ILHA GRANDE

Die Urwaldinsel Ilha Grande bei Rio de Janeiro ist eines der schönsten Reiseziele in Brasilien © Brasilien Insider/W. Rudhart
Britta Bastian und Nicolas Stockmann, deine Insider für die Ilha Grande

Die wunderschöne Ilha Grande ist die größte und am besten erschlossene der vielen Inseln in der Bucht von Angra dos Reis. Zu dem Archipel zählen 187 Inseln und kleine Landerhebungen. Mit 155 km Küstenlinie und etwa 113 Stränden wird sie jedes Jahr beliebter und ist eine gute Alternative zum etwas schickeren Búzios. Zusammen mit der an der Küste gelegenen Kolonialstadt Paraty bildet die Ilha Grande (9500 Einwohner) seit 2019 Brasiliens einziges gemischtes Weltkultur- und Weltnaturdenkmal der Unesco.

Lange Zeit war die Ilha Grande fest in der Hand von europäischen Piraten, besonders zwischen 1700 und 1770. Die vielen kleinen Buchten dienten als ideales Versteck, von hier aus überfielen die Seeräuber die reich mit Gold und Diamanten befrachteten portugiesischen Karavellen auf dem Weg von Paraty nach Lissabon, einige Wracks auf dem Meeresgrund zeugen noch davon.

Wegen solcher Buchten ist die Ilha Grande beliebt bei Touristen aus aller Welt © Brasilien Insider/W. Rudhart
Alte Gefängnisruinen auf der Ilha Grande © Brasilien Insider/W. Rudhart

Von 1903 bis 1994 diente die Insel fast ausschließlich als Gefängnissitz (Colônia Penal Cândido Mendes). Auch deswegen blieb die Natur hier recht unangetastet, heute sind 87 Prozent der Fläche geschützt.

Nach 80 Bootsminuten Überfahrt von Angra dos Reis (oder schneller: 45 Minuten von Conceição de Jacareí, siehe Transport) geht es in Vila do Abraão (3500 Einwohner) an Land, es ist praktisch der einzige Ort der Insel. Hier liegen fast alle Pousadas, Restaurants und Strandbars, besonders an der Rua da Praia. Das Publikum besteht zu einem großen Teil aus internationalen Backpackern, Brasilianer kommen mehr an verlängerten Ferienwochenenden, dann wird es übervoll. Autos sind verboten, man geht zu Fuß, wandert oder nimmt ein Boot.

Blick über den Inselhauptort Vila do Abraão © Brasilien Insider/W. Rudhart

Entlang der Costa Verde

Das erste Küstenbild nach einer Stunde Autobahnfahrt ab Rio de Janeiro macht dem Namen Costa Verde (“Grüne Küste”) oder auch Caribe Brasileiro sofort alle Ehre. Von den Hügeln der Serra do Mar zieht sich der Atlantische Regenwald bis dicht ans Ufer. Kaum sonstwo in Brasilien, wo bereits 93 Prozent der Küstenwälder vernichtet sind, ist er noch so intakt. Zwei zauberhafte Stunden schlängelt sich die Straße noch reizvoll zwischen Urwald und Meer entlang. Dann geht es, falls man nicht schon vorher von Conceição de Jacareí aus übergesetzt hat (empfehlenswert), von Angra dos Reis per Fähre oder Schoner zur Ilha Grande, der üppigsten Meeresinsel Brasiliens.

Angra dos Reis selbst lohnt keinen weiteren Aufenthalt, auch wenn viele Brasilianer davon schwärmen und manche Reiche hier ihre Luxusvillen und Jachten besitzen. Ab der Marina da Angra kann man Segelboote mieten und Küstentörns machen. Die Ilha Grande ist dagegen ein Muss, innerhalb des Bundesstaates Rio de Janeiro ist sie inzwischen das beliebteste Reiseziel von Backpackern aus aller Welt. Im Ort Vila do Abraão gibt es viele nette Pousadas, hier starten auch die großen Schoner zu Inseltörns. Zudem bestehen zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen durch den dichten Atlantischen Regenwald. Nach dem Inselbesuch geht es zurück nach Angra dos Reis und dann weiter an der Grünen Küste entlang nach Paraty. Es ist ein traumhaft schönes altes Kolonialstädtchen, im Kern vollständig erhalten, mit herrlichen Pousadas, guter Gastronomie, vielen Bars und reichen Angeboten an Bootstouren durch die vorgelagerte Bucht.

Die Ilha Grande, hier die Praia do Aventureiro, ist die größte Insel entlang der Costa Verde © Brasilien Insider/W. Rudhart

Strände

Auf der Ilha Grande gibt es ungefähr 113 Strände, von denen viele noch fast völlig unberührt sind. Einige von ihnen kommen nur bei Ebbe zum Vorschein, andere sind mit bloßem Auge vom Wasser aus gar nicht zu erkennen, da sie von Vegetation zugewuchert sind.

… in der Nähe von Vila do Abraão
Ankerplatz: der Hauptstrand von Vila do Abraão © Brasilien Insider

Der Hauptstrand von Vila do Abraão ist mehr ein Ankerplatz für Boote und dadurch weniger zum Schwimmen geeignet. Schöne Badestrände sind aber in ein paar Gehminuten erreichbar. Der östliche Abschnitt des Hauptstrandes ist als Praia do Canto bekannt. Nur 200 m dahinter gelangt Ihr zur idyllischen Praia da Júlia, einer kleinen Bucht im Grünen mit Strandbar und ruhigem, klarem Wasser. Unterwegs trefft Ihr auf das herrlich gelegene Strandrestaurant Por so Sol Lonier, das einen fabelhaften Blick auf die Praia do Canto bietet.

Blick vom Restaurant Por do Sol Lonier auf die Praia do Abraão © Brasilien Insider
Entspannen in der Bonito Bar an der Praia do Abraãozinho © Brasilien Insider

Auf einem alten, noch von den Tupinambá-Indianern geschlagenen Wanderpfad gelangt man danach zu den ebenfalls hübschen kleinen Stränden von Bica, Comprida, Crena und Guaxuma und dann über knorrige Baumwurzeln durch den Regenwald zum malerischen Strand von Abraãozinho. Hier ist auch die wunderbare Bonito Bar anzutreffen, nicht wenige verbringen den halben Inselaufenthalt auf den Liegestühlen dieser Strandbar. Ab Vila do Abraão mögen es bis zur Praia do Abraãozinho gut und gerne 35 Minuten zu Fuß sein. Alternativ fahren auch Taxiboote die Strecke in weniger als 10 Minuten (R$15 p. P.).

Badetraum: die herrliche Praia do Abraãozinho © Brasilien Insider
Abkühlung unter dem Feiticeira-Wasserfall © Brasilien Insider

Von der westlichen Seite des Ortsstrandes, hier heißt er Praia do Abraão, seid Ihr recht schnell an der Praia Preta: Nur eine gute Viertelstunde braucht man zu Fuß, per Taxiboot sind es keine fünf Minuten (R$15 p. P.). Dieser Strand wird jedoch weniger zum Sonnenbaden oder Schwimmen besucht. Er ist, wie der Name es bereits andeutet, vor allem berühmt wegen seines schwarzen Heilsandes. Außerdem könnt Ihr hier die Ruinen eines im Jahr 1800 gebauten Lazaretts (lazareto) für Lepra-Kranke besichtigen. Weiter oben, vom Weg nach links abbiegend (ausgeschildert), geht es zu einem von Urwaldpflanzen zugewucherten Aquädukt von 1873 und einem kleinen Wasserfall (Cachoeira Feiticeira), unter dem Ihr euch erfrischen könnt.

Quasi mitten im Urwald ist ein zugewuchertes Aquädukt anzutreffen © Brasilien Insider
… auf der Nordseite der Insel
Idyllisch: die Praia Longa © Brasilien Insider/W. Rudhart

Die nördliche Seite der Ilha Grande ist dem offenen Meer abgewandt und dadurch vor hohem Seegang deutlich geschützter als die Südseite. An ihr liegen einige traumhafte Strände, die sich jedoch nur per Boot oder auf teilweise schwierigen Wanderungen (nur mit Guide) erreichen lassen. Zu den bekanntesten Stränden der Nordseite zählen die Praia Longa sowie die fast ganz im Westen der Insel liegende Praia Vermelha. An den beiden Stränden liegen kleine Fischerdörfer mit etwa 150 Bewohnern. Die Praia Vermelha wird nicht nur von Badegästen, sondern auch gerne von Tauchern aufgesucht, die das kristallklare Wasser schätzen und von hier aus die vielen Schiffswracks in der Umgebung ansteuern.

Fischerdorf und Taucherhochburg: die Praia Vermelha im Westen der Nordseite © Brasilien Insider/W. Rudhart
… auf der Südseite der Insel

Auf der Südseite der Ilha Grande liegt eine ganze Reihe von schönen und idyllischen Stränden, die ebenso wie die auf der Nordseite nur per Boot oder auf längeren geführten Wandertouren untereinander erreichbar sind.

Endlich in die Fluten stürzen, aber an der richtigen Stelle © Brasilien Insider

Dem Hauptort am nächsten liegt die berühmte Praia Lopes Mendes, sie ist so etwas wie der Vorzeigestrand der Ilha Grande. Eine mehrstündige Wanderung von Vila do Abraão dorthin ist möglich, aber in der tropischen Hitze auch sehr anstrengend, sodass die meisten Gäste eine organisierte Bootsfahrt in einem Schoner bevorzugen (Abfahrt vom Pier meist 9.30 und 11.30 Uhr, zurück 15.30 und 16.30 Uhr, Hauptsaison und sonntags öfter, 45 Minuten, R$30). Vom Ankerplatz des Bootes aus muss dann noch in schweißtreibenden 20–30 Minuten ein Hügel bezwungen werden, ehe sich das grandiose Panorama des 3 km langen Strandes endlich zeigt.

Strandkapelle an der Praia Lopes Mendes © Brasilien Insider

Ein wichtiger Hinweis: Wegen teilweise gefährlicher Strömungen am Beginn des Strandes solltet Ihr zunächst ein Stück nach Westen (links) gehen, bevor Ihr euch in die Fluten stürzt. Wer ganz bis zum Ende des Strandes spazieren möchte (etwa 30 Minuten), begegnet unterwegs einer im Wald versteckten Kapelle sowie einem großen, inzwischen von Künstlern verzierten gestrandeten Ölfass. Über die Felsen ist es bei Ebbe möglich, noch zu einem weiteren Traumstrand zu gelangen.

Aushängeschild der Insel: die Praia Lopes Mendes mit dem gestrandeten Ölfass © Brasilien Insider/W. Rudhart
Von Felsen geschützt: die Praia do Caxadaço © Brasilien Insider/W. Rudhart

Der nächste Strand etwas weiter westlich ist die nur knapp 15 m breite Praia do Caxadaço. Dieser kleine Strand ist vom Meer her wegen vieler Felsen kaum zu sehen und wurde deshalb von Piraten und Sklavenhändlern als Versteck genutzt. Eine Wanderung hierher von der Praia Lopes Mendes ist möglich, aber nur mit einem lokalen Guide zu empfehlen. Wem ein Marsch zu aufwendig ist, kann auch mit dem Schiff kommen. Einige Bootsausflüge ab Vila do Abraão machen an dem kleinen Strand unterwegs einen Stopp.

Eine von vielen idyllischen Buchten auf der Ilha Grande: die Praia do Caxadaço © Brasilien Insider/W. Rudhart
Süßwassermündung an der Praia Dois Rios © Brasilien Insider/W. Rudhart

Der nächste größere Strand ist die Praia Dois Rios, der “Strand der zwei Flüsse”. Dort befinden sich die breiten und von üppigen Mangroven umwachsenen Mündungen zweier Flüsse, ideal für ein erfrischendes Süßwasserbad. Dazwischen liegen die Ruinen eines ehemaligen Zuchthauses (siehe unten). In einigen der noch erhaltenen Gefängnisbaracken leben heute 150 Menschen, die überwiegend vom Fischfang leben oder für die staatliche Universität Umweltstudien betreiben. Wegen seiner Brandung wird der Strand auch von Surfern gerne besucht. Wer lieber zu Fuß geht, erreicht Dois Rios nach einem knapp zweistündigen Spaziergang auf der einzigen (nicht asphaltierten) Straße der Insel, dem Wanderweg T14.

Blick auf die Praia Dois Rios mit den Ruinen des ehemaligen Zuchthauses © Brasilien Insider/W. Rudhart
Gut zu wissen: Ruinen des alten Zuchthauses
Zwischen den beiden Flüssen an der Praia Dois Rios liegt die unheimlichste Attraktion der Insel, die Trümmerruinen des ehemaligen Zuchthauses “Colônia Penal Cândido Mendes”.
Die Ruinen des alten Zuchthauses an der Praia Dois Rios © Brasilien Insider/W. Rudhart

Anfangs sperrte man hier das sogenannte “sittenlose Gesindel” ein, ab den 1930er-Jahren unter Präsident Getúlio Vargas dann verstärkt politische Gefangene, ebenso unter der Militärdiktatur von 1964–85. Von den “Politischen” lernten die gemeinen Kriminellen, dass man sich organisieren muss, um erfolgreich zu sein. So entstanden in der Folge diverse kriminelle Organisationen, die heute den Drogenhandel und die Gefängnisse nicht nur in Rio de Janeiro kontrollieren. 1994 wurde das Gefängnis teilweise abgerissen, seit 2009 gibt es dort ein Kerkermuseum (Museu do Cárcere). Es ist geplant, das Boot “Tenente Loretti”, welches damals Gefangene transportierte, für den Besuchertransfer ab Vila do Abraão zu nutzen.
Museu do Cárcere So 10–16 Uhr

Geschützte Natur: das Biosphärenreservat Praia do Sul © Brasilien Insider/W. Rudhart

Im Südwesten der Insel eröffnet sich eine 6 km lange, gleichmäßig geschwungene Bucht, die vollständig unter Naturschutz steht und nicht betreten werden darf. Ein hügeliger Landvorsprung in der Mitte teilt den langen Strand in die Praia do Sul (“Südstrand) und die Praia do Leste (“Oststrand”). Das 1981 gegründete Biosphärenreservat Praia do Sul erstreckt sich über 3600 Hektar und umschließt zwei Lagunen im Hinterland, die an der Praia do Leste ins Meer abfließen. Es ist die geschützteste Region der Insel und man wird ihre Schönheit nur mit wissenschaftlichem Auftrag oder auf der Vorbeifahrt vom Boot aus bewundern können.

Blick auf die naturgeschützte Praia do Leste © Brasilien Insider/W. Rudhart
Abenteuerliches Idyll © Brasilien Insider/W. Rudhart

Ganz am Ende der Bucht liegt hinter einer sperrigen Felsformation namens Costão do Demo die Praia do Aventureiro, der Strand des Abenteurers. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn schon die Anreise ist wirklich abenteuerlich. Bei hohem Seegang können Boote den Strand nicht anfahren und es bleibt einem nur, auf besseres Wetter zu warten, oder eine beschwerliche Wanderung vom nächstgelegenen Dorf Provetá, auf einer der schwierigsten Wanderrouten der Insel. Von daher sollte man sich bei einem Besuch ausreichend Zeitpuffer mitbringen, denn die Anreise und Rückreise können sich bei schlechtem Wetter um Tage verzögern.

Fischerdorf am Strand: Praia do Aventureiro © Brasilien Insider

Wer den Weg trotz allem auf sich nimmt, den erwartet ein fast unberührter Strand fernab der modernen Zivilisation, ohne Mobiltelefonempfang und mit Unterkünften in einfachen Mietzimmern oder auf Campingplätzen bei den knapp 100 Bewohnern des Dorfes. Strom gibt es nur über Dieselgeneratoren bis 22 Uhr abends. In der Hauptsaison ist die tägliche Besucherzahl limitiert und man muss sich für einen Besuch vorher in Angra dos Reis anmelden. Boote zur Praia do Aventureiro verkehren übrigens nicht ab Vila do Abraão, sondern nur ab Provetá, Praia Vermelha, Araçatiba (alle auf der Ilha Grande) respektive ab Angra dos Reis. Trotz, oder gerade wegen der Herausforderungen, diesen Strand zu erreichen schwärmen fast alle Besucher, die einmal da waren. Es ist eines der schönsten Paradiese der Ilha Grande …

Die berühmteste Palme der Ilha Grande wächst seit Jahren an der Praia do Aventureiro © Brasilien Insider

Aktivitäten

Wanderungen
Ein Netz aus Trekkingrouten überzieht die Insel © Brasilien Insider/W. Rudhart

Wanderer kommen auf der Insel voll auf ihre Kosten, es gibt offiziell 16 Routen oder Pfade, die von T1 bis T16 nummeriert sind (auf dieser Karte seht Ihr eine Übersicht). Leichtere Wanderungen bis zu ungefähr zwei Stunden Dauer, im Sinne eines Spaziergangs, können rund um den Hauptort Vila do Abraão angetreten werden. Die Route T1 führt bis zum Aquädukt und zu den Lazarettruinen, in östlicher Richtung führt der Weg am Strand entlang bis nach Abraãozinho. Auch die Strecke auf der einzigen “Straße” (Sandweg) der Insel zu den Ruinen des ehemaligen Zuchthauses an der Bucht Praia Dois Rios wird von ihrer Beschaffenheit her zu den leichteren Wegen gezählt. Man kann sie ein Stück laufen und nach Belieben umkehren. Wer die gesamte Route bis zur Vila de Dois Rios laufen will, kann mit etwa fünf Stunden (hin und zurück) rechnen.

Atemberaubende Aussicht auf der Ilha Grande © Brasilien Insider/W. Rudhart

Alles darüber hinaus Gehende fällt eher in den Bereich des Trekkings oder Bergwanderns. Die Pfade führen durch dichte Wälder, über Hügel und auf Berge, überqueren Flüsse, Bäche und Mangroven, passieren abgelegene Inseldörfer und bieten auf Hochebenen spektakuläre Aussichten aufs Meer. Auf 100 km ausgeschildertem Wegenetz können passionierte Wanderer die Ilha Grande (fast) vollständig einmal umrunden, die einzige Ausnahme ist das Biosphärenreservat Praia do Sul, wo der Zutritt verboten ist. Einige der Routen sind in jeder Hinsicht atemberaubend, nicht nur wegen der Steigungen, sondern auch wegen der sich unterwegs bietenden Ausblicke. In jedem Fall ist eine gute Kondition Voraussetzung und ein lokaler Guide sollte unbedingt immer dabei sein. Sehr zu empfehlen ist der gut Englisch sprechende Waldeck Tenorio, Kontakt per WhatsApp oder E-Mail . Der spannendste Trek, den Ihr beim ihm buchen könnt, ist eine fünftägige Inselwanderung (“Travessia Ilha Grande em 5 dias”). Während der 75-km-Tour wird in kleinen Inseldörfern übernachtet (Bananal, Araçatiba, Aventureiro, Parnaioca), in denen Ihr außer landschaftlich faszinierenden Eindrücken auch dem ursprünglichen Leben auf der Insel so nahekommt, wie es in den touristischen Zentren nicht möglich ist.

Eine der beliebtesten kürzeren Strecken führt von Vila do Abraão über die Praia do Pouso zur berühmten Praia Lopes Mendes (Routen T10 und T11). Für den Hin- und Rückweg muss man etwa fünf bis sechs Stunden einplanen. Fans des Bergwanderns erklimmen den 982 m hohen Pico do Papagaio (T13). Diese extrem herausfordernde Bergtour dauert sechs bis sieben Stunden und darf in jedem Fall nur mit Guide angegangen werden.

Die Ilha Grande ist ein Paradies zum Wandern und Trekken © Brasilien Insider/W. Rudhart
Bootstouren
Kaum irgendwo gibt es so viele Holzschoner wie auf der Ilha Grande © Brasilien Insider

Häufigstes Programm auf der Ilha Grade sind die diversen Bootstouren, neuerdings in Motorbooten (lanchas), vor allem aber auf den großen Schonern (escunas), die jeden Vormittag vom Pier aus starten und auf denen oft ausgelassene Partystimmung herrscht. Es gibt etwa sieben bis zehn verschiedene solcher maritimen Ausflugstouren, von denen jedoch einige (vor allem die auf der raueren Südseite der Insel) von der Bundesmarine gesperrt beziehungsweise nur unter Auflagen befahren werden können. Eine Ausfahrt dauert zwischen vier und sieben Stunden. Die Tickets solltet Ihr euch besonders während der Hauptsaison schon am Vortag in einer zuverlässigen Agentur oder in eurer Pousada besorgen, der Preis beträgt je nach Tour ungefähr zwischen R$30 und R$200 pro Person, das Mittagessen unterwegs muss extra bezahlt werden. Wer die traumhafte Inselwelt mit mehr Ruhe und Muße auf sich wirken lassen möchte, kann sich ein kleines Privatboot chartern (ab ca. R$500).

In Holzbooten um die Insel: ein Ausflugsschoner im Abendlicht © Brasilien Insider/W. Rudhart

Zwecks Hebung des Adrenalinspiegels ist die dem offenen Meer zugewandte Südseite der Insel spannender, jedoch auch seefahrerisch anspruchsvoller und gefährlicher. Schon bei der Umrundung des östlichen Zipfels werden die Boote kräftig hin und her geschüttelt. Um die Sicherheit der Passagiere nicht zu gefährden, ist für die Ausübung dieser Touren, bei denen die Strände der Südseite nacheinander abgefahren werden, eine spezielle Genehmigung seitens der Marine erforderlich. Wenn Ihr eine Bootstour auf der Südseite (“Super Sul”) oder eine komplette Inselumrundung (“Volta à Ilha”) buchen möchtet, solltet Ihr beim Kauf unbedingt klären, dass der Anbieter dafür eine Registrierung besitzt und damit alle erforderlichen Sicherheitsbedingungen erfüllt. Die Tour “Meia Volta à Ilha” (halbe Inselumrundung) steuert in ruhigerem Fahrwasser nur die schönsten Ziele auf der Nordseite an, darunter Lagoa Azul, Lagoa Verde und Saco do Céu.

Aus Gründen der Sicherheit werden mehr die Strände der ruhigeren Nordseite angesteuert © Brasilien Insider
Die Praia Lopes Mendes © Brasilien Insider

Ein oft gewählter allerdings sehr kurzer Bootstrip führt zunächst zur Praia do Pouso. Von dort erklimmen die Gäste auf einer 20–30-minütigen Wanderung einen Hügel und erreichen schließlich den Vorzeigestrand Praia Lopes Mendes (siehe oben), der häufig in die Liste der zehn schönsten Strände Brasiliens eingereiht wird. Hier, an diesem wirklich schönen Ort, könnt Ihr ein paar Stunden verweilen, euch in den Schatten von Palmen legen, schwimmen und am Strand spazieren, bevor es auf den Rückmarsch geht.

Schnorcheln zwischen bunten Fischen © Brasilien Insider

Von Vila do Abraão aus in die andere Richtung ist besonders die Lagoa Azul sehr nachgefragt, auf diesen Touren herrscht meistens eine ausgeprägte Feststimmung auf den Schonern. Dabei ist die „blaue Lagune“ eigentlich eine geschützte Bucht mit ruhigem Meer und ideal zum Schnorcheln.

Schonerausflug an der Lagoa Azul © Brasilien Insider

Ruhiger geht es bei den Fahrten zur weiter entfernten Lagoa Verde zu, eine der wenigen Stellen, an denen noch viele Korallen anzutreffen sind. Die Tour ist insgesamt weniger überlaufen, man macht einen interessanten Stopp bei einer Algenzucht, sieht Meeresschildkröten und die Unterwasserwelt hat mehr zu bieten. Die “grüne Lagune” liegt bei einer Insel, deren üppige Vegetation ihren Farbschatten über das Wasser wirft und so eine smaragdgrüne Tönung bewirkt.

Schönes Ausflugsziel auf der Nordseite der Insel: die Lagoa Verde © Brasilien Insider
Tauchen
Tauchgang bei der Ilha de Jorge Grego © Elite Dive Center

Die Costa Verde mit ihrem Fisch- und Korallenreichtum gehört zu den besten Tauchgebieten Brasiliens. Viel besucht wird die Praia de Fora nahe der Enseada do Saco do Céu. Ein weiteres beliebtes Tauchziel ist die Grotte von Acaiá, die von erfahrenen Tauchern durch einen Unterwassertunnel erreicht werden kann. Anziehungspunkt sind auch 16 Schiffswracks, besonders die 1966 vor der Bucht von Sítio Forte gesunkene und gut erhaltene Pingüino (19 m tief, Sichtweite 8 m). Eine sehr gut ausgestattete Tauchschule ist Elite Dive Center, das Büro befindet sich in der Rua Santana.

Reiche Unterwasserwelt: Auch Meeresschildkröten sind rings um die Ilha Grande zu sehen © Elite Dive Center
Tourenanbieter

Resa Mundi Eco Tours, Rua Francino I. do Nascimento 127/A. Umweltfreundlich operierende Agentur, Schoner- und Schnellboottouren, Wanderungen, mehrsprachige Guides. Transfers unter anderem nach Rio, Paraty und Búzios. Besitzerin Deise spricht Englisch und Französisch.

Jerônimo Tours bietet einen Tagesausflug im Schoner zur Lagoa Azul an, darin enthalten sind schöne Kajakfahren mit Schnorchelmöglichkeit und frisch zubereitetem Essen am Strand.

Der englischsprachige Privatguide Waldeck Tenorio begleitet auf Wanderungen quer über die Insel. Kontakt per WhatsApp oder E-Mail .

Übernachtung

Wegen des starken Touristenzustroms und der Besuchsbeschränkungen ist in der Hochsaison, ebenso wie an manchen verlängerten Wochenenden, eine Reservierung unbedingt anzuraten. Die meisten Pousadas befinden sich in dem Hauptort Vila do Abraão.

Leckeres Inselfrühstück © Pousada Caiçara

Pousada Caiçara, Rua da Praia 133, Praia do Canto, Vila do Abraão. Dies ist eine der charmantesten Pousadas der Insel. Direkt am Hauptstrand gelegen bietet sie 13 rustikal und stilvoll mit Holz dekorierte Zimmer, von denen alle einen eigenen Balkon besitzen (einige mit tollem Meerblick). Die Zimmer sind komfortabel eingerichtet und besitzen unter anderem moderne Klimaanlagen und Minibar. In dem kleinen Garten vor dem Haus befindet sich ein Holzdeck mit Liegestühlen. Morgens erwartet ein leckeres Inselfrühstück die Gäste. Pousada Caiçara buchen.

Rustikales Haus am Strand mit hübschem Gärtchen und Meerblick © Pousada Caiçara
Terrasse mit Meerblick © Pousada Manacá

Pousada Manacá, Praia do Abraão 333, Praia do Canto, Vila do Abraão. Ebenfalls direkt am Meer liegt die Pousada Manacá: eine friedliche, leicht alternativ angehauchte Oase eines Franzosen mit sieben niedlichen Zimmern, von denen die Nummern 1–3 im ersten Stock einen Balkon mit schönem Meerblick bieten. Das sehr persönlich geführte Haus ist vom Besitzer, der unter anderem auch Deutsch spricht, mit Dekorationsgegenständen aus seiner privaten Sammlung ausgestattet. Auch da es hier keine Fernseher gibt, ist dies ein idealer Ort zum Abschalten. Sehr nett: Das Frühstück wird in einem kleinen Garten am Strand serviert. Pousada Manacá buchen.

Frühstück im Grünen © Pousada Manacá

Essen und Strandbars

Halb draußen, halb drinnen sitzt man bei Dom Mário © Brasilien Insider

Dom Mário, Village Buganville, Vila do Abraão. Die idyllisch am Strand gelegenen Restaurants ziehen natürlich die größte Aufmerksamkeit auf sich. Es lohnt sich aber, auch ein wenig abseits des Trubels die Augen offen zu halten. Dann stößt man beispielsweise auf das hervorragende Restaurant Dom Mário am Ende der Galeriestraße. Die großzügigen Portionen werden von Besitzer und koch Dom Mário himself liebevoll zubereitet und reichen auch in der Regel locker für zwei Personen. Ausgezeichnet sind die Fleischmedaillons mit grüner Pfeffersoße und Rösti, aber auch die Shrimps in Basilikumsoße sind nicht zu verachten.
Di–Sa 17.30–22 Uhr

Versteckt am Ende einer kleinen Gasse liegt das Restaurant Dom Mário © Brasilien Insider
Köstlicher Fisch und Meeresfrüchte © Lua e Mar

Lua e Mar, Rua da Praia, Vila do Abraão. Das Lua e Mar ist ein seit mehr als 30 Jahren familiengeführtes, rustikales Meeresfrüchterestaurant, das wunderbar am Strand gelegen ist. An Tischen im Sand speist Ihr abends bei Kerzenlicht und Wellenrauschen. Besonders empfehlenswert ist natürlich die Haus-Spezialität Peixe com Banana (reicht für zwei Personen), die sich wahlweise statt Fisch auch mit Shrimps bestellen lässt. Das Gericht wird in einem dampfenden Tontopf serviert. An mehreren Abenden wird das ganze Ambiente noch von schöner Livemusik untermalt, was will man mehr …
Do–Di 11–23 Uhr

Familienrestaurant am Strand mit über 30-jähriger Tradition © Lua e Mar
Barbecue-Buffet des Café do Mar © Brasilien Insider

Café do Mar, Rua da Praia. An manchen Tagen wird im Café do Mar ein sehr beliebtes Barbecue angeboten, man wählt am Buffet aus, was gegrillt werden soll. An den anderen Tagen gibt es auch gute Gerichte à la carte. Die Atmosphäre ist insgesamt locker, fast wähnt man sich an einem Strand in Thailand. Es läuft gute Musik, die Drinks sind hervorragend und die romantische Lage direkt am Strand unter einem schattigen Baum trägt das Übrige zu einem angenehmen Aufenthalt bei.
tgl. 10–24 Uhr (Küche bis 22 Uhr)

Thailand oder Bali? Weder noch, es ist das Café do Mar auf der Ilha Grande © Brasilien Insider
Mit den Füßen im Sand © Pé na Areia

Pé na Areia, Rua da Praia, Vila do Abraão. Und noch ein schön am Strand gelegenes Restaurant! Das rustikale und sehr charmante Pé na Areia verwendet Möbel aus eigener Anfertigung (insbesondere aus wiederverwertetem Holz) und schafft so ein besonders romantisches Ambiente. An den Tischen im Sand werden die Spezialitäten des Hauses serviert, vor allem sind dies Moquecas, Krabben- und Fischgerichte (jeweils 2 Personen). Dazu gibt es hier gute Weine und abends oft Livemusik (Couvert optional).
tgl. 14–24 Uhr

Romantische Stimmung am frühen Abend am Strand von Abraão © Pé na Areia

Feste

  • Januar: São Sebastião (20.), Kirchenfest zu Ehren des hl. Sebastian.
  • Juni: São Pedro (28.), Prozession auf dem Meer.
  • Juli: Festival de Música e Ecologia, dreitägiges Festival mit bekannten Interpreten (MPB, Samba u. a.).

Praktische Tipps

Geld

Es gibt immer noch keine Geldautomaten auf der Insel, daher genügend Bares mitnehmen. Kreditkarten werden in Pousadas und Restaurants meist akzeptiert.

Informationen

Auskünfte zu Bootsausflügen erteilen die Agenturen am Pier oder Resa Mundi Eco Tours (siehe Aktivitäten), dort erhaltet Ihr auch Infos zu Wanderungen.

Transport

Direkttransfer von/nach Rio de Janeiro
Am bequemsten ist es von Tür zu Tür © Resa Mundi Eco Tours

Resa Mundi Eco Tours bietet einen bequemen All-inclusive-Transfer mit Abholung vom Hotel an. Für die gesamte Fahrtzeit im Direkttransfer inklusive Wartezeiten müsst Ihr etwa drei bis vier Stunden einkalkulieren. Die Abfahrtszeiten ab Rio sind um 7.30, 11.30 und 14.30 Uhr, zurück geht es um 9, 12 und 17.30 Uhr. Die Fahrten finden bei mindestens zwei Passagieren statt.

Einen ähnlichen Service, nur etwas günstiger, bietet Easy Transfer: Die Abholung ist am Hotel in Rio, mit einem Van geht es zum Hafen von Conceição de Jacareí und von dort im eigenen Boot auf die Insel.

Öffentlicher Verkehr (Bus und Fähre)
Nur auf dem Wasserweg ist die Ilha Grande erreichbar © Brasilien Insider

Von Rios Busbahnhof Rodoviária Novo Rio nimmt man zunächst einen Bus nach Conceição de Jacareí. Dorthin fahren die Busse Richtung Angra dos Reis der Busgesellschaft Costa Verde, Abfahrt in Rio ist 9–14x tgl. bis 21 Uhr (3 Std., R$58). Schon beim Einstieg müsst Ihr den Fahrer informieren, dass Ihr in Conceição de Jacareí aussteigen wollt. Dort angekommen sind es dann noch knapp fünf Minuten zu Fuß bis zum Hafen, wo die Schnellboote, Flexboote, Schoner und auch ein Katamaran in kurzen Abständen zur Insel ablegen. Die Abfahrten sind circa halbstündlich von 8 bis 18.30 Uhr, Freitag auch noch bis 21 Uhr, die Fahrt dauert etwa 45 Minuten (R$30–45). Zurück ab der Ilha Grande fahren die Schiffe dann nur noch bis 17.30 Uhr, am Freitag jedoch bis 20 Uhr.

Wer die Überfahrt von Angra dos Reis aus machen möchte, muss bedenken, dass von dort nur einmal täglich eine Linienfähre zur Ilha Grande ablegt (Mo–Fr 15.30 Uhr, Sa, So 13.30 Uhr, zurück tgl. 10 Uhr, 1 1/2 Std., R$17). Zusätzlich verkehren aber auch von hier teurere Schnellboote und Schoner im Stundentakt (außer Samstag) bis 18.30 Uhr, der Preis beträgt rund R$50.

Ankunft an einem regnerischen Tag am Steg von Vila do Abraão © Brasilien Insider
Weiterfahrt von Angra dos Reis nach Paraty

Wer von der Ilha Grande nicht nach Rio, sondern weiter nach Paraty fahren möchte, kann ab Angra dos Reis einen Bus der Gesellschaft Colitur nehmen, diese verkehren 20x tgl. bis 22 Uhr (2 Std., R$15). Außerdem stehen die Direkttransfers der Agentur Paraty Tours zur Verfügung, diese müssen jedoch mindestens einen Tag im Voraus reserviert werden.

0 replies on “ILHA GRANDE”