ILHA DE MARAJÓ

Die "Büffelinsel" Marajó wartet auch mit einigen schönen Flussstränden auf © Brasilien Insider
Nicolas Stockmann, dein Insider für die Ilha de Marajó

Die Ilha de Marajó ist eine der größten Flussinseln der Welt und mit einer Fläche von 50 000 km2 größer als die Schweiz. Wie ein Pfropfen liegt sie vor der Mündung des Amazonas in den Atlantik. Auf Marajó waren einst Indianer zu Hause, deren Ursprünge zwar im Dunkeln liegen, deren Kultur jedoch zahlreiche Zeugnisse hinterließ. Bei der Keramik der Marajó-Indianer zum Beispiel soll es sich um die höchstentwickelte der gesamten präkolumbischen Kunst Brasiliens handeln. Die ältesten Funde stammen aus dem Jahr 1000 v. Chr. Besondere Aufmerksamkeit erregte die Entdeckung von Friedhöfen mit reich verzierten Graburnen und von Fundamenten terrassenförmig angelegter Städte. Manche der gewaltigen Behausungen konnten bis zu 20 Familien beherbergen.

Überblick

Auf dieser riesigen Flussinsel leben heute etwa 250 000 Menschen in 12 Gemeinden. Der Hauptort ist Soure. Hier, wie auch in den anderen größeren Ortschaften Salvaterra, Joanes und Camará, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Häufige Fortbewegungsmittel der einheimischen Bevölkerung sind Büffel. Der im 19. Jh. aus Südostasien eingeführte Wasserbüffel hat sich bestens angepasst, und die gesamte Landwirtschaft Marajós basiert auf ihm. Autos sind auf Marajó weniger verbreitet. Stattdessen bewegt man sich – neben dem erwähnten Büffel – vor allem mit Motorrad, Fahrrad, Pferd oder Kanu fort. Die östlichen Gemeinden lassen sich auch per Mietrad erkunden.

Sozusagen das Wappentier von Marajó: der Büffel © Brasilien Insider
Viel Natur an der Praia Grande in Salvaterra © Brasilien Insider

Die noch weitgehend unberührte Inselvegetation ist im Westen mit dichtem tropischem Regenwald, im Süden und Osten von Grassavanne bedeckt und fast menschenleer. Während der westliche Teil während der Regenzeit (Januar bis Juni) weitgehend unter Wasser steht, ist der Alltag im bewohnten östlichen Teil davon unbeeinträchtigt. Die Flüsse sind sehr fischreich mit riesigen Wels- und Barscharten. Außerdem existieren auf der Insel Tausende von Vogelarten, darunter Reiher, Tukan, Roter Ibis, Greifvögel und Kuckucksarten sowie Affen, Tapire, Kaimane und sehr selten auch Riesenschildkröten.

Die Strände auf Marajó sind meist feinsandig und schlammfrei. Während der Trockenzeit (August bis Dezember) vermischen sich hier Süßwasserströme mit dem Salzwasser des Atlantiks. Eine Alternative zum Badeurlaub sind „Ferien auf dem Bauernhof” auf einer Fazenda.

Typischer Strand auf der Ilha de Marajó, hier bei Salvaterra © Brasilien Insider

Soure

Ein hübscher Dorfplatz in Soure © Brasilien Insider

Die „Hauptstadt” von Marajó (25 000 Einwohner) wurde vor knapp 150 Jahren nach New Yorker Vorbild mit nummerierten Straßen konzipiert und bietet die beste Infrastruktur für einen Aufenthalt auf der Insel. Die „Ruas“ verlaufen dabei parallel zum Fluss, die „Travessas“ im rechten Winkel dazu. Von den Nachbargemeinden Salvaterra, Joanes und Camará wird Soure durch den Rio Paracauaí getrennt, der nur mittels einer umständlich operierenden Autofähre oder kleinen Personenbarken überquert werden kann. Falls die An- oder Abreise über Camará (also nicht direkt ab Soure) erfolgt, sollte ein ausreichender Zeitpuffer eingeplant werden.

Kirche im Zentrum von Soure © Brasilien Insider

Erkundet man den Ort über die geschäftigen Ruas 2, 3 und 4 hinaus, trifft man auf ein dörfliches Idyll mit viel Grün und spielenden Kindern. Etliche Wege sind noch nicht asphaltiert, und teilweise müssen Autos und Motorräder mitten auf der Straße stehende Bäume umkurven.

Dörfliche Idylle, nur ein paar Parallelstraßen vom Zentrum in Soure © Brasilien Insider
An der Praia do Pesqueiro, dem Hausstrand von Soure © Brasilien Insider

Neben den meisten Hotels, Restaurants und Bars der Insel liegen im Umkreis von 20 km auch zahlreiche attraktive Flussstrände. Besonders empfehlenswert ist ein Ausflug zur nahe gelegenen Praia Barra Velha (3 km), ein schöner und sauberer Strand mit teils kristallklarem, blauem Wasser, der über einen 350 m langen Steg durch Mangrovenwald erreicht wird. Am Strand bieten Barracas Água de Coco und Fischgerichte an. Zur Linken sieht man die sehr hübsche Praia de Araruna (4 km), ebenfalls umgeben von Mangrovenwäldern – sehr eindrucksvoll bei Niedrigwasser, wenn die Roten Ibisse auf ihren Bäumen sitzen und sich auf Krustentiere stürzen, die im Schlamm auftauchen. Die Praia do Pesqueiro (12 km) ist der Favorit der Einheimischen, viele Strandbars und Musik bestimmen das Bild. Alle Strände sind an den Wochenenden und im Juli sehr belebt, unter der Woche ist man dagegen oft fast für sich.

Salvaterra und Joanes

Die Praia Grande in Salvaterra © Brasilien Insider

Gegenüber von Soure, auf der anderen Flussseite, befindet sich Salvaterra (23 400 Einwohner), ein meist ruhiger Ort, der einen im Juli sehr belebten Party-Strand (Praia Grande, 1 km vom Zentrum) sowie ein paar Geschäfte, Restaurants und Hotels vorweisen kann. Der Anleger für die Boote nach Soure liegt ziemlich weit vom Zentrum entfernt (Mototaxi R$7). Für die Rückfahrt nach Belém stehen dieselben Optionen wie ab Soure zur Verfügung, der Van nach Camará muss vorab reserviert werden und kostet R$15 (25 Min.).

Wer es noch ruhiger möchte, fährt ein paar Kilometer weiter ins beschauliche Fischerdorf Joanes (1500 Einwohner). Hier befindet sich ein schöner Strand mit kleinen Fischrestaurants, ansonsten ist nichts los. Hauptanziehungspunkt ist die Pousada do Ventania Rio-Mar. Der öffentliche Transport ist prekär, man ist praktisch von Mototaxi oder Taxi abhängig.

Übernachtung und Essen

Gemütliches Zimmer in der Pousada O Canto do Francês © Brasilien Insider

Pousada O Canto do Francês, Rua 6, Ecke Trav. 8, Soure. Charmantes franco-brasilianisches Haus mit 10 gepflegten, modernen Zimmern (AC, TV), außen Veranda mit Hängematten, eine exzellente Option. Die Pousada bietet zudem Transfers zu den Stränden und Ausflüge mit eigenem Guide an (günstiger als Taxis), oft führt Besitzer Jean seine Gäste persönlich aus. Das gute Restaurant ist offen für Nichtgäste (Öffnungszeiten tgl. 11.30–14, 18–22 Uhr). Ein Pool im Garten ist in Planung. Pousada O Canto do Francês buchen.

Ruhige Lage mit schönem Garten: Chalê der Pousada O Canto do Francês in Soure © Brasilien Insider
Die Chalês der Pousada dos Guarás verteilen sich über eine große Gartenanlage © Brasilien Insider

Pousada dos Guarás, Praia Grande, Salvaterra (2 km vom Zentrum). Schon etwas ältere Pousada (1990) im Stil eines Ferienresorts mit ruralem Charme, direkt am Strand mit Pool, Restaurant und im Teich badenden Wasserbüffeln. Großzügiger Garten, die 50 Zimmer sind ziemlich schlicht, haben aber AC und eine schöne Veranda mit Sitzgelegenheit. Ausritte mit Büffeln und weitere Ausflüge (Soure, Joanes). Pousada dos Guarás buchen.

Pool mit Meerblick in der Pousada dos Guarás © Brasilien Insider
Üppiger Mittagsteller im Patú-Anú © Brasilien Insider

Nur einen Block von den Bootsanlegern in Soure liegt in der Rua 2, Ecke Travessa 14 (gegenüber der Prefeitura) das nette Bar-Restaurant Patú-Anú mit Außenterrasse. Hier bekommt Ihr einen günstigen und sehr reichlich servierten Prato Executivo (R$20–30). Sportfans freuen sich auch über die auf den Bildschirmen laufenden europäischen Fußballspiele, die hier auf Anfrage eingestellt werden können. Öffnungszeiten Mo–Sa 8–24, So 8–16 Uhr.

Liegt gleich beim Fähranleger: das Patú-Anú © Brasilien Insider

Einkaufen

Keramikherstellung

Auch Ketten und andere Souvenirs sind bei bei M’barayo Cerâmica erhältlich © Brasilien Insider

In der Trav. 23, zwischen Rua 12/13, führt Töpfer Ronaldo bei Arte Mangue Marajó vor, wie die kunstvollen indigenen Keramiken entstehen und erläutert die Symbolik der ansprechenden Stücke. Öffnungszeiten Mo–Sa 8–12, 14–18 Uhr. Dasselbe tut Carlos Amaral bei M’barayo Cerâmica (Trav. 20, zwischen Rua 3/4, 5 Min. zu Fuß von der Kirche). Carlos vom Stamm der Aruã (Spitzname Zuca) ist meist selbst anwesend, die Produktion der Keramiken findet nach alten indianischen Techniken statt, als Werkzeuge dienen unter anderem ein Wildschweinstoßzahn oder Rochenstachel. Sämtliche Stücke stehen auch zum Verkauf. Öffnungszeiten tgl. 8–12, Mo–Sa 14–18 Uhr.

Indigene Keramik bei bei M’barayo Cerâmica © Brasilien Insider

Lederherstellung

José Antenor erklärt den Prozess der Büffellederherstellung © Brasilien Insider

Den gesamten Fertigungsprozess von der frischen Tierhaut bis zum Endprodukt (Taschen, Sandalen, Gürtel, Armreifen, Ringe usw.) erläutern José Antenor und sein Sohn Antenor Júnior in ihrer Curtume Art Couro Marajó, Rua 1, Nr. 450 (außerhalb des Zentrums im Bairro Novo, Anfahrt mit Mototaxi R$5). Wer günstig hochwertige und langlebige Sachen aus Büffelleder erstehen will, wird hier fündig. Etwas skurril: Aus dem Hodensack hergestellte Handtaschen (kein Verkaufsrenner) und Peitschen aus dem knöchernen Penis der Tiere. Öffnungszeiten tgl. 8–12, Mo–Sa 15–19 Uhr.

Sandalen aus Büffelleder sind bei Curtume Art Couro Marajó erhältlich © Brasilien Insider

Praktische Tipps

Geld

Banco do Brasil in Soure © Brasilien Insider

Man kann inzwischen recht problemlos auf der Insel (in Soure) Geld abheben:

  • Banco do Brasil, Rua 3, zwischen Trav. 17/18. Öffnungszeiten tgl. 9–14 Uhr, Geldautomat 6–22 Uhr (alle Karten).
  • Bradesco, Rua 2, zwischen Trav. 15/16. Öffnungszeiten tgl. 9–14 Uhr, Geldautomat 24 Std. (alle Karten).

Informationen

Am Trapiche Municipal, dem Anleger des Schnellbootes von/nach Belém, befindet sich eine kleine Touristeninformation. Öffnungszeiten Mo–Fr 7.30–13.30, Sa 7.30–12 Uhr.

Ein paar Basis-Informationen sind bei der Tourist Info beim Schiffsanleger in Soure erhältlich © Brasilien Insider

Transport

Bootsverbindungen von Belém zur Ilha de Marajó

Modernes Schiffsterminal in Belém © Brasilien Insider

In Belém liegt das neue und klimatisierte Terminal Hidroviário an der Av. Marechal Hermes, am Ende der Av. Visconde de Souza ein Stück nach links. Zum Kauf der Tickets ist keine Agentur nötig – diese nehmen zum Teil happige Kommissionen – alle Karten sind bis kurz vor Abfahrt am Hafen erhältlich. Aktuelle Infos zu den Abfahrtszeiten erhaltet Ihr an den Schaltern.

Um zur Ilha de Marajó zu gelangen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Ein komfortables Schnellboot von Master Motors, Tel. 91/981 668 297, fährt direkt nach Soure und Salvaterra: Mo, Di, Do, Fr 8.15, Mi, Sa 8.40 Uhr, Fahrtdauer 2 bzw. 2 1/2 Std., R$48. Die Öffnungszeiten des Schalters sind Mo–Fr 6–14, Sa 6–10 Uhr.
  • Wem das zu früh ist, der kann auch mit einem Schnellboot von Banav Mo–Sa um 14 Uhr nach Camará fahren (R$35). Das Anschlussticket vom Hafen in Camará per Van nach Soure (R$13) und Salvaterra (R$8) könnt Ihr direkt an den Schaltern in Belém kaufen.
  • Banav und Arapari, Tel. 91/3241 4977, verkaufen außerdem Tickets für langsamere Personenschiffe nach Camará, Mo–Sa 6.30 und 14.30, So 10 Uhr, 3 1/2–4 Std., R$25.
Ankunft des langsamen Personenschiffs am späten Nachmittag in Camará © Brasilien Insider

Bootsverbindungen von der Ilha de Marajó nach Belém

Die „Golfinho I“ fährt direkt von Soure über Salvaterra nach Belém © Brasilien Insider

Auch zurück nach Belém gibt es wieder mehrere Optionen:

  • Das Schnellboot „Golfinho I“ von Master Motors fährt ab Soure über Salvaterra nach Belém: Mo–Sa 5.30 Uhr, 2–2 1/2 Std., R$48.
  • Langschläfer können auch ab Camará fahren. Von dort legen legen Schnellboote nach Belém tgl. um 7.30 und 14.30 Uhr ab, 2–2 1/2 Std., R$35.
  • Außerdem fährt ab Camará ein langsames Personenschiff tgl. um 15 Uhr, 3 1/2–4 Std., R$25.

Für den Transfer nach Camará müsst Ihr in jedem Fall vorab einen Van reservieren (Edgar Transportes). Alle nötigen Reservierungen kann die Pousada für euch vornehmen – aber mindestens 1 Tag im Voraus!

Transport auf der Insel

Autofähre zwischen Soure und Salvaterra © Brasilien Insider

Autofähren (Balsas) von Soure nach Salvaterra fahren 12 x tgl. (Sonntag 9 x) bis 19 (So 18) Uhr, Fußgänger dürfen gratis mit. Personenbarken (Rabetas) verkehren von dem kleinen Bootsanleger rund um die Uhr (R$2,50, Einzelfahrgäste R$5).

Um die Insel zu erkunden, ist ein Mototaxi das beste Verkehrsmittel (Fahrt innerhalb von Soure ca. R$5, bis Praia Barra Velha ca. R$8–10, bis Praia do Pesqueiro ca. R$12–15). Die Fahrer stehen an der Praça do Mercado, schräg gegenüber der Kirche.

Mototaxis warten in Soure an der Praça do Mercado © Brasilien Insider