalpark eignet sich bestens für Neuankömmlinge, sie ist bekannt als “Grutas” (Grotten) oder “Roteiro 1” (Route 1). Es ist der klassische Ausflug für einen guten ersten Überblick über die Region, zudem ist er körperlich nicht allzu fordernd: Alles zusammengenommen seid Ihr auf dieser Tour ca. 2 1/2 Stunden zu Fuß zu den einzelnen Attraktionen unterwegs. Beachten müsst Ihr, dass zusätzlich zum Tourpreis unterwegs noch diverse weitere Kosten für Eintritte und Mittagessen anfallen. Am besten, Ihr lasst euch vorab von der Agentur eine aktuelle Übersicht mit allen Nebenkosten geben. Erstes Ziel ist fast immer das Flüsschen Mucugezinho (20 km von Lençóis), dem Ihr über ein steiniges Flussbett bis zum Wasserfall Poço do Diabo, dem „Teufelspool“, folgt. Diese kleine Wanderung dauert etwa 20 Minuten. Das Bad im Naturschwimmbecken bildet danach eine willkommene erste Abkühlung. Wer mag, kann sich hier auch bei Anbietern am Fels abseilen oder per Tirolesa an einer Schnur ins Wasser rauschen.

Erster Stopp auf dem Roteiro 1: der Poço do Diabo © Brasilien Insider
Gruta Azul © Brasilien Insider

Es folgt die Gruta da Pratinha (75 km von Lençóis), die sich – optional – auch schwimmend mit Schnorchel, Flossen und wasserfester Taschenlampe erkunden lässt (kostet extra, empfehlenswert): Ein glasklarer See führt tief in die geheimnisvolle Grotte hinein – es hat etwas Unheimliches, dem Guide in die pechschwarze, immer dunkler werdende Höhle zu folgen. Wer dies nicht mag, kann im Außenbereich der Höhle zwischen kleinen Fischen schnorcheln, sich am Flussbadestrand Prainha sonnen oder den 18 m tiefen Höhlensee der benachbarten Gruta Azul besuchen. Hier entsteht durch Lichtreflexe gegen 15 Uhr der Eindruck tiefblauen Wassers (beeindruckend von Mai bis September, Schwimmen nicht erlaubt).

Schnorcheln in der Gruta da Pratinha © Brasilien Insider
Abstieg zur Höhle Lapa Doce © Brasilien Insider

Nächste Station ist die Gruta da Lapa Doce (68 km von Lençóis), eine 950 m lange und bis zu 30 m hohe Tropfsteinhöhle mit beeindruckenden Gesteinsformationen. Die Grotte wurde lange als Süßwasserquelle benutzt, daher der Name „süße Höhle“. An diesem Etappenziel wird auch ein gutes Mittagessenbuffet serviert. Zu guter Letzt wird meist der Morro do Pai Inácio angefahren, wo sich an schönen Tagen ein spektakulärer Sonnenuntergang bietet (steiler, recht anstrengender Aufstieg).

Auch interessant: die Torrinha-Grotte © Brasilien Insider

Hinweis: Gelegentlich muss die Route dem Wetter angepasst werden, so lässt sich zum Beispiel die Gruta da Pratinha nach Regenfällen nicht besuchen. Stattdessen wird an solchen Tagen oft die nicht minder sehenswerte Caverna da Torrinha angefahren (64 km von Lençóis), in der in labyrinthartigen Gängen seltene Kalksteinformationen zu sehen sind. Aufgrund der teilweise niedrigen Decken ist hier eine gewisse Gelenkigkeit erforderlich.

Höhlenforschung: Tief im Innern der Gruta da Lapa Doce © Brasilien Insider
Cachoeira da Fumaça
Der “Rauchwasserfall” Cachoeira da Fumaça © Brasilien Insider

Die Tour zum 340 m hohen Wasserfall Cachoeira da Fumaça por cima (von oben) ist eine der schönsten Tagestouren, aber auch recht fordernd. Den spektakulären Ausblick muss man sich sprichwörtlich erarbeiten. Nach der Anfahrt (1 3/4 Stunden) nach Capão folgt ein 50-minütiger Aufstieg bis auf 1300 m Höhe, danach geht es ungefähr eine Stunde auf ebener Strecke weiter. Am Ziel angekommen werdet Ihr dafür mit einem sensationellen Blick belohnt: Hier stürzt der Wasserfall in die Tiefe. Um ihn zu sehen, muss man sich jedoch flach auf einen Felsvorsprung legen – das ist nur etwas für Schwindelfreie! Der „Rauchwasserfall“ erhielt seinen Namen, weil er sich unterwegs fast komplett in Nebel auflöst. Die Kaskade hielt lange den Titel „höchster Wasserfalls Brasiliens“, muss sich aber nun mit dem zweiten Platz zufrieden geben, seit im Amazonas ein noch höherer entdeckt wurde. Wichtig: Da er nicht immer ausreichend Wasser führt, solltet Ihr euch diesbezüglich vorher erkundigen. Mittagessen gibt’s übrigens oben nicht zu kaufen, also am besten ein Lunchpaket mitnehmen! Vor und nach der Tour könnt Ihr euch am Fuße des Berges mit Getränken eindecken. Um den Wasserfall von unten (por baixo) zu sehen, ist eine dreitägige, ziemlich anspruchsvolle Tour von Lençóis erforderlich.

I believe I can fly … Ausblick vom Rand des 340 m hohen Cachoeira da Fumaça © Brasilien Insider

Auf dem Rückweg wird oft noch ein Stopp am kleinen Wasserfall Cachoeira do Riachinho (kostet Eintritt) eingelegt, wo ein ungemein erfrischendes Bad im Naturschwimmbad wartet. Verspannte Rücken erhalten hier eine wohltuende Wassermassage. Auf den warmen Felsflächen kann man sich beim Sonnenbaden vom Wasser umspülen lassen und den idyllischen Blick ins Tal genießen. Ein wenig aufpassen, die Steine sind rutschig.

Marimbus
Im Ruderboot durch die Marimbus-Sumpflandschaften © Brasilien Insider

Diese Tour führt zunächst in einer einstündigen Fahrt über eine Waldpiste zum kleinen Ort Remanso, einem Quilombo, also einem von geflüchteten Sklaven gegründeten Dorf, in dem noch heute 20 Familien leben. Von dort schließt sich eine idyllische zweistündige Ruderbootsfahrt durch die Marimbus-Sumpflandschaft an („Mini-Pantanal“). Die Sumpfregion entstand durch den Zusammenfluss zweier Flüsse (Rio Santo Antônio und Rio Utinga) und fasziniert besonders wegen der abwechslungsreichen Flora und Fauna. Unterwegs sieht man viele Vögel und gelegentlich auch einen Affen, ganz selten bekommt man Capybaras (Wasserschweine), Würgeschlangen oder Kaimane zu Gesicht.

Ersehnte Erfrischung: die Whirlpools von Roncador © Brasilien Insider

Am Ende der Bootstour folgt ein 20-minütiger Spaziergang zu einem alten Landhaus, wo Mittagessen serviert wird (nicht im Tourpreis inbegriffen). Wer damit keine Zeit verlieren möchte, kann sich ein Lunchpaket mitbringen, denn im Anschluss warten die Piscinas do Roncador, tolle natürliche „Whirlpools“ mit mehreren kleinen Wasserfällen und Rutschen, in denen sich nach Herzenslust planschen lässt. Zudem bietet sich von dort ein fantastischer Panoramablick über die Chapada. Manchmal wird noch ein weiterer idyllischer Wasserfall mit Sandstrand besucht. Der Rückweg erfolgt erneut per Ruderboot oder zu Fuß. Wichtig bei dieser Tour: Unterwegs im Boot gibt es keinen Schatten. Nehmt euch viel Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor und Kopfbedeckung mit, vielleicht auch einen Sonnenschirm. Am Roncador ein bisschen aufpassen auf den rutschigen Steinen.

Weit weg von der Zivilisation: Lautlos gleiten durch die Sümpfe der Chapada © Brasilien Insider
Cachoeira do Mosquito
Der Mosquito-Wasserfall © Brasilien Insider

Einer der schönsten Ausflüge der Chapada führt zum Wasserfall Mosquito (Tourpreis inkl. Mittagessen und Eintritt). Zunächst geht es im Auto 45 km nach Norden bis zu einer Fazenda (1 Stunde Fahrt). Die anschließende Wanderung zum Wasserfall dauert nochmals ungefähr eine Stunde und beinhaltet einen steilen Abstieg, doch das Bad unter dem aus 50 m hinabstürzenden Katarakt ist alle Mühen wert. Ihr habt ausreichend Zeit, den Wasserfall zu genießen, der Aufenthalt dauert meistens 1–2 Stunden. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg fährt die Gruppe dann zurück zur Fazenda (ca. 15 Minuten), wo ein üppiges regionales Buffet auf die Wandersleute wartet. Nach dem Mittagessen besteht noch die Möglichkeit, den Poço do Diabo oder die Felsmalereien bei der Serra das Paridas zu besuchen (kostet zusätzlichen Eintritt).

Herrliche Erfrischung nach der Wanderung im Mosquito-Wasserfall © Brasilien Insider

Mehrtägige Trekkingtouren (mit Guide)

Mehrtägige Touren durch den Nationalpark können flexibel mit Guide oder Reisebüro geplant werden. Rundwanderungen von 3–5 Tagen sind Standard; beliebte Ziele sind das Vale do Paty, der Cânion do Michila oder der berühmte “Rauchnebelwasserfall” Cachoeira da Fumaça “por baixo”, das heißt die Routenführung von unten (anstrengend).

Touranbieter und Guides

Es gibt viele Touranbieter, deren Programme sich sehr ähneln. Die Preise hängen unter anderem von der Gruppengröße ab, so zahlt man in Kleingruppen (bis 5 Personen) in der Regel ca. 10–25 % mehr. Mittagessen und Eintritte sind oft, aber nicht immer, im Gesamtpreis enthalten. Dies solltet Ihr auf jeden Fall vorher mit der Agentur klären. Häufig sind die Erklärungen der Führer jedoch etwas dürftig, auch hat Umweltschutz nicht immer Priorität. Empfehlenswert sind:

  • Brasilien Adventure, Rua Alto do Bonfim (in der Pousada Vila Serrano). Neben Standardtouren in Kleingruppen werden auch Mountainbike, Klettern und längere Trekkingtouren angeboten.
    tgl. 7.30–12, 18–20.30 Uhr
  • Nas Alturas, Rua 10 de Novembro 26. Die Besitzerin aus Rio offeriert neben den üblichen Touren in Kleingruppen auch Klettern und Abseilen. Zuverlässig und auf Qualität bedacht. Englisch.
    tgl. 8–12, 13–22 Uhr
  • Chapada Adventure Daniel, Praça Horácio de Matos 114. Der freundliche Daniel hat alle Standardausflüge im Programm. Portugiesisch.
    tgl. 7–21.30 Uhr
  • Rony Bike, Rua do Lajedo 68. Standard- und Mountainbike-Touren für Anfänger und Fortgeschrittene. Englisch.

Nicht alle privaten Guides, die sich anbieten, sind ausreichend qualifiziert. Eine Liste zertifizierter Guides hat ACVL, Tel. 75/3334 1425. Empfehlenswert sind:

  • Tai, Tel. 75/992 726 247. Der deutschsprachige Elsässer kennt die Gegend sehr gut und weiß viel zu erzählen. Kontaktaufnahme am einfachsten über Facebook.
  • Oliver Schelenz, Tel. 75/998 704 200, E-Mail . Weit gereister, erfahrener deutschsprachiger Guide mit Basis in Lençóis. Spezialisiert auf Individualreisende und Kleingruppen.
  • Dida, Tel. 75/999 663 907. Der humorvolle Künstler besitzt ein eigenes komfortables Fahrzeug. Englisch.
  • Roy Funch, Tel. 75/3334 1305. Mitbegründer des Nationalparks, profundes Wissen zur Botanik. Englisch.

Impressionen (Video)

Dieses schöne Video des Brasilien-Fans Jörg Rausch vermittelt einen anschaulichen Eindruck von der Landschaft der Chapada Diamantina und der Ortschaft Lençóis. Zu sehen sind unter anderem die ortsnahen Spaziergänge zum Naturschwimmbecken Serrano, den Sandsteinhöhlen Salão de Areias und der Wasserrutsche Ribeirão do Meio. Auch einige der Stationen der Tagestour “Roteiro 1” werden gezeigt, darunter die Höhle Lapa Doce, die Badeseen Gruta da Pratinha und Poço do Diabo sowie die sensationellen Ausblicke vom Morro do Pai Inácio. Die Aufnahmen sind übrigens während einer Trockenphase entstanden, besonders die Vegetation rund um die Höhle Lapa Doce ist üblicherweise üppiger und grüner als auf manchen der Bilder zu sehen ist. Weitere Brasilien-Videos findet Ihr auf Jörgs YouTube-Kanal.

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Gesundheitstipps

Regel Nummer eins: stets Wasser und Sonnencreme bei sich tragen. Helle Kleidung, Kopfbedeckung sowie gute Turn- oder Wanderschuhe gehören ebenfalls zur Grundausrüstung. Insgesamt ist die Chapada Diamantina ein sicherer Ort zum Wandern und Sport treiben. Trotzdem sind Vorsicht und Respekt gegenüber Flora und Fauna geboten. In seltenen Fällen kann Gefahr von Tieren ausgehen, am ehesten durch Bienen oder Schlangen. Allergiker sollten ihnen bekannte wirksame Antihistaminika mitbringen. Auf jeden Fall sollte man bei jeder längeren Tour einen erfahrenen Guide an seiner Seite haben.

Übernachtung

Lençóis hat eine große Auswahl an guten Unterkünften für jeden Geldbeutel. Traditionell gibt es hier hervorragende Frühstücksbuffets. Alle empfohlenen Unterkünfte bieten gratis WLAN.

Umweltfreundlich und komfortabel: die Pousada Vila Serrano © Brasilien Insider

Pousada Vila Serrano, Rua Alto do Bonfim. Wer sich etwas Besonderes gönnen möchte, sollte es hier tun! Traumpousada des sympathischen Zürchers Chris in wunderschöner, ruhiger Gartenlage. Die Häuschen sind im Kolonialstil und nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut. Die geschmackvoll eingerichteten Zimmer verfügen über einen hübschen Holzbalkon mit Hängematte, Klimaanlage, Ventilator und Moskitonetze. Ein weiteres Bonbon ist das erstklassige Frühstück, für das die Vila Serrano überregional bekannt ist.

Relaxen nach schweißtreibender Wanderung im Pool der Vila Serrano © Brasilien Insider

Wer mag, kann abends in einem wunderbaren Whirlpool entspannen – tagsüber ist dies an dem neuen großen Pool möglich, der eine Sicht auf die Dächer von Lençóis sowie ein gewärmtes Sprudelbad und einen kleinen Wasserfall bietet. An der Pool-Bar lässt sich hier nach dem Tagesausflug wunderbar erfrischen. Sehr praktisch ist für Gäste zudem die zum Haus gehörende deutschsprachige Reiseagentur Brasilien Adventure. Hier könnt Ihr euch direkt beraten lassen und eure Ausflüge planen. Außerdem gibt es ein Restaurant sowie eine Tauschbibliothek, und ein Computer steht zur kostenlosen Benutzung zur Verfügung. Kontakt auf Deutsch möglich per E-Mail . Pousada Vila Serrano buchen.

Kleines Dorf im Grünen: Vila Serrano © Brasilien Insider
Großer Garten © Hotel Canto das Águas

Hotel Canto das Águas, Av. Senhor dos Passos 1. Von den großen Hotels am Ort ist dies das Beste. Ein absoluter Trumpf ist der herrliche Pool in einem wunderschönen Garten mit loungeartigen Liegeflächen und Blick auf den herabstürzenden Fluss. Zimmer gibt es in mehreren Preisklassen, besonders nett sind natürlich die mit Flussblick (Typ „Canto do Rio“). Das Hotel ist sehr engagiert im Umweltschutz und wurde als erstes nachhaltiges Hotel Brasiliens zertifiziert. Außerdem ist es Mitglied der exklusiven Hotelgruppe Roteiros de Charme. Auch wer hier nicht logiert, sollte zumindest einmal das exzellente Restaurant Azul besuchen (siehe Essen)! Hotel Canto das Águas buchen.

Ein fantastischer Pool umgibt das Hotel © Hotel Canto das Águas
Künstlerisch und zentral gelegen © Estalagem Alcino

Estalagem Alcino, Rua General Viveiros 139. Der Künstler Alcino hat das Haus anhand eines alten Fotos aus Ruinen rekonstruiert. Entstanden ist eine schöne Pousada mit einladendem Aufenthaltsbereich, gusseiserner Wendeltreppe und alten Möbeln. Ein Paradies für Antiquitätenliebhaber. Einige Zimmer ohne Bad, aber es gibt genügend auf dem Flur. Fantastisches Frühstück (sehr lecker die Tapioca-Suppe). Estalagem Alcino buchen.

Nette rustikale Anlage © Pousada Canto no Bosque

Pousada Canto no Bosque, Loteamento do Ribeirão (15 Minuten vom Zentrum). Nette Pousada in einer tropischen Parkanlage, die sich über 12.000 m² erstreckt. Hübscher Pool, alles ist ruhig, schattig und kühl. Die zehn Zimmer stehen auch Gruppen zur Verfügung. Abholen vom Bus nach Absprache ist möglich. Restaurant. Deutsche Besitzerin. Pousada Canto no Bosque buchen.

Frühstück inmitten eines großen tropischen Gartens © Pousada Canto no Bosque

Essen und Nachtleben

Die Rua das Pedras und die Rua da Baderna sind die klassischen „Ausgehmeilen“ von Lençóis. Etliche Bar-Restaurants stellen abends ihre Tische aufs holprige und abschüssige Kopfsteinpflaster, während die Gäste versuchen, auch nach diversen Likören nicht das Gleichgewicht auf den wackligen Klappstühlen zu verlieren. Es geht lustig zu und Straßenmusikanten geben ihr Bestes.

Kulinarisches Highlight: Azul © Hotel Canto das Águas

Azul, Av. Senhor dos Passos 1, im Hotel Canto das Águas. Großartiges Ambiente! Hier diniert Ihr bei Kerzenlicht mit Flussblick und genießt dabei die beste Küche der Chapada: Pato Confit, die gebratene Ente an klassischer Orangensoße, ist ein Gedicht. Zum Nachtisch empfiehlt sich der Petit Gâteau mit Eis – allerdings nichts für Linienbewusste!
tgl. 12–22 Uhr

Idyllisches Gartenlokal © Cozinha Aberta

Cozinha Aberta Slow Food, Rua Rui Barbosa 42. Romantisches Fusion-Restaurant mit netter Terrasse in Flussnähe. Besitzerin Deborah serviert hervorragende thailändische, indische, italienische und ungarische Gerichte. Tipp: Roupa Velha („alte Klamotten“), sonnengetrocknetes Fleisch mit rotem Reis und Kochbananenpüree, danach Kardamom-Eis mit Brownie unterlegt an Passionsfruchtsoße.
tgl. 12.30–22.30 Uhr

Legendäre Happy Hour © El Jamiro

El Jamiro, Rua da Baderna 60. Lässiges Lokal, dessen Name auf die englische Band Jamiroquai zurückgeht. Zur Happy Hour zwischen 17 und 19 Uhr mixen Max und Laura aus Buenos Aires leckere Cocktails zu klasse Musik. Danach solltet Ihr unbedingt die Hausspezialität Picanha Argentina mit Chimichurri-Soße probieren.
Mo–Sa 17–24 Uhr

Beliebter Anziehungspunkt im Zentrum von Lençóis © El Jamiro
Spezialität des Hauses: Torten © Café Ba-Cana

Café Ba-Cana, Rua Urbano Duarte 60. In dieser Kaffee-Bar gibt’s warme Küche für Nachtschwärmer. Am Herd steht der Österreicher Peter und serviert seinen Gästen nach durchzechter Nacht ein kräftiges Gulasch und Spinatserviettenknödel. Danach zum Abrunden eine Schwarzwälder Kirschtorte. An Wochenenden ab 22 Uhr Livemusik (unter anderem Forró und MPB).
Di–So 12–2 Uhr

Urige Einkehr zu jeder Tageszeit © Café Ba-Cana

Praktische Tipps

Einkaufen

Dois Irmãos, Praça Horácio de Matos. Outdoor-Equipment, Trekkingschuhe.
tgl. 8–14, 16–22 Uhr

Feste

  • Die Festa dos Passos (23.1.–2.2.) findet unter lautstarken Gebeten, Knallern und viel Blasmusik statt. Bis zum Morgengrauen spielen unterschiedlich gute Livebands, Ohrenstöpsel gehören dringend ins Reisegepäck! Lärmempfindliche Reisende sollten sich ernsthaft überlegen, ob sie in der Woche der Festa dos Passos überhaupt den Weg nach Lençóis antreten, oder nicht lieber zu einer ruhigeren Zeit kommen möchten.
  • Auch nicht gerade leise, aber sehr viel kürzer und auch animierender zum Mitmachen ist das farbenfrohe Fest São João (23./24. Juni). Wer gerne Forró tanzt, oder einfach gerne den bunten Feierlichkeiten zusieht, ist dann natürlich goldrichtig!
  • Weiterhin bei der Reiseplanung zu bedenken ist das Festival de Lençóis, das zuletzt im September oder Oktober stattfand: An mehreren Tagen gibt es kostenlose Livemusik, die Straßen sind proppenvoll und alle Pousadas bis Seabra ausgebucht. Dieses Datum entweder frühzeitig gezielt aufsuchen oder weiträumig umgehen.
Während der Festa dos Passos sind Ohrenstöpsel und gute Nerven unabdingbar © Brasilien Insider

Geld

  • Banco do Brasil, Praça Horácio de Matos 56.
    Mo–Fr 9–13 Uhr
  • Bradesco, Rua Francisco Melo.
    Mo–Fr 8–17 Uhr; Geldautomaten beide tgl. 6–22 Uhr, kein Geldwechsel

Informationen

Secretaria de Turismo, Av. 7 de Setembro 35.
Mo–Fr 8–12, 13–20, Sa, So 8–12, 16–20 Uhr

Lehrreiche Informationen enthält das im Ort erhältliche Buch A Visitor’s Guide to the Chapada Diamantina Mountains von Roy Funch. Eine gute Wanderkarte (1:100 000) gibt es von Trilhas e Caminhos.

Transport

Nahverkehr

  • Mototaxi: R$4/Fahrt. Diego, Tel. 75/999 425 009.
  • Taxi: R$15–20/Fahrt. Hélio, Tel. 75/998 431 038.

Fernverkehr

Flüge

Aeroporto de Lençóis (LEC). Azul fliegt Donnerstag und Sonntag von/nach Salvador.

Busse

Anfahrt von Süden (ohne über Salvador zu fahren): Nachtbus zum Beispiel ab Ilhéus um 22 Uhr mit Águia Branca nach Feira de Santana, Ankunft ca. 6 Uhr. Weiterfahrt gegen 8.20 Uhr mit Rápido Federal.

Ziele außerhalb der Chapada

Ziele in der Chapada

  • Capão: zunächst bis Palmeiras: Rápido Federal (oft verspätet), tgl. 4.30, 13.30 und 19.30 Uhr, 1 Std., R$11. Von da unregelmäßige Sammeltaxis (45 Min., R$15), Exklusivfahrt ab R$150.
  • Andaraí und Mucugê: zuerst mit Taxi nach Tanquinho (R$80), dort Emtram-Bus auf Durchfahrt abwarten, Mo–Sa ab 9 Uhr (oft verspätet), 1 bzw. 2 1/4 Std., R$ 19/24. Nach Igatu von Andaraí mit Taxi (R$100). Alternativ mit Tourveranstalter zum Poço Encantado oder Poço Azul und vor Ort bleiben, Rücktransfer vereinbaren.

Busse ab Feira de Santana

Von Lençóis Richtung Süden oder Norden ist es oft schneller, in „Feira“ umzusteigen (Salvador-Bus von Lençóis 4–5 Std.):

 

Das faszinierende Vale do Capão galt lange als Geheimtipp. Schwerer zu erreichen als Lençóis, liegt es abseits des Weges und ist doch touristisch gut erschlossen. Es gibt Pousadas aller Preisklassen, Restaurants, Tour-Guides und „Natur pur“ vor der Haustür. Hier haben sich alternativ denkende Brasilianer und europäische Aussteiger niedergelassen, oft mit einem Hang zu Esoterik oder Astrologie. Treffpunkt ist das kleine Dorf Capão (offiziell Caeté-Açu). Die Häuser und Pousadas sind weit verstreut und nicht immer leicht zu finden. Das Tal lässt sich von Lençóis aus in einer strammen Tageswanderung erreichen (25 km, 6–8 Stunden). Für sportlich weniger Ambitionierte gibt es öffentliche Verkehrsmittel (siehe Transport).

Ausflüge

Capão ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen aller Art. Die beliebteste Tour führt zum Wasserfall Cachoeira da Fumaça, eine der bekanntesten Attraktionen des gesamten Nationalparks, sowie dem Cachoeira do Riachinho, einem Wasserfall mit natürlichem Schwimmbecken.

Durchtrainierte Naturen können von hier aus herrliche mehrtägige Touren ins abgeschiedene Vale do Paty und bis nach Andaraí unternehmen, beides nur mit Guide. Touren lassen sich über die Pousadas organisieren oder über die Agentur Tatu na Trilha Ecoturismo, die ein Büro im Dorfzentrum sowie eine einfache Herberge betreibt.

Trekkingtouren ins wunderbare Vale do Paty starten sowohl in Lençóis als auch in Vale do Capão © Brasilien Insider

Übernachtung

Veranda mit Blick ins Grüne © Villa Lagoa das Cores

Villa Lagoa das Cores, 3 km vom Zentrum. Es ist herrlich, hier nach einem langen Wandertag anzukommen, denn für die Entspannung ist gesorgt: Im 30 Hektar großen Garten gibt es unter anderem einen Aussichtspunkt, eine indianische Steinsauna und einen wunderbaren Pool mit chlorfreiem Wasser. Ein ganz besonderer Trumpf ist die verglaste Dampfsauna (“Sauna panorâmica”) hoch in den Baumwipfeln. Die kleinen und sehr gemütlichen Zimmer haben Klimaanlage und duftende Kräuterkissen, von der Veranda bietet sich ein großartiger Blick auf die Berge. Eine Bibliothek, Fernsehraum und ein Restaurant mit Kamin sind weitere Rückzugsorte dieser umweltfreundlichen und abgeschieden in der Natur gelegenen Pousada. Zum Zentrum lässt man sich am besten ein Mototaxi (R$10) oder Taxi (R$60 hin und zurück) rufen. Villa Lagoa das Cores buchen.

Tolle Idee: Sauna in den Baumwipfeln © Villa Lagoa das Cores
Stimmungsvolle Bibliothek © Pousada do Capão

Pousada do Capão, 3 km vom Zentrum. Diese nette Alternative bietet ebenfalls Abgeschiedenheit in der Natur und eine tolle Aussicht aufs Tal. Sehr beliebt bei den Gästen ist das Naturschwimmbad, außerdem gibt es eine Sauna, Restaurant und gemütliche Aufenthaltsbereiche, darunter eine Bibliothek. Die Zimmer sind in mehreren Kategorien verfügbar, die besten von ihnen besitzen auch die schönste Aussicht. Ein Taxi ins Zentrum kostet ungefähr R$30. Pousada do Capão buchen.

Ein Bad mitten in der Natur © Pousada do Capão

Essen

Capão Grande Pizzaria Integral, bei der Dorfkirche. Der Schweizer Thomas verfährt nach der Strategie „weniger ist mehr“, er hat zwei Sorten vegetarische Holzofen-Pizza: Integral mit dunklem Teig und Möhren sowie Banana (sehr knuspriger Teig). Dazu selbst gemachten Mel com Pimenta (Honig mit Pfeffer).
Mi–Mo 16–23 Uhr

Comida Caseira Dona Beli, Zentrum. Hausmannskost zu fairen Preisen. Prato Feito mit Salat, Ei, Fleisch, Gemüse, Reis und Bohnen.
tgl. 12–20 Uhr

Transport

Nicht ganz einfach, etwas Flexibilität mitbringen (oder genug Geld für Taxis). Im Ort fahren Mototaxis (R$6–25), zum Beispiel Samiro, Tel. 75/3344 1361, oder Alexandre, Tel. 75/3344 1306.

Die 20 km lange Piste nach Palmeiras wird von zwei alten Ford bedient (9.30 und 20.30 Uhr, 45 Min., R$15), reservieren über Lanchonete Dreger, Tel. 75/3344 1025.

Busse ab Palmeiras: Nach Salvador über Lençóis: tgl. 7.40, 12.25 und 22.40 Uhr, 8 bzw. 1 Std., R$94/11. Nach Brasília: Mit Van um 13 Uhr nach Seabra, dort Anschluss tgl. 16 Uhr.

 

Das 1000 m hoch gelegene Mucugê gilt als Geburtsort der Chapada Diamantina: Hier soll 1844 der erste Diamant gefunden worden sein. Im 19. Jahrhundert war es die wichtigste Stadt der Region und zählte eine Zeit lang sogar mehr Einwohner als São Paulo (30.000). Heute ist der beschauliche Ort mit nur noch 9200 Einwohnern eine gefällige Ausgangsstation für Touren in die südliche Chapada, dabei geht es deutlich ruhiger zu als in Lençóis. Im Zentrum mit den pastellfarbenen Kolonialhäusern gibt es mehrere kleine Plätze mit Bars und Restaurants.

An der Praça do Garimpeiro steht eine Freilichtbühne für Musik- und Theateraufführungen, gleich nebenan ein lebendiger Bar- und Kneipen-Komplex. Auffälligstes Denkmal aus der Diamantenzeit ist der am Fuß eines Berges angelegte Friedhof Cemitério Santa Izabel, der abends effektvoll beleuchtet wird und aus der Ferne wie eine weiße Mini-Totenstadt wirkt. Obwohl die Gräber sich stilistisch unterscheiden, wird das Gesamtensemble oft als „byzantinisch“ bezeichnet.

Beeindruckender, blendend weißer Friedhof in Mucugê © Brasilien Insider

Touren

Von Mucugê aus lassen sich hervorragende Tagestouren unternehmen, vor allem zum Wasserfall Buracão, eines der schönsten Ausflugsziele der Chapada Diamantina überhaupt, und zu den Marimbus-Sumpflandschaften bei Andaraí (siehe Lençóis). Sehr eindrücklich ist auch ein Besuch des kobaltblauen Höhlensees Poço Encantado (Eintritt R$30, keine Kinder unter 12 Jahren) sowie des „blauen Sees“ Poço Azul, in dem auch gebadet werden darf. Für den Abstieg ist etwas Klettergeschick nötig (Eintritt R$30).

Auch das 4 km vor Mucugê liegende Projeto Sempre Viva, in dem die vom Aussterben bedrohte endemische Sygonanthus Mucugensis gezüchtet wird, ist sehenswert. Die Blume, die nur über 1000 m Höhe wächst, zählte 1974 bis 1996 zu den teuersten Pflanzen der Welt und wurde in großem Stil nach Europa exportiert. Neben einem Forschungszentrum befinden sich hier auch das Museu Vivo do Garimpo (Geschichte des Diamantenabbaus) sowie einige Wasserfälle.
tgl. 8.30–17.30 Uhr, Eintritt R$10

Beliebte Sehenswürdigkeit: der Höhlensee Poço Encantado © Brasilien Insider

Touranbieter

Natureza Insight, Rua Dr. Rodrigues Lima 156, E-Mail . Touren unter anderem zum Poço Encantado, Poço Azul und Buracão.
Di–So 14–21 Uhr

Der Wasserfall Buracão

Magisch schön: Schwimmend den Wasserfall erreichen © Brasilien Insider

Der bei Ibicoara liegende Wasserfall Buracão („das große Loch“) ist eines der spannendsten Ausflugsziele der Chapada Diamantina. Am einfachsten ist er über Touranbieter von Mucugê oder als Zweitagestour von Lençóis zu besuchen. Alternativ ist die Fahrt auch per Mietwagen machbar, allerdings ist dafür fahrerische Übung nötig. Selbstfahrer sollten in Mucugê um 8 Uhr starten. Zunächst geht es eine Stunde 80 km auf der ordentlichen BA-142 bis zur Ortschaft Ibicoara, wo Ihr euch einen Guide suchen müsst, dies ist Voraussetzung für den Parkzutritt (Kosten etwa R$132/Tag für zwei Personen mit eigenem Fahrzeug). Empfehlenswert sind beispielsweise der englischsprachige Luciano Nunes oder auch Sabrina von Bicho do Mato Turismo, Av. Nathan Aguiar 248; weitere Guides über ACVIB, Tel. 77/991 031 685, zum Beispiel Romero (Englisch).

In kleineren Nebenfällen duschen © Brasilien Insider

Von Ibicoara führt eine von Schlaglöchern und Spurrillen übersäte Piste (29 km, 1 1/4 Stunden) hinauf zum Parkeingang (R$6 pro Person) und weiter zum Parkplatz, dem Ausgangspunkt der Wanderung. Die ersten 3 km (45 Minuten) verlaufen meist auf ebener Strecke mit nur kurzen Kletterpassagen, der folgende Abstieg (10 Minuten) enthält den einzigen schwierigeren Teil des Treks. Am Fluss werden Schwimmwesten vergeben, Mutige springen von einem 4 m hohen Felsen ins Wasser (vom Guide die richtige Stelle zeigen lassen!), die anderen klettern über Steine. Von hier schwimmt man durch einen schmalen Canyon zwischen 80 m hohen Steilwänden Richtung Wasserfall. Das Wasser ist erfrischend kühl und wirkt wegen der Gerbstoffe des organischen Materials (Blätter, Wurzeln usw.) teefarben. Bei höherem Wasserstand muss man evtl. gegen eine Strömung schwimmen.

Der Buracão von oben © Brasilien Insider

Am Ende des Canyons eröffnet sich ein großes Becken, in das der majestätische Buracão aus 85 m Höhe hinabstürzt. Man kann bis kurz vor den Wasserfall schwimmen, hinter die Wasserwand kriechen (vom Guide den Weg zeigen lassen) und durch den Wasserschleier hindurch springen. Auf den Felsen liegend genießt man das spektakuläre Panorama. Gegen 15 Uhr wird der Rückweg angetreten, der oft noch zum oberen Rand des Buracão (schöne Fotos) führt, sowie zu einer Stelle mit zwei kleineren Wasserfällen (Cachoeira das Orquídeas, Rückenmassage). Wer hier übernachten will, findet bei Portal dos Avataras, Barrinha do Mel, 4 km von Ibicoara, einen Hort, in dem selbst Krishna sich wohlfühlen würde. Gutes Frühstück, schöner Garten.

Um zum Wasserfall Buracão zu kommen, müsst Ihr erst mal durch einen Canyon schwimmen © Brasilien Insider

Übernachtung und Essen

Pousada Monte Azul, Av. Antonito P. Medrado 3. Bunt dekorierte Zimmer, teilweise mit Aussicht auf den nahe gelegenen Friedhof. Reichhaltiges Frühstück, der nette Besitzer spricht etwas Deutsch. Pousada Monte Azul buchen.

Pousada Mucugê, Rua Dr. R. Lima 30. Gute Adresse, im vorderen Haus hübscher Kolonialstil, im Anbau 30 renovierte Zimmer. Pool und Garten. Pousada Mucugê buchen.

Pizza da Garagem, Rua do Caetité 113. Der Italiener Max hat seine Garage verlassen und ist in ein gemütlicheres Lokal umgezogen. Hier backt er die beste Pizza der Stadt zum Einheitspreis, sie reicht locker für zwei Personen. Ein vor Ort gebrautes Weißbier, India Pale Ale oder Stout rundet den Pizzeriabesuch ab.
tgl. 18.30–22 Uhr

Dona Nena, Rua Prof. Honório Pina 140. Beste Adresse für regionale Küche. Einfach durchs Wohnzimmer von Dona Nena schreiten und schon kann man sich im Innenhof an sonnengetrocknetem Fleisch mit Zwiebeln, Kürbispüree und gehäckseltem Kaktus satt essen. Am Sonntag gibt’s Feijoada.
So–Fr 11.30–15 Uhr

Praktische Tipps

Geld

Banco do Brasil, Praça Cel. Propércio.
Mo–Fr 9–13, Geldautomat Mo–Fr 9–16 Uhr

Einkaufen

Trilhas e Caminhos, Rua Dr. Rodrigues Lima 172. Regionale Andenken und gute Karten zur Chapada. Der freundliche Besitzer und Kartograph Roberto Sapucaia ist fundierter Kenner der Gegend und gibt gerne Auskunft (Port.).
Mo–Sa 9–12, 16–21, So 10–12 Uhr

Transport

Busse

Nach Lençóis (über Tanquinho) und Ibicoara gibt es nur sehr unzuverlässige Verbindungen. Novo Horizonte und Emtram fahren angeblich dann und wann, konnten aber keine genauen Zeiten nennen. Aktuelle Infos am besten bei Senhor Gordinho von Emtram einholen.

Salvador: Cidade Sol, Mo–Sa 4.30, So 20 Uhr, 9 Std., R$100.

 

Wie vor 150 Jahren: das Dorf Igatu © Brasilien Insider

Die beeindruckendsten Spuren des Diamantenbooms finden sich im 800 m hoch gelegenen Igatu. In dem kleinen Dorf leben heute nur noch knapp 400 Menschen und alleine dort hinzukommen ist eine Herausforderung. Von Andaraí schlängelt sich eine äußerst prekäre Straße bestehend aus gröbsten Pflastersteinen 7 km hinauf in den von der Außenwelt scheinbar vergessenen Ort. Auch heute besteht hier noch alles aus Stein und Fels, sodass das Dorf oft als Filmkulisse dient. Igatu zu besuchen, ist wie eine kleine Reise in die Vergangenheit.

Felsige Landschaft und historische Mauerreste umgeben das Dorf Igatu © Brasilien Insider
Steinruinen mit Traumaussicht © Brasilien Insider

Vom geruhsamen Zentrum aus gelangt Ihr vorbei an der Igreja São Sebastião und einer Eukalyptusallee zu einem byzantinischen Friedhof und kurz danach zu den Ruinen der ehemals boomenden Minenstadt Xique-Xique. Von sehr Verwegenen wird sie gelegentlich vollmundig als „brasilianisches Machu Picchu“ bezeichnet, aber dieser Vergleich ist natürlich in keiner Weise angemessen. Dennoch ist es ein interessanter und friedlicher Ort. Die Steinruinen erinnern an den damaligen Wohlstand der Kleinstadt, die in ihrer Blütezeit bis zu 6000 Einwohner zählte. Das gesamte Panorama ist jedenfalls bezaubernd, und das Schönste ist fast der unendlich weite Blick auf die Tiefebene des in der Nähe entspringenden Rio Paraguaçu.

Verwunschene Atmosphäre beim byzantinischen Friedhof © Brasilien Insider
Erinnerungen an den Diamantenboom © Brasilien Insider

Ganz in der Nähe trefft Ihr ein Stück weiter auf die moderne Galeria Arte & Memória. In einem Freilichtmuseum sind hier etliche Objekte aus der Diamantenzeit in Glasvitrinen zwischen den Überresten der alten Stadt ausgestellt. Außerdem gibt es einen Ausstellungsraum für Gegenwartskunst sowie ein Café mit leckeren Crêpes.
Di–So 9–18 Uhr, Eintritt R$5

Freiluftmuseum in der Galeria Arte & Memória © Brasilien Insider
Führung durch alte Diamantenmine © Brasilien Insider

Wer den harten und gefährlichen Alltag der Garimpeiros nachvollziehen möchte, kann sich im alten Diamantenstollen Mina Brejo-Verruga auf Spurensuche begeben. Ehemalige Schürfer führen Besucher tief in die Mine hinein, unterwegs begegnet man einer Reihe von aufgebahrten Lehmfiguren, von denen jede einen der verstorbenen Kollegen repräsentieren und ehren soll. Der Stollen befindet sich knapp 10 Gehminuten außerhalb des Zentrums, man findet ihn gleich hinter dem Fußballplatz (Eintritt R$10).

Sportplatz vor Felsen am Ortsrand von Igatu © Brasilien Insider

Touren

Nach Andaraí führt ein alter Goldgräberpfad (7 km, 2 Stunden), der schöne Aussichten bietet und einfach zu laufen ist. Im Ort angekommen, erfrischt man sich in der Sorveteria Apollo mit dem besten Eis der Chapada (Tipp: Cachaça mit Limone). Auch nach Mucugê führt ein Wanderweg (nur mit Guide).

Centro de Atendimento ao Turista (CAT), Praça José Gomes. Tour-Infos, vermittelt Guides (nach Ex-Garimpeiro Chiquinho fragen).
Mo–Fr 8–12, 14–17 Uhr

Übernachtung und Essen

Naturpool im Grünen © Brasilien Insider

Hospedagem Flor de Açucena, Rua Nova. Im märchenhaft anmutenden Garten sind die Zimmer harmonisch in die Felslandschaft eingebettet; alle besitzen TV, AC, Ventilator, Minibar und Moskitonetze. Zudem Naturpool, Spa mit kleinem Wasserfall, Gemeinschaftsküche und schöne Aussicht von der offenen Frühstücksterrasse. WLAN gratis. Hospedagem Flor de Açucena buchen.

Gemütliche Unterkunft im Zentrum von Igatu © Brasilien Insider

Água Boa, Rua Nova 13. Bar-Restaurant; besonders lecker ist die Moqueca de Tucunaré auf bahianische Art mit Kokosmilch (2 Pers.).
tgl. 10–21 Uhr

Krämerladen mit Seele

O Ponto, Rua 7 de Setembro. „Entre e compre alguma coisa“ – „Komm rein und kauf irgendwas“ steht auf dem Schild geschrieben. Wer der Einladung folgt, steht schon mitten in Amarildo dos Santos‘ Wohnzimmer, das zum Krämerladen umfunktioniert wurde. Wer nichts kaufen möchte, kann auch einfach auf seinem Sofa Platz nehmen und mit Amarildo ein Schnäpschen trinken. Dabei zeigt er seine handgeschriebenen Bücher, die von seinem Leben und den Einwohnern von Igatu erzählen. Wer hat wen geheiratet und wie viele Schwarz-Weiß-Fernseher gibt es noch im Ort? Dorflegende Amarildo lüftet alle Geheimnisse.
Mo–Fr 12–14.30, 17–22, Sa, So 8–22 Uhr