LENÇÓIS MARANHENSES

Trekking durch den Nationalpark Lençóis Maranhenses © Brasilien Insider
Philipp Lichterbeck und Nicolas Stockmann, deine Insider für die Lençóis Maranhenses

An der Nordküste des Bundesstaates Maranhão befindet sich ein wahres Wunder der Natur: der Nationalpark Lençóis Maranhenses. Die großen, rollenden Sanddünen des Parks erstrecken sich bis in scheinbar endlose Ferne. Zwischendurch finden sich blaue Lagunen und Teiche mit kristallklarem Wasser. Abenteurer können bei einer Wandertour in ihre eigene geheime Oase eintauchen oder sich einen Adrenalinschub bei einer 4×4-Offroad-Tour über die Dünen holen. Romantiker lassen sich von dem einmalig schönen Sonnenuntergang über der malerischen Dünenlandschaft inspirieren.

Tagesausflug zu einer Lagune im Nationalpark Lençóis Maranhenses ab Barreirinhas © Raoni Maddalena, Embratur

Lage und beste Reisezeit

Lençóis Maranhenses, der größte Nationalpark des Nordostens, liegt etwa 280 km östlich von São Luís und gehört zu den außergewöhnlichsten Attraktionen des Landes. Er zieht sich 70 km an der Küste entlang und reicht bis 50 km ins Landesinnere hinein. Es ist erstaunlich, wie wenig es bekannt ist, dass es in Brasilien eine oft mit der Sahara verglichene Wüste von den Ausmaßen des Großraums São Paulo gibt (1550 km2), in der die Temperaturen auf bis zu 50 °C ansteigen können.

Ein Sonnenuntergang in den Lençóis Maranhenses © Raoni Maddalena, Embratur

Die Eigenart dieser Region erschließt sich schon aus dem Namen Lençóis: Wie flatternde weiße „Bettlaken“ wirken die durch den Wind ständig in Bewegung befindlichen Dünen. Sie erreichen mitunter eine Höhe von bis zu 40 m. Was diese Landschaft von „normalen“ Wüsten unterscheidet, sind ihre vielen kristallklaren Lagunen und Flussläufe (bis zu 300.000 wurden gezählt): Sie entstehen in der Regenzeit zwischen Januar und Juni und beherbergen eine reiche Flora und Fauna. In der nachfolgenden Dürreperiode (Juli–Dezember) trocknen die Seen aus und werden von den wandelnden „Bettlaken“ zugedeckt. Erstaunlicherweise haben es selbst Fische geschafft, sich den unwirtlichen Bedingungen anzupassen. Sie legen ihre Eier rechtzeitig im warmen Sand ab, und zu Beginn der nächsten Regensaison tummelt sich eine neue Generation in den Lagunen.

Dünentour durch die Lençóis Maranhenses bei Santo Amaro © Brasilien Insider

Die beste Besuchszeit des Nationalparks Lençóis Maranhenses ist zwischen Mai und September, wenn die Lagunen voller Wasser sind und das Weiß der Dünen durchbrechen. Die Vegetation ist dann am üppigsten und Zugvögel machen Station. Zwischen September und Dezember schrumpfen die Lagunen und sind weniger beeindruckend. Zudem ist es dann extrem heiß.

Caju oder Cashew: Typische Früchte der Region © Brasilien Insider

Ausflüge in den Nationalpark

Nationalpark Lençóis Maranhenses (zum Vergrößern auf die Karte klicken) © Open Street Map – Mitwirkende, www.openstreetmap.org/copyright

… Tagesausflüge ab Barreirinhas

… im Pick-up zu den Lagunen

Um organisierte Gruppentouren in den Nationalpark kommt man kaum herum. Ausgangszentrum für die meisten Exkursionen ist die Stadt Barreirinhas, wo sich viele Unterkünfte und Reiseagenturen befinden. Von dort geht es auf Tagesausflügen per Pick-up über Sandpisten bis an die Grenzen des Nationalparks und weiter zu Fuß zu den jeweils angesteuerten Spots. Die am meisten gebuchten Touren ab Barreirinhas führen zu den Süßwasserlagunen Lagoa Azul und Lagoa do Peixe, Letztere kann auch nachmittags zu beeindruckenden Sonnenuntergängen besucht werden (9.30–14 Uhr oder 14–18.30 Uhr). Auch Ausflüge zu der seltener angesteuerten Lagoa Esperança werden angeboten (Fahrtzeit von Barreirinhas ca. 1 Stunde). Eine weitere von den Agenturen gerne aufgesuchte Lagune ist die Lagoa Bonita. Alle Lagunen werden stets von den Rändern des Nationalparks her zu Fuß besucht. Unter der Woche ist es meist erheblich leerer als am Wochenende.

Blick vom Aussichtspunkt an der Lagoa Bonita bei Barreirinhas © Brasilien Insider
… Bootstour auf dem Rio Preguiças
Windräder am Horizont © Brasilien Insider

Ein weiterer reizvoller Tagesausflug ab Barreirinhas ist die Fahrt in einem Schnellboot auf dem Rio Preguiças. Vorbei an einer Mangrovenlandschaft geht die Spritztour bis zur Halbinsel Caburé. Unterwegs wird an einer etwas überlaufenen Dünenlandschaft gehalten, am Horizont sind Hunderte Windräder zu sehen. Auch die Siedlungen Vassouras, Mandacaru und Atins können von Barreirinhas aus per Boot über den Rio Preguiças erreicht werden.

Eine Bootstour auf dem Rio Preguiças gehört stets zum Programm in Barreirinhas © Brasilien Insider
Wendeltreppe des Leuchtturms © Brasilien Insider

Ein Highlight dieser Bootstour ist, im wahrste Sinne des Wortes, der Besuch des Leuchtturms in Mandacaru. Von der Aussichtsplattform bietet sich ein phänomenaler Rundblick über die Lençóis Maranhenses. Manchem Reisenden sind erst hier oben die Dimensionen des Parks so richtig bewusst geworden. Ein Stopp am Leuchtturm mit Aufstieg nach oben ist fester Bestandteil fast aller Bootstouren auf dem Rio Preguiças.

Fantastischer Blick vom Leuchtturm Mandacaru auf den Rio Preguiças © Brasilien Insider

… mehrtägige Trekkings ab Santo Amaro

Dünentour ab Santo Amaro © Brasilien Insider

Abenteuerlustige sollten den Nationalpark durchwandern. Zu den interessantesten mehrtägigen Trips zählen die Wanderungen, die von der Kleinstadt Santo Amaro aus gestartet werden und bis nach Atins führen. Die Trekkingtouren führen über zwei kleine Oasensiedlungen, in denen unterwegs gerastet wird.

Trekking durch die Lençóis Maranhenses © Brasilien Insider
Fischer in Queimada dos Britos © Brasilien Insider

Übernachtet wird in Hängematten in kleinen Oasen, in denen Viehzüchter und Fischer schon seit vielen Generationen leben. Ebenso faszinierend wie das Wandern durch die schier unendliche Sand- und Lagunenlandschaft ist es, am Leben dieser einfachen Menschen teilzuhaben. Erster Halt ist die Oase Queimada dos Britos.

Unterkunft bei einer Familie in der Oase Queimada dos Britos © Brasilien Insider

Da es in den Oasen keinen Strom gibt – einzig Batterien, die von Solarzellen gespeist werden, liefern für einige Stunden etwas Energie für ein paar Glühbirnen – geht man früh zu Bett bzw. in die Hängematte. Das ist auch notwendig, denn gewandert wird schon ab drei oder vier Uhr nachts, so dass man nicht allzu lang nach Sonnenaufgang in den Oasen ankommt, in denen dann auf gemächliche Weise der Tag verbracht wird. Am zweiten Tag wird die wunderschöne Oase Baixa Grande erreicht.

Blick auf die Oase Baixa Grande in der Morgendämmerung © Brasilien Insider
Privatunterkunft in Baixa Grande © Brasilien Insider

Tatsächlich will sich niemand der sengenden Sonne aussetzen, die in den Lençóis Maranhenses schon morgens vom Himmel herunter sticht. Und so verbringt man einige Zeit mit der lokalen Bevölkerung und lernt etwas über ihre Kultur und ihren Alltag. Dadurch hilft man den Menschen auch, ein besseres Leben führen zu können. Insgesamt gehört die Durchquerung der Lençóis Maranhenses, das Baden in den Tausenden klaren Lagunen inmitten einer Sandlandschaft und die Einkehr in den Oasen zu den faszinierendsten und einzigartigsten Erfahrungen, die man in Brasilien machen kann.

Zottelige Haustiere in der Oase Baixa Grande © Brasilien Insider

Während der Besuche in den Oasen kommt Ihr also ganz direkt in Berührung mit den Lebensweisen der Oasenbewohner und lernt den Alltag dieser so abgeschieden lebenden Menschen kennen. Sie bereiten für euch übrigens köstliches Essen zu, meistens gibt es Reis, Bohnen, Fisch oder Ziege und dazu Salat aus den Tomaten, die hier gedeihen.

Tomaten aus einer Wüstenoase des Nationalparks © Brasilien Insider

Etwa zwischen Mai und September ist es möglich, in den blaugrünen Lagunen zu baden – sofern es möglich ist, solltet Ihr also euren Besuch danach planen, es ist eine unvergessliche Erfahrung! Am besten könnt Ihr diese Tour vorab buchen über Terra Nordeste in São Luís (englischsprachig), alternativ geht es auch bei Agenturen in Barreirinhas.

Ein unvergessliches Erlebnis: Trekking durch die Wüste © Brasilien Insider

… mehrtägige Trekkings ab Atins

Auch von dem kleinen Küstenort Atins (siehe unten) aus ist es möglich, den nördlichen, weniger berührten Teil des Nationalparks zu entdecken. Von hier aus bieten sich ebenfalls mehrtägige Wandertouren an.

TIPP: Bei sämtlichen Ausflügen im Nationalpark Lençóis Maranhenses ist es sehr wichtig, dass Ihr stets ausreichend Sonnencreme, eine Mütze und viel Wasser dabeihabt. Unangemeldete Wanderungen und Camping sind streng verboten.

Pau-de-Araras

Den Nahverkehr der Region betreibt eine Großfamilie mit Jardineiras und den etwas unbequemeren sog. Pau-de-Araras (Toyota Pick-ups), übersetzt „Papageienstangen“, weil die Fahrgäste wie Federvieh gedrängt auf den harten Holzpritschen sitzen. Wer die Chance auf den Beifahrersitz hat, sollte sie ergreifen. Die Fahrt ist ein kleines Abenteuer und wenn man sie nicht jeden Tag machen muss, sogar unterhaltsam.

Dazu noch einige Tipps bei Fahrten mit den Toyota Bandeirantes:

  • wer am Rand sitzt, sollte auf spitze Äste achten
  • zur Schonung von Gesäß und Rücken die Beine locker im Rhythmus des Wagens mitwippen lassen
  • bei der Durchquerung der teilweise tiefen Pfützen sollten keine Taschen auf dem Boden stehen
Das typische Transportmittel Pau-de-Arara, hier an einem Haltepunkt in Barreirinhas © Brasilien Insider

Barreirinhas

Barreirinhas (62.000 Einwohner) liegt recht idyllisch an den Ufern des Rio Preguiças und ist der bekannteste Ausgangspunkt für Besuche in den Nationalpark Lençóis Maranhenses sowie zu dem immer stärker touristisch erschlossenen alten Fischerort Atins. In den letzten Jahren ist in Barreirinhas eine gute touristische Infrastruktur entstanden mit Pousadas, Restaurants und Reiseagenturen. Am Wochenende und in der Hauptsaison (Juli–September) strömen Touristen in den Ort und Unterkünfte sind schwer zu bekommen. Die schönen Dünen, die der Stadt so viel Wachstum gebracht haben, sind jedoch auch ein Problem – die gefräßigen Sandhaufen verschlingen alles, was ihnen im Weg steht. So droht die Hauptstraße am Stadteingang immer wieder unter einer 10–15 m hohen Sanddüne zu verschwinden und muss ständig von der Stadtverwaltung geräumt werden.

Touranbieter

Neben den Standardausflügen in den Nationalpark bieten einige Reiseagenturen zudem eindrückliche Panoramaflüge über den Rio Preguiças und die Dünen an (ca. 30 Min., ab R$300 p. P.).

Übernachtung und Essen

Zimmer der Pousada do Rio © Brasilien Insider

Pousada do Rio, Rua Cazuza Ramos 700. Diese schon lange bewährte Pousada liegt in einem grünen Gelände am Rio Preguiças. Die sympathischen Häuser am Fluss beherbergen insgesamt 26 Zimmer, von denen die neueren sämtlich im hinteren Bereich liegen. Alle besitzen eine Klimaanlage. Sehr praktisch: Am Rande des schönen Gartens befindet sich außerdem eine eigene Badestelle. Insgesamt herrscht eine für den quirligen Ort angenehm ruhige Atmosphäre, eine Wahl mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Pousada do Rio buchen.

Schöne grüne Umgebung: Pousada do Rio © Brasilien Insider
Restaurant Bambaê am Flussufer © Brasilien Insider

Pousada Encantes do Nordeste, Rua Boa Vista 950, 4 km vom Zentrum. Gepflegte, rustikale Pousada mit niedlichen Chalês und hübschem Garten. Die Pousada besitzt einen eigenen Zugang zum Fluss, unten am Ufer befindet sich das ausgesprochen nette Bar-Restaurant Bambaê (tgl. 11–15, 18–22 Uhr), das im Übrigen auch ein schönes Tagesausflugsziel für Reisende darstellt, die in anderen Pousadas logieren: Hier könnt Ihr ausspannen in totaler Ruhe und wer mag, kann auch eine Kajaktouren unternehmen. Ein Mototaxi zwischen dem Zentrum und der Pousada Encantes do Nordeste kostet etwa R$6. Pousada Encantes do Nordeste buchen.

Hübscher Garten der Pousada Encantes do Nordeste © Brasilien Insider

Praktische Tipps

Einkaufen

Galeria Arte da Terra, Av. Beira Rio. Die handgefertigten Bastgegenstände aus der Açaí- oder Buritipalme sind schöne Mitbringsel.
tgl. 8–12, 14–22 Uhr

Feste

Ende Juli wird die traditionelle Vaquejada (Rodeo) gefeiert, und am 8. Dezember ist der Tag der Schutzpatronin der Stadt: Nossa Senhora da Conceição. Beide Feste dauern gut eine Woche.

Geld

Banco do Brasil, Av. Joaquim S. de Carvalho.
Mo–Fr 9–15, Geldautomat 6–22 Uhr

Transport

Die neue Straße nach Tutóia hat die Fahrtzeiten deutlich verkürzt.

Busse
  • Parnaíba: Am schnellsten mit dem 14-Uhr-Bus nach São Luís, Ankunft 18.30 Uhr, Weiterfahrt 20 Uhr.
  • São Luís: Cisne Branco, Av. Brasília, Tel. 98/3245 1233, tgl. 6, 9, 14 und 18.45 Uhr, 5 Std., R$60. Besser geht es noch mit Kleinbussen von Brtur oder Fantur (über Agentur São Paulo), tgl. 16.30 Uhr, 4–5 Std. (je nachdem, ob das Hotel am Anfang oder Ende der Route liegt), R$80. Vorteil: Man wird abgeholt und in São Luís beim Hotel abgesetzt. Früh reservieren! Oder per Sammeltaxi: Coopcart, Tel. 98/3349 1511 (R$350 bis 4 Pers.).
  • Santo Amaro: Cisne Branco, tgl. 6, 9, 14 und 18.45 Uhr, erst bis Sangue, 1 Std., dort 2 Std. Aufenthalt, dann weiter im Toyota Pick-up (inkl.), insgesamt ca. 5 Std., R$40–50.
  • Tutóia: Cisne Branco, tgl. 11 und 19 Uhr, 2 Std., R$18.
Pick-ups

Nach Mandacaru (27 km, 1 3/4 Std., R$25) und Atins (32 km, 2 Std., R$30) führt eine schwierige Strecke durch Sand und Dünen. Die „Haltestelle“ in Barreirinhas liegt in der Rua Major Gallas bei der Post. Abfahrt der Gefährte ist Mo–Fr zwischen 8 und 11 Uhr (erkundigen). In der Regenzeit zwischen Januar und Juni wird der Verkehr eingestellt. Beide Orte sind auch per Boot erreichbar (über Agentur buchen, R$90 p. P.).

Um nach Tutóia zu gelangen, muss man zunächst einen Pick-up nach Paulino Neves besteigen, diese fahren tgl. zwischen 9.30 und 10 Uhr los. Dort angekommen, gibt es Fahrzeuge, die die Reststrecke nach Tutóia zurücklegen (4 Std., R$40).

Caburé

Zwischen dem Rio Preguiças und dem Atlantik liegt auf einem schmalen Sandstreifen die kleine Häuseransammlung von Caburé. Auf der Flussseite gibt es einige Restaurants. Es ist interessant, wenn auch leicht deprimierend, den täglichen Kampf der Bewohner gegen den Sand und das Meer zu beobachten, die den Ort langsam „auffressen“. Auf manche Reisende wirkt Caburé daher wenig ansprechend. Es wird auf absehbare Zeit verschwinden, dient aber weiterhin als Transitort von und nach Tutóia.

Fischersiedlung am Rio Preguiças auf dem Weg nach Caburé © Brasilien Insider

Transport

Boote

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Caburé von Barreirinhas aus per Boot zu erreichen:

  • Von Barreirinhas mit Barco Voadeira (Schnellboot, als Ausflug mit einer Agentur, R$80 p. P.), Abholung vom Hotel. Die Hinfahrt dauert 3 1/2 Std. mit Stopps in Vassouras und Mandacaru, Rückfahrt (1 Std.) um ca. 16 Uhr.
  • Ein Charter-Schnellboot kostet ca. R$350 (bis 4 Pers.).

Wer nur den Rückweg von Caburé nach Barreirinhas antreten möchte (zum Beispiel weil er aus Tutóia angereist ist), der muss dies vorher reserviert haben. Einfach so auf ein Ausflugsboot am Nachmittag aufzusteigen, kann von den Betreibern bei voller Auslastung abgelehnt werden. Schon so mancher Tourist sah sich deshalb gezwungen, in Caburé zu übernachten und konnte erst am nächsten Morgen die Weiterreise antreten.

Auch von Atins ist eine Überfahrt möglich und kann von den dortigen Pousadas organisiert werden.

Geländewagen

Von Caburé fahren auch Geländewagen den Strand entlang über Paulino Neves bis Tutóia und sogar weiter nach Parnaíba (über Agentur organisieren).

Surreale Landschaft auf der Wegstrecke zwischen Caburé und Tutóia © Brasilien Insider

Atins

Quasi auf der anderen Seite der Flussmündung, gegenüber von Caburé, liegt der idyllische Ort Atins, der nicht nur viel „Seele“ hat, sondern auch zahlreiche gute Unterkünfte und Restaurants besitzt. Das alte und teils noch authentische Fischerdorf, dessen Wege einzig aus Sand bestehen, wirkt im Gegensatz zu Barreirinhas und Caburé wie eine Oase der Ruhe, trotz auch hier stark wachsender touristischer Infrastruktur. Denn auch von Atins aus ist es möglich, den Nationalpark kennenzulernen. Die Strände und Dünen sind geeignet für Spaziergänge oder Reitausflüge (zum Beispiel mit Sempre Atins).

Idyllisch-verschlafener Ort mit einem deutlichen „Am-Ende-der-Welt-Gefühl“: Atins © Brasilien Insider

Allerdings darf man nicht mit der Erwartung herkommen, in Atins einen Badeort mit schönen Stränden vorzufinden. Das Meer brandet hier ziemlich stark an und nagt auch bereits erheblich an der Küste. Der Ort ist aber eben wegen dieser konstanten Winde sehr beliebt in der Kitesurfer-Community, die hier eine vollständige Infrastruktur vorfindet. Die meisten Gäste in Atins sind denn auch Kitesurfer.

Kitesurfer am Strand von Atins © Brasilien Insider

Zum Sonnenuntergang bietet sich eine romantische Bootstour zur Beobachtung der Guarás an: Vögel mit langen krummen Schnäbeln und scharlachrotem Gefieder. Die Jungvögel sind zunächst schwarz-weiß, das bunte Federkleid bekommen sie erst später dank der Ernährung von Krabben, sog. Maracoanim. Das Boot fährt zu einer Stelle zwischen Caburé und Atins, an der sich ganze Schwärme zur Nachtruhe versammeln. Leider werden die Guarás immer noch in weiten Teilen von Maranhão illegal gejagt.

Beliebter Treffpunkt: die Bar der Vila Guará direkt am Strand © Brasilien Insider

Übernachtung und Essen

Bei allen Pousadas solltet Ihr eure Ankunft ankündigen und euch vom Bootsanleger beziehungsweise Strand abholen lassen (es erspart einen anstrengenden Fußmarsch).

Pousada Convento Arcádia © Brasilien Insider

Pousada Convento Arcádia, 100 m vom Strand. Der deutsche Besitzer Olaf Lörz führt mit seinem lokalen Team diese ökologisch betriebene (Solarenergie, Abwassermanagement, natürliche Lüftung) und sehr großzügige Pousada mit vier herrlichen Chalês und drei Zimmern. Schön gelegen in einer riesigen Gartenanlage, dennoch nah am Bootsanleger und Restaurants. Schattiges Deck für Yoga-Unterricht, Kitestation zum Waschen, Trocknen und Verwahrung des Geräts. Olaf ist zudem Gründer einer Atins-Webseite und Mitgründer der Associação Atins Sustentável, die sich um nachhaltige Tourismusentwicklung bemüht. Ausflüge und Wanderungen in den Park können von der Pousada mit lokalen Partnern organisiert werden. Pousada Convento Arcádia buchen.

Umweltfreundlich geführte Pousada in großzügiger Anlage: Convento Arcádia © Brasilien Insider
Restaurant der Pousada do Irmão © Brasilien Insider

Pousada do Irmão, Rua Principal. Neuere Pousada mit Restaurantbetrieb (tgl. 12.30–21.30 Uhr), in sehr günstiger Lage nahe dem Bootsanleger. Zur Verfügung stehen acht Apartments und sechs rustikale Chalês (mit Ventilator oder AC). Einfacher und sauberer Familienbetrieb, der Besitzer Irmão organisiert für Gäste auch Ausflüge. WLAN. Pousada do Irmão buchen.

Gepflegte Anlage mit viel Grün: Pousada do Irmão © Brasilien Insider
Vila Guará © Brasilien Insider

Vila Guará, direkt am Strand. Insbesondere bei Kitesurfern beliebte Anlage mit sieben einzeln stehenden Holzbungalows und einem Chalê für Gruppen inmitten einer Dünenlandschaft. Eine schicke Bar und ein gehobenes Restaurant mit Meerblick gehören zur Anlage. Kitesurf-Unterricht möglich, französische Inhaber. Vila Guará buchen.

Beliebt bei Kitesurfern: die in den Dünen stehende Vila Guará © Brasilien Insider
La Pizza Napoletana © Brasilien Insider

La Pizza Napoletana. Schön in einem tropischen Garten in Strandnähe gelegenes Restaurant unter italienischer Führung mit erstklassigen, etwas überteuerten Pizzas (2 Pers.). Gehört zur Kite-Schule und Pousada Maresia.
tgl. 18–21.15 Uhr

Transport

Von Barreirinhas nach Atins verkehren Pick-ups (Mo–Sa 9 und 10 Uhr, R$30), zurück ab Atins Mo–Fr 5 Uhr. Außerdem gibt es ab Barreirinhas einen relativ neuen Bootsservice (ohne Zwischenstopps in Vassouras und Mandacaru): So–Fr 12 Uhr, zurück 6.30 Uhr (1 Std., R$50).

Der Bootstransport nach Caburé kann von den Pousadas organisiert werden.

Tutóia

Fischer bei Tutóia © Brasilien Insider

Tutóia (58.000 Einwohner) ist eine Durchgangsstation auf dem Weg vom Nationalpark Lençóis Maranhenses nach Parnaíba. Auch hier ist ein guter Ausgangspunkt für Besuche des fantastischen Parnaíba-Deltas. Der alte Fischerort ist tagsüber lebhaft, besonders auf dem Markt herrscht reges Treiben. Möglich sind Ausflüge zu den Stränden oder den östlichen Dünenausläufern, den Pequenos Lençóis (3 km). Falls Ihr aus Parnaíba kommt, erhaltet Ihr hier schon einen Vorgeschmack auf die großen Lençóis.

Tagsüber in praller Sonne erinnern die endlosen Dünengebiete eher an surreale Mondlandschaften, so auch die weiten Strände Praia do Amor (18 km) und Praia Arpoador (16 km), an denen man die Fischer beim traditionellen Handwerk beobachten kann.

Fischer bei der Arbeit an einem der Strände nahe Tutóia © Brasilien Insider

Besonders schön ist ein Spaziergang zum Sonnenuntergang. Vom Stadtstrand Praia da Barra (zu Fuß vom Zentrum in 15 Minuten erreichbar) fällt der Blick auf ein Schiffswrack (ein Salztransporter, Tutóia hatte einst Salinen), der wegen der tückischen Sandbänke in der Bucht auf Grund gelaufen ist.

Spielende Kinder vor dem Schiffswrack am Hauptstrand Praia da Barra © Brasilien Insider

Bootstour im westlichen Parnaíba-Delta

Fahrt durch Mangroven © Brasilien Insider

Sehr zu empfehlen ist von Tutóia aus eine Bootstour durch den westlichen Teil des riesigen Parnaíba-Deltas mit seinen vielen Vögeln und Kanälen. Den östlichen und zentralen Teil des Deltas lernt Ihr am besten und intensivsten von der Stadt Parnaíba aus kennen, doch auch hier sind die Touren außerordentlich interessant und lehrreich. Die Ausflüge ab Tutóia dauern in aller Regel von 10 bis 18 Uhr und sollten um R$600/Boot kosten (mindestens R$100 pro Person).

Fischerrestaurant im Parnaíba-Delta © Brasilien Insider

Nach einem Besuch der Sanddünen auf der Ilha do Caju kehrt man zum Mittagessen meistens in einem der Insel-Restaurants der einheimischen Fischer ein. Unterwegs werden immer wieder Mangrovenkanäle durchkreuzt. Der Ausflug endet mit einem Farbfeuerwerk: der Rückkehr der Guarás. Am einfachsten geht die Buchung vor Ort über die Pousada Baluarte oder Ihr reserviert bereits vorab über die englischsprachige Agentur Terra Nordeste mit Sitz in São Luís.

Farbfeuerwerk am Abend: Rückkehr der Roten Ibisse © Brasilien Insider

Übernachtung und Essen

Zimmer der Pousada Jagatá © Brasilien Insider

Pousada Jagatá, Av. Beira Mar 1000. Diese Pousada ist wunderschön an der Bucht gelegen und besitzt einen eigenen Zugang zum Strand. Darüber hinaus sorgt eine gepflegte Gartenanlage für eine angenehme Atmosphäre, auch ein Pool steht den Gästen zur Verfügung. Dass das Duschwasser von einer eigenen Solaranlage erhitzt wird, ist kein Zufall. Der Besitzer Marcos Jagatá setzt sich für Umweltschutz und nachhaltigen Tourismus ein und weiß auch ansonsten viel Interessantes über die Region zu erzählen. WLAN vorhanden. Pousada Jagatá buchen.

Schöner Garten mit Pool und direktem Strandzugang: Pousada Jagatá in Tutóia © Brasilien Insider
Zimmer der Pousada Baluarte © Brasilien Insider

Pousada Baluarte, Av. Magalhães de Almeida 914. Gepflegte Pousada mit zwölf Zimmern, kleinem Pool und einem guten Restaurant. Das Besitzerteam ist äußerst engagiert und liefert einen prima Service. Wer sich hier einmietet, kann über die hauseigenen Agentur auch interessante Ausflüge zu den Stränden und ins Delta buchen. Pousada Baluarte buchen.

Kleiner Pool mit von der Sonne gegerbtem Holzdeck der Pousada Baluarte © Brasilien Insider

Transport

Nach Barreirinhas, Caburé und Atins:

Die Jardineiras und Toyota Pick-ups fahren Mo–Sa ca. 9 Uhr zwischen Tutóia (Praça Matriz) und Paulino Neves (1 Std., R$15), mit Anschluss nach Barreirinhas (4 Std., R$30). Die Pousadas können eine Abholung bestellen.

Alternative: Im Geländewagen nach Barreirinhas oder Caburé (3 1/2 bzw. 1 1/2 Std., R$400/350). Wenn man vor dem Nachmittag in Caburé ankommt, kann man sich von einem der Boote am Strand nach Atins übersetzen lassen (R$200/Boot). Sicherer ist es aber, die Weiterfahrt schon vorher zu organisieren, etwa über Pousada Baluarte in Tutóia.

Nach São Luís:

Busse von Cisne Branco fahren tgl. um 7 und 14 Uhr von der Rodoviária ab (ca. 4 Std., R$70).

Nach Parnaíba:

Eine neue Asphaltstraße zwischen Tutóia und Barreirinhas hat den einstmals prekären Transport erheblich beschleunigt. Nach Parnaíba fahren ab Rodoviária Busse von Solitur, tgl. 6, 7 und 9 Uhr, 2 Std., R$35. Oder im Schnellboot 3 Std. (direkt) oder 6–7 Std. mit Zwischenstopps bei einigen Inseln, ca. R$600 (bis 6 Pers.), Kontakt zu Fahrern über Pousada herstellen lassen.