COPACABANA

Rio-Besucher zieht es schnell an die Copacabana, um den berühmtesten Stadtstrand der Welt zu sehen. Er ist nicht nur ein Symbol Rios, sondern ganz Brasiliens. Hier bieten sich herrliche Ausblicke über die ganze Bucht und es reiht sich eine Strandbar an die nächste. Ein Spaziergang auf der kilometerlangen Promenade mit den wellenförmigen portugiesischen Pflastersteinen ist auch ein Streifzug durch eine glorreiche Geschichte, die 1923 mit der Eröffnung des Copacabana Palace Hotels begann und bis heute ihren Glamour bewahrt hat.

Strandbesuch in Copacabana mit Blick auf den Zuckerhut im Hintergrund © Brasilien Insider/W. Rudhart

Lange Zeit war die Copacabana unbesiedelt und schwer oder nur per Boot zu erreichen, bis 1892 vom Stadtteil Botafogo aus ein Verbindungstunnel gebaut wurde und die Straßenbahn erste Wochenendausflügler vom Zentrum bis ans Meer brachte. Doch nur wenige wollten damals ihr Domizil hierher verlegen, der große Ansturm begann erst in den 1940er-Jahren. Viele schöne Villen entstanden, das gesellschaftliche und kulturelle Leben blühte auf, in den Bossa-Nova-Lokalen spielten die bedeutendsten Musiker des Landes. Auch für die Konsumwelt wurde das Viertel Trendsetter: 1952 eröffnete das erste Fast-Food-Lokal Brasiliens und 1955 der erste Supermarkt. In den 1970er-Jahren setzte ein Prozess der sozialen Umstrukturierung ein. Die Reichen oder deren Kinder zogen nach Ipanema um und die meisten der schönen alten Villen wurden durch billige Hochbauten ersetzt. Immer mehr bestimmte die untere Mittelschicht den Charakter des Viertels, in den 1980er-Jahren führte eine allgemeine Wirtschaftskrise zu einem drastischen Anstieg der Kriminalität. Seit den 1990er-Jahren erholte sich das Viertel, die historische Architektur ist zwar kaum noch vorhanden, aber die Copacabana ist nun sicherer und sauberer geworden. In einem der am dichtesten besiedelten Areale der Welt wohnen heute circa 150.000 Menschen aller sozialen Schichten und Hautfarben, ein Drittel davon Rentner, mehr als in jedem anderen Stadtteil des Landes. Copacabana ist aber auch das Viertel der Touristen, denn hier befinden sich die meisten Hotels, auch gibt es an der Avenida Atlântica und besonders in den Seitenstraßen viele nette Bars und Restaurants.

Spaziergang von Leme bis ans Ende der Copacabana: Wer das erste Mal in Rio ist, hält das kleine Leme-Viertel meistens für einen Teil der Copacabana. Die beiden Strände gehen nämlich nahtlos ineinander über, nur die breite Avenida Princesa Isabel markiert einen Trennungsstrich. Halb um den Felsen Morro do Leme herum führt ein Anglersteg (“Caminho dos Pescadores”), von dem sich ein herrlicher Blick über die gesamte Bucht und den Corcovado bietet. Die unterhalb beginnende Promenade ist 4,2 km lang, 1 km in Leme und 3,2 km in Copacabana. Man kann sie einmal ganz ablaufen und so jeden Meter des wichtigsten Strandes Brasiliens kennenlernen. Wer vorher noch einen Eindruck eines typischen Wohngebiets der Südzone von Rio bekommen möchte, kann ein Stück durch die parallel zum Strand verlaufende Rua Gustavo Sampaio schlendern. In der schattigen, grünen Hauptstraße von Leme liegen viele kleine Bars, Restaurants und Geschäfte.

Die besten Viertel von Rio liegen an den Atlantikstränden, hier der Blick von Leme auf die Copacabana © Brasilien Insider/W. Rudhart

An der Praia de Copacabana ist sieben Tage pro Woche Sonntag. Der Sandstreifen ist sehr breit und das Wasser meistens zum Baden geeignet, nur höhere Wellen und häufige Strömungen mahnen zur Vorsicht (Gefahren werden durch rote Hinweistafeln angezeigt). An der Promenade fallen neben den vielen Strandbars auch die wellenförmig angeordneten portugiesischen Pflastersteine ins Auge. Das inzwischen weltberühmte Muster geht zurück auf den halb deutschstämmigen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx. Unterwegs gibt es außer vielen Hochhäusern auf der rechten Seite und dem Blick aufs Meer auf der linken Seite nicht viel zu sehen. Nach kurzer Zeit taucht rechts die Praça do Lido auf, ein kleiner Park, bei dem sich auch eine Churrascaria befindet. Diese Stelle musst du aus logistischen Gründen kennen, denn von hier aus fahren seit einiger Zeit die Vans zum Corcovado ab, sehr praktisch!

Kurz darauf stoßt Ihr auf den neoklassizistischen Prachtbau des 1923 eröffneten Grandhotels Copacabana Palace, das von dem Negresco in Nizza und dem Carlton in Cannes inspiriert wurde. Es trug viel zum Copacabana-Mythos bei, wohnten doch hier von 1923 bis heute viele Prominente, die die “Prinzessin des Meeres”, wie das Viertel auch genannt wird, erst weltberühmt machten. In der Nachbarschaft standen zu jener Zeit nur wenige vereinzelte Villen, bis ab 1942 ein großer Umzug der Reichen ans Meer begann. Alles, was Geld und Namen hatte, zog an die Copacabana. In den 1950er- und 60er-Jahren war das Viertel der gesellschaftliche Treffpunkt schlechthin, in den zahlreichen Bossa-Nova-Lokalen traten die bedeutendsten Musiker des Landes auf. Es waren die “Goldenen Jahre” der Copacabana.

An der Promenade reiht sich nun eine Strandbar an die andere und am Wochenende gibt’s abends oft Livemusik. Zwischen Rua Constante Ramos und Rua Miguel Lemos liegt der interessanteste Ausgehbezirk Copacabanas, der sogenannte Baixo Copa, wo viele belebte Bars Publikum anlocken.

Nachdenklich, wie es sich für einen Poeten gehört: Carlos Drummond de Andrade © Brasilien Insider

Am Ende des Strandes befindet sich bei einer Landzunge eine kleine Fischerkolonie (Colônia dos Pescadores) mit einem kleinen Fischmarkt. Fast jeder schießt hier ein paar Fotos von den bunten Booten mit Strand und Zuckerhut im Hintergrund. Es ist auch wirklich ein fast perfektes Panorama. Dort begegnet Ihr auch den Denkmälern zweier großer brasilianischer Persönlichkeiten: dem auf einer Bank sinnierenden Dichter Carlos Drummond de Andrade (1902–87) und etwas weiter dem fröhlich grüßenden Komponisten Dorival Caymmi (1914–2008), einer der bedeutendsten Musiker des Landes, der zwar aus Bahia stammte und oft die afrobrasilianischen Traditionen besang, aber früh nach Rio gezogen ist und hier seinen großen musikalischen Erfolg begründete.

Freundlich jovial: die Statue der Musiklegende Dorival Caymmi bei der Fischerkolonie in Copacabana © Brasilien Insider
Blick von der Festung auf die Bucht von Copacabana und den Zuckerhut © Brasilien Insider

Gleich dahinter liegt eine Festung namens Forte de Copacabana (1914). Früher stand dort eine Kapelle, in der eine vom Titicacasee stammende Heiligenfigur der Nossa Senhora de Copacabana aufbewahrt wurde, von daher rührt auch der Name des Viertels. Die Festung ist zur Besichtigung freigegeben und enthält ein Historisches Militärmuseum. Das Besondere dieses Ortes ist jedoch der wunderschöne Blick über die Copacabana und den Zuckerhut, besonders von der Spitze der Landzunge, wo sich ein Felsen besteigen lässt. Am besten genießt man den weiten Blick über die Bucht an den Außentischen der Filiale des berühmten Kaffeehauses Colombo.

Gute Alternative: das Café 18 do Forte © Brasilien Insider

Falls wieder mal alles besetzt ist, findet man oft noch ein paar Schritte weiter im Café 18 do Forte, das denselben prächtigen Ausblick bietet, einen freien Platz. Zum Betreten der Anlage ist ein Eintritt zu entrichten, auch wenn man nicht ins Museum, sondern nur einen Kaffee trinken möchte – dennoch ist dies sehr lohnenswert und man sollte sich von diesem kleinen Obolus nicht abschrecken lassen. Besonders schön ist die Stimmung bei den gelegentlich in dieser herrlichen Szenerie stattfindenden Konzerten und kulturellen Veranstaltungen, Programm siehe Website.
Außenanlagen Di–So 10–19.30 Uhr, Museum Di–So 10–18 Uhr, Eintritt für alles R$6 (Dienstag und ab 18 Uhr gratis)

Beim Forte de Copacabana liegen zwei Cafés mit traumhafter Aussicht, hier die Außentische des Kaffeehauses Colombo © Brasilien Insider
Arpoador

Gleich hinter der Festung von Copacabana beginnt das kleine Strandviertel Arpoador, das wegen der stärkeren Wellen viel von Surfern besucht wird (Shops mit Brettverleih finden sich rundherum). Nach 200 m über die Rua Francisco Otaviano gelangt Ihr durch den Parque Garota de Ipanema zu einer ins Meer ragenden Felsformation, der Pedra do Arpoador. Von dieser felsigen Landzunge aus genießt man im Sommer den herrlichsten Sonnenuntergang Rios. Auch tagsüber bietet sich ein sensationeller weiter Blick über die Strände von Ipanema und Leblon bis hin zu den Zwillingsfelsen der Dois Irmãos. Die zu Arpoador gehörende Promenade ist an ihrem Anfang noch verkehrsberuhigt und geht dann in die berühmte Strandavenida von Ipanema über. Arpoador ist übrigens auch der Strand, an dem 1948 zum ersten Mal eine Frau im Bikini gesichtet wurde: Es war die deutsche Künstlerin und Modeschöpferin Miriam Etz.

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