AUSFLUG NACH NITERÓI

Rios kleinere Nachbarstadt zählt immerhin 512.000 Einwohner, gehört aber trotzdem noch nicht lange zu den offiziell als touristisch eingestuften Orten. Die Aufwertung ist durchaus verdient, denn neben einer ganzen Reihe von Niemeyer-Bauten sind die Atlantikstrände (Itaipu, Itacoatiara, Prainha de Piratininga und Camboinhas) von besonderem landschaftlichem Reiz und nicht wie in Rio von Häusermeeren umlagert. Um sich jedoch gleich in Niterói einzuquartieren, bietet die Stadt wiederum zu wenig, auch liegen die schöneren Strände außerhalb und sind nur über längere Buswege beziehungsweise ausschließlich per Auto zu erreichen (wer dennoch länger bleiben möchte, findet ein gutes Hotel in Charitas, siehe unten).

Von daher empfiehlt sich, Niterói in einem Tagesausflug kennenzulernen (für den Besuch der Festung Ausweiskopie mitnehmen). Von Ipanema (Praça General Osório) und entlang der Avenida Nossa Senhora de Copacabana fährt der Direktbus 740 D (Aufschrift “Charitas”, R$8,20). Er hält auch in Botafogo, Flamengo, Catete, Glória und im Zentrum, bevor er nonstop über die 13,3 km lange Ponte Rio-Niterói fährt. Dieses ingenieurtechnische Meisterwerk aus dem Jahre 1974, damals die längste Brücke der Welt, ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit, und der Blick aus 72 m Höhe über die Bucht von Guanabara ist fantastisch. Alternativ kann man auch von der Praça 15 im Zentrum von Rio mit der Fähre (Barcas) ins Zentrum von Niterói (Praça Arariboia) gelangen (R$6,30).

Sehenswertes

In Niterói sollte man zunächst den zentrumsnahen Fischmarkt Mercado São Pedro in Ponta d’Areia besuchen. Es ist der größte im ganzen Bundesstaat, in zahlreichen kleinen Boxen bietet je eine Fangtruppe ihre Ware an. Pro Woche kommen 5000 Kunden und kaufen 50 t Fisch und Meeresfrüchte. Im 1. Stock gibt es mehrere einfache, aber beliebte Fischrestaurants.
(Ö) Di–Sa 6–18, So 6–13 Uhr (vormittags/mittags interessanter)

Von dort lässt sich per Bus (740D, 760D, 775D oder 750D Richtung Charitas) oder Uber/Taxi das 1996 eingeweihte, an eine Fliegende Untertasse erinnernde Museu de Arte Contemporânea (MAC) ansteuern. Der faszinierende runde Bau besitzt oben einen Durchmesser von 50 m, unten am Sockel jedoch nur 9 m. Es ist die größte Touristenattraktion der Stadt und weit über den Bundesstaat Rio hinaus bekannt. Im Innern gibt es wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst; das eigentliche Kunstwerk ist jedoch das Gebäude selbst, eine der überzeugendsten Leistungen des Architekten Oscar Niemeyer und bereits offizielles Emblem von Niterói. Auch die Lage auf einem Felsvorsprung an der Bucht und der Blick auf Rio sind spektakulär, ebenso die Aussicht von dem Panorama-Bistro im Untergeschoss (guter Kaffee und Kuchen!).
(Ö) Di–So 10–18 Uhr, Eintritt R$10 (Mittwoch frei)

Nach dem Museumsbesuch geht man ein kleines Stück bergab bis zu dem langen Strand von Niteróis Nobelviertel Icaraí. Von dort bietet sich eine der herrlichsten Aussichten auf Rio überhaupt. In perfekter Harmonie erscheint die gesamte Hügellandschaft der Nachbarstadt (Zuckerhut, Dois Irmãos, Pedra da Gávea, Corcovado, Pico da Tijuca), besonders bei Sonnenuntergang ein überwältigendes Szenarium. Die Cariocas versteigen sich sogar zu der recht hochmütigen Behauptung, dieser Blick sei das Einzige, was Niterói zu bieten hätte. Die Stadt lässt jedoch laut einer UN-Studie zur Lebensqualität in Brasilien den berühmten Nachbarn weit hinter sich. Nicht wenige Prominente sind bereits auf die andere Seite der Bucht umgezogen. Das Schulsystem und die medizinische Versorgung sind besser, das ökologische Bewusstsein ist ausgeprägter und der Alltag etwas ruhiger.

Nach dem Spaziergang auf der Strandpromenade von Icaraí oder auch nach einem Abstecher in die noble Parallelstraße Rua Moreira César mit seinen vielen Boutiquen nimmt man den hier vorbeikommenden Bus 33 mit der Aufschrift “Jurujuba” und fährt bis zur Endstation (ponto final). Der Bus streift zunächst das beliebte Ausgehviertel São Francisco, links sieht man mehrere schicke Bars und Restaurants (am besten ist das italienische Self-Service-Lokal Família Paludo (Di–So 12–1 Uhr). Nach der nächsten Linkskurve fährt der Bus durch Charitas, an dessen populärem Buchtstrand mit den vielen einfachen Strandbars an warmen Wochenenden viel los ist. Außerdem besitzt Charitas auch eine moderne Fährstation (Estação Hidroviária), ebenfalls ein bemerkenswertes Niemeyer-Werk, von hier starten Katamarane nach Rio.

Der Bus 33 fährt an diesem Anleger vorbei und dann weiter bis zur Endstation im idyllischen Fischerdörfchen Jurujuba, hier lohnt sich eine Pause im Restaurant Berbigão (Terrasse mit schöner Aussicht). Das letzte Stück bis zur Festung, eine sehr reizvolle Strecke mit schöner Aussicht, kann man in 30 Minuten zu Fuß bewältigen.

Nach den beiden idyllischen Stränden “Adam” (Adão) und “Eva” beginnt die um einen Felsen herum gebaute Zufahrtsstraße zur Fortaleza de Santa Cruz am äußersten Ende der Bucht von Guanabara. Der Grundstein zu dieser mächtigen Festung wurde 1555 von den Franzosen unter Villegaignon gelegt, es war die erste Anlage an der Bucht überhaupt. 1567 wurde sie von den Portugiesen übernommen und später mehrfach ausgebaut, heute gilt sie als eine der größten Südamerikas. Mit Guides der Militärverwaltung kann man sie in 45 Min. besichtigen (auch Englisch). Das eigentliche Spektakel ist der Platz selbst, der Blick schweift über den Atlantik, die Buchteinfahrt mit dem gegenüberliegenden Zuckerhut und die Baía de Guanabara. Es ist ein magischer Ort, denn hier wurde Rio entdeckt, erobert und umkämpft.
(Ö) Di–So 10–17 Uhr, Ausweis vorzeigen, Eintritt R$10

Zurück nimmt man in Jurujuba wieder den Bus 33, aber nur bis Charitas. Von dort gibt es neben dem Linienbus 740 D nach Copacabana/Ipanema (täglich bis etwa 23 Uhr, 70 Minuten) noch die Option, von der Fährstation im Katamaran bis Praça 15 im Zentrum Rios zu fahren (Mo–Fr 5.40–23.30 Uhr, alle 15–30 Minuten, Fahrtzeit 20 Minuten, R$18). Eine weitere Option ist es, mit dem Bus 33 bis zum Zentrum von Niterói durchzufahren und dort die einfache Fähre (Barca) nach Rio zu nehmen (tgl. 6.30–20.10 Uhr, alle 10–30 Minuten, R$6,30).

Vor der Rückfahrt nach Rio empfiehlt sich als krönender Abschluss des Niterói-Besuchs noch die Hochfahrt per Taxi (ab Taxistand Praia de Charitas, hin und zurück 30 Minuten, circa R$35) zum 300 m hohen Aussichtspunkt Parque da Cidade mit zwei Startrampen für Segelflieger. Der Blick auf Rio hält allen Vergleichen mit dem Corcovado oder Zuckerhut stand, besonders bei Sonnenuntergang ist es ein unvergessliches Erlebnis.

Auch die wunderbaren Atlantikstrände von Niterói sind wegen der Natur und des Blicks auf Rio einen Besuch wert, sie liegen aber weiter entfernt, ab Charitas ungefähr 35 Minuten per Uber/Taxi, vom Zentrum Niteróis fahren auch Busse (Linie 38 fährt nach Itacoatiara und Itaipu, Linie 39 nach Piratininga, 1 Stunde).

Übernachtung

Hotel Solar do Amanhecer, Av. Pref. Sílvio Picanço 839, Charitas. Modernes und geschmackvoll eingerichtetes Hotel mit 54 Zimmern, Pool, Sauna und Restaurant. Von den vorderen Zimmern schöner Blick auf die Guanabara-Bucht bis zum Zuckerhut und Corcovado. Nah beim populären Strand von Charitas mit einfachen Bars, 1 km weiter noblere Restaurantmeile. Direkte Boots- und Busverbindungen nach Rio. Hotel Solar do Amanhecer buchen.

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