FESTE FEIERN

Volle Bars und Straßen in Lapa, Rios wichtigstem Nightlifeviertel © CVB Rio

… in den eleganten Strandvierteln, im Nightlifedistrikt von Lapa und natürlich beim weltberühmten Karneval

Den Cariocas eilt der Ruf voraus, dass sie gerne und häufig ausgehen. In geselliger Runde trinkt man reichlich Bier, doch auch eine umfangreiche Speisekarte gehört in einer brasilianischen Bar immer dazu. Über fehlendes Nightlife können sich Rio-Besucher jedenfalls nicht beklagen, die Zahl der Bars (Botecos oder Botequins), Tanzlokale (Danceterias, Boates), Discos (Discotecas) und Clubs (Clubes) ist beachtlich. Dabei spielt Musik immer eine wichtige Rolle, meist in Form von Livebands oder Solo-Gitarristen.

Welche Musikstile sind in Rio verbreitet?

Der bekannteste und typischste Musikstil für Rio ist natürlich Samba, aber auch die damit verwandten Pagode und Chorinho sowie die in den Jazz driftende und in Rio geborene Bossa Nova werden oft gespielt und sind geradezu emblematisch für die Stadt. Darüber hinaus sind oft die in ganz Brasilien verbreitete brasilianische Popmusik MPB, nationaler Rock oder regionale Tanzmusik, wie der aus Nordostbrasilien stammende Forró, zu hören. Bei der Vorstadtjugend ist Funk Carioca populär, eine Musikrichtung, die aus den Armenvierteln von Rio stammt und inzwischen im ganzen Land erfolgreich ist. Nordamerikanische Radio-Hits sind dagegen relativ selten zu hören.

Livekonzert des bekannten Sambamusikers Dudu Nobre im Rio Scenarium, einem der wichtigsten Musiktempel der Stadt © Rio Scenarium

In welchen Vierteln ist abends am meisten los?

Das Nightlife-Zentrum von Rio befindet sich eindeutig im Stadtteil Lapa. Dieses ältere Bohème-Viertel ist mit mehr als 50 Lokalen die Ausgehmeile Rios, am häufigsten wirst du hier traditionelle Sambamusik hören. In den Atlantikvierteln (Copacabana, Ipanema, Leblon) finden sich dagegen eher trendige, aber nicht ganz billige Bars, in denen jüngeres und gestyltes Publikum verkehrt. Dasselbe gilt für die angrenzenden Stadtteile Gávea und Jardim Botânico. Lokale, in denen getanzt werden kann, sind hier wie dort aber eher seltener anzutreffen. Eine aktive und teilweise urban-alternative Szene trifft sich im lebendigen Ausgehviertel von Humaitá rund um die Rua Visconde de Caravelas. Ein interessantes Erlebnis sind auch noch die After-Work-Partys in der Rua do Ouvidor im Zentrum, die an Wochentagen am frühen Abend mitunter als eine Art Warm-up für spätere Ausgehaktivitäten fungieren.

Auch außerhalb der Touristenviertel lässt sich manche Ausgehperle finden, wie zum Beispiel in Humaitá © Brasilien Insider

Tipps für den Club-Besuch

In besseren Bars oder Clubs, in denen Eintritt zu zahlen ist, erhalten Gäste oft eine Chipkarte, auf der alles gespeichert wird, was im Laufe des Abends konsumiert wurde. Den Gesamtbetrag, einschließlich 10 Prozent Trinkgeld, zahlst du am Ende an der Kasse. Zu den Stoßzeiten bilden sich dann in der Regel teilweise recht lange Schlangen, die den Heimweg durchaus erheblich verzögern können. Also am besten nicht in Eile oder überstürzt aufbrechen, sondern sich dafür etwas Zeit reservieren. Wichtig auch: Bei Verlust dieser Karte ist der Besitzer berechtigt, einen Schätzwert in Rechnung zu stellen, der nicht unbedingt zu deinen Gunsten ausfallen muss. Also gut auf die Karte aufpassen. Ebenfalls sollte Nachtschwärmern bekannt sein, dass man sich für einige Events über Facebook auf eine Gästeliste, eine sogenannte “Lista Amiga” setzen lassen kann. Dazu trägst du dich auf der jeweiligen Pinnwand ein, dein Name ist dann registriert und bei Eintritt erhältst du eine Ermäßigung.

Rio, die Hauptstadt der Gay-Gemeinde
Rio de Janeiro wurde schon mehrfach zur gay-freundlichsten Stadt der Welt gewählt, etwa 25 Prozent der ausländischen Touristen sind dem GLS-Publikum zuzurechnen (GLS = gays, lésbicas e simpatizantes). Das wichtigste Zentrum ist Ipanema, besonders entlang der Rua Farme de Amoedo.

Ausgehtipps

… Traditionsbars in den Strandvierteln
Halboffene Terrasse der Bar Garota de Ipanema © Brasilien Insider

Garota de Ipanema, Rua Vinicius de Moraes 49, Ipanema. In dieser ikonischen Bar entstand der Bossa-Nova-Erfolgssong von Tom Jobim und Vinicius de Moraes, als sie aus dem Fenster blickend das vorbeischlendernde Mädchen (“Garota”) Helô Pinheiro sahen. Ein paar Fotos aus diesen Tagen erinnern noch an die bedeutende Episode, die die brasilianische Musik verändern sollte, auch T-Shirts und Bilder mit Noten des Liedes weisen darauf hin, wo man sich befindet. Nostalgiker, überwiegend aus dem Ausland, kommen an dieser Bar nicht vorbei.
tgl. 12–2 Uhr

Zeitreise: Noten an der Wand erinnern an die Geschichte der Bar und des Liedes “Garota de Ipanema” © Brasilien Insider
Unten befindet sich das Restaurant © Vinicius Bossa Nova Bar

Vinicius Bossa Nova Bar, Rua Vinicius de Moraes 39, Ipanema. Auf der anderen Straßenseite setzt sich die Zeitreise fort: Auch das Vinicius ist eine traditionelle Adresse für Liebhaber des Bossa Nova. Während du sehr gute Live-Interpreten oben in der Bossa Nova Bar erleben kannst (Eintritt variabel ab etwa R$60), serviert im unteren Bereich ein feines Restaurant seine Gerichte an manchen Tagen ebenfalls zu prima Livemusik (Freitag und Samstag ab 19 Uhr, kein Couvert).
tgl. 12–1 Uhr

Oben in der Bossa Nova Bar ist der Ort für stimmungsvolle Livekonzerte © Vinicius Bossa Nova Bar
Stets gut gefüllt: Außentische des Jobi © Brasilien Insider

Jobi, Av. Ataulfo de Paiva 1166 B, Leblon. Im Herzen von Leblon servieren die portugiesischen Besitzer Manoel und Narciso seit 1956 Brahma Chope mit cremigem Schaumrand in ihrer bereits zur Institution gewordenen kleinen Boteco. An den Wochenenden versammeln sich die Stammgäste an den Außentischen unter schattigen Bäumen. Kundschaft und Kellner kennen sich seit Jahren und nennen sich beim Namen, eine Nachbarschaftskneipe im besten Sinne. Zum Bier gibt es hervorragende panierte Shrimps, exzellente Petiscos und günstige Tagesgerichte (bis 16 Uhr).
tgl. 10–4, Fr, Sa bis 6 Uhr

Ein Bierchen mit Freunden unter Bäumen, im Jobi ist das seit 1956 möglich © Brasilien Insider
Edle Tropfen: Academia da Cachaça © Brasilien Insider

Academia da Cachaça, Rua Conde de Bernadotte 26, Leblon. In der Ladengalerie Terrasse Centre befinden sich eine Reihe stets belebter Straßenbars. Die Academia da Cachaça ist dabei einer der beliebtesten Orte zur Happy Hour (Montag bis Freitag von 15 bis 21 Uhr). Im Angebot sind zu diesen Zeiten hervorragende Caipirinhas und andere Drinks, selbstverständlich alle mit den besten Cachaças des Landes – und nicht etwa mit Wodka – gemischt. Die frittierten Snacks sind zwar keine leichte Kost, lassen sich aber gut mit den exzellenten Getränken runterspülen. Sehr lecker ist der Caldo de Feijão, ein Bohnensüppchen in einer kleinen Schale.
tgl. 12–1 Uhr

Seit 1985 erste Anlaufstelle für Fans des Zuckerrohrschnapses: Academia da Cachaça © Brasilien Insider
… Traditionsbars in Santa Teresa
Einstiger Kolonialwarenladen: Bar do Gomes © Brasilien Insider

Bar do Gomes (Armazém São Thiago), Rua Áurea 26. Die populärste Einheimischenkneipe des Viertels ist besonders urig-rustikal. Von 1919 bis 2002 war die originelle Bar ein Kolonialwarenladen, man sieht’s noch, denn manche Utensilien aus dieser Zeit dienen heute als Dekoration. Viele Bewohner aus der Nachbarschaft trinken hier ihr Feierabendbierchen. Auf der Karte stehen weitere preiswerte Getränke, darunter 100 Cachaça-Sorten. Außerdem gibt’s köstliche Snacks oder Salgados (gut sind die gefüllten Teigtaschen: Empanadas) und üppige Salami- oder Mortadella-Sandwiches.
Mo–Sa 11–24, So 12–22 Uhr

Kult: die Bar do Gomes in Santa Teresa © Brasilien Insider
Im Herzen von Santa Teresa © Bar do Mineiro

Bar do Mineiro, Rua Paschoal Carlos Magno 99. Die Bar do Mineiro ist seit 1992 eine der beliebtesten Kneipen von Santa Teresa. Hier treffen sich sowohl Touristen als auch Locals, die gerne bei einem angeregten Schwatz mit einem Glas in der Hand auf dem Fußweg und bis auf die Straße hinaus stehen. Im oft zu vollen Innern der Bar fallen an den Wänden die älteren Fotos brasilianischer Gesangsstars und naive Bauernmalerei aus Minas Gerais auf, der Bundesstaat, aus dem der Besitzer (“Mineiro”) stammt.
Di–So 11–24 Uhr

Typische Szene in Santa Teresa: Gäste stehen in Trauben vor einer Bar © Bar do Mineiro
Reisetipp: Nightlife Guide für Rio
Wer tiefer in Rios Nachtleben einsteigen möchte, findet im Büchlein Rio for Partiers auf Englisch viele gute Ausgehtipps. Das Buch wurde zuletzt 2016 aktualisiert, ist aber immer noch erstaunlich aktuell. Viele der Tipps, wie Rios Nachtleben funktioniert, sind zeitlos und auch heute noch für Rio-Reisende äußerst wertvoll. Am interessantesten ist es, wie der weit gereiste brasilianische Autor Cristiano Nogueira den Gringos – stets mit einem charmanten Augenzwinkern – erklärt, wie die Cariocas ticken. So benennt er zum Beispiel die 14 klassischen “Fashion Crimes in Rio” oder gibt nützliche Tipps für ganz alltägliche Situationen. In Buchform ist dieser Klassiker wohl aktuell nicht mehr erhältlich, aber du kannst dir ein PDF davon kostenlos über die Website herunterladen. Das früher sehr nützliche Gutscheinheft dürfte allerdings keine Gültigkeit mehr besitzen.
… eine Sambanacht in Lapa

Im unterhalb von Santa Teresa gelegenen Ausgehviertel Lapa liegen die meisten und besten Sambaschuppen der Stadt. In den Straßen rund um die Arcos da Lapa, einem 1723 für die Wasserversorgung der Stadt eingeweihten 270 m langen Aquädukt, herrscht eine vibrierende Atmosphäre, Freitag- und Samstagabend rücken Tausende von Nachtschwärmern an. Der Hauptplatz unter den Arcos da Lapa war bis Anfang der 1940er-Jahre so etwas wie der Place Pigalle in Paris. Als Spielsalons und Cabarets verboten wurden, begann der Niedergang; die Reichen von Santa Teresa zogen zudem an die Copacabana um. Seit 2000 erlebt Lapa jedoch ein fantastisches Comeback, heute gibt es hier über 50 Musikkneipen und Bars – meist in restaurierten postkolonialen Prachtbauten, die echtes Altstadtflair verströmen.

Ort für Nachtschwärmer: Tagsüber liegen die Lapa-Bögen ruhig da © Brasilien Insider
Die Avenida Mem de Sá

Rund um die Rua Riachuelo vor dem Aquädukt ist die Architektur weniger schön, die Szene zeigt sich stärker alternativ und es ist auch etwas gefährlich. Die meisten besseren Lokale und überwiegend studentischem Mittelschichtpublikum liegen in der gleich hinter dem Aquädukt beginnenden Avenida Mem de Sá. Freitags und samstags starten hier ab 22 Uhr die heißesten Nächte Rios. Tausende Einheimische sowie zahlreiche Touristen flanieren auf dieser Partymeile auf und ab und genießen die lockere Straßenfestatmosphäre.

In einer der besten Bars Leviano kann man halb draußen und drinnen sitzen, das Ambiente ist stilvoll-modern, die Bands spielen auch internationale Hits, die Pausen füllt ein DJ, es gibt gute Drinks und recht preiswertes Essen. Etwa 100 m weiter, an der Kreuzung von Avenida Mem de Sá und Rua do Lavradio befinden sich vier große Eckkneipen, in denen man auf Barhockern draußen sitzen und bei einer Caipi das bunte Treiben verfolgen kann, am besten ist es in der Boteco da Garrafa.

Am Ende der Rua do Lavradio
Nightlife-Hotspot am Ende der Rua do Lavradio © Rio Scenarium

Am Ende der Rua do Lavradio, von der Avenida Mem de Sá in 15 Minuten zu Fuß zu erreichen, liegt eine zweite sehr nette Nightlife-Meile, sie ist 140 m lang und verkehrsberuhigt. Dort findest du mehrere hübsche Bars, zum Teil auch mit Tischen draußen. Der Renner und das Epizentrum dieser Meile ist das Rio Scenarium, Rios größter und beliebtester Sambaschuppen, welcher vor allem durch seine Antiquitäten-Dekoration besticht und fast schon eine Art eigene Sehenswürdigkeit in Rio darstellt (mehr Details dazu siehe unten). Wer nicht hineingehen möchte, kann an der anderen Straßenseite im guten Seafood-Lokal Mangue Seco draußen sitzen und dabei auch die Musik hören und das Treiben beobachten.

Berühmte Sambalokale mit Livemusik
Immer hohe Intensität © Carioca da Gema

Carioca da Gema, Av. Mem de Sá 79. Wer Samba live erleben möchte, hat in Lapa die Qual der Wahl. Nahe der Hauptkreuzung liegt das kleine Carioca da Gema, das traditionsreichste Musiklokal des Viertels mit stets gutem Programm. Hier solltest du auf Körperkontakt eingestellt sein, denn die Kneipe in einem Altbau ist klein, eng und ab 22 Uhr immer rappelvoll – es gibt nur wenige Tische mit Sitzplätzen und fast alle Gäste tanzen sowieso. Das Publikum reicht von Mittelschicht bis alternativ. Gespielt wird vor allem mitreißende Samba- und Chorinho-Livemusik. Besonders am Montagabend, wenn die meisten anderen Lokale geschlossen sind, ist das eine gute Option.
So–Di, Do, Fr ab 19.30, Sa ab 21 Uhr, R$20–30

Samba und gute Stimmung im Herzen von Lapa © Carioca da Gema
Altbau, in dem die Post abgeht © Café Cultural Sacrilégio

Café Cultural Sacrilégio, Av. Mem de Sá 81. Diese bekannte Bar ist eine der besten für traditionelle Samba-Livemusik, das Publikum ist gemischt und umfasst alle Altersgruppen. Gleich neben dem Carioca da Gema gelegen erwartet dich auch hier ein kleines, intimes Musiklokal in einem Altbau, in dem ebenfalls flotter Live-Samba gespielt und viel getanzt wird, aber auch hier ist mit einem Sitzplatz eher nicht zu rechnen. Wegen der exzellenten Caipis empfiehlt es sich, schon früh zu kommen und vor dem Konzert etwas vorzuglühen, dazu einer der superleckeren Appetizer, wie die Quesadillas mit Hühnchenfüllung, die laut vielgereisten Globetrottern sogar besser als die in Mexiko schmecken sollen.
Di–Fr 19–3, Sa 20–4 Uhr, Tischreservierung Mo–Fr 10–19 Uhr, Band ab 21 Uhr, Eintritt Di–Do R$25, Fr, Sa R$35, Ermäßigung über Website (“Lista Amiga”)

Exzellente Caipis und Top-Livemusik © Café Cultural Sacrilégio
Einzigartige Dekoration im Musiklokal © Rio Scenarium

Rio Scenarium, Rua do Lavradio 20. Das berühmteste In-Lokal von Rio richtet sich an die Freunde des Samba, Chorinho und Bossa Nova. Beim Eintritt in das sich über drei Etagen erstreckende Bar-Restaurant fällt sofort die schöne Dekoration ins Auge, das Interieur fällt wirklich aus dem Rahmen: Gäste fotografieren erst einmal die mit Antiquitäten gefüllten Räume oder den uralten, noch von Hand bedienten Fahrstuhl. Die zentrale Hauptbühne mit der Tanzfläche befinden sich unten, in den oberen Etagen ist die Musik jedoch auch zu hören. Dort gibt es weitere Bühnen für Livemusik. Eine Vorgruppe spielt meistens ab 19.30 Uhr, während die berühmtere Hauptband ungefähr gegen 22 Uhr die Bühne betritt. Die Gäste stammen aus der Mittel- und Oberschicht und sind gemischten Alters, ganze Familien kommen hierher, genauso wie viele Touristen. Das Rio Scenarium ist ein echtes Stück Rio.
Di–Fr ab 19 Uhr, Sa ab 20 Uhr, Eintritt Di–Do R$35, Fr R$45, Sa R$50; Fr/Sa am späteren Abend Warteschlangen, daher schon gegen 20.30 Uhr kommen oder reservieren übers Internet oder per Telefon Tel. 021-3147 9000

Gäste verfolgen tanzend die Show von der oberen Empore aus © Rio Scenarium
Straßenfeste
Eine Institution in Rio: das Straßenfest an der Pedra do Sal © Brasilien Insider

Neben den bekannten Bars und Kneipen gibt es noch diverse über die Stadt verteilte Straßenfeste, in denen meistens Live-Pagode oder Samba gespielt wird und die ein beträchtliches Publikum anziehen. Zu den bekanntesten dieser Events zählt am Montag- und Freitagabend das Fest an der Pedra do Sal. Am Fuße des Morro da Conceição nahe dem Largo de São Francisco da Prainha im Stadtteil Saúde steigt 200 m vom Schiffsterminal eine populäre Sambarunde im Freien auf einem kleinen Platz. Man steht oder setzt sich auf die Treppen einer Gasse und holt sich Getränke von einer Bar.
Mo, Fr ab 19 Uhr

Typisch Rio: Livemusik auf offener Straße © Beco do Rato

Beco do Rato, Rua Joaquim Silva 11, Glória. An die 400 Leute versammeln sich in und vor dieser kleinen Bar in einer Sackgasse zu einer stilechten “Roda de Samba”. Das Ambiente gleicht auch hier dem einer größeren Straßenparty. Hinter den Musikern sind im Innenraum auf einem Wandgemälde musikalische Ikonen Rios wie Alcione oder Beth Carvalho verewigt, was ganz dem Charakter dieses Ortes und der gespielten Musik entspricht.
Live-Samba Di, Do 20–24, Fr 20–2 Uhr, Eintritt R$15–20, Samstag Zeiten und Eintritt variabel

Straßenparty und gute Stimmung bei Live-Samba © Beco do Rato
Musizieren in intimem Rahmen © Bip Bip

Bip Bip, Rua Almirante Gonçalves 50, Copacabana. Ein regelrechtes Sambajuwel ist die winzige Bar Bip Bip. Vor dem legendären kleinen Laden von 1968 versammeln sich auf dem Gehweg Stammgäste und zufällig hierher verirrte Touristen, nippen ein Dosenbier und lauschen einigen der besten Musiker Rios. Gespielt wird je nach Wochentag Samba, Bossa Nova oder Choro. Um die Nachtruhe der Anwohner nicht zu stören, wird anstatt zu applaudieren oft nur anerkennend mit den Fingern geschnipst. Wer Glück hat, erlebt eine dieser kultigen Jamsessions einmal live mit.
So–Fr ab 19 Uhr

Legendäre Jamsessions in Copacabana © Bip Bip

Feste und Feiertage

  • Januar: São Sebastião, Fest zu Ehren des Schutzheiligen von Rio (20.1.)
  • Februar/März: Karneval (siehe unten)
  • Juli: Anima Mundi, Centro Cultural do Banco do Brasil, Centro, Comic-(Film-)Festival mit Werken aus der ganzen Welt (Datum variabel)
  • September: ArtRio, Pier Mauá (Hafendock), Centro, internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst (auch Verkauf), 4 Tage am Monatsanfang, Datum variabel
  • Oktober: Festival de Cinema do Rio, größtes Film-Festival Brasiliens in rund 30 Kinos mit ca. 400 Filmen aus 60 Ländern. Vorverkauf an den meisten Kinokassen oder per Internet (Datum variabel zwischen Ende September und Mitte Oktober)
  • Rock in Rio, alle zwei Jahre, eins der größten Musikfestivals der Welt mit nationalen und internationalen Superstars im Olympia-Park in Barra da Tijuca
  • Dezember: größtes Silvesterfest der Welt mit 2 Millionen Besuchern am Strand von Copacabana
Zwei Millionen Menschen säumen den Strand von Copacabana in der Silvesternacht © CVB Rio

Karneval

Der Karneval von Rio gilt als Synonym für Lebensfreude und ist eines der größten und berühmtesten Feste der Welt. Auch darum hat die Stadt Köln am 14.7.2011 eine Städtepartnerschaft mit Rio de Janeiro abgeschlossen. Weniger bekannt ist, dass Rios Karneval zwei ganz verschiedene Gesichter hat. Da sind zum einen die großen Umzüge der Sambaschulen im Sambódromo, die du bestimmt schon einmal im Fernsehen gesehen hast. Sie finden in einem 1984 für knapp 78.000 Zuschauer erbauten Tribünenstadion im Zentrum von Rio statt. In mehreren Nächten ziehen dort die besten Sambaschulen der Stadt durch. Es ist ein durchaus sehenswertes Spektakel, in der Art bestimmt einmalig auf der Welt, was jedoch auch seinen Preis hat. Günstiger und ähnlich prachtvoll ist die Siegerparade am Samstag darauf.

Bilder, die um die Welt gehen: Festumzug im Sambódromo © CVB Rio

Ganz anders dagegen und viel weniger bekannt ist Rios intensiver Straßenkarneval. Neben mehreren großen Bühnenshows finden in vielen Stadtteilen mehr als 400 Umzüge (Blocos) statt, zu denen jeder ohne Voranmeldung und ohne Eintritt erscheinen kann. Es geht wild und eng und lebendig zu. Die Umzugsstrecken und Tage sind strikt getaktet und können sich von Jahr zu Jahr ändern. Alle Infos zu diesem Mega-Event, besonders zu den Umzügen im Sambódromo, findet man auf dieser auch in Englisch verfassten Seite.

Weniger berühmt und offen für jeden: Rios Straßenkarneval © Brasilien Insider
Gut zu wissen: Ausnahmezustand im Karneval
Leider bringt der Karneval auch ein paar Schattenseiten mit sich: Die Hotels sind in dieser Zeit restlos ausgebucht und verdreifachen ihre Preise, der Mindestaufenthalt beträgt überall sechs Tage. Außerdem herrscht ein ziemliches Verkehrschaos, es gibt Behinderungen, von A nach B zu kommen, viele Sehenswürdigkeiten haben geschlossen und generell ist die Infrastruktur überlastet. Du wirst definitiv Rio de Janeiro nicht so entspannt erleben können wie zu “normalen” Zeiten. Hinzu kommen hohe Kleinkriminalität, Lautstärke, verschmutzte Straßen usw. Für Partyfans ist Rios Karneval ein sensationelles Erlebnis. Wer aber nicht gerade ein ausgesprochener Karnevals- oder Sambaliebhaber ist, bekommt außerhalb der tollen Tage einen lohnenswerteren und authentischeren Eindruck von der Stadt. Und die Karnevalsstimmung lässt sich in abgeschwächter Form übrigens auch während einer der vielen Proben zwischen Juli und Januar erleben.
Sambódromo
Einzug einer Sambaschule © CVB Rio

Was alle Welt von Rios Karneval kennt, sind die großen Umzüge im Sambódromo, einem 1984 unter Oscar Niemeyer erbauten Tribünenstadion für 77.800 Zuschauer in der Avenida Presidente Vargas im Zentrum. In den Nächten am Sonntag und Montag ziehen auf dieser 700 m langen Piste die zwölf besten Sambaschulen der 1. Liga (Grupo Especial) durch. Karten gibt es bei Reisebüros, über die oben genannte Website oder vor Ort. Am Samstag darauf folgt ab 21 Uhr die Siegerparade der Besserplatzierten. Am Freitag und Samstag vor den Umzügen der 1. Liga ziehen hier noch die 19 Sambaschulen der 2. Liga (Grupo de Ouro) hindurch, der Gewinner wird mit dem Aufstieg in die Spitzengruppe belohnt. Eingefleischte Cariocas schwören auf diese Art des Karnevals und die Präsentationen sind in der Tat fürs Auge höchst beeindruckend. Musikalisch empfinden manche es jedoch als etwas eintönig, denn jede Sambaschule spielt ein und denselben Song ganze 80 Minuten in einer Art Endlosschleife.
Anfahrt: Per Uber/Taxi, Shuttleservice oder Metro (überfüllte Züge, rechtzeitig losfahren), Ausstieg bei der Station “Praça Onze” (für Sektoren mit geraden Nummern) oder Station “Central” (ungerade Nummern)

Ein Fest fürs Auge: Karnevalsumzug im Sambódromo © CVB Rio
Straßenkarneval
Auch große Pappmachéfiguren kommen zum Einsatz © Brasilien Insider

Rios Karneval ist nach einer jahrelangen Flaute seit einigen Jahren wieder einer der größten der Welt. In vielen Stadtteilen finden schon Wochen vor dem eigentlichen Datum große Umzüge (Blocos) sowie mehrtägige Bühnenshows statt, zwei zentrale Orte sind der Platz unter den Arcos da Lapa und der Cinelândia-Platz vor dem Theatro Municipal. Am traditionsreichsten sind die Feste und Umzüge von Cordão da Bola Preta im Zentrum (Cinelândia und Avenida Rio Branco), außerdem von Banda Ipanema und Simpatia É Quase Amor (beide in Ipanema). Die Teilnehmer feiern sehr ausgelassen, tragen bis auf die vielen schrill kostümierten Transvestiten aber nur bunte Einheits-T-Shirts.

Die Band eines Umzugsblocos bahnt sich ihren Weg © Brasilien Insider
Ankunft eines Blocos in Santa Teresas Hauptstraße © Brasilien Insider

Ein eher alternativer Karneval mit improvisierter Kostümierung findet in Santa Teresa statt, Highlight ist immer der Umzug des Bloco das Carmelitas. Zu empfehlen sind auch Sargento Pimenta (mit Beatles-Songs im Samba-Rhythmus) und Bangalafumenga, beide im Park von Flamengo, also eher ein Festort statt Umzug (mehr Platz zum Tanzen und Schauen). Zur Orientierung helfen die App der Zeitung “O Globo”, in der alle öffentlichen Straßenumzüge aufgelistet sind, oder die Webseite Blocos de Rua. Ebenfalls sehenswert sind übrigens inoffizielle Umzüge, die weniger überlaufen und teils sehr originell sind. Wo sie stattfinden, wissen gut informierte Einheimische.

Körperkontakt unvermeidbar: In den Straßen von Santa Teresa wird es eng im Karneval © Brasilien Insider
Besuch einer Sambaschule

Schon ab Juli fangen die ersten der zwölf Sambaschulen der 1. Liga (Grupo Especial) an, in ihren Hallen (Quadras) zu proben und zu feiern, diese Feste ziehen sich bis Karneval hin. Die Stimmung ist sehr ausgelassen, nur könnte die Lautstärke für empfindlichere Ohren ein Problem sein. Empfehlenswert ist ein Besuch von Mangueira, der traditionsreichsten Sambaschule Rios, die für ihre rosa-grünen Trachten bekannt ist. Der Verein ist bestens organisiert und besitzt in seiner Halle eine sehr gute Infrastruktur. Ebenfalls lohnenswert ist ein Besuch der Sambaschule Salgueiro, die der Südzone am nächsten liegt und deshalb per Uber/Taxi gut erreichbar ist. Beide Schulen bieten ein nettes und sicheres Ambiente, es wird getanzt, getrunken und es geht ziemlich laut und fröhlich zu (ggf. Oropax mitnehmen). Wegen Komfort, Entfernung und Sicherheit ist es grundsätzlich ratsam, eine organisierte Tour über Hotels oder Spezialanbieter wie zum Beispiel Be Carioca Tour in Anspruch zu nehmen (mindestens 2 Personen, inkl. Transfer und Eintritt). Auch die Teilnahme an einem Karnevalsumzug im Sambódromo ist über viele Agenturen möglich.
Mangueira: Rua Visconde de Niterói 1072, Stadtteil Mangueira, Proben ab August bis Karneval samstags ab 24 Uhr, ab 22 Uhr Vorgruppe, Eintritt R$30–60
Salgueiro: Rua Silva Teles 104, Stadtteil Tijuca. Proben ab Juli bis Karneval samstags ab 22 Uhr, Eintritt R$20–50

Die Probe einer Sambaschule zu besuchen, kommt dem bunten Treiben des Karnevals schon sehr nahe © Mangueira
0 replies on “FESTE FEIERN”