PIRENÓPOLIS

Eine der charmantesten Kolonialstädte Brasiliens: Pirenópolis © Brasilien Insider

Das bezaubernde alte Goldwäscherstädtchen Pirenópolis hat sich zu einem ländlich-alternativen Kontrapunkt zur nahe gelegenen Retortenstadt Brasília entwickelt. Den Aussteigern der ersten Generation, darunter nicht wenige Gringos, sind vermögende Brasília-Bürger gefolgt, die hier ihr Shangri-La fern vom Getriebe gefunden haben. Das hat die Preise in die Höhe getrieben und der Bauwirtschaft geholfen. Doch Pirenópolis (25.000 Einwohner), das seinen Namen von dem markanten Höhepunkt, den „Pyrenäen“ in der Nähe herleitet und neben dem Tourismus vom Abbau der Kalkschieferplatten lebt, hat seinen bukolischen Charakter bislang gewahrt. Ein beliebter Treffpunkt ist unten am Fluss, an der Holzbrücke, wo die Kinder ins wilde Wasser springen – und vielleicht noch Gold finden?

Sehenswertes

… im Ort

Zwei historische Gebäude sind sehenswert: Die Hauptkirche Igreja Matriz Nossa Senhora do Rosário von 1728 ist auf tragische Weise im Jahr 2002 bis auf die Grundmauern abgebrannt, konnte aber bereits wieder weitgehend rekonstruiert werden.
tgl. 9–17 Uhr, Eintritt R$2

Gleich nebenan steht ein kleines Stadttheater von 1899, das Anfang 2019 renoviert wurde. Und sehr nett sind auch die Straßenzüge Rua Direita und Rua Aurora mit ihren wunderschön bemalten Häuschen.

Der Höhepunkt im Kalender ist der Mai/Juni, wenn im Rahmen der Festa do Divino Espírito Santo halb Pirenópolis bei den dreitägigen Cavalhadas mitmacht, den farbigen Reiterspielen zwischen „Christen“ und „Mauren“, deren Ursprung im Spanien der Reconquista zu suchen ist. Die Geschichte dieses Festes wird im Museu do Divino illustriert, das gegenüber der Holzbrücke am Fluss liegt.
Mo–Fr 8–17, Sa 9–17, So 9–14 Uhr, R$2

… in der Umgebung

In der näheren Umgebung lohnen besonders die schönen Wasserfälle Meia Lua, Abade und Dragões einen Besuch. Alle drei befinden sich in Privatbesitz (Eintritt um R$40), ein Ausflug dorthin kann von den zahlreichen Agenturen im Ort organisiert werden, ebenso wie weitere Outdoor-Aktivitäten wie Abseilen, Rafting, Tirolesa und „Arvorismo“ (Wandern in Baumpfaden).

Des Weiteren sind einige sehenswerte historische Fazendas zu besichtigen, meist mit ordentlicher Infrastruktur, wo man mitunter auch gut regional essen kann. Empfehlenswert in dieser Hinsicht ist die 6 km vom Zentrum gelegene Fazenda Vagafogo, die einen üppigen Brunch anbietet. Sämtliche Leckereien werden vor Ort von den Besitzern produziert. Die Fazenda Babilônia ist die älteste, unter Denkmalschutz stehende, Fazenda von Goiás. Ein gewaltiges Dach spannt sich über den gesamten ehemaligen Nutzungskomplex: Herrenhaus, Zuckermühle, Schnapsbrennerei, Werkstätten und Sklavenhütte.
Besuch nur nach Vereinbarung, Infos siehe Websites

Ein weiterer schöner Ausflug führt – nur am Wochenende – zum Mittagsrestaurant Venda do Bento, das auf der Fazenda Recreio liegt (GO-338, KM 4). Hier steht feine regionale Küche auf der Karte. Während Ihr auf das Essen wartet, könnt Ihr euch auf der Fazenda umsehen und alte Gegenstände bewundern, zum Beispiel über 200 Jahre alte Kutschen.
Sa, So 12–18 Uhr

Übernachtung

Am Wochenende steppt in Pirenópolis der Bär, die meisten Pousadas verlangen dann einen Mindestaufenthalt von zwei Nächten. Unter der Woche ist es erheblich ruhiger und die Hotelpreise sinken um bis zu 40 %.

Divina Pousada, Rua Ipê, Quadra 1, Vila Alto da Lapa. Dies ist eine wunderbare, sehr hochwertige Pousada mit bis zu 60 m² großen Suiten. Die moderne Bauweise des Hauses ist ein gelungener Kontrast zur sonstigen rustikalen Einrichtung, in der lokales Kunsthandwerk dominiert. Ein netter Bonus, und auch interessant für Nichtgäste, ist das exzellente Restaurant Romaria Bistrô, das regionale bzw. Landesküche serviert. Die Pousada verfügt über einen attraktiven Pool. Keine Kinder unter 16 Jahren. Am Wochenende werden nur Pakete für zwei Nächte angeboten. Divina Pousada buchen.

Arvoredo EcoSuítes, Av. Abércio Ramos, Alto da Lapa. Die schöne Pousada Arvoredo EcoSuítes besticht mit ihrer Lage im Grünen, außerdem engagiert sich ihr englischsprachiger Besitzer Fabio für den Umweltschutz, beispielsweise durch die Verwendung von Solarkollektoren, Regenwasserspeicherung oder die Wiederverwertung von Baumaterialien. Ein weiterer Trumpf sind der Pool und die bequemen Kingsizebetten in den Zimmern. Nett auch, dass beim Frühstück oft Äffchen oder Tukane vorbeischauen. Auch hier gibt es am Wochenende Pakete für zwei Nächte. Insgesamt ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis für eine nachhaltig orientierte Unterkunft. Arvoredo EcoSuítes buchen.

Casarão Villa do Império, Rua Direita 79. Und gleich noch eine hübsche Pousada, diesmal in einem alten Kolonialhaus befindlich. Das Haus besitzt einen charmanten Wintergarten, in dem sanfte Musik erklingt; die Zimmer sind sehr geschmackvolle dekoriert, eine Mischung aus rustikal und doch modern. Für die Entspannung warten ein Pool, ein Jacuzzi, Fitnessraum und Sauna. Unter der Woche lässt sich der Komfort fast zu Schnäppchenpreisen erstehen. Am Wochenende gibt es dagegen, wie fast überall, nur höhere Tarife für zwei Nächte. Casarão Villa do Império buchen.

Essen und Nachtleben

Es gibt eine breite Palette von Restaurants, Cafés und Imbissen. Die meisten liegen im Tal am Fluss (Rua do Rosário), an der Praça do Coreto oder rund um die Hauptkirche Igreja Matriz im Zentrum. Weitere nette Lokale findet Ihr etwas außerhalb, entlang der Rua da Frota, sowie an der Rua do Bonfim oberhalb der gleichnamigen Kirche.

Pirineus Café, Praça do Coreto. In diesem sehr netten Bar-Restaurant sitzt Ihr auf dem Gehweg unter Bäumen und genießt den Blick auf die Praça, drinnen läuft gute Musik auf der Videoleinwand (am Wochenende live: Chorinho, Jazz und MPB). Eine gewisse Berühmtheit hat schon die Focaccia especial aus selbst gemachtem Brotteig erlangt, sie gibt es in ausgefallenen Variationen, zum Beispiel mit gegrillten Auberginen, Honig, Cream Cheese, Kräutern und Nüssen.
Mo–Do 16–23, Fr–So 10–1 Uhr

Boca do Forno, Rua Luiz G. Jaime 126. Geschmackvoll eingerichtete Pizzeria mit Garten, etwas außerhalb gelegen, aber über einen schönen Spaziergang durch den weniger touristischen Teil der Stadt erreichbar.
Di–So 18–24 Uhr

Empório do Cerrado, Rua do Rosário 27. Warum nicht mal Risotto do Cerrado (Reis mit Pequi-Frucht, dazu Huhn mit Orange) probieren? Die Küche ist experimentierfreudig und arbeitet mit regionalen Zutaten.
Mo–Fr 18–24, Sa, So 12–24 Uhr

Fast alle Bars liegen in der Rua do Rosário (auch als Rua do Lazer bekannt). Abends werden in dieser Straße die Tische rausgestellt, wie zum Beispiel in der Cachaçaria Seo Rosa, die mitten im Geschehen liegt. Hier gibt es 300 Cachaça-Sorten, darunter auch den süßen Licor de Cachaça aus Minas Gerais, dazu bietet sich ein herzhaftes Sandwich an, aber auch Suppen und einige Gerichte à la carte sind zu haben.
Mo–Fr 11–1, Sa, So 11–3 Uhr

Praktische Tipps

Geld

Die Filialen von Banco do Brasil und Bradesco findet Ihr in der Av. Sizenando Jayme. Weitere Geldautomaten stehen bei der Tourist Info.
Filialen Mo–Fr 11–16, Geldautomaten 6–22 Uhr

Informationen

Das Touristenbüro Centro de Atendimento ao Turista (CAT) liegt in der Rua do Bonfim. Besucher erhalten hier Infos zur Region und können sich Guides für Ausflüge in die Umgebung vermitteln lassen.
Mo–Sa 8–18, So 8–15 Uhr

Transport

Die Rodoviária befindet sich im Ortszentrum in der Avenida Neco Mendonça. An ihrer Rückseite stehen manchmal Taxis (eine Fahrt im Ort kostet ca. R$20). Folgende Fernbuslinie ist für Reisende von Bedeutung:

Zum Erkunden der näheren Umgebung bieten sich darüber hinaus Mototaxis an (R$7): sie sind ebenfalls meistens am Busbahnhof anzutreffen.