RIOS GRÜNE LUNGEN

Viele Parks und Grünanlagen laden Besucher in Rio de Janeiro zu Ruhemomenten abseits der Großstadthektik ein © Brasilien Insider/W. Rudhart

Rio besitzt außer dem Nationalpark von Tijuca noch eine Lagune, einen Botanischen Garten sowie 42 weitere Parks und Gärten. Mit 20.000 ha Grünfläche beziehungsweise geschätzten 554.000 Bäumen ist Rio de Janeiro eine der vegetationsreichsten Städte der Welt.

Welches sind die schönsten Parks und Grünflächen in Rio de Janeiro?

Die Lagoa Rodrigo de Freitas ist eine schön gelegene Lagune, die du auf einem Promenadenweg umwandern oder mit dem Fahrrad umfahren kannst. Auf halber Strecke bietet sich ein Besuch des Botanischen Gartens an, außerdem lohnt ein Abstecher zum nahe gelegenen und sehr charmanten Parque Lage mit einem der idyllischsten Cafés der Stadt. Diese drei Ziele sind ganz leicht selbständig zu erreichen. Wenn du magst, kannst du sie sogar auf einem etwas längeren Spaziergang alle nacheinander ansteuern. Nur zum ebenfalls in der Nähe gelegenen Aussichtspunkt Vista Chinesa ist eine kurze Fahrt mit Uber oder Taxi nötig. Für die weiter entfernten Sítio Burle Marx (Westzone) und BioParque do Rio (Nordzone) brauchst du mehr Zeit und einen fahrbaren Untersatz oder ein gutes Verständnis des öffentlichen Nahverkehrs. Und für einen Besuch des Tijuca-Nationalparks schließt man sich am besten einer geführten halbtägigen Exkursion an.

Lagoa Rodrigo de Freitas
Die Lagune aus der Luft betrachtet © Brasilien Insider

Die wie ein Binnensee wirkende herzförmige Lagoa Rodrigo de Freitas ist eine recht saubere Salzwasserlagune mit einem zwischen Ipanema und Leblon verlaufenden Stichkanal zum Meer hin. Ihr Name Rodrigo de Freitas rührt vom früheren Besitzer der angrenzenden Ländereien her. Der heutige Umfang beträgt 7,4 km, 1880 war sie noch ein Meerbusen und doppelt so groß. Das aufgeschüttete Gelände wurde im 20. Jahrhundert zuerst mit Luxusvillen und später mit teuren Apartmenthäusern bebaut. Heute gilt das ganze Gebiet um die Lagune herum als die beste Wohngegend von Rio (Ipanema, Leblon, Gávea, Jardim Botânico, Lagoa).

Die Lagoa Rodrigo de Freitas liegt in der Südzone von Rio gleich bei Ipanema und Leblon © Brasilien Insider

Besonders am Wochenende dient die Lagune als beliebtes Sport- und Freizeitrevier, der Rundweg ist gesäumt von Freizeitanlagen und Bars, es wird gewandert, gejoggt, geradelt, gesegelt und gerudert. Wer sich in einer Gaststätte niederlassen möchte, findet die meisten Möglichkeiten im Parque dos Patins am Westufer sowie entlang der Ausbuchtung im südöstlichen Teil der Lagoa.

Bars und Restaurants säumen längere Abschnitte der Uferpromenade der Lagune © Rio CVB
Blick auf die Lagune mit den Dois Irmãos im Hintergrund © Brasilien Insider

Von Ipanema und Leblon aus kannst du die Lagune leicht zu Fuß oder per Fahrrad erreichen. Du könntest zum Beispiel in Ipanema durch die hübsche und von vielen Geschäften, Cafés und Bistros gesäumte Rua Garcia d’Ávila schlendern und dann bei der Lagune links auf den Promenadenweg in westliche Richtung einbiegen. Dort fließt der Verkehr etwas weniger dicht vorbei als in die andere Richtung. Schon bald siehst du auf der anderen Straßenseite das Vereinshaus des berühmtesten Fußballklubs Brasiliens, Flamengo, mit einem großen Fanshop und dem als “modernstem Fußballmuseum Brasiliens” beworbenen Vereinsmuseum. Vorbei am einstmals boomenden Freizeit- und Gastronomietempel Lagoon führt kurz hinter einem Helikopterlandeplatz ein Weg rechts zum Ufer und durch den ruhigen Parque dos Patins, mit Sport- und Spielplätzen sowie einigen beliebten Gartenlokalen. Auf Höhe der Rua General Garzon kannst du die Lagoa dann schon wieder verlassen und gelangst weiter geradeaus gehend zu einem der Eingänge des Botanischen Gartens (Portão Pacheco Leão), wo du deine Besichtigung der Grünanlagen Rios fortsetzen kannst. Oder du drehst, wenn du dich fit und energiegeladen fühlst, die ganze 7,4 km lange Runde um die Lagune …

Einmal ganz um die Lagune herum zu laufen ist möglich © Brasilien Insider
Jardim Botânico (Botanischer Garten)

Der Jardim Botânico ist einer der besten Ruhepunkte in der Millionenmetropole und wurde kürzlich von der französischen Zeitung Le Monde sogar zu einem der acht schönsten Botanischen Gärten der Welt gekürt. Er liegt so zentral, dass er leicht zu Fuß von Ipanema und Leblon aus erreichbar ist. Wer einen Spaziergang zum Botanischen Garten machen möchte, nimmt den Weg links um die Lagune Rodrigo de Freitas herum und biegt auf Höhe der Rua General Garzon wieder links ab. Nach kurzer Strecke ist der Haupteingang Portão Pacheco Leão erreicht. Wem nicht nach Laufen zumute ist, fährt per Uber/Taxi oder nimmt einen Bus mit der Aufschrift “Jardim Botânico”. Ein Nachteil des Parks ist die diskriminierende Tarifgestaltung und der hohe Eintrittspreis für Ausländer, die am Kassenhäuschen viermal so viel zu entrichten haben wie Einheimische.

Grüne Ruheoase mitten in der Millionenmetropole Rio de Janeiro © Brasilien Insider/W. Rudhart

Mit 154 ha, 6500 Pflanzen- und mehr als 140 Vogelarten ist Rios Botanischer Garten der größte und reichhaltigste Lateinamerikas. Angelegt wurde er 1808 kurz nach Ankunft der aus Portugal vor den napoleonischen Truppen geflohenen Aristokratie. Hier sollten vor allem asiatische beziehungsweise indische Arten akklimatisiert werden, die man für Gewürze, Tees und Heilmittel benötigte. So verwundert es nicht, dass die einheimischen Arten bis heute unterrepräsentiert sind. Das inzwischen selten gewordene Brasilholz (pau brasil), aus dem man seinerzeit Rot-Färbemittel für die königlichen Gewänder gewann und welches dem Land seinen Namen gab, ist jedoch nach wie vor zu finden.

Eine der Musen des Botanischen Gartens © Brasilien Insider
Springbrunnen im Jardim Botânico © Brasilien Insider

Gleich nach Betreten des Geländes stößt du auf das Museu do Meio Ambiente (Umweltmuseum), hinter dem Besucherzentrum (Centro de Visitantes) befindet sich ein Café. Besonders sehenswert sind die 740 m lange Baumallee Aléia Barbosa Rodrigues mit gut 200 Jahre alten und 40 m hohen Königspalmen, in deren Mitte der in England gefertigte “Springbrunnen der Musen” (Chafariz das Musas) vor einem spektakulären Hügelpanorama das beliebteste Fotomotiv des Parks darstellt.

Allee aus Königspalmen im Botanischen Garten © Brasilien Insider
Seerosen auf dem Lago Frei Leandro © Brasilien Insider

Weiterhin gibt es den kleinen See Lago Frei Leandro, benannt nach einem Mönch des Karmeliterordens, der im 19. Jahrhundert erster Direktor des botanischen Gartens war. Hervorstechend sind hier die wunderschönen Victoria-régia-Seerosen und andere Wasserpflanzen. Am Rand steht eine Eisenskulptur von Louis Savageau, die die Meeresnymphe Thetis aus der griechischen Mythologie abbildet. Ein passender Standort für das Kunstwerk, denn der wissenschaftliche Name für Seerosen lautet Nymphaea.

Der Lago Frei Leandro mit seinen großen Victoria-régia-Seerosen © Brasilien Insider
Zugang zum Bromeliário © Brasilien Insider

Weitere Highlights umfassen die insgesamt vier Gewächshäuser, die den Familien der Orchideen, Bromelien, Kakteen sowie fleischfressenden Pflanzen gewidmet sind, sowie die zu einem Museum umfunktionierten Reste einer alten Schießpulverfabrik: Fábrica de Pólvora.

Besucher können viele Pflanzen in Gewächshäusern bewundern © Brasilien Insider
Zweisprachige Erklärungen im Botanischen Garten © Brasilien Insider

Obwohl in diesem künstlich angelegten Garten alles fein geordnet ist (viele Bäume besitzen sogar informative Namensschildchen), vermittelt er trotzdem einen angenehmen Eindruck tropischer Opulenz – im richtigen Dschungel sieht man ja meist den Wald vor lauter Bäumen nicht. Allein schon die himmlische Ruhe mitten im Großstadtgetümmel sowie der erfrischende Schatten sind einen Besuch wert.

Himmlische Ruhe im Botanischen Garten von Rio de Janeiro © Brasilien Insider/W. Rudhart
Allee im Botanischen Garten © Brasilien Insider

Ein schöner Stopp bietet sich unterwegs auf dem Gelände nahe dem Besucherzentrum (Centro de Visitantes) im Bistrot La Bicyclette an: Das Bistro arbeitet nach ganzheitlichen und umweltschonenden Prinzipien. Auch gibt es auf dem Gelände einmal monatlich an einem Samstagvormittag ein Livemusik-Programm (“Música no Jardim”) unter freiem Himmel, das kostenlose Shows namhafter Künstler bietet.

Seit Ende 2020 können Besucher des Botanischen Gartens den großflächigen Park zudem nun auch in einem Elektrowagen erkunden. Das ist besonders an heißen Tagen eine gute Alternative zum Durchstreifen der Anlage auf Schusters Rappen. Auch weiter abgelegene Stellen wie die “Region Amazonien”, die sonst oft außen vor gelassen werden, geraten dadurch auf einmal ins Blickfeld. Der Botanische Garten bietet zwei Optionen:

  • Circular: Auf einer Rundstrecke mit sieben Haltepunkten können Besucher im Laufe des ganzen Tages nach Belieben aus- und zusteigen (Preis: R$30 pro Person)
  • Premium: Eine Gruppe bis sechs Personen kann einen Wagen einschließlich eines gut ausgebildeten und mehrsprachigen Guides (Portugiesisch, Englisch und Spanisch) für eine Stunde buchen, der Preis für diese exklusive Nutzung beträgt R$300
Verwunschene Landschaften verteilen sich im weitläufigen Botanischen Garten © Brasilien Insider

Am Ende deines Besuchs kannst du den Park übrigens auch im nordwestlichen Teil durch den Mitarbeiterausgang No. 915 verlassen. Gleich rechts finden sich einige nette, oft von Künstlern und Globo-Schauspielern frequentierte Straßencafés und Restaurants wie das Jojo Café Bistrô.
Jardim Botânico Mo 12–18, Di–So 8–18 Uhr, der Eintritt beträgt für Touristen ohne Wohnsitz in Südamerika R$60, englischsprachige Führungen sind ab dem Besucherzentrum möglich

Blick vom Botanischen Garten auf die Christusstatue © Brasilien Insider
Parque Lage
Parque Lage: Blick ins Grüne © Brasilien Insider

Ein Besuch des noch weitgehend unbekannten Parque Lage ist für die meisten Reisenden eine äußerst angenehme Überraschung. Man freut sich darüber, ein wenig durch die von einem Engländer angelegten Grünanlagen zu schlendern, im Innenhof einer alten herrschaftlichen Villa in dem wunderbaren Plage Café einen Kaffee zu trinken und überhaupt die gesamte entspannte Atmosphäre mitten in der Millionenstadt zu genießen. Und auch die Aussicht ist nicht von schlechten Eltern: Über allem thront auch hier der Christus auf dem Corcovado.

Innenhof des Hauptgebäudes im Parque Lage mit schönem Café, darüber thront der Christus © Brasilien Insider
Café mit Flair im Parque Lage © Brasilien Insider

Im Haupthaus befindet sich außerdem noch die Kunstschule Escola de Artes Visuais, deren Schüler sich mit etwas Glück über die Schultern schauen lassen. Häufig finden hier auch sehenswerte kulturelle Veranstaltungen statt. Der Parque Lage ist einer der schönsten Rückzugsorte in Rio überhaupt. Am besten klappt die kurze Anfahrt mit Uber oder Taxi. Wer möchte, kann es auch mit einem Bus mit der Aufschrift “Jardim Botânico” versuchen oder ab Ipanema/Leblon zu Fuß laufen. Der Zugang erfolgt über die Rua Jardim Botânico.
tgl. 8–17, Sommer 8–18 Uhr

Parque Lage: Einer der schönsten zentral gelegenen Rückzugsorte in Rio © Brasilien Insider
Vista Chinesa
Ankunft bei der Vista Chinesa © Brasilien Insider

Vom Botanischen Garten lässt sich per Uber oder Taxi in ungefähr 15 Minuten der wunderschöne Aussichtspunkt Vista Chinesa erreichen. Die Straße führt erst sehr reizvoll durch einen Teil des Nationalparks von Tijuca. Oben in 380 m Höhe steht eine chinesische Pagode, 1903 zum Gedenken an eine Gruppe von Chinesen errichtet, die dort versucht hatte, Tee anzubauen.

Vista Chinesa: Die Pagode von 1903 bietet eine der schönsten Panoramaaussichten der Stadt © Brasilien Insider

Von dort genießt du dann die sogenannte “Chinesische Aussicht”, es ist kein Rundum-Panorama, dafür aber der schönste Bildausschnitt überhaupt. Der Ausblick ist atemberaubend und einzigartig.

“Chinesische Aussicht”: Der Blick auf die Lagoa Rodrigo de Freitas, Ipanema und Leblon © Brasilien Insider

Links zieht sich eine riesige Waldfläche an den Berghängen entlang, das ist die zum Nationalpark gehörige Serra da Carioca. Wer noch den Hauptteil des Nationalparks, die sogenannte Floresta da Tijuca, besuchen will, kann diesen auch von der Vista Chinesa aus in einer halben Stunde Taxifahrt auf einer schönen Waldstraße erreichen.

Auch der Christus lässt sich von der Vista Chinesa aus sehen © Brasilien Insider
Parque Nacional da Floresta da Tijuca
Mehrere Wanderwege durchziehen den Tijuca-Nationalpark, von unterwegs bieten sich prächtige Aussichten © Embratur

Rios Nationalpark von Tijuca ist mit 3360 ha das größte städtische Waldgebiet der Erde und nimmt sieben Prozent der Stadtfläche ein. Er geht zurück auf eine 1861 von Kaiser Dom Pedro II. angeordnete Wiederaufforstungsaktion. Zur Zeit der Entdeckung 1502 war das Gebiet noch ganz von Atlantischem Regenwald überzogen. Durch Abholzung und Kaffeeanbau wurde dieser fast ganz zerstört und die Wasserversorgung der Stadt war Mitte des 19. Jahrhunderts akut gefährdet. 13 Jahre lang setzten elf Sklaven, zehn Männer und eine Frau, etwa 80.000 neue Pflanzen, von denen die Hälfte anging und den heutigen Sekundärwald mit zahllosen Palmen, Baumfarnen und Epiphyten entstehen ließ. Wegen des jüngeren Alters lässt sich die Flora jedoch kaum mit dem üppigen Regenwald in Amazonien vergleichen.

Statue zum Andenken an die Sklaven, die in 13 Jahren den heutigen Tijuca-Nationalpark anpflanzten © Brasilien Insider
Eine Gruppe Nasenbären kreuzt die Straße © Brasilien Insider

Auch die Tierwelt ist eher spärlich vertreten, nur die süßen kleinen Mico-Büscheläffchen kann man bisweilen antreffen, oder, wie im Fall der größeren Brüllaffen (macaco prego), sie zumindest hören. Auch Nasenbären und Faultiere, die farbenprächtigen Tangare, Kolibris und Tukane, sowie Riesenschmetterlinge geben sich die Ehre.

Im Nationalpark von Tijuca oft anzutreffen: Büscheläffchen © Brasilien Insider
Auch Tukane leben in Rios Nationalpark © Brasilien Insider

Der 1961 gegründete Nationalpark besteht aus drei Teilen: Weniger ausgedehnt und dem Zentrum am nächsten ist die Serra da Carioca, sie erstreckt sich vom Corcovado bis weit hinter den Aussichtspunkt Vista Chinesa, den man vom Botanischen Garten aus recht schnell erreichen kann. Die bei Drachenfliegern beliebte Region um die Felsen Pedra Bonita/Pedra da Gávea reicht vom Stadtteil São Conrado bis Barra da Tijuca. Der dritte und mit 15 km² größte sowie am meisten besuchte Teil heißt Floresta da Tijuca, er liegt recht weit außerhalb in nordwestlicher Richtung.

Eingang zur Floresta da Tijuca mit einem Übersichtsbild der Wanderwege © Brasilien Insider
Besuch der Floresta da Tijuca
Die historische Mayrink-Kapelle in der Floresta da Tijuca © Jungle Me

Kurz nach der Einfahrt am Parkeingang an der Praça Afonso Viseu (Alto da Boa Vista) hört man schon das Rauschen von Rios mächtigstem Wasserfall, der Cascatinha do Taunay (40 m), der jedoch in Trockenperioden nur recht schwach tröpfelt. Die Straße führt dann erst an der 1863 errichteten kleinen Capela Mayrink vorbei und zu einem Centro de Visitantes (Besucherzentrum) mit interessanten Fotos und zweisprachigen Informationen zur Flora und Fauna. Auf dem weiteren Weg findet sich das schön gelegene Wald-Restaurant “A Floresta”. Außerdem befindet sich in diesem Teil des Nationalparks Rios höchste Erhebung, der Pico da Tijuca (1021 m), dessen Gipfel man über 117 in Felsen gehauene Treppenstufen ersteigen kann. Da dieser Parkteil schwer öffentlich zu erreichen ist, sollte er über eine organisierte Tour besucht werden, zum Beispiel mit Jungle Me (Mückenschutz mitnehmen).
Nationalpark tgl. 8–17, Sommer 8–18 Uhr, Eintritt frei

Durchatmen im größten städtischen Urwald der Welt, mitten in Rio de Janeiro © Jungle Me
Sítio Burle Marx
Landsitz im Grünen © Sítio Roberto Burle Marx

Knappe 30 km von der Copacabana beziehungsweise wenige Kilometer von den Strandvierteln Recreio und Grumari entfernt liegt der interessante Sítio Roberto Burle Marx in Barra da Guaratiba. Der bedeutendste Landschaftsarchitekt Brasiliens war Sohn einer Brasilianerin und eines Deutschen (direkter Nachfahre aus der Familie von Karl Marx) und lebte auf diesem Anwesen von 1973 bis zu seinem Tod 1994. Der 365.000 m² große, urwaldähnliche Landsitz beherbergt eine Art botanischen Garten mit über 3500 Pflanzenarten in zum Teil duftgeschwängerten Gewächshäusern, darunter einen über hundertjährigen gigantischen Feigenbaum und spektakuläre Jadepflanzen von den Philippinen.

Üppig tropische Gartenlandschaft im Anwesen von Burle Marx © Sítio Roberto Burle Marx
Besucher werden durch den Park geführt © Sítio Roberto Burle Marx

Es ist ein hoch interessanter Ausflug für Naturliebhaber und Freunde tropischer Botanik. Auf dem Landsitz befinden sich außerdem das ehemalige Wohnhaus, Kunstateliers und eine kleine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Die Führung durch den hügeligen Park ist wegen der hohen Luftfeuchtigkeit durchaus schweißtreibend, wer sich ein kleines Tuch oder Handtuch zum Abtrocknen mitbringt, kann sich gelegentlich damit abtupfen. Die Anfahrt ist möglich per Metro bis zur Station Jardim Oceânico, anschließend weiter mit dem Schnellbus BRT Expresso bis Recreio Shopping, den Rest der Strecke per Uber/Taxi.
Di–Sa 9.30 und 13.30 Uhr englischsprachige Führungen (90 Minuten), nur nach Voranmeldung unter Tel. 021-2410 1412, Eintritt R$10

Sehenswerter Urwaldgarten vor den Toren von Rio © Sítio Roberto Burle Marx
BioParque do Rio

Rio hat eine ganz neue Attraktion: Der bisherige Zoo althergebrachter Prägung hat eine grundlegende Modernisierung erfahren und wurde 2021 als BioParque do Rio in komplett verändertem Gewand wiedereröffnet. Der neue Zoo befindet sich im Stadtteil São Cristóvão inmitten eines 155.000 m² großen Stadtparks in der Nordzone von Rio. Auf dem Gelände Quinta da Boa Vista residierte im 19. Jahrhundert die kaiserliche Familie, einige historische Bauwerke erinnern noch daran.

Historisches Eintrittstor zum BioParque do Rio © Brasilien Insider

Der Park ist wirklich besuchenswert. Man schlendert über grüne Palmenalleen und bewundert ein alternatives Zooprojekt, wo auch kranke Tiere gepflegt werden. Alles ist sehr großzügig angelegt und die Tiere haben viel Freilauf. Darüber hinaus versteht sich der Bioparque auch als Schutzgebiet für vom Aussterben bedrohte Arten. Wissenschaftliche Begleitung, Artenschutz und Umweltbildung sind somit die drei Säulen des Konzepts, das weit über den traditionellen Zoo hinausgeht. Auch an vielen biologischen Forschungsstudien ist der BioParque beteiligt.

Schattige grüne Anlage im BioParque do Rio © Brasilien Insider
Lebendige Kommunikation im Vogelgehege © Brasilien Insider

Ein besonderes Highlight im Park sind vor allem die vielen Vögel. Die Begegnung zwischen Besuchern und den gefiederten Freunden findet ganz unmittelbar in direktem Kontakt und ohne Gitter statt, denn die Vögel können fast frei umherfliegen und spazieren gehen, nur nach oben sind durch Netze Grenzen gesetzt. Für viel Action sorgen dabei stets die Aras, die zu den Publikumslieblingen zählen und mit ihrem lauten Gekreische im Vogelgehege überall zu hören sind.

Ein Gelbbrustara beim Schlendern durch den BioParque do Rio © Brasilien Insider
Affen toben über eine Hängebrücke © Brasilien Insider

Neben der Vogelwelt leben im Park viele weitere Arten, insgesamt sind es über 140, darunter auch Raubtiere, Elefanten, Schlangen, Affen und viele mehr. Ein erklärtes Ziel des BioParque ist es, keine leidenden Kreaturen in Gefangenschaft zur Schau zu stellen, sondern das Wohlergehen der Tiere als zentrales Maß zu betrachten. Dazu gehört auch, dass im BioParque verletze Tiere betreut und gesundgepflegt werden. Ein großes Bildungsprogramm für Umwelt- und Naturschutz und eine perfekte Organisation runden das Konzept ab.
tgl. 9–17 Uhr, letzter Einlass 16 Uhr; Eintritt R$40, ermäßigt R$20 unter anderem für Unter-21-Jährige und Über-60-Jährige (Ausweis vorlegen), Kartenkauf derzeit nur online möglich 

Das großzügige Bärengehege im BioParque do Rio © Brasilien Insider
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