IPANEMA

Nur ein paar Meter hinter dem Strand von Arpoador beginnt schon Ipanema. Das Viertel entstand später als Copacabana und ist viel moderner, wurde aber erst in den 1970er-Jahren berühmt, nicht zuletzt durch den von Antônio Carlos “Tom” Jobim komponierten Song “Garota de Ipanema” beziehungsweise The Girl from Ipanema. Die Praia de Ipanema ist landschaftlich ähnlich reizvoll wie die Copacabana, auch hier ist das Wasser meistens zum Baden geeignet. Für die Bewohner von Rio gilt Ipanema als der schönste und feinste Strand der Stadt. Während früher hier noch das Girl from Ipanema entlang flanierte, treffen sich heute gerne Gays oder Studenten. In den hinteren Straßen befinden sich viele schicke Bars, Cafés, Restaurants, Boutiquen sowie Edelsteinmuseen.

Die Strandstraße von Ipanema, Avenida Vieira Souto, gilt zusammen mit der von Leblon als die beste Adresse der Stadt. Der Unterschied zur Copacabana ist gleich an den moderneren und stärker vergitterten Apartmenthäusern zu erkennen. Das Strandpanorama mit den im Hintergrund thronenden Dois Irmãos ist wirklich erhaben, “World Travel Award” hat die Praia de Ipanema gar zum besten Strand des ganzen Kontinents gekürt.

Urlaubsfoto mit Tom Jobim © Brasilien Insider

Gleich am Anfang der Promenade begegnest du einem unscheinbaren Mann mit geschulterter Gitarre – die Statue ist natürlich Tom Jobim gewidmet, dem größten musikalischen Genie seines Landes, der den gesamten Stadtteil in seinen Liedern verewigt und in der Welt bekannt gemacht hat. “A Garota de Ipanema” war auch eine Hommage des Künstlers an seine Heimat, die Stadt bedankte sich (neben der Benennung des Flughafens) mit diesem Denkmal. Wo sonst sollte es auch stehen?

Tom Jobim schlendert mit seiner Gitarre über die Promenade von Ipanema © Brasilien Insider

Direkt an der Strandstraße gibt es wenige Restaurants, nur ein paar Strandkioske laden dazu ein, den Blick aufs Meer bei einer Caipirinha zu genießen. In das auffällige Eckhaus der früheren Bar Astor, einer Nightlife-Ikone der Stadt, ist nun die Boteco Boa Praça eingezogen, die auch Gerichte und Snacks an Tischen im Außenbereich anbietet. Hier wäre Gelegenheit, den Strandspaziergang für ein Lunch oder Getränk zu unterbrechen – zumindest am Wochenende, wenn die Boteco schon ab mittags öffnet. Von Dienstag bis Donnerstag geht es erst am späten Nachmittag los. Ein Stückchen hinter dem Rettungsposten Posto 8, etwa auf der Höhe der Rua Farme de Amoedo, trifft sich Rios große Gay-Gemeinde, die wehenden Regenbogenfahnen weisen schon von Weitem darauf hin. Viele sind Ausländer, hat sich doch die Stadt zum besten Gay-Reiseziel der Welt entwickelt.

Am Posto 8 zeigt die LGBT-Gemeinde Flagge © Brasilien Insider

Einen Kilometer weiter versammelt sich um den Posto 9 jüngeres studentisches Publikum, es ist der belebteste Strandabschnitt der ganzen Stadt, über dem auch schon mal ein leichter Marihuana-Duft weht. Ende der 1960er-Jahre blühte hier trotz strenger Militärdiktatur die Hippie-Kultur auf, mit der sich auch die Bikinimode durchgesetzt hat. Bis heute sieht man hier noch die aufregenden Körperformen, für die Rio berühmt geworden ist. Und nirgendwo sonst wird so viel Sport betrieben, sei es Volley- oder Fußvolleyball, Joggen oder Surfen. Fast beim Posto 9 bietet sich im Quase Nove, einem der traditionellsten Strandkioske der Stadt, eine erste Rast an. Einmal im Monat finden hier ab 17 Uhr Live-Jamsessions statt (Bossa Nova, Samba und MPB) – eine persönliche Widmung von Bossa-Nova-Legende Tom Jobim hängt vorne am Kiosk.

Cagarras-Archipel vor Ipanema © Brasilien Insider

Früher oder später fallen den meisten Besuchern auch die sieben Felseninseln auf, die etwa 5 km vor der Küste aus dem Meer ragen. Es handelt sich um das unter Naturschutz stehende Arquipélago das Cagarras (78 ha). Sie sind unbewohnt, doch finden sich dort 440 Arten an Pflanzen, Fischen und anderen Meerestieren sowie über 5000 Vögel. Per Bootsausflug kann man das Archipel besuchen und dort auch tauchen (siehe Aktivitäten & Touren). Das Betreten der Inseln ist jedoch streng verboten beziehungsweise nur mit vorheriger Sondergenehmigung durch die Parkverwaltung erlaubt. Übrigens kommen die stark schimmernden weißen Flecken der Cagarras-Inseln natürlich von den Exkrementen der vielen Seevögel. Laut einer Theorie soll auch der Name der Inseln darauf zurückzuführen sein.

Von jedem Punkt in Ipanema aus sind die Cagarras-Inseln im Meer zu sehen © Brasilien Insider

Während die Strand-Avenue von Ipanema eine der besten Wohnadressen Rios ist, finden sich in den Parallel- und Querstraßen die elegantesten Einkaufsmeilen der Stadt. Vom Strand aus könnt Ihr beispielsweise in die noble Shoppingstraße Rua Garcia d’Ávila einbiegen. Nur zwei Blocks entfernt kreuzt die Rua Visconde de Pirajá, Ipanemas belebteste Einkaufsmeile. Hier befinden sich Boutiquen und Nobelgalerien, aber auch einige einfachere Einkaufspassagen. Die umliegenden wunderschönen Straßen sind alle von hohen Bäumen gesäumt und bergen elegante Geschäfte, nette Straßencafés und tolle Restaurants. Auch die Juwelierketten H. Stern und Sauer haben hier ihre Hauptfilialen und Edelsteinmuseen. Unser Tipp: Lasst euch in dem Gebiet zwischen den grünen und schattigen Straßen Rua Visconde de Pirajá, Rua Anibal de Mendonça und Rua Nascimento da Silva einfach einmal treiben und entdeckt auf diese Weise das Flair von Ipanema.

Was wäre Ipanema ohne den Bossa Nova? In der Rua Vinícius de Moraes Nr. 129 kommt man ihm so nah wie nirgends sonst. Toca do Vinícius ist das am besten sortierte Geschäft für alles rund um diesen Musikstil. Auf der anderen Seite der Avenida Visconde de Pirajá stößt man an der Ecke zur Rua Prudente de Moraes auf die nächste Bossa-Nova-Ikone, die Bar Garota de Ipanema (Mädchen von Ipanema). Die Bar, in der der Song geboren wurde, zieht bis heute viele Besucher an. 1963 hieß sie noch Veloso, bis ein dort vorbeikommendes Mädchen die Stammgäste Vinícius de Moraes und Antônio Carlos “Tom” Jobim zur Komposition von Brasiliens größtem internationalen Musikerfolg inspirierte. Der Song “The Girl from Ipanema” machte den Bossa-Nova-Stil schlagartig weltberühmt. Erst seitdem kennen viele Ausländer neben der Copacabana auch den Namen Ipanema und besuchen gern die mit alten Fotos, Instrumenten und Musiknoten geschmückte Bar. Leider hat das Restaurant inzwischen einen etwas touristischen Einschlag bekommen. Trotzdem ist es interessant, sich an diesem historischen Ort für einen Drink hinzusetzen und sich vorzustellen, wie hier Musikgeschichte geschrieben wurde …

In der Rua Visconde de Pirajá residieren auch die wichtigsten Juweliere Rios: Zum Geschäftshaus von H. Stern gibt es von den meisten Hotels aus Gratistransfers ohne Kaufverpflichtung, bei Ankunft werden Gäste oft sogar in deutscher Sprache empfangen und durch die Werk- und Verkaufsräume geführt. Gleich nebenan befindet sich die Konkurrenz Amsterdam Sauer mit einem interessanten Edelsteinmuseum, unter anderem ist hier der größte auf Erden gefundene Alexandrit (122.400 Karat, 24,48 kg) zu sehen.

Reisetipp: Vorsicht beim Bad in den Wellen
Die Brandung ist am Strand von Ipanema oft sehr kräftig, beim Baden im Meer sollte man deshalb immer eine gewisse Vorsicht walten lassen. Nicht umsonst bedeutet “Ipanema” in der Sprache der Tupi-Indios so viel wie “gefährliche” oder auch “trügerische Wasser”. Die hohen Wellen kommen in unrhythmischen und unberechenbaren Abständen und brechen sich urplötzlich ganz woanders, als man es erwartet hatte. Vom Strand aus lassen sich die angespülten und durchgeschleuderten Menschen beobachten, die von diesen Wellenbrechern überrascht wurden.

 

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