ESSEN UND TRINKEN

Meeresfrüchte auf brasilianische Art © Embratur
Macht definitiv satt: eine üppige Feijoada © Rio CVB

Brasilianische Gastronomie wird im Ausland oft gleich gesetzt mit dem Nationalgericht Feijoada – einem dicken Bohneneintopf, in den einst die Sklaven alles Fleisch mischten, welches bei den Herren übrig geblieben war. Bis heute enthält Feijoada alle nur denkbaren Fleischeinlagen vom Schweinsfuß bis zur Cabanossi-ähnlichen Wurst Calabresa – das gehaltvolle Ergebnis wird mit Apfelsinenstückchen und Grünkohl genossen und oft mit einem Gläschen Zuckerrohrschnaps oder einer Caipirinha herunter gespült. Aber so wie Deutsche nicht nur von Schweinsbraten mit Sauerkraut leben, essen auch Brasilianer beileibe nicht bloß Feijoada. Die gibt es traditionell – zumindest in Rio de Janeiro – nur am Wochenende.

Ansonsten wird im Riesenland Brasilien eine so reiche Vielfalt an gastronomischen Spezialitäten serviert, dass als gemeinsamer Nenner vielleicht Reis und Bohnen (arroz e feijão) dienen können – weil beides bei einem Großteil der Bevölkerung beinahe täglich auf den Tisch kommt. Ergänzt mit Fleisch, Geflügel oder Fisch und meist einem Salat sowie dem begleitenden Farofa (geröstetes und in Butter gebratenes Maniokmehl).

Zu dieser Basisnahrung gesellt sich je nach Region: Im Nordosten von afrikanischen Einflüssen geprägt, Fisch oder Fleisch in scharfen Chili- und frischen Kokossoßen, gewürzt mit Palmöl. Im Norden von der indianischen Kultur beeinflusst, Süßwasserfische und nahrhaftes Açaí-Fruchtmus, gewürzt mit Tucupi, einer aus Maniok hergestellten Spezialsoße. Im Süden, europäisch inspiriert Polenta und Grillfleisch.

Darüber hinaus gibt es besonders in Rio und São Paulo, aber auch in anderen Großstädten, brasilianische Spitzenköche, die allerbeste Haute Cuisine servieren.

TIPP: Ein Teller für Zwei

Die in Restaurants servierten Portionen fallen oft sehr üppig aus, ein Teller ist in vielen Fällen für zwei Leute ausreichend. Entsprechend wird bei Kartengerichten, die bereits für zwei Personen gedacht sind („para duas pessoas“), nicht selten noch ein dritter Esser satt. Je besser und teurer das Restaurant ist, umso höher ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass die edlen Kreationen nur noch sehr sparsam, d. h. für eine Person, portioniert werden.

 

Brasilianische Essgewohnheiten

Das Frühstück der Brasilianer variiert – je nach Region und Gesellschaftsschicht – zwischen nahezu europäisch (so auch in den besseren Hotels): mit Brötchen und Aufschnitt, frischen Früchten wie Papaya, Ananas und Mango, verschiedenen Kuchen, den indianischen Maniokpfannkuchen Tapioca, Eiern und frisch gepressten Säften, und bis zu rustikal-deftig mit dem gekochten Wurzelgemüse Maniok, dazu Fleischeintopf oder Eier und Würstchen und Kaffee, so üblich bei vielen Familien vor allem im Nordosten des Landes.

Das Mittagessen wird in Brasilien relativ früh serviert: schon ab 11.30 Uhr. Unterwegs gehen dazu viele Brasilianer in sogenannte Kilo-Restaurants. Manche bieten auch den Einheitspreis für „Essen-so-viel-man-kann“, der vor allem in Churrascarias üblich ist. Weil das sogenannte Rodízio dort so gut ankommt, haben es manche Pizzerien und andere Restaurants inzwischen übernommen.

Wer günstig essen will, kann sich mittags in vielen Restaurants ein Tagesgericht bestellen, das unter dem Namen Prato Feito (abgekürzt: PF), „Prato Executivo“ oder „Prato Comercial“ angeboten wird (und im Gegensatz zu den meisten Portionen nur für eine Person gedacht ist). Es besteht üblicherweise aus Reis, Nudeln, Bohnen und Salat, dazu Fleisch, Geflügel oder Fisch. Wenn das Ganze abgepackt zum Mitnehmen angeboten wird, nennt es sich „Quentinha“.

So sieht ein vegetarischer Prato Feito aus, hier genossen in Cumuruxatiba an der Walküste von Bahia © Brasilien Insider

Nachtisch gibt es in Form von Obst oder Obstsalat – oder im Ofen gebackenem Pudding mit hausgemachter Karamellsoße, sowie süßen Sahnecremes (Mousses) etwa mit Ananas, Passionsfrucht oder Limette. Der kleine Kaffee (Cafezinho) nach dem Essen ist in vielen Restaurants gratis – meist aber sehr stark gesüßt.

Abends wird eher spät gegessen – die meisten Restaurants füllen sich etwa ab 20–21 Uhr und werden dann zu einem zentralen Punkt des gesellschaftlichen Lebens in Brasilien.

Einer der für Brasilien typischsten Snacks ist ein meist am Strand an Spießen verkaufter Käse (Queijo Coalho na Brasa). Dieser wird von den Verkäufern direkt vor den Augen des Kunden auf einem tragbaren Grill geröstet – sehr lecker!

Kleine Schlemmerei am Strand: am Spieß gerösteter Käse ©Visit_Brazil_Flickr

 

Restaurants

Esslokale finden sich zahlreich in allen Varianten und Preisklassen. Für den Appetit zwischendurch bieten nahezu an jeder Straßenecke einfache Lanchonetes (Snackbars) oder Stände fliegender Händler frische Säfte und Sandwiches – oder Landestypischeres wie gefüllte Maniokpfannkuchen (Tapioca), in Öl frittierte gefüllte Teigtaschen (Pastel) oder mit Hühnerfrikassee oder Garnelenpaste gefüllte Pasteten (Empadas).

Die Bars und Kneipen nennen sich Botecos oder Botequins, sie haben zwei Gesichter: Tagsüber bieten sie oft günstige Tagesgerichte an, üblicherweise zwei oder drei Standardgerichte. Am Abend wird die Auswahl reduziert, dann gibt es nur noch Snacks wie Carne-de-Sol acebolada com farofa (gesalzenes Fleisch mit Zwiebeln und Maniokmehl), Bolinhos de bacalhau (Stockfischbällchen), Batata frita (Pommes frites), Aipim frito (gebackener Maniok, in einigen Landesteilen auch als Macaxeira oder Mandioca bekannt) usw.

Klassischer Bar-Snack: Aipim frito (gebackener Maniok) © Embratur

Für Fleischliebhaber, zu denen die Brasilianer mit Sicherheit zählen, gibt es die beliebten Churrascarias (Grillrestaurants). Hier kommen die Kellner im Minutentakt mit neuen Fleischspießen und verschiedenen frischen Fleischsorten an den Tisch und man kann essen, so viel man möchte. Diese Serviermethode nennt sich Rodízio. Beilagen werden extra bestellt und sind im Festpreis enthalten, ebenso ein großes Salatbuffet. Wer kein Fleisch mag: Es werden teils auch Fische gegrillt, und am Buffet findet sich in besseren Häusern oft auch Sushi. Vorsicht: Die feinsten Lendenstücke trägt der Kellner erst dann herbei, wenn die Gäste sich den Magen bereits mit den weniger edlen Fettteiggebäcken, Beilagen, Würstchen und anderen Fleischstücken gefüllt haben. Kenner lehnen mindestens die ersten vier Runden lang alles Angebotene ab und essen zwischendurch ein paar Scheiben frische Ananas, das soll die Verdauung erleichtern … Es ist üblich, sonntags in eine Churrascaria zu gehen und aus diesem Besuch die einzige Mahlzeit des Tages zu machen, da man anschließend quasi heraus gerollt werden muss. Am Sonntag sind die Preise folglich auch höher.

Klassiker: Der Besuch einer Churrascaria gehört zu einem Brasilien-Besuch wie die Caipirinha – hier bei Sal e Brasa in Natal © Brasilien Insider

In den vielen Kilo-Restaurants kann sich jeder nach Belieben seinen Teller am üppigen Buffet füllen. Bezahlt wird nach Gewicht. Diese Restaurants sind auch für Vegetarier eine interessante Option, da es dort immer reichlich Salate und frisches Gemüse von einheimischen Sorten wie Chuchú und Quiabo bis zu international bekanntem Blumenkohl und Brokkoli gibt. Vorsicht: Wer die Kilo-Restaurants gegen Ende der Mittagszeit aufsucht, findet manchmal nur noch eine spärliche Auswahl an Speisen vor.

Die ebenfalls vorhandenen Restaurants à la carte können unter Umständen ziemlich teuer sein. Vor allem in Rio de Janeiro und  São Paulo gibt es eine unglaubliche Anzahl exzellenter Restaurants mit internationaler oder brasilianischer Küche, die preislich auf europäischem Niveau oder darüber liegen.

Egal, wo man speist: 10 % Trinkgeld sind fast immer bereits im Endpreis enthalten. Zusätzlich dazu muss man nichts mehr geben. Auch Münzen sollte man nicht auf dem Tisch liegen lassen, das ist in Brasilien nicht üblich. Anders als in Europa braucht man auch nicht eilig den Tisch frei zu räumen, wenn man nichts mehr konsumiert.

 

Regionale Spezialitäten

Norden

Die Küche des Nordens ist bestimmt vom Fischreichtum der großen Flüsse (besonders empfehlenswert sind Tucunaré und Pirarucu – einer der größten Süßwasserfische überhaupt), einheimischen, teils endemischen Pflanzen und Früchten sowie den Rezepten der indianischen und anderen Flussrandbewohner.

Die Palmfrucht Açaí etwa, unter Sportlern als süße halbgefrorene Kraftmahlzeit bekannt, gehört in ihrer Originalversion als leicht salziges, lauwarmes Fruchtmus zu Fischgerichten. Beliebt als Beilage ist außerdem Pirão, ein aus Fischsud und eventuell Gemüse angerührter Brei, der mit Maniokmehl angedickt wird und sehr sättigend ist.

Wird besonders in Belém gerne zu Fisch gegessen: leicht salziges Açaí © Embratur
Besonders berühmt sind die Spezialitäten Pato no Tucupi, Ente mit einer sattgelben Soße, aus wildem Maniok und Jambublättern (einer Pflanze, die ein leichtes, angenehmes Taubheitsgefühl der Zunge bewirkt), sowie der säuerlich schmeckende Eintopf Tacacá, der außer Tucupi und Jambu noch Garnelen und Maniokstärke enthält und am Straßenrand in Kalebassen serviert wird.

 

Nordosten

Im Nordosten findet sich die Dürre der Wüste ebenso wie der Reichtum des Meeres. Im trockenen Hinterland bestimmen Fleischspezialitäten die Speisekarte: trotz des Namens nicht in der Sonne, sondern im Schatten getrocknetes, gesalzenes Rindfleisch Carne de Sol etwa, oder Allerlei von der Ziege, u. a. der gefüllte Ziegenmagen (Buchada de Bode). Dazu wird gerne Farofa gereicht: mit Zwiebeln und Kräutern angebratenes Maniokmehl. Typisch besonders im Interior ist auch Baião de Dois, eine Mischung aus Reis, Bohnen, Zwiebeln, Tomaten, Käse und frischem Koriander, die als Hauptgericht mit Sahne gegessen wird.

An der Küste, vor allem im Bundesstaat Bahia, wo einst der größte Sklavenhafen lag, sind die afrikanischen Einflüsse und der Anteil an Meerestieren bei den Gerichten größer. Viele Gerichte haben ihren Ursprung im Candomblé, der religiösen Vermischung von christlichen und afrikanischen Traditionen. So zum Beispiel der Lieblings-Snack der Baianos, das Acarajé, das ursprünglich eine rituelle Mahlzeit für die Göttin Iansã darstellte: kleine runde Küchlein aus gemahlenen hellen Bohnen, die in Palmöl frittiert und mit Tomate, Zwiebeln, geräucherten Minigarnelen und Vatapá (einem Mus aus Fisch, Krabben, Gewürzen, eingeweichtem Brot und anderen Zutaten) gefüllt wird. Die Acarajé-Bällchen werden besonders in Salvador überall an Straßenständen von Frauen in traditionellen Gewändern frisch zubereitet. Vorsicht, wenn von der Verkäuferin die Frage kommt, ob man es „heiß“ möchte (quente), es geht dann nicht um Temperaturen, sondern darum, wie viel von der höllisch scharfen Chilisoße sie darauf streichen soll. Eine Variante ist das Abará, das aus dem gleichen Teig besteht, aber gekocht und nicht frittiert wird.

Auch der Fischeintopf Moqueca de Peixe, der mit Kokosmilch im Tontopf gekocht und mit dem Öl der Dendêpalme gewürzt wird, ist ein für den Nordosten typisches Gericht. Oft werden dem Ganzen noch Krabben beigefügt (camarão e peixe). Wer es etwas magenfreundlicher ohne Dendê-Öl bevorzugt, fragt nach einem Ensopado.

Eine Moqueca reicht fast immer für 2-3 Personen, hier die köstliche Variante bei Vânia in Imbassaí an der Nordküste von Bahia © Brasilien Insider

In Fortaleza oder Natal sollte man die Gelegenheit nutzen, Languste (lagosta)und Shrimps (camarão gigante)zu günstigen Preisen zu essen. Die Brühe caldo de sururu (aus einem kleinen Weichtier) ist typisch für Maceió. Krebs (caranguejo) steht besonders häufig in Parnaíba, Aracaju und Fortaleza auf der Speisekarte. Dort kommen die Schalentiere ganz frisch auf den Tisch, in diesen Regionen liegen die größten Zucht- und Fanggebiete des Landes. Sie werden immer als Ganzes serviert, um den Panzer zu knacken und an das Fleisch zu gelangen, erhält man ein spezielles Hämmerchen.

Das typischste Gericht in São Luis ist Arroz-de-Cuxá com peixe (Reis mit Fisch, üblicherweise der delikate gelbe Seehecht). Cuxá ist eine Spezialität aus Maniokmehl, getrockneten Krabben, geröstetem Sesam – und das Wichtigste: Vinagreira, ein leicht säuerliches Strauchblatt, welches dem Cuxá die grüne Färbung verleiht.

Überall an den Stränden des Nordostens gibt es unzählige fische Fischarten, besonders als Snack geeignet ist der Mini-Schwertfisch Agulha, der so kross frittiert wird, dass man die Gräten mit essen kann. In allen Städten gibt es zudem die berühmte Tapioca, traditionell mit Käse oder Kokos gefüllt. Inzwischen finden sich auch zahlreiche äußerst raffinierte Variationen des aus leichtem Maniokteig hergestellten Pfannkuchens.

Aus der Zuckerrohr-Vergangenheit stammt eine flüssige Zwischenmahlzeit, die auf die Schnelle reichlich Energie liefert: Caldo de Cana, der Saft wird an nahezu jeder Straßenecke in ratternden grünen Pressen frisch aus dem Zuckerrohr gedrückt.

 

Zentraler Westen

In den trockenen Weiten des Cerrado wird gerne Arroz carreteiro gegessen; eine Art Risotto mit Trockenfleisch, Frühlingszwiebeln, Knoblauch und frischem Koriander. Außerdem zählt zum mittleren Westen auch das Überschwemmungsgebiet Pantanal, zu dessen kulinarischen Spezialitäten der Piranha gehört. Der grätenarme Fisch kann sowohl in Fischeintöpfen genossen werden, als auch im typischen Caldinho de Piranha: eine kräftigende Brühe mit ein wenig Gemüse und dem festen weißen Fleisch des berüchtigten Fisches – dem auch Potenz steigernde Wirkung nachgesagt wird. Weitere typische Speisefische der Region sind der Pacu und Pintado, außerdem isst man gerne das Fleisch von gezüchteten Kaimanen (Jacaré).

In Campo Grande lohnt es sich, nachts auf die Feira Central (Zentralmarkt) zu gehen, um dort eine Sobá zu probieren: eine von Einwanderern aus Okinawa mitgebrachte Brühe, die aus hausgemachten Sobanudeln, Schweinefleisch, Ingwer, Silberzwiebeln und Ei zubereitet wird.

 

Südosten

Dazu gehören die Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro mit ihren Gourmetrestaurants und Spitzenbistros: Hier gibt es nicht nur das beste brasilianische Essen, sondern auch internationale Küche von Italienisch bis Libanesisch. In São Paulo lässt sich eine besondere Vorliebe für Grillrestaurants, Churrascarias, beobachten. Sushi ist auch außerhalb des großen japanischen Viertels Liberdade inzwischen beliebt, ja fast zu einer nationalen Obsession geworden. Auch die besten Pizzas aus dem Holzofen und typische italienische Tascas findet man in São Paulo. Dabei ist zu beachten, dass die Pizzas in der Regel riesig und für 2–3 Personen gedacht sind. Praktisch hierbei ist, dass man meist jede Hälfte anders belegen lassen kann. Es bedarf schon einer gewissen Anstrengung, um in São Paulo schlecht zu essen.

In Rio de Janeiro ist die bereits erwähnte Feijoada zuhause – statt im Restaurant kann man sie sonntags auch bei der Karnevalsschule Mangueira essen: Damit wollen die Karnevalisten ihr Budget aufbessern, und liefern zum Essen kostenlos mitreißenden Samba und beste Stimmung im Saal. In Rios besseren und vor allem den Spitzenrestaurants, etwa dem Roberta Sudbrack – nach dem Namen der Chefin, die zuvor für Staatschef Fernando Henrique Cardoso gekocht hat – ist Reservieren unerlässlich. Spontan empfiehlt sich ein Besuch in einer der bei den Cariocas so beliebten Feierabend-Bars, dem Boteco oder Botequim, wo es Kleinigkeiten zum teils frisch gezapften Bier gibt. Typisch ist ein Tässchen voll Caldo de Feijão: Bohneneintopf mit ein paar Würfeln kross angebratenem Trockenfleisch Carne de Charque und einem Wachtelei.

Aus dem Bundesstaat Minas Gerais haben sich viele Spezialitäten bis nach Rio oder in den Rest des Landes verbreitet, so etwa Pão de Queijo, kugelrunde Brötchen aus Maniokteig mit geriebenem Käse, oder Torresmo crocante – knusprig gebratene Grieben. Auch sollte man Doce de leite (eine Milchsüßspeise) probieren sowie die verschiedenen Compotas de frutas (Früchtekompotts). Minas ist außerdem berühmt für seine edlen Cachaças, die zu den besten des Landes gehören.

 

Süden

Im Süden mischen sich die europäischen Einflüsse der Einwanderer; Anfang des 19. Jh. haben sich unter anderem Deutsche, Italiener, Polen, Schweizer und Österreicher von den Verlockungen des neuen Kontinents anziehen lassen. Deswegen sind vor allem im Landesinneren des deutsch geprägten Santa Catarina bis heute Sauerkraut und Rotkohl beliebte Beilagen. Die Entenart Marreco, gefüllt mit Innereien, gilt als besondere Spezialität, dazu Rotkohl (Repolho roxo) und – natürlich – Sauerkraut (Chucrute). Aber auch Eisbein und Kassler sind beliebt.

In Gramado hat Schweizer Fondue (mit Käse, Fleisch oder Schokolade) viele Liebhaber, und in Curitiba finden sich östliche Rezepte von Borschtsch bis zu Platzki (Kartoffelpuffer). Knödel, Spätzle und Goulasch heißen teils wie im deutschsprachigen Raum „Knodel“ oder „Gulash com spatzle“. Die Viehzüchter unter den Gaúchos in Rio Grande do Sul liefern feinstes Grillfleisch, und an der Küste von Santa Catarina kommen frische Austern, Muscheln, Garnelen, Langusten und Meeresfische auf den Tisch.

In Rio Grande do Sul ist es auch üblich, den sogenannten Chimarrão zu trinken: in einer kleinen Kalebasse gereichter Matetee, der durch eine Art Strohhalm in Löffelform laut geschlürft wird. Ursprünglich sollen Indios den spanischen Eroberern das Getränk serviert haben – bis heute wird es Besuchern angeboten.

 

Getränke

Säfte und Co.

Einer der Trümpfe Brasiliens: Köstliche frische Fruchtsäfte © Brasilien Insider

Frische Fruchtsäfte sind in Brasilien in jeder Snackbar und in allen Restaurants zu bekommen – allerdings neuerdings nicht mehr automatisch frisch aus der Frucht gepresst, sondern aus gefrorenem Fruchtmus (polpa) hergestellt. Welche Säfte wirklich frisch gepresst sind, ist leicht daran zu erkennen, welche Früchte über der Theke aufgehängt sind. Im Zweifelsfall immer ganz frisch: Orangensaft. Für europäischen Geschmack sind die Säfte meist zu stark gezuckert, vorsichtshalber schwach („com pouco açúcar“) oder gar nicht gesüßt („sem açúcar“) bestellen.

Neben Bekanntem wie Ananas (besonders erfrischend als Abacaxi com hortelã mit Minze), sind reichlich Unbekannte unter den einheimischen Früchten zu entdecken: Graviola, Mangaba, Cupuaçu, Acerola, Umbu oder Cajá, um nur einige zu nennen. Gegen den kleinen Hunger ist es üblich, den Saft statt mit Wasser mit Milch als gehaltvollere Vitamina zu mixen. Fruchtcocktails mischen etwa Möhre mit Orange, Papaya mit Orange oder Cajá mit Acerola, einfach durchprobieren! Als extrem gesund und Magenwohl bei einem Kater oder richtigen Krankheiten gilt das leicht süße, köstliche Wasser der grünen Kokosnuss, das in Strandbars und in den Städten an speziellen Kiosken direkt aus der eisgekühlten Nuss angeboten wird.

Es könnte schlimmer sein: Eine kühle Kokosnuss mit Blick aufs Meer © Brasilien Insider

Neben den international bekannten Softdrinks gibt es das brasilianische Guaraná – eine süße Limonade, die mit ihrem Namensgeber, der belebenden Amazonasfrucht Guaraná – weder geschmacklich, noch im Koffeingehalt zu tun hat (die beste Marke stammt von Antárctica). In den Bundesstaaten Ceará, Piauí und Maranhão wird außerdem Cajuína hergestellt, eine ohne künstliche Zuckerzusätze produzierte Limo, die tatsächlich nach der Frucht des Cashewbaums schmeckt.

Fast schon eine kleine Mahlzeit ist Açaí na Tigela, ein lilafarbenes, süßes Sorbet, das aus dem Fruchtfleisch der Açaí-Frucht zubereitet wird. Serviert wird es eiskalt in einem Schälchen, meist vermischt mit Guaraná-Sirup, Müsli (Granola) und geschnittenen Bananen. Da die Açaí-Frucht als äußerst energie- und kalorienreich gilt, ist sie besonders bei Sportlern en vogue.

Açaí für Fortgeschrittene: Die pure, cremige Version gibt’s bei Point do Açaí in Belém © Brasilien Insider

 

Alkoholisches

Bier
Eine Biersorte mit deutschem Namen © Brasilien Insider

Das brasilianische Bier ist allgemein leichter und süßer als das deutsche. Bekannte Marken sind die milden Sorten Antárctica und Brahma, die Pilsener Skol und Bohemia, das besonders leichte Billigbier Schin sowie die neueren Devassa, Itaipava und Eisenbahn. Dazu kommen viele weitere, vor allem regional vertriebene Biersorten, unter anderem das Draft Cerpa aus dem Norden und das bittere Schwarzbier Xingu, sowie das Dunkelbier Caracu, dem aphrodisische Wirkung nachgesagt wird.

Üblicherweise werden relativ preisgünstige 0,6-Liter-Flaschen serviert, die sich mehrere Leute teilen, neuerdings gibt es auch den Litrão (Einliterflasche). In teureren Lokalitäten ist eher die kleine Longneck (sprich: longinecki, 355 ml) verbreitet. Auch aus der schnöden Dose (Lata) kann man sein Bier trinken, vor allem an Straßenständen und in Kneipen, doch auch in besseren Restaurants gilt sie nicht zwingend als Fauxpas

Frisch gezapftes Chope ist relativ selten und in São Paulo und Rio noch am meisten verbreitet. Als hochwertig gilt es mit einer cremigen, weichen Schaumkrone.

In jedem Fall kommt das Bier immer eiskalt auf den Tisch (estupidamente gelada = blödsinnig kalt), teils ist die Flüssigkeit noch in der Flasche gefroren.

Lieblingsgetränk vieler Brasilianer: frisch gezapftes Chope, hier bei Casa Mia in Belém © Brasilien Insider

 

Aguardente

Der hochprozentige brasilianische Zuckerrohrschnaps Aguardente de Cana (Alkoholgehalt 38–54 Vol-%), bekannter als Cachaça oder Pinga, wie er kurz genannt wird, ist durch den erfrischenden Limonen-Cocktail Caipirinha schon lange auch in Europa bekannt. Er entstand als Nebenprodukt der Zuckerherstellung im 16. Jh. Erst später gelangte man zu dem systematischen Herstellungsprozess des Zuckerrohr-Suds, der gegoren und destilliert wird und anschließend reifen muss, seit mehreren Hundert Jahren wird er als Nationalgetränk produziert.

Große Marken sind etwa Pitú, 51 oder Sapupara (in Ceará). Darüber hinaus gibt es auch edlere Brände, die in Holzfässern reifen und wie italienischer Grappa als Aperitif gereicht werden. Die längere Reifedauer ist an der goldgelben Farbe und an den deutlich höheren Preisen erkennbar.

Cachaça wird auch mit Früchten zu Batidas oder zu Cocktails wie der besagten Caipirinha verarbeitet. Eine beliebte Variation ist Caipiroska (oder Caipivodka), die wie der Name schon sagt, mit Wodka gemacht wird. Gerne wird sie auch mit anderen Früchten kombiniert wie Erdbeere (Morango), Carambola, Lychee, Cashew (Caju), Banane, Maracuja oder Ananas (Abacaxi).

 

Wein

Besonders in Rio Grande do Sul, woher 90 % der brasilianischen Weine kommen, und im Vale do São Francisco im Nordosten produziert Brasilien Weine von guter Qualität, wie etwa den Miolo. Getrunken wird er – ebenso wie Produkte aus Argentinien und Chile – meist nur zum Essen und auch der Rotwein gekühlt.