MINAS GERAIS

Highlight in Minas Gerais: das Instituto Cultural Inhotim bei Belo Horizonte, hier zu sehen die Installation "Magic Square #5" von Hélio Oiticica © Brasilien Insider/W. Rudhart
Severin Dahlmeier, dein Insider für Minas Gerais

Minas Gerais bedeutet „allgemeine Minen“. Die große Bergbauprovinz wirkt wie ein stürmisches Landmeer. Die weite Dünung des zentralen brasilianischen Hochlands türmt sich in Richtung Küste zu immer kürzeren, steilen Wellen. Durch diese geologische Brandung war lange Zeit schwer hindurchzustoßen. Sklavenjäger (Bandeirantes) und Goldsucher aus São Paulo waren die ersten Weißen, die entlang den Flussläufen das Hinterland erschlossen. Als die ersehnten Goldbrocken gefunden wurden, gab es kein Halten mehr. Endlich schien Brasilien den Preis seiner Entdeckung wert zu sein.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts überholte die brasilianische Ausbeute die Gesamtmenge an Gold, die Spanien aus seinen Kolonien herausgeholt hatte. Der Pro-Kopf-Ertrag der schwarzen Sklaven war damals der höchste in der ganzen Welt – und die Arbeiter waren bereits nach fünf Jahren Fronarbeit erledigt. „Weihestätten für Verbrechen, Vagabunden und Übeltäter“ nannte ein portugiesischer Kolonialbeamter das Eldorado in Minas Gerais, ein anderer rühmte den kulturellen und materiellen Reichtum. Verständlich, dass hier Aufstände gegen die portugiesischen Ausbeuter stattfanden, die nur daran interessiert waren, das Gold und die Edelsteine aus dem Lande zu schaffen. Den widerspenstigen Geist sagt man den Bewohnern von Minas bis heute nach, doch die Mineiros trügen ein Herz aus Gold unter einer eisernen Brust.

Im hügeligen Bergland von Minas Gerais entdeckten die portugiesischen Kolonialisten große Schätze © Brasilien Insider/W. Rudhart

Ähnlich bewahrend wie die Menschen wirken die vielen Kolonialstädtchen, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Verträumte Bergdörfer wie São Gonçalo do Rio das Pedras ziehen Naturfreunde an, und zu den weißen Felsen von São Tomé das Letras strömen scharenweise Esoteriker. Überall präsent sind Hügel, Berge und Wasserfälle, eine Reihe von Nationalparks verstärkt den Eindruck des Ursprünglichen und Natürlichen. Nur die Hauptstadt Belo Horizonte zeigt sich als moderne und pulsierende Metropole. Von Belo Horizonte ausgehend sind besonders die historischen Städte Ouro Preto und Tiradentes leicht zu erreichende kulturelle Highlights.

Die Barockstadt Ouro Preto zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten in Brasilien © Brasilien Insider/W. Rudhart
Ausritt in der Serra do Cipó © Acervo Setur MG – Xará

Der Bundesstaat Minas Gerais besteht hauptsächlich aus Hochländern, Plateaus und Hochebenen im Südosten Brasiliens. Die Hauptstadt Belo Horizonte liegt zu Fuße der Serra do Curral, Teil des Espinhaço-Massivs, welches bis weit in den Bundesstaat Bahia im Nordosten Brasiliens hineinreicht. Der nahegelegene Nationalpark Serra do Cipó ist auch Teil dieser Bergkette und lockt Naturfreunde mit charmanten kleinen Hotels und zahlreichen Wasserfällen und kristallklaren Bergquellen. Die größeren wildlebenden Säugetiere der Region haben sich hier ihren Rückzugsraum erhalten können, werden aber nur selten gesichtet: Mähnenwölfe, Ameisenbären, Pumas, Jaguare, Tapire, verschiedene kleine Affenarten und unzählige endemische Vogelarten, Reptilien und Fische.

Minas Gerais besitzt wunderbare Natur, wie hier in der Serra do Cipó © Brasilien Insider/W. Rudhart
Guter Cachaça muss jahrelang in Holzfässern reifen © Brasilien Insider/W. Rudhart

Minas Gerais ist auch von kulturellen Mischungen geprägt: Menschen, Orte, Geschichten, Aromen und nicht zuletzt die berühmte Küche, die in Brasilien als Comida Mineira bekannt ist. Unter anderem wird hier ein typischer Käse aus Rohmilch zubereitet, der zum brasilianischen Kulturerbe zählt. Brasiliens bester Kaffee und Zuckerrohrschnaps Cachaça kommen ebenfalls aus der Region.

Minas Gerais ist die Heimat der anerkannt besten Cachaças in Brasilien © Brasilien Insider/W. Rudhart

Belo Horizonte

Die Hauptstadt von Minas Gerais ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt Brasiliens. Betrachtet man den urbanen Großraum, so bildet er mit knapp 6 Millionen Menschen die drittgrößte Metropolregion Brasiliens, hinter São Paulo und Rio. Die Stadt ist, wie Brasília, eine Planstadt und wurde erst 1897 gegründet. Die Straßen sind, im großen Rahmen, schachbrettförmig angelegt, im kleinen jedoch von einem diagonalen System durchkreuzt (was dazu führt, dass man sich hier viel leichter verläuft als anderswo); um das Zentrum herum führen ringförmige Umgehungsstraßen. In der Stadt selbst dominiert der Dienstleistungs- und Handelssektor, doch südöstlich davon bis kurz vor Ouro Preto befindet sich eine der größten Eisenerz-Lagerstätten der Welt. Der Magnetismus ist so stark, dass an manchen Stellen Fahrzeuge von allein bergauf rollen. Sobald man in Richtung Ouro Preto aus der Stadt herausfährt, erblickt man die offenen Tagebauten und riesigen Bagger.

Die drittgrößte Metropolregion Brasiliens: Belo Horizonte © Brasilien Insider/W. Rudhart
Stadtpark mit See im Zentrum von BH © Brasilien Insider/W. Rudhart

Trotz Umwelt- und Verkehrsproblemen gilt Belo Horizonte als eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität in Lateinamerika. Es gibt viele öffentliche Parks, imposante Bauten in neoklassizistischem wie modernem Stil, Museen und ein reiches kulturelles und gastronomisches Angebot sowie eine ausgeprägte Nightlifeszene (“Stadt der 1001 Kneipen”).

Highlight: Igreja de São Francisco de Assis © Brasilien Insider/W. Rudhart

Wichtigste Sehenswürdigkeiten: Nicht versäumen solltet Ihr in Belo Horizontes Zentrum einen Besuch der Praça da Liberdade mit ihren Museen und der neoklassizistischen Architektur. Außerdem lohnt sich ein Abstecher in den Vorort Pampulha mit einem berühmten See, der wegen der dort errichteten Bauten von Oscar Niemeyer 2016 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde. Besonders hervorstechend ist die in den ersten Jahren wegen ihrer Formen noch umstrittene Niemeyer-Kirche Igreja de São Francisco de Assis, die 1943 errichtet wurde. Last but not least sollte bei keinem Belo-Horizonte-Besuch ein Tagesausflug zum herausragenden “Garten der Künste” Instituto Cultural Inhotim fehlen.

Stadt der Kunst: Wandmalerei mit typographischem Design © Brasilien Insider/W. Rudhart

Es empfiehlt sich für Belo Horizonte und das Centro Cultural Inhotim 3 Tage einzuplanen. Doch kommen die wenigsten Besucher nur deswegen. Belo Horizonte ist vor allem eine Drehscheibe, um zu den mineirischen Barockstädten und Nationalparks zu gelangen. Eine empfehlenswerte Route wäre es beispielsweise, über Ouro Preto die königliche Goldroute entlang bis nach Rio de Janeiro zu reisen. Hierzu bieten sich die Überlandbusse, Mietwagen oder ortskundige Guides an.

Abendlicher Blick von der Gebirgskette Serra do Curral auf Belo Horizonte © Brasilien Insider/W. Rudhart

Sehenswertes

… im Zentrum

Die im 19. Jahrhundert nach französischem Vorbild angelegte Praça da Liberdade ist eine der Hauptbühnen des städtischen Lebens. Inmitten von viel Grün treffen sich hier die Einheimischen, flanieren Paare zwischen Blumenbeeten, joggen Hausfrauen um einen Musikpavillon. Eine lange Palmenallee führt direkt zum neoklassizistischen Palácio da Liberdade, bis 2009 Verwaltungssitz des Gouverneurs. An Sonntagen kann das pompöse Innere des Palastes bestaunt werden. Man meldet sich bei der Pforte an und wird dann einer der Gruppen zugeteilt, die im halbstündlichen Abstand Führungen (ca. 1 Stunde) antreten. Um den Platz herum reihen sich weitere imposante Gebäude aneinander, darunter die moderne, von Oscar Niemeyer entworfene Biblioteca Pública (Stadtbibliothek), sowie das ebenfalls von ihm stammende kurvenförmige Wohnhaus Edifício Niemeyer aus den 1950er-Jahren.
Palácio da Liberdade So 9–16.30 Uhr

Neoklassizistische Fassaden treffen auf Moderne an der Praça da Liberdade © Brasilien Insider/W. Rudhart
Circuito Cultural: Rings um die Praça da Liberdade befinden sich etliche Museen und Kulturzentren © Brasilien Insider/W. Rudhart

Seit dem 2010 erfolgten Umzug der Landesregierung in das neue (ebenfalls von Niemeyer konzipierte) Regierungsviertel Cidade Administrativa vor den Toren der Stadt hat sich der Platz vom politischen zum kulturellen Zentrum der Stadt gewandelt. In den imposanten eklektischen Gebäuden ehemaliger Landesministerien ist ein Circuito Cultural mit Museen und Kulturzentren entstanden, den man nicht versäumen sollte. Zu den interessantesten Ausstellungsräumen zählen:

Das Museu das Minas e do Metal knüpft weiter an den engen Banden zwischen dem Land und seinem Reichtum an Mineralien und birgt zwischen kolossalen Säulen eine moderne interaktive Sammlung, zu der unter anderem ein Aufzug gehört, der die Fahrt in einen Minenschacht simuliert.
Di, Mi, Fr–So 12–18, Do 12–22 Uhr

Ein Besucher betrachtet durch ein Teleskop Mineralien im Museu das Minas e do Metal © Brasilien Insider/W. Rudhart
Kreative Installationen im Memorial Minas Gerais Vale © Brasilien Insider/W. Rudhart

Das Memorial Minas Gerais Vale beschreibt die Geschichte und Kultur des Bergbaus im Bundesstaat Minas Gerais und einiger seiner herausragenden Künstler anhand von kreativen Installationen.
Di, Mi, Fr, Sa 10–18, Do 10–22, So 10–16 Uhr

Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes, im imposanten eklektizistischen Bau des ehemaligen Justizministeriums, bietet das Centro Cultural Banco do Brasil Ausstellungen und in seinem riesigen überdachten Innenhof Platz für zwei einladende Cafés.
Mi–Mo 9–21 Uhr

Eine Oase im Zentrum: der Innenhof des Centro Cultural Banco do Brasil © Brasilien Insider/W. Rudhart
Käsespezialitäten aus Minas Gerais im Mercado Central © Brasilien Insider/W. Rudhart

Zu empfehlen ist auch ein Besuch des lebendigen Mercado Central sowie des größten Straßenmarktes Lateinamerikas, der sogenannten “Feira Hippie”. Aufgrund seiner Lokalisation an der Avenida Afonso Pena heißt er offiziell folglich: Feira da Afonso Pena. An 2300 Ständen wird hier Kunsthandwerk, Möbel, Schuhe, Souvenirs und vieles mehr verkauft.
Mercado Central Mo–Sa 7–18, So 7–13 Uhr, Feira da Afonso Pena (Feira Hippie) So 8–14 Uhr

Belebte Straßenkreuzung an der Avenida Afonso Pena im Zentrum von Belo Horizonte © Brasilien Insider/W. Rudhart

… im Stadtteil Pampulha

Auch landschaftlich sehenswert: die Lagoa da Pampulha © Acervo MTUR

Eine Hauptattraktion von „BH“ (Be-Agá) sind die Sehenswürdigkeiten im 8 km nordwestlich des Zentrums gelegenen Pampulha (die Buslinie 512 verbindet im Abstand von eineinhalb Stunden sämtliche um den See herum gelegenen Attraktionen). In den 1940er-Jahren beauftragte der damalige Bürgermeister und spätere Präsident Juscelino Kubitschek den noch ziemlich unbekannten Oscar Niemeyer mit der architektonischen Gestaltung um den künstlichen See Lagoa da Pampulha. Für die Landschaftsplanung war Brasiliens wunderbarer Landschaftsgestalter Burle Marx verantwortlich. In dieser Hinsicht ist das gesamte architektonische Ensemble in Pampulha (Conjunto Arquitetônico da Pampulha) eine Vorwegnahme der knapp zwei Jahrzehnte später entstandenen Hauptstadt Brasília, die ebenfalls auf Einladung Kubitscheks von dem Team um Oscar Niemeyer konzipiert und errichtet wurde.

Schönes Ausflugsziel: Abenddämmerung an der Lagoa da Pampulha © Brasilien Insider/W. Rudhart
Ikonischer Niemeyer-Bau © Acervo MTUR

An der Uferpromenade Avenida Otacílio Negrão de Lima entstanden mehrere ikonische Bauwerke der damaligen Zeit, die Belo Horizonte den Ruf verliehen, ein Zentrum der Moderne zu sein, und Niemeyer bald über Brasilien hinaus berühmt werden ließen. Kurvenförmig der Lagoa angepasst sticht das Haus Casa do Baile bei Hausnummer 751 hervor. Es ist das einzige Niemeyer-Gebäude, das in der Lagoa steht, nämlich auf einer künstlich aufgeschütteten und über eine kleine Steinbrücke erreichbaren Insel. Die Casa do Baile diente zunächst als Tanzdiele der oberen Gesellschaftsschichten, musste jedoch schon 1946 gemeinsam mit dem nahe gelegenen Spielkasino geschlossen werden, da das Publikum infolge des Glücksspielverbots ausblieb. Heute wird das Haus als Ausstellungsraum für Architektur, Urbanistik und Design genutzt.
Di–So 9–18 Uhr

Typisch für Niemeyer: geschwungene Linien wie in der Casa do Baile © Acervo MTUR
Skulptur im Garten des Museu de Arte © Acervo MTUR

Das Museu de Arte da Pampulha (MAP) bei der Hausnummer 16.585 ist an sich schon ein Kunstwerk und beherbergt etwa 1400 Exponate nationaler und internationaler Künstler. Das Gebäude wurde Anfang der 1940er-Jahre von Oscar Niemeyer ursprünglich als Casino entworfen, konnte seine zugedachte Funktion aber nur kurze Zeit ausüben: Mit Eintreten eines landesweiten Glücksspielverbots wurden die Pforten der gerade erst eröffneten Spielbank schon 1946 wieder geschlossen. Nach langem Stillstand fand das Haus erst 1957 als Kunstmuseum seine neue Bestimmung. In der von Roberto Burle Marx gestalteten Gartenanlage stehen Skulpturen von August Zamoyski, Alfredo Ceschiatti und José Pedrosa.
Di–So 9–18 Uhr

Skulptur von Pedrosa, Garten von Burle Marx und Gebäude von Niemeyer © Acervo MTUR
Wandgemälde von Cândido Portinari © Brasilien Insider/W. Rudhart

Highlight ist jedoch die futuristisch anmutende Igreja de São Francisco de Assis. Nach der Einweihung 1943 blieb diese Kirche, deren parabolische Form spätere Projekte in Brasília vorwegnahm, zunächst für 14 Jahre geschlossen. Die Kirchenobrigen sahen in dem Bauwerk ein Symbol des Kommunismus, denn die Linien von Glockenturm und Fassade ließen angeblich Assoziationen mit Hammer und Sichel aufkommen. Heute kann man an und in dem Sakralbau kunstvolle Azulejos sowie die 14 Kreuzwegstationen von Cândido Portinari bewundern.
zuletzt wegen Renovierung geschlossen

Szene aus dem Leben des Hl. Franziskus als Wandbild der Igreja de São Francisco de Assis © Brasilien Insider/W. Rudhart
Fußballmuseum im Stadion © Acervo MTUR

Fußballfans kennen das Pampulha-Viertel vor allem wegen des mächtigen und sehr schönen Mineirão-Stadions in der Avenida Antônio Abrahão Caram. Für die WM 2014 vollständig umgebaut und modernisiert wurde es zum Schauplatz der historischen 1:7-Niederlage Brasiliens gegen Deutschland. Eine Besichtigung der sporthistorischen Stätte inklusive eines Fußballmuseums (Museu do Futebol) ist zu den Besuchszeiten möglich.
Di–Sa 9–18, So 9–14 Uhr (Führung jeweils zur vollen Stunde, aber nicht an Spieltagen), Eintritt R$14

Blick auf die Lagoa da Pampulha mit dem Mineirão-Stadion, Spielstätte der historischen Begegnung zwischen Brasilien und Deutschland 2014 © Brasilien Insider

… das Instituto Cultural Inhotim (Umland von Belo Horizonte)

Besucher lauschen im Sonic Pavilion nach dem Erdinneren © Brasilien Insider/W. Rudhart

Der Tagesausflug in das kleine Bergbaustädtchen Brumadinho, 60 km von „BH“ entfernt, ist ein besonderer Besuch, nicht nur für Kunstfans. Nahe der Stadt hat der Mäzen und Bergbauunternehmer Bernardo Paz seit 2005 auf dem Gelände der Fazenda Inhotim das bedeutendste Zentrum für zeitgenössische Kunst Brasiliens – und zugleich eines der besten der Welt – entstehen lassen: Die Werke, hauptsächlich große Installationen, sind unter freiem Himmel oder in speziell für die jeweiligen Künstler und ihre Werke konzipierten Galerien über ein 245 Hektar großes Gelände verteilt ausgestellt. Wie ein auf einem Waldhügel gelandetes Ufo präsentiert sich zum Beispiel der gläserne Sonic Pavilion des US-Amerikaners Doug Aitken, wo ein 2000 m tief in die Erde versenktes und mit Mikrofonen und Verstärkern ausgestattetes Stahlrohr die Besucher mit tranceartigen Geräuschen aus dem Inneren der Erde konfrontiert.

Rot gefärbte Objekte der Installation “True Rouge” des Künstlers Tunga © Brasilien Insider/W. Rudhart
Ausstellungspavillon “Galeria True Rouge” am Ufer eines Sees © Brasilien Insider/W. Rudhart

Inhotim ist ein Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst, verfügt aber in einer 45 Hektar großen Gartenanlage auch über fünf Seen und einen Botanischen Garten, in dem etwa 5000 Pflanzenarten wachsen, darunter eine der weltweit bedeutendsten Palmensammlungen. Es ist ein Ort mit einer einmaligen Verbindung aus Kunst und Natur. Bereitet euch auf einen Besuch vor, der zum Picknick und sogar zum Badeausflug einlädt. Es gibt zwei große Schwimmbecken und viele gemütliche Liegen sowie schattige Aussichtsorte auf dem Gelände.

Herausragende Gegenwartskunst in einem tropischen Garten mit Seen und üppiger Vegetation © Brasilien Insider/W. Rudhart
Blick durch ein Riesenkaleidoskop © Brasilien Insider/W. Rudhart

Die einzigartige Mischung aus Botanischem Garten und Kunstmuseum des Instituto Cultural Inhotim zieht inzwischen monatlich über 30.000 Besucher an, für das leibliche Wohl sorgen Restaurants, Café und Imbisse. Ein verheerender Dammbruch, der Anfang 2019 die Region um Brumadinho verwüstete, hat Inhotim verschont. Der Einrichtung kommt jetzt eine wichtige Funktion bei der Aufarbeitung der Bergbau-Katastrophe und der von ihr verursachten Traumata zu.
Di–Fr 9.30–16.30, Sa, So 9.30–17.30 Uhr, Eintritt R$44 (letzter Freitag im Monat gratis)

Drei VW-Käfer mit untereinander ausgetauschten Karosserieteilen © Brasilien Insider/W. Rudhart

Anfahrt: Geführte Touren mit mehrsprachigen Guides, die auf moderne Kunst spezialisiert sind, lassen sich bei Kopa Turismo buchen. Wer die Anfahrt auf eigene Faust machen möchte, nimmt den Sonderbus von Saritur ab Rodoviária. Er fährt von Dienstag bis Sonntag um 8.15 Uhr direkt zum Museum, die Rückfahrt ist um 16.30 Uhr bzw. am Wochenende um 17.30 Uhr. Die Fahrtzeit beträgt zwei Stunden, R$87 (hin und zurück).

Besucher im Ausstellungspavillon “Galeria Adriana Varejão” © Brasilien Insider/W. Rudhart

Private Stadtführungen

Die Agentur Kopa Turismo von Severin Dahlmeier bietet ein umfangreiches Programm: Deutschsprachige Stadtführungen, kulturelle Ausflüge in die Kolonialstädte, Trekking und Wandern in den Naturparks (zum Beispiel Serra do Cipó 1–3 Tage, Highlight für Naturfreunde und Vogelbeobachter) sowie Tagesausflüge zum Instituto Cultural Inhotim (siehe oben) mit mehrsprachigen Guides, die auf moderne Kunst spezialisiert sind.

Übernachtung

Radisson Blu Belo Horizonte, Rua Lavras 150, Savassi. Das relativ neu eröffnete Hotel gehört zu den Häusern mit hohem Standard. Wie für diese Kategorie üblich, verfügt auch das Radisson Blu über Sauna, Fitnesscenter und viele weitere Annehmlichkeiten. Auch die Lage ist top: Das Hotel liegt unweit des Stadtteils Savassi, der berühmt für seine lebendige Bar- und Restaurantszene ist. Radisson Blu Belo Horizonte buchen.

Hotel Quality Belo Horizonte Lourdes, Rua Bernardo Guimarães 2032, Lourdes. Das Hotel Quality Belo Horizonte liegt im Stadtteil Lourdes, mit vielen gehobenen Restaurants um die Ecke. Ausgestattet ist das preiswerte und gepflegte Mittelklassehotel unter anderem mit Fitnesscenter, Schwimmbad und Sauna. Hotel Quality Belo Horizonte Lourdes buchen.

Geräumige Suiten © Promenade Pancetti

Hotel Promenade Pancetti, Rua Pernambuco 1045, Savassi. Die Apartments dieses Hotels verfügen über separate Schlaf- und Wohnzimmer sowie eine Küche. Im Gemeinschaftsbereich gibt es ein Schwimmbad, Sauna und Fitnesscenter. Das Hotel befindet sich in einer schönen Ecke von Savassi, in der Nähe der Praça da Liberdade und des Einkaufszentrums Pátio Savassi. In der Umgebung gibt es mehrere gute Bars und Restaurants. Hotel Promenade Pancetti buchen.

Gutes Aparthotel im Herzen von Savassi © Promenade Pancetti

Essen

Rustikaler Minas-Charme © Dona Lucinha

Dona Lucinha, Rua Padre Odorico 38, São Pedro. Traditionelle Minas-Küche vom Besten. Am Buffet bedient man sich aus 22 Töpfen oder bestellt alternativ ein selektives Tagesmenü. Die Auswahl an süßen Nachtischen ist wahrlich beeindruckend. Im Stadtzentrum führt die Besitzerin ein weiteres Lokal an der Praça da Liberdade (Rua Sergipe 811).
 Mo–Sa 12–15, 19–23 Uhr, Sa, So 12–17 Uhr

Traditionelle Küche von Minas Gerais in bester Qualität © Dona Lucinha
Hummer mit Fettuccine © Taste-Vin

Taste-Vin, Rua Curitiba 2105, Lourdes. Hier könnt Ihr in die Welt der Haute Cuisine eintauchen. Neben verschiedenen Soufflés und Spezialitäten des Küchenchefs Rodrigo Fonseca bietet das Haus Gerichte aus der französischen Küche an, darunter zum Beispiel Lammkotelett in Weißweinsauce. A propos Wein, wer einen edlen Tropfen schätzt, ist hier genau richtig: Die Weinkarte umfasst über 800 Etiketts aus der ganzen Welt.
Mo–Do 19–24, Fr, Sa 19.30–1 Uhr

Stilvoll mit dem richtigen Maß an Gemütlichkeit © Taste-Vin
Ambiente in Ziegeloptik © Glouton

Glouton, Rua Bárbara Heliodora 59, Lourdes. Und noch ein weiteres Gastro-Highlight in Belo Horizonte… Hier trennt nur ein Glasfenster die Küche von der charmant dekorierten Restaurant-Lounge. Serviert wird die französisch-mineirische Küche mit einem besonderen Schwerpunkt auf Schweinefleisch, das Menü ändert sich saisonbedingt ständig. Verantwortlich für alles ist der bereits mehrfach prämierte Küchenchef Leo Paixão. Trotz hoher Qualität ist man um eine gewisse Erschwinglichkeit bemüht. Neben der Weinkarte bietet das Restaurant auch vier verschiedene offene Hausweine zu einladenden Preisen an.
 Di–Do 19–24, Fr 12–15, 19–1, Sa 13–17, 19–1, So 13–17 Uhr

Schweinefleisch in vielen Varianten © Glouton

… in Pampulha

Ein Bauernhof in der Stadt © Paladino

Paladino, Av. Gildo Macedo Lacerda 300, Pampulha. Das Restaurant im Fazenda-Stil liegt ganz in der Nähe der Lagoa da Pampulha und ähnelt einem kleinen Bauernhof. An den Wochenenden können Kinder reiten, im Garten spielen und Tiere in ihren Gehegen beobachten. Aber nicht nur wegen der schönen Natur, auch wegen der leckeren Küche kommen Gäste gerne hierher. Das Rührei “Mexido Belisário” und eine Auswahl an über 70 Bieren gehören zu den Aushängeschildern des Restaurants.
 Di 11.30–15, Mi, Do 11.30–24, Fr, Sa 11.30–1, So 11.30–17 Uhr

Herzhaft und kalorienreich: Feijoada © Xapuri

Xapuri, Rua Mandacaru 260, Pampulha. Dies ist eins der besten Lokale in Belo Horizonte, um die besondere Küche von Minas Gerais kennenzulernen. Das Restaurant bietet Platz für knapp 500 Gäste, man sitzt an langen Holztischen unter Ziegeldächern im Grünen. Die Preise sind gehoben, aber angemessen. Am Wochenende empfiehlt es sich zu reservieren, insbesondere am Samstag, wenn die berühmte Feijoada des Hauses auf dem Programm steht.
Di–Do 11–23, Fr, Sa 11–24, So 11–18 Uhr

Schönes Ambiente mit Gartenflair © Xapuri

Nachtleben

Straßenszene in Savassi, dem berühmtesten Kneipenviertel von BH © Brasilien Insider/W. Rudhart

Das Kneipen- und Nachtleben von BH spielt sich hauptsächlich in den verkehrsberuhigten Revieren um die Praça Diogo de Vasconcelos im Stadtteil Funcionários ab. Die ganze Region wird populär Savassi genannt, Name einer traditionsreichen Konditorei am Platz. Weitere Flaniermeilen finden sich in den Vierteln São Pedro (Rua Major Lopes), Anchieta (Rua Montes Claros), Lourdes und Santo Antônio.

Die Kneipenfestivals Comida di Buteco und Butecar sind ursprünglich in Belo Horizonte entstanden und haben nun auch andere Großstädte Brasiliens erobert. Einen Monat lang wetteifern die Kneipen der Stadt, wer die besten Häppchen und kleine Gerichte zu bieten hat.

Beliebtes Literaturcafé © Café com Letras

Café com Letras, Rua Antônio de Albuquerque 781, Savassi. Dieses nette Buchladen-Café mit künstlerischem Touch ist einer der schönsten Anlaufpunkte in Belo Horizonte. Viele Gäste kommen am späteren Nachmittag, bestellen ein Glas Wein und schmökern dazu in einem der reichlich vorhandenen Bücher. Am Abend steht oft exzellente Livemusik auf dem Programm, häufig wird Jazz gespielt. Neben köstlichen Torten gibt es auch leckere Kleinigkeiten zum Essen; sehr beliebt ist dazu die Happy Hour.
 Mo–Sa 12–24, So 13–23 Uhr

Besonders nett zur Happy Hour am Abend © Café com Letras

Feste

Karneval

Sambaköniginnen in Belo Horizonte © Acervo MTUR

Der Straßenkarneval in Belo Horizonte hat in den letzten Jahren wieder an Fahrt gewonnen. Dies war vor allem politisch gewollt, da die Kolonialstädtchen Ouro Preto und Diamantina unter den großen Besuchermengen gelitten haben. Während die Kolonialstädte vor allem das junge Publikum mit großen Bühnen und traditionellen Trommelgruppen anlocken, ist der Karneval in Belo Horizonte eher politisch und familiär. Es gibt verschiedene Umzugsgruppen, diese so genannten “Bloquinhos” haben für jeden Geschmack etwas zu bieten. Einige spielen bekannte Beatles-Stücke nach, andere Jazz und afrobrasilianische Rhythmen. Bei allen Veranstaltungen gilt es, in möglichst kreativen Verkleidungen zu erscheinen.

Großer Besucherandrang beim Straßenkarneval von Ouro Preto © Acervo MTUR

Ostern

Da die Einwohner von Minas Gerais traditionell eher katholisch konservativ eingestellt sind, haben religiöse Feste wie Ostern ein hohes Gewicht. Bis tief in die Nächte werden in den kleineren Städten des Inlandes Prozessionen veranstaltet, Blumenteppiche ausgelegt und Gottesdienste feierlich zelebriert.

Praktische Tipps

Geld

Eine Filiale der Banco do Brasil befindet sich in der Rua Espírito Santo 571 im Centro.
Geldautomaten tgl. 6–22 Uhr

Informationen

Sehr gute Informationen und stimmungsvolle Bilder bietet die portugiesischsprachige Website des Ministeriums für Kultur und Tourismus von Minas Gerais. Besonders hilfreich ist ein regelmäßig aktualisierter Eventkalender.

Belotur führt eine Infostelle im Mercado Central, an der unter anderem Karten und Prospekte erhältlich sind, darunter auch der Guia Turístico Belo Horizonte, ein hervorragend gemachter monatlicher Stadtführer (auch auf Englisch) mit aktuellen Infos und Tipps.
Mo–Sa 8–18, So 8–13 Uhr

Nahverkehr

Effizientes Busnetz von Belo Horizonte © BHTRANS

Das Busnetz ist gut, häufige Verbindungen in alle Stadtteile. Der Fahrpreis richtet sich nach der Busfarbe und ist gut sichtbar gemacht (allgemein gilt: gelbe Lackierung Nahbereich/Circular, Blau fährt in zentrumsnahe Viertel, Rot zentrumsfern). Die Metro besteht aus zwei Linien und fährt von 5.15 bis 23 Uhr. Taxis und Uber sind reichlich vorhanden.

Schienenverkehr

In dem prächtigen, 1922 eingeweihten Bahnhof Estação Ferroviária an der Praça da Estação im Centro befindet sich heute ein Museum für Kunst und Kunsthandwerk. Vom Seitengebäude aus fährt ein wahres Relikt, einer der letzten Fernverkehrszüge Brasiliens nach Vitória im Bundesstaat Espírito Santo mit renovierten Waggons inklusive Speisewagen. Die Preise sind vergleichsweise sogar günstiger als mit den Fernbussen. Abfahrt ist täglich um 7.30 Uhr, die Reisezeit beträgt 13 Stunden. Wer dieses Abenteuer mitmachen möchte, sollte die Mitfahrt unbedingt vorher reservieren und am Abfahrtstag vor 7 Uhr am Bahnhof eintreffen.

Springbrunnen vor dem neoklassizistischen Gebäude des ehemaligen Bahnhofs im Stadtzentrum von Belo Horizonte © Brasilien Insider/W. Rudhart

Fernverkehr

Fernbusse

Denkmalgeschützt: das Terminal Rodoviário © Acervo Codemge/Pedro Gravatá

Der zentrale Busbahnhof Terminal Rodoviário liegt an der Praça Rio Branco im Zentrum. Das 1971 von bedeutenden modernistischen Architekten konzipierte und inzwischen preisgekrönte und denkmalgeschützte Gebäude ist schon etwas in die Jahre gekommen, bewältigt aber immer noch auf einer Fläche von 45.000 m² stattliche 10 Millionen Passagiere im Jahr und ist damit einer der größten Busbahnhöfe Lateinamerikas. Solange ein neuer Terminal im Stadtteil São Gabriel noch nicht fertig ist, wird an Feiertagen und Zeiten des Hochbetriebs ein Teil des Busverkehrs über einen Interimsbahnhof bei der Metrostation Estação José Cândido da Silva im Stadtteil Santa Inês abgewickelt. Fest operieren (von) dort bisher nur ein paar wenige Linien. Die folgenden Busverbindungen beziehen sich auf den alten Terminal:

  • Diamantina: Pássaro Verde, 8x tgl. zwischen 6.30 und 24 Uhr, 5 Std., R$104.
  • Mariana: Pássaro Verde, 15x tgl. bis 24 Uhr, 2 1/2 Std., R$41.
  • Ouro Preto: Pássaro Verde, stdl. zwischen 6 bis 23 Uhr, 1 3/4 Std., R$36.
  • Rio de Janeiro: Útil und Cometa, 14x tgl. zwischen 8.30 und 24 Uhr, 7 Std., ab R$100.
  • São João del Rei: Sandra, 7x tgl. bis 19 Uhr, 4 Std., R$65.
  • São Paulo: Gontijo und Cometa, 14x tgl. bis 23.45 Uhr, 8 Std., ab R$150.
  • Serra do Cipó: Saritur, tgl. 6.30, 7.30, 15.15 und 16.15 Uhr, 2 1/2 Std., R$31.
  • Vitória: Kaissara, tgl. 8.15, 20.45, 21 und 22.45 Uhr, 9 Std., R$120–163.
Der Busbahnhof von Belo Horizonte ist einer der größten in Lateinamerika © Acervo Codemge/Pedro Gravatá

Flüge

Es gibt zwei Flughäfen in Belo Horizonte:

  • Der Aeroporto Internacional Tancredo Neves (oder Confins) liegt in der gleichnamigen Gemeinde und wird unter anderem von Aerolíneas Argentinas, Azul, Gol, Latam und Tap angeflogen.
  • Der kleinere Stadtflughafen Aeroporto de Pampulha ist für regionale Airlines.

Vom internationalen Flughafen in die Stadt sind es 40 km.

Shuttlebus vom Flughafen ins Zentrum © Conexão Aeroporto

Flughafentransport: Die Busse des Conexão Aeroporto der Busgesellschaft Unir fahren unregelmäßig etwa alle 45–75 Minuten bis zur Rodoviária im Zentrum (R$15). Die mehr als doppelt so teuren (R$33) Executivo-Busse fahren bis zur Avenida Álvares Cabral 387 im Zentrum. Die Fahrtzeit beträgt bei beiden ungefähr eine Stunde. Die letzte Abfahrt am Flughafen ist je nach Wochentag teilweise schon recht früh um 21.30 Uhr (Executivo), die normalen Busse verkehren meist länger (bis 23.30 Uhr).

Zum Preis für den Bustransfer müsst Ihr immer auch noch eine Anschlussfahrt mit Taxi oder Uber hinzurechnen, sodass sich die Gesamtkosten je nach Lage des Ziels stattlich aufsummieren kann. In der Regel ist ein privater Flughafentransfer schon für zwei Personen deutlich günstiger, außerdem schneller und bequemer.

Die Estrada Real

Markstein an der Estrada Real © Brasilien Insider/W. Rudhart

Brasiliens größte zusammenhängende Tourismusroute und eines der größten Tourismusprojekte der letzten Zeit war die Wiederherstellung der historischen “königlichen Goldroute”, auf Portugiesisch: Estrada Real. Es handelt sich dabei um die Erschließung der alten Goldstraßen für kulturhistorisch Interessierte sowie für Naturfreunde aus aller Welt. Auf einer Strecke von 1600 km wurde zwischen den Bundesstaaten Minas Gerais und Rio de Janeiro die Infrastruktur verbessert, um Besuchern die Reise in die Vergangenheit so interessant und leicht wie möglich zu machen. Genau genommen sind es drei Strecken, die befahren werden können:

  • der Caminho Velho (Alter Weg) von Paraty bis Ouro Preto,
  • der Caminho Novo (Neuer Weg) von Rio de Janeiro bis Ouro Preto und
  • der Caminho dos Diamantes (Diamantenweg) von Ouro Preto bis Diamantina.

177 Gemeinden werden auf diesen Strecken durchquert. Alles ist ausgeschildert, um auch Individualreisenden Orientierung zu geben. Der größte Teil der Route verläuft über Schotterpisten, durch kleine idyllische Städtchen und eine landschaftlich faszinierende Bergwelt. Es gibt viele Broschüren und entsprechende Angebote von Reiseagenturen. Es mag sich lohnen, auf diese Weise tiefer in das Land und seine Geschichte einzudringen.

Estrada Real: Auf historischen Brücken über rauschende Bäche © Brasilien Insider/W. Rudhart

Kolonialstädte

Einige der wichtigsten Kolonialstädte von Minas Gerais liegen nicht weit südlich der Hauptstadt Belo Horizonte in Richtung Rio. Nur gute 100 km sind es bis zum berühmten Ouro Preto, Brasiliens Weltkulturerbe Nummer 1 und „Hauptstadt“ der Estrada Real. Etwas abseits der gängigen Routen liegen zwei weitere interessante Kolonialstädte: Im musealen Tiradentes ist der beschauliche Charme von damals noch am stärksten erhalten. Eine uralte Dampflok rattert von dort gemächlich zum benachbarten historischen São João del Rei.

Wird gerne per Dampflok von Tiradentes aus besucht: das benachbarte São João del Rei mit seiner kolonialen Altstadt © Brasilien Insider/W. Rudhart

Ouro Preto

Ouro Preto ist zugleich lockere Studentenstadt © Brasilien Insider/W. Rudhart

Ouro Preto ist die wohl beeindruckendste und lebendigste Barockstadt Brasiliens. Das Städtchen präsentiert sich als architektonisches Highlight und als quirlige Studentenstadt zu Fuße der Itacolomi-Bergspitze. Ouro Preto wurde daher auch als erste Stadt Brasiliens (1980) von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Über hügelige Steinstraßen kommen Besucher an charmanten bunten Häusern im Kolonialstil, 13 Barockkirchen und der ältesten noch in Betrieb befindlichen Oper Lateinamerikas vorbei. Der Überschwang dieser Stadt war das Ergebnis des gewaltigen Goldrausches, der im 17. Jahrhundert begann und Portugal zur Weltmacht aufsteigen ließ.

Älteste Unesco-Weltkulturerbestätte Brasiliens: Ouro Preto © Brasilien Insider/W. Rudhart
Stadt der Barockkirchen: Blick auf die Igreja Nossa Senhora do Carmo © Brasilien Insider/W. Rudhart

Das 1179 m hoch gelegene und trotz der Kühle sehr anheimelnde Ouro Preto (Schwarzes Gold) war zwischen 1823 und 1897 Hauptstadt von Minas Gerais. Ihren kunsthistorischen Reichtum verdankt sie den gewaltigen Goldfunden der Vergangenheit, ursprünglich hieß der Ort Vila Rica (Reiches Dorf). Hier fand man das reinste Gold des Landes, zwischen 1770 und 1820 waren es schätzungsweise 500 Tonnen. Der plötzliche Wohlstand ließ Ouro Preto schnell zur größten Stadt Amerikas anwachsen, im 18. Jahrhundert wohnten hier schon 120.000 Menschen, dreimal so viele wie in New York. Heute sind es mit 74.000 Einwohnern bedeutend weniger. Trotz der allgegenwärtigen Vergangenheit ist Ouro Preto nicht museal verschlafen, sondern eine kulturell und auch sonst äußerst lebendige Stadt, geprägt von Studenten und Besuchern aus allen Teilen der Welt. Der Barock, das Aushängeschild, vermischt sich heute mit neuen künstlerischen und kulturellen  Ausdrucksformen und verbindet auf diese Weise Vergangenheit und Gegenwart zu etwas Neuem. Zeitgenössische Künstler und Kunsthandwerker nutzen Edelsteine, Gold, Holz ​​und Speckstein, um moderne Kunstwerke zu schaffen, die in kleinen versteckten Ateliers und auf den lokalen Märkten im Freien ausgestellt werden.

Einstmals ein “reiches Dorf” durch gewaltige Goldfunde: Kolonialhaus mit angebauter Kreuzwegkapelle © Brasilien Insider/W. Rudhart

Sehenswertes

… an der Praça Tiradentes

Die zentrale Praça Tiradentes erhielt ihren Namen als Hommage an eine große Persönlichkeit Ouro Pretos. Joaquim José da Silva Xavier, im Volksmund nach seinem Beruf „Tiradentes“ (Zahnzieher) genannt, war Anführer der mineirischen Unabhängigkeitsbewegung (Inconfidência Mineira) gegen Portugal. 1792 wurde er in Rio hingerichtet. Seinen Kopf stellte man auf dem Marktplatz von Ouro Preto öffentlich zur Schau, dort, wo heute das Monumento à Inconfidência steht. Das Museu da Inconfidência, ehemals Rathaus mit Gefängnis, beherrscht den Platz. Es beherbergt Graburnen der Freiheitskämpfer, samt einem der zu ihrer Hinrichtung verwendeten Galgen, sowie Möbel, Porzellan und Silberobjekte der Epoche, aber auch Holzfiguren von Aleijadinho.
Di–So 10–18 Uhr, Eintritt R$10

Blick auf das Museu da Inconfidência an der Praça Tiradentes © Brasilien Insider/W. Rudhart
Museu de Ciência e Técnica © Brasilien Insider/W. Rudhart

Auf der gegenüberliegenden Seite der Praça Tiradentes befindet sich im alten Gouverneurspalast das Museu de Ciência e Técnica mit der größten Edelstein- und Kristallsammlung Brasiliens. Träger des Museums ist die zur Universität von Ouro Preto gehörende Escola de Minas, die seit ihrer Gründung 1876 durch Kaiser Dom Pedro II. die Mineralogie und Geologie Brasiliens erforscht.
Di–So 12–17 Uhr, Eintritt R$10

Die größte Edelstein- und Kristallsammlung Brasiliens ist in Ouro Preto zu bewundern © Brasilien Insider/W. Rudhart

Nur ein paar Schritte von der Praça Tiradentes, gleich hinter der Igreja Nossa Senhora do Carmo, bezeugt das außergewöhnliche Museu do Oratório die tiefe Gläubigkeit der Brasilianer mit einer Ausstellung von 162 verschiedenen Gebetsstätten. Die Palette reicht von großen und aufwendig gearbeiteten, den Barockkirchen nachempfundenen Hausaltären aus ehemaligen Herrenhäusern bis zu groben, mit Muschelketten und anderen Candomblé-Utensilien drapierten Kisten aus den Sklavenhütten. Darunter auch Kuriositäten wie die aufklappbaren „Kugelaltäre“, so genannt wegen ihrer einer Revolverkugel ähnelnden Form: Klein und praktisch auf einem Maultiersattel zu transportieren, begleiteten sie die Reisenden auf ihren langen Expeditionen durch „gottverlassenes“ Land.
Mi–Mo 9.30–17.30 Uhr, Eintritt R$5

Die Praça Tiradentes ist das kulturelle und touristische Herz von Ouro Preto © Brasilien Insider/W. Rudhart

… Bauwerke von Aleijadinho

“Eines der vollkommensten Kunstdenkmäler der westlichen Welt” © Brasilien Insider/W. Rudhart

Die Hauptattraktion von Ouro Preto ist, neben den malerischen Kolonialhäusern und romantischen Altstadtgassen, die barocke Kirchenkunst. Die mehr als 20 Kirchen sind neben denen von Salvador das architektonisch Wertvollste, was Brasilien zu bieten hat. Viele Werke sind verbunden mit dem Namen Antônio Francisco Lisboa, liebevoll auch Aleijadinho (kleiner Krüppel) genannt. Der bedeutendste brasilianische Bildhauer des Barockzeitalters („Brasiliens Michelangelo“) wurde 1730 oder 1738 (das genaue Datum ist unbekannt) als unehelicher Sohn des portugiesischen Baumeisters Manuel Francisco da Costa Lisboa und der afrikanischen Sklavin Isabel geboren. Sein Leben war bis zu seinem Tode 1814 von einem unermüdlichen Schaffensdrang geprägt. Als seine Hände wegen einer Lepraerkrankung immer mehr verkrüppelten, ließ er sich die Arbeitswerkzeuge an den Armstümpfen festbinden. Trotz der Behinderung entstanden unzählige Meisterwerke.

Detailansicht vom Portal der Igreja de São Francisco de Assis © Brasilien Insider/W. Rudhart

Eines der schönsten Meisterwerke von Aleijadinho, die Igreja de São Francisco de Assis (1776–1812), liegt am Largo de Coimbra etwas unterhalb der Praça Tiradentes. Diese bezaubernde Kirche, für den französischen Kunstgelehrten Germain Bazin „eines der vollkommensten Kunstdenkmäler der westlichen Welt“, entstand gänzlich unter der Leitung sowie Mitarbeit von Aleijadinho. Von ihm stammen die Pläne der sich auf einem achteckigen Grundriss erhebenden Kirche, das Medaillon über dem Portal, die Holzschnitzereien der Chorkapelle und der sechs übrigen Altäre.
Di–So 8.30–12, 13.30–17 Uhr, Eintritt R$10 (berechtigt auch zum Besuch des übergangsweise hier untergebrachten Fundus des Museu de Aleijadinho mit einigen seiner Skulpturen)

Architektonisches Meisterwerk: die Igreja de São Francisco de Assis in Ouro Preto © Brasilien Insider/W. Rudhart
Wurde früher gerne für Hochzeiten genutzt: Igreja Matriz de Nossa Senhora da Conceição © Brasilien Insider/W. Rudhart

Auf dem Largo findet ein ständiger großer Kunsthandwerksmarkt statt. Hinter der Kirche gelangt man über die Rua das Mercês zur Igreja Nossa Senhora das Mercês e dos Perdões (1740–73). Diese ist jedoch wegen fehlender Restauration geschlossen, dafür genießt man von hier einen schönen Ausblick über den südlichen Teil der Stadt. Weiter bergab befinden sich in der Igreja Matriz de Nossa Senhora da Conceição (1727–60) die Grabstätten des Bildhauers und seines Vaters, der diese Kirche entworfen hatte. Seit Anfang 2013 ist leider auch dieses Gebäude wegen akuter Baufälligkeit für unbestimmte Zeit geschlossen.

Wer gut zu Fuß ist, der geht von hier ein Stück bergab über die Brücke Antônio Dias und erklimmt dann entlang der Rua Santa Efigênia den Berghang bis hinauf zur von Weitem sichtbaren Igreja Matriz de Santa Efigênia. Von dort bietet sich ein herrlicher Blick gen Westen auf Stadt und Tal. Mit etwas Glück ist die Kirche sogar gerade geöffnet. Sie wurde erbaut vom in Ouro Preto versklavten kongolesischen Stammesfürsten Chico Rei und seinen Anhängern und birgt im Inneren das Bildnis eines schwarzen Papstes sowie Schnitzereien von Muscheln, Schnecken, Hörnern und anderen Elementen afrikanischer Religiosität.

Schöne Aussicht: Blick von der Igreja Matriz de Santa Efigênia auf die Altstadt © Brasilien Insider/W. Rudhart

… weitere Sehenswürdigkeiten

Um die prunkvollste Kirche der Stadt zu besichtigen, die bereits vor der Schaffenszeit von Aleijadinho entstandene Igreja Matriz de Nossa Senhora do Pilar (1711–33), muss man wieder zurück zur Praça Tiradentes und auf der anderen Seite hinunter gehen. Mit 434 kg reinem Gold, 400 kg Silber und 472 Engelskulpturen versehen, ist sie eine der am reichsten bestückten Kirchen Brasiliens, übertroffen lediglich von der Igreja de São Francisco in Salvador. Die meisten Werke, besonders die Holzschnitzereien der Chorkapelle, stammen von Francisco Xavier de Brito, einem Lehrer von Aleijadinho. Im Untergeschoss befindet sich ein Museu de Arte Sacra.
Di–So 9–10.45, 12–16.45 Uhr, Eintritt R$10

Die prachtvollste Kirche von Ouro Preto: die Igreja Matriz de Nossa Senhora do Pilar © Brasilien Insider/W. Rudhart

Zurück geht es durch die Rua Dr. Getúlio Vargas bis zur Rua São José, wo sich die meisten Banken, Läden und Restaurants befinden. Bei Nr. 12 steht das 1782 entstandene Gebäude Casa dos Contos. Der schönste Profanbau der Stadt diente früher dem Einschmelzen, Wiegen und Versteuern des Goldes und zeitweise auch als Gefängnis. Heute sind unter anderem noch die Schmelzöfen zu sehen sowie eine Ausstellung geprägter Gold- und Geldmünzen. Weitaus interessanter ist da die im ehemaligen Kerker untergebrachte Sammlung von Utensilien, mit denen die Sklaven ihre alltäglichen Arbeiten verrichteten, sowie der Folterwerkzeuge, mit denen man sie dazu zwang.
Di–Sa 10–17, So 10–15 Uhr

Ein Reiter durchquert die Rua São José © Brasilien Insider/W. Rudhart

Weiter führt der Weg durch die Rua Conde de Bobadela, hier kann man in der Casa Guignard (Nr. 110) Werke des berühmten Malers besichtigen. In der belebten Steige voller Läden, Cafés und Kneipen gibt es viele Häuser von Studenten-Wohngemeinschaften, den sog. Repúblicas, mit bedeutungsvollen Namen wie Gaiola de Ouro (Goldener Käfig), Gandaia (Gammelei), Masmorra (Kerker) oder Baviera (Bayern).

Eine der atmosphärischsten Straßen von Ouro Preto: Die Rua Conde de Bobadela © Brasilien Insider/W. Rudhart

Aktivitäten

Über die Angebote an Touren in und um Ouro Preto informiert man sich am besten beim örtlichen Infobüro (siehe Informationen), wo auch die entsprechenden Guides vermittelt werden. Deutschsprachige Tagestouren nach Ouro Preto ab Belo Horizonte bietet Kopa Turismo an.

Historische Bahnfahrt nach Mariana

Seit 2006 hat auch Ouro Preto wieder seine historische Eisenbahn. Die holzausgestatteten Waggons aus den 1920er-Jahren werden von einer Diesellok des Bergbaukonzerns und Sponsors Vale über eine 1883 gebaute und komplett renovierte Strecke durch tolle Berglandschaft (rechte Seite!) 18 km nach Mariana gezogen. Der Zug fährt ab von der Estação Cidadania in Ouro Preto, Praça Cesário Alvim. Abfahrtszeiten sind Donnerstag bis Samstag um 9 und 14 Uhr, Sonntag um 9 und 14.30 Uhr. Die Rückfahrt ist um 11.30 und 16.30 Uhr, sonntags aber nur um 12 Uhr. Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde und kostet hin und zurück R$66 (im Panoramawagen etwas teurer). Als Option lässt sich auch nur die Hinfahrt buchen, zurück fährt man dann mit dem Linienbus ab Rodoviária im Halbstundentakt.

Blick auf den Bahnhof von Ouro Preto © Brasilien Insider/W. Rudhart

Übernachtung

Kunst, wohin das Auge fällt © Pousada do Mondego

Pousada do Mondego, Largo de Coimbra 38. Die Pousada befindet sich in einem gut erhaltenen Kolonialhaus von 1747 in bester zentraler Lage. Die 24 Apartments, die sich alle in Größe und Fenstermaß unterscheiden, sind äußerst liebevoll dekoriert mit Möbeln aus dem 18. Jahrhundert, Gemälden und Plastiken (eine der größten Kunstsammlungen in einem brasilianischen Hotel). Zum Teil besitzen sie einen reizvollen Blick auf die Igreja São Francisco de Assis. Zum Haus gehört außerdem ein weitläufiger und gut organisierter Gemeinschaftsbereich mit Restaurant und Bar. Kaum verwunderlich, dass die Pousada do Mondego zur exklusiven Hotelgruppe Roteiros de Charme zählt. Pousada do Mondego buchen.

Historische Dekoration aus der Kolonial- und Kaiserzeit © Pousada do Mondego
Pool mit Aussicht © Hotel Solar do Rosário

Hotel Solar do Rosário, Rua Getúlio Vargas 270. Direkt neben den kapriziösen Rundungen der „Sklavenkirche“ Igreja Nossa Senhora do Rosário dos Pretos thront einer der imposantesten Profanbauten Ouro Pretos. Seit 2008 hat der renovierte Hotelpalast aus dem 19. Jahrhundert wieder seinen alten Glanz zurückgewonnen – luxuriös und komfortabel bis ins kleinste Detail. Kaum vorzustellen, dass dort, wo heute unter Kristalllüstern das fürstliche Frühstück mit 50 Leckereien serviert wird, früher die Pferde der Reisenden ihr Heu kauten. Gästen stehen außerdem eine schöne Außenanlage mit Pool sowie ein beheizbares Hallenbad zur Verfügung. Hotel Solar do Rosário buchen.

Suite mit Kingsize-Bett und Trussardi-Bettwäsche © Hotel Solar do Rosário

Essen

Himmlische Pizza © O Passo Pizzajazz

O Passo Pizzajazz, Rua São José 56. Italienisches Restaurant, das Gerichte à la carte und abends auch Pizza im Programm hat. Besonders nett ist die schöne Terrasse mit Blick auf die Casa dos Contos, auf der bei gutem Wetter Jazz und Bossa Nova live gespielt werden. Die Preise sind für das hochwertige Gesamtpaket durchaus akzeptabel.
tgl. 11.40–24 Uhr

Italiener mit Ausblick: O Passo Pizzajazz © Brasilien Insider/W. Rudhart

Chafariz, Rua São José 167. Hier handelt es sich um nicht weniger als das älteste Speiselokal von Ouro Preto mit über 60-jähriger Tradition und nostalgisch opulentem Ambiente. Ein besonders reichhaltiges Buffet bietet verfeinerte regionale Küche einschließlich Nachtisch, Verdauungs-Cachaça und Kaffee. Wer ins Chafariz einkehrt, glaubt die Geschichte Ouro Pretos greifen zu können.
Di–So 11.30–16 Uhr

Geschichtsträchtig: das Restaurant Chafariz © Brasilien Insider/W. Rudhart
Gemütliches Ambiente im Obergeschoss © Bené da Flauta

Bené da Flauta, Rua São Francisco de Assis 32. Hier macht einfach alles Appetit: die feine lokale und internationale Küche samt großer Weinkarte, das gepflegte, charmant dekorierte Ambiente im ehemaligen Haus des Barock-Meisters Athaíde und die beschwingten Formen der Igreja São Francisco de Assis nebenan. Das Bené da Flauta nennt sich nicht von ungefähr “Restaurante e Café”, denn auch die Nachtische sind hier unbedingt empfehlenswert!
tgl. 12–23.30 Uhr

Feine lokale und internationale Küche © Bené da Flauta

Nachtleben

In Ouro Preto leben viele junge Leute und Studenten, entsprechend gibt es ausreichend Kneipen und Musik-Bars, die jeden Abend geöffnet sind, zum Beispiel das zwanglos studentische Satélite, Rua Conde de Bobadela 97, das Pizzas und Snacks serviert.
 tgl. 11–2 Uhr

Schicke Kellerbar © Escadabaixo

Vis-à-vis offeriert das schicke Escadabaixo im Untergeschoss des Café Geraes seine an die 70 verschiedenen Biere. An Wochenenden kann das Gewimmel in der Straße so groß werden, dass die Autos kaum mehr durchkommen.
tgl. bis 24 Uhr

Die populäre Bar Barroco, Rua dos Inconfidentes 51, liegt bergab vom touristischen Zentrum an einem Bach des Viertels Barra. Dort treffen sich bis spät in die Nacht Studenten und Locals auf ein Bier und verputzen dazu die übereinstimmend besten Coxinhas von Ouro Preto.
Mo–Sa 14–2 Uhr

Studenten cornern vor der Kultkneipe Satélite © Brasilien Insider/W. Rudhart

Feste

Vor einem Besuch solltet Ihr unbedingt einen Blick auf den Eventkalender werfen. Ouro Preto bordet über vor Großevents wie Kino- oder Jazzfestivals, dazu kommen drei große Jahresfeierlichkeiten:

  • Der Karneval von Ouro Preto zählt zu den beliebtesten Straßenkarnevals in Brasilien. Wer zu den tollen Tagen vorbeikommen möchte, muss unbedingt ein Zimmer vorab reservieren. Diese werden dann auch in den WGs, den sogenannten Repúblicas, angeboten.
  • Zu Ostern locken Messen, Prozessionen und Blumenteppiche an die 30.000 Besucher aus Brasilien und aller Welt an.
  • Und im Juli steigt das berühmte Festival de Inverno, ein Winterfestival mit Musik, Theater und Kunstevents, zugleich Studententreff von Minas Gerais mit 40.000 Gästen.

Alle großen Veranstaltungen, auch die zu Karneval und Ostern, können ohne größere Bedenken besucht werden, die Stadt zählt zu den sichersten in Minas Gerais.

Es ist immer was los in Ouro Preto, und sei es nur eine vorbeiziehende Blaskapelle © Brasilien Insider/W. Rudhart

Praktische Tipps

Schöner Kunsthandwerksmarkt auf dem Largo de Coimbra © Brasilien Insider/W. Rudhart

Einkaufen

Auf einem großen Kunsthandwerksmarkt auf dem Largo de Coimbra findet sich alles, was sich aus Speckstein und mit Halbedelsteinen fabrizieren lässt.
tgl. 9–18 Uhr

Geld

Banco do Brasil, Rua São José 195.
Geldautomat tgl. 8–22 Uhr (alle Karten)

Informationen

Der regionale Wirtschaftsverband FIEMG unterhält eine effiziente Infostelle im Centro Cultural Turístico, Praça Tiradentes 4.
tgl. 9–18 Uhr

Transport

Der Busbahnhof Terminal Rodoviário 8 de Julho liegt knapp 10 Gehminuten bergauf vom Zentrum in der Rua Padre Rolim.

  • Belo Horizonte: Pássaro Verde, stdl. zwischen 6 und 20 Uhr, 2 Std., R$34.
  • Rio de Janeiro: Útil, tgl. 10 und 21.30 Uhr, 7 Std., R$110.
  • São Paulo: Útil, tgl. 19 Uhr, 11 Std., R$160.
Ouro Preto ist lebendig, kulturell und wohl auch eines der verträumt-romantischsten Reiseziele in Brasilien © Brasilien Insider/W. Rudhart

Tiradentes

Volkslieder vor Zuhörern © Brasilien Insider/W. Rudhart

Das charmante Goldgräberstädtchen mit knapp 8000 Einwohnern gilt als das besterhaltene von Minas, so dass man sich wie in einem kolonialbarocken Museum fühlt. Es entstand in kürzester Zeit während des Goldrausches und hat sich seitdem kaum verändert. So bildet Tiradentes die ideale Kulisse für viele historische Telenovelas und Kinofilme. Alles ist liebreizend, aufgeräumt, getüncht und sorgfältig restauriert. Der stark museale Charakter mag manchen abschrecken, die meisten Besucher kommen jedoch gerade deswegen. In den letzten Jahren hat sich die Stadt zudem als kulinarisches Zentrum einen Namen gemacht, in dessen teilweise mit Kritikersternen dekorierten Restaurants es sich hervorragend, wenn auch nicht gerade billig, schlemmen lässt.

Touristen flanieren zwischen Kolonialhäusern in der historischen Altstadt von Tiradentes © Brasilien Insider/W. Rudhart

Zum Ausgleich gibt es die Hügel und Wälder der Serra de São José, die seit 1990 unter Naturschutz stehen (und anders als bei Ouro Preto nicht bebaut werden dürfen) – die Bergregion ist ideal zum Wandern, Reiten, Radfahren und frei von Bergwerksaktivitäten.

Tiradentes liegt eingebettet in eine Tallandschaft am Fuß der Serra de São José © Brasilien Insider/W. Rudhart

Sehenswertes

Holzstatuen aus dem ganzen Land © Brasilien Insider/W. Rudhart

Am Largo das Forras im Zentrum stehen viele Kutschen, die verschieden lange Fahrten anbieten (40-minütige Tour zu den Attraktionen, bis drei Personen). Empfehlenswerter ist es aber, den kleinen verkehrsberuhigten Ort gemächlich bei einem Spaziergang zu erkunden. Ausgangspunkt ist der Largo das Forras, von wo aus man in die Rua Direita gelangt. Hier befinden sich viele Läden mit Souvenirs und Kunsthandwerk, auf halbem Weg liegt rechts die alte Cadeia (Gefängnis), in der seit 2014 das Museu de Sant’Ana untergebracht ist, eine Sammlung von 300 Holzfiguren, die vom 17. bis 19. Jahrhundert in den verschiedensten Gegenden Brasiliens entstanden. In Minas Gerais erfährt die Heilige Anna besondere Verehrung als Schutzpatronin der Minenarbeiter.
Mo, Mi–Sa 10–18, So 10–16 Uhr, Eintritt R$5

Filigrane Holzschnitzarbeit im Museu de Sant’Ana © Brasilien Insider/W. Rudhart
Im Vordergrund: die historische Sklavenkirche © Brasilien Insider/W. Rudhart

Gegenüber steht die Igreja Nossa Senhora do Rosário dos Pretos, die Rosenkranzkirche der Schwarzen, die 1708 von und für Sklaven erbaute älteste Kirche der Stadt. In den Seitenaltären sind Bilder schwarzer Heiliger zu sehen. Als eine der wenigen Sklavenkirchen ihrer Zeit wurde bei der Ausschmückung im Inneren Gold verwendet, das die Sklaven hemlich von ihrer Minenarbeit in kleinen Mengen mitbrachten. Da die Kirche nie von Weißen betreten wurde, blieb dies über lange Zeit unbemerkt.
Mi–Mo 9–17 Uhr, Eintritt R$5

Hinter der Kirche geht es schräg bergan zum Largo do Sol mit der Casa de Padre Toledo, wo 1788 die erste Versammlung der mineirischen Verschwörer stattfand und es heute schöne Deckenmalereien zu bewundern gibt.
Di–Sa 10–16, So 9–15 Uhr, Eintritt R$10

Die Rua Padre Toledo hinauf ist man kurz danach bei der sehenswerten Matriz de Santo Antônio (1710), wegen ihrer vergoldeten Altäre eine der reichsten Kirchen des gesamten Landes. Die erst im Jahr 1810 vollendete Fassade zählt zu den letzten Werken Aleijadinhos. Ein weiteres Schmuckstück ist die bunt bemalte portugiesische Rokoko-Orgel von 1788. Lange verstummt, stimmen die restaurierten acht Reihen ihrer Pfeifen jetzt meist freitags in einem Orgelkonzert himmlische Töne an (20 Uhr, R$40, nachfragen!).
tgl. 9–17 Uhr, Eintritt R$5

Blick auf die Hauptkirche Matriz de Santo Antônio © Brasilien Insider/W. Rudhart
Modern aufbereitet: Museu da Liturgia © Brasilien Insider/W. Rudhart

Ein Stück bergab links, am Anfang der Rua Jogo de Bola, widmet sich das Museu da Liturgia dem katholischen Gottesdienst anhand von über 420 modern präsentierten Exponaten aus vier Jahrhunderten. In einem hübschen Innenhof könnt Ihr im Anschluss auf Bänken ausruhen und das Gesehene reflektieren.
Fr 13–16.30, Sa 10–16.30, So 10–13 Uhr, Eintritt R$10

Ausstellungsstücke im Museu da Liturgia © Brasilien Insider/W. Rudhart

In der parallelen Rua da Câmara steht der Sobrado Ramalho, eines der ältesten Häuser der Stadt, in dem das Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional (Iphan) untergebracht ist und gelegentlich Ausstellungen stattfinden. Hinter dem Largo do Ó überquert man den Bach Córrego Santo Antônio und erfrischt sich am malerischen Brunnen Chafariz de São José von 1749. Er ist stets umsäumt von Touristen, die hier ihre Wasserflaschen auffüllen.

Der historische Brunnen zieht Wandersleute magisch an © Brasilien Insider/W. Rudhart

Aktivitäten

… Ausflug nach Bichinho

Hochwertige Dekokunst in der Oficina de Agosto © Brasilien Insider/W. Rudhart

Die Gassen von Tiradentes sind voller Läden mit Kunsthandwerk und exquisiten Antiquitäten. Für Interessierte lohnt sich auch ein Ausflug in den 7 km entfernten kleinen Nachbarort Bichinho. Gleich am Ortseingang trifft man hier auf die Ateliers und Werkstätten der Oficina de Agosto. Die Welt des Künstlers Toti gleicht einem Freilufttheater: Abrisshölzer, Farbeimer, Gusseisen und Regentonnen liegen durcheinander und warten darauf, in die Hand genommen zu werden: Toti und seine circa 20 Mitarbeiter zaubern daraus Dekokunst. Noch einmal so viele Leute sägen, hämmern, schnitzen und malen für den Meister bei sich zuhause. Die Objekte, die dabei entstehen sind eine gelungene Mischung aus kulturellen Symbolen und religiösen Ikonen, aus Rost und Patina, aus tropischem Überschwang und erotischer Provokation – ganz in der Tradition der Volkskunst und nicht zu verwechseln mit dem Folklore-Kitsch der Souvenirläden.

Zentrum für fantasievolles Kunsthandwerk: Bichinho © Brasilien Insider/W. Rudhart

Mitte der 1990er-Jahre ist Toti hier hängengeblieben und inzwischen ist nichts mehr in Bichinho, wie es einmal war. Viele seiner ehemaligen Mitarbeiter haben sich in eigenen Ateliers selbstständig gemacht. Andere sind mit der Zeit aus dem ganzen Land dazugekommen. Und so ist das verschlafene Dorf heute zu einem kleinen Zentrum für fantasievolles Kunsthandwerk geworden, zu dem Sammler, Händler und Touristen gleichermaßen pilgern. Zum benachbarten Bichinho nimmt man entweder ein Taxi (R$50) oder macht eine schöne Wanderung auf der Estrada Real (knapp 7 km).

Künstlern bei der Arbeit über die Schulter schauen © Brasilien Insider/W. Rudhart

… Wandern und Trekking

Wandern und Trekking durch die nah gelegene Serra de São José sind ein echtes Highlight von Tiradentes. Sehr gut machbar sind zum Beispiel die beiden Pfade Trilha do Carteiro (3,5 Stunden) und Cachoeira do Mangue (2 Stunden). Organisiert werden kann alles bei der Agentur Uai Trip, Rua Henrique Diniz 119. Außer den oben genannten Wanderungen bietet Uai Trip auch Reitausflüge, diverse Radtouren, Rafting oder einen Ausflug nach Bichinho mit Besuch einer Schnapsbrennerei an (deutschsprachiger Guide). Auch Fahrräder können hier ausgeliehen werden.
Mo–Sa 9–17 Uhr

Trekking durch die Serra de São José: ein Highlight © Brasilien Insider/W. Rudhart

… Fahrt mit einer historischen Dampflok

Schauspieler in historischen Trachten posieren vor der alten Eisenbahn © Brasilien Insider/W. Rudhart

Sehr beliebt ist bei Besuchern die idyllische Zugfahrt nach São João del Rei. Es war einer der ersten Orte an der 1881 durch Kaiser Dom Pedro II. eingeweihten Bahnstrecke Estrada de Ferro Oeste de Minas. Die Maria Fumaça aus Kaisers Zeiten ist die älteste noch in Betrieb befindliche Dampflok der Welt, sie kämpft sich rund 12 km entlang dem Rio das Mortes und der Serra de São José. Die beste Aussicht auf der halbstündigen Fahrt habt Ihr auf der rechten Seite. Abfahrt des Zuges ist Freitag und Sonntag um 11 Uhr sowie Samstag um 11 und 16 Uhr. Zu Ferienzeiten und an Feiertagen gibt es weitere Fahrten.

Angekommen in São João del Rei könnte man sich noch das Museu Ferroviário im Bahnhof ansehen. Dort sind einige andere Lokomotiven zu besichtigen sowie eine Drehscheibe, Güterwagen und Dokumente.
Mi–So 8.30–17 Uhr

Die alte Baldwin-Dampflokomotive im Bahnhof von Tiradentes © Brasilien Insider/W. Rudhart

Übernachtung

Beeindruckendes Kolonialhaus der Pousada Solar da Ponte © Roteiros de Charme

Pousada Solar da Ponte, Praça das Mercês. Tiradentes’ erste Pousada (seit 1972) befindet sich in einem charmanten und beeindruckenden Kolonialhaus bei der Brücke zum Largo das Forras, in fußläufiger Nähe zum historischen Zentrum mit seinen Attraktionen. Die 18 Apartments, die sich auf drei Kategorien verteilen, erwarten ihre Gäste mit einer exquisiten antiken Einrichtung, dazu gibt es Sauna, Bar und einen großen Garten mit Pool. Das englisch-brasilianische Besitzerpaar gründete 1992 gemeinsam mit drei weiteren Pousadas die exklusive und ökologisch nachhaltig orientierte Hotelgruppe Roteiros de Charme, deren angeschlossene Pousadas heute zum Feinsten zählen, was Brasiliens Hotellerie zu bieten hat. Pousada Solar da Ponte buchen.

Eines der charmanten Zimmer der Pousada Solar da Ponte © Roteiros de Charme
Schöne große Grünanlage mit See © Villa Paolucci

Villa Paolucci, Rua do Chafariz. Nur etwa 200 m vom Zentrum entfernt liegt eine der bezauberndsten Pousadas der Region im Gebäude einer Fazenda von 1740, zwischen alten Bäumen und Seen. Die geräumigen Zimmer sind ganz stilecht wie in alten Kolonialzeiten dekoriert. An weiteren Annehmlichkeiten verfügt die Pousada unter anderem über einen Pool, Spa, Sauna und Tennisplatz. Und: Samstagmittags gibt’s im Restaurant ein über Tiradentes hinaus bekanntes, hervorragendes knuspriges Spanferkel (Leitão pururuca). Die Pousada ist begehrt, eine Reservierung ist ratsam. Villa Paolucci buchen.

Nächtigen wie zu des Kaisers Zeiten © Villa Paolucci
Blick aufs Grüne © Pousada Três Portas

Pousada Três Portas, Rua Direita 280. Schönes altes Haus in optimaler zentraler Lage mit geschmackvoll möblierten Zimmern. Den Gästen stehen ein beheizter und überdachter Pool sowie eine Sauna zur Verfügung. Lecker: Zum Frühstück gibt’s Käse und diverse Marmeladen aus eigener Produktion. Am Samstagabend freuen sich Kinder über die Vorstellungen in dem von den Eigentümern betriebenen Puppentheater. Pousada Três Portas buchen.

Schöne Pousada in ruhiger Nebenstraße © Pousada Três Portas

Essen

Kabeljau nach Art des Hauses mit Biogemüse © Tragaluz

Tragaluz, Rua Direita 52. Tragaluz bedeutet auf Deutsch “Bring das Licht”, und ein Licht geht einem tatsächlich auf beim Besuch dieses Restaurants. Es ist eins der besten Lokale der Stadt mit exzellenten und kreativen Gerichten, die in einem schön dekorierten Speisesaal an den Tisch gebracht werden. Berühmtheit haben auch die köstlichen Nachspeisen erlangt, wie zum Beispiel Goiabada frita com Castanha de Caju (frittierte Guavenmarmelade mit Cashew-Nüssen und Eis). Ein Ort für besondere Momente.
Mi–Mo ab 19 Uhr

Hervorragende Küche in einem ganz besonderen Ambiente © Tragaluz
Hier werden alle satt © Taberna Padre Toledo

Taberna Padre Toledo, Rua Direita 250. Die Taberna ist eines der ältesten Lokale am Ort; serviert wird Minas-Küche in riesigen Portionen: Das Hühnchen nach Art des Hauses (Frango ensopado) reicht für mindestens vier Personen.
tgl. 11.30–22 Uhr

Spaghetti Cantina Italiana, Rua Direita 7. Familiäre Atmosphäre war schon immer eine wichtige Zutat für gute italienische Küche. So auch in diesem urigen und sehr empfehlenswerten Restaurant, das seit 2001 in Tiradentes hausgemachte Pasta und Soßen nach süditalienischer Art auftischt.
Mi–Sa 13–17, 19–23, So 12–22.30 Uhr

Italienische Gemütlichkeit in der Spaghetti Cantina Italiana © Brasilien Insider/W. Rudhart

Praktische Tipps

Geld

Bradesco, Rua Min. Gabriel Passos 43.
Geldautomat tgl. 7–22 Uhr

Informationen

Secretaria Municipal de Turismo, Rua Resende Costa 71.
tgl. 9–17 Uhr

Transport

An der Rodoviária am historischen Zentrum nimmt nur zweimal pro Woche (Freitag 17 Uhr, Sonntag 16.30 Uhr) ein Bus nach Belo Horizonte Fahrgäste auf (Sandra). Ansonsten fahren die Fernverkehrsbusse alle vom benachbarten größeren São João del Rei ab. Dorthin gelangt man mit Presidente und Porto Real, es verkehren viele Busse bis 23 Uhr, 40 Minuten, R$6.

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