SÃO LUÍS

Der Largo do Carmo in der Altstadt von São Luís © Brasilien Insider
Philipp Lichterbeck und Nicolas Stockmann, deine Insider für São Luís

São Luís ist die einzige brasilianische Hauptstadt, die nicht von Portugiesen gegründet wurde, sondern von Franzosen (1612). Dennoch gilt sie heute als die portugiesischste Stadt des Landes. Der Grund: die vielfältige Kolonialarchitektur aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit ihren gekachelten Hausfassaden und die reiche Ausstattung mit kunstvollen Azulejo-Fliesen. Die Hauptattraktion ist daher – vergleichbar mit dem Pelourinho von Salvador – die Altstadt (Centro Histórico) mit über 1100 Häusern. Sie wurde 1997 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt und im Rahmen des „Projekts Wiederbeleben“ (Projeto Reviver) in großen Teilen restauriert. Mit ihren Museen und Bühnen ist sie heute das kulturelle Zentrum der Stadt. Ihre Kopfsteinpflaster und kleinen Plätze wecken Erinnerungen an mediterrane Kleinstädte. Das historische Zentrum befindet sich im Ortsteil Praia Grande. Er wird von den modernen Vororten São Francisco, Renascença, Ponta d’Areia sowie den Stadtstränden durch den Rio Anil getrennt.

Typisches Geschäft in der Altstadt © Brasilien Insider

Das auf einer Insel gelegene São Luís bietet zudem viel Folklore: Im Juni und Juli findet hier das farbenfrohe Bumba-meu-boi-Festival statt, das auf afrikanische Riten zurückgeht. Außerdem ist São Luís das brasilianische Zentrum des Reggae.

Darüber hinaus ist die 1,1 Mio.-Einwohner-Stadt São Luís ein sehr guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die riesige Dünenlandschaft des Nationalparks Lençóis Maranhenses sowie zur historischen Nachbarstadt Alcântara. Es ist nicht übertrieben, wenn man sie als einen der reizvollsten Orte des Nordostens bezeichnet – gerade auch, weil sie touristisch nicht so überlaufen ist.

Spaziergang durch das historische Zentrum von São Luís © Brasilien Insider

Sehenswertes in São Luís

… Museen und Kulturzentren

Die Museen und Kulturzentren (Centros de Cultura) von São Luís befinden sich in wunderschönen Häusern, von denen jedes für sich eine Sehenswürdigkeit darstellt. Die Centros de Cultura Popular Domingos Vieira Filho (GESC) haben drei große Ausstellungsflächen, der Eintritt ist stets gratis:

Die Casa da Festa, Rua do Giz 221, zeigt auf vier Etagen sinnenfrohe folkloristische Kostüme von der dem Candomblé verwandten Religion Tambor-de-Mina, dem Tanz Tambor de Crioula, Bumba-meu-boi oder dem Karneval.
Mo–Fr 9–18, Sa, So 9–13.30 Uhr

Die Casa de Nhozinho, Rua Portugal 185, beleuchtet unter anderem die indigene Kultur von Maranhão, zu sehen sind Handwerkszeug wie Fischerreusen, Boote oder Produkte aus Buriti-Fasern.
Di–Sa 9–18, So 9–13 Uhr (zuletzt wegen Renovierung geschlossen)

Die sehenswerte Casa do Maranhão im alten Zollgebäude von 1873, Rua Trapiche, hat eine permanente Ausstellung über Bumba-meu-Boi mit farbenprächtigen Kostümen und Darstellungen der regionalen Unterschiede.
Di–Sa 9–18, So 9–13.30 Uhr

In der Rua da Direita, zwischen Rua da Giz und Rua da Estrela, hat das moderne Centro Cultural Vale Maranhão eröffnet, das sich unter anderem der afrikanischen und afrobrasilianischen Kunst widmet.
Di–So 10–19 Uhr

Mit der regionalen Populärkultur befasst sich die recht neue Casa do Tambor de Crioula in der Rua da Estrela 309. Jeden Mittwoch findet ab 18 Uhr eine Vorführung statt.
Di–Sa 9–18, So 9–13 Uhr

Das Museu Histórico e Artístico do Maranhão, Rua do Sol 302, in einem Haus von 1836, zeigt originalgetreue Interieurs von Residenzen der Region des 19. Jahrhunderts.
Di–So 9–17, Sa 9–16, So 9–14 Uhr, Eintritt R$5

Das Museu de Arte Sacra do Maranhão, ein hübsches Museum für Sakralkunst, befindet sich gleich neben der Kathedrale.
Di–Fr 9–17.30, Sa 9–16, So 9–13 Uhr, Eintritt R$5, halbstündlich Führungen

Im Museu de Artes Visuais, Rua Portugal 273, sind europäische Fliesen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert zu sehen, darunter auch einige aus Dresden. Im 1. Stock sind Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen lokaler Künstler ausgestellt.
zuletzt wegen Renovierung geschlossen

… weitere Sehenswürdigkeiten

Turm der Kathedrale © Brasilien Insider

An der Praça Dom Pedro II, nahe der hübsch renovierten Praça Benedito Leite, befindet sich die ursprünglich barocke Catedral da Sé (1690–99). Trotz der neoklassizistischen Überarbeitung (1922) ist sie eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Stadt.
Di–So 9–12, 15–18.30 Uhr

Springbrunnen auf der Praça Dom Pedro II vor der Kathedrale © Brasilien Insider

Die Igreja São José do Desterro, im südlichen Teil des Zentrums, gilt als älteste Kirche von Maranhão. Sie wurde von den Holländern vollständig zerstört und im 19. Jh. neu errichtet.
tgl. 9–12, 14.30–17.30 Uhr

Der 1766 am Standort des Fort Saint Louis, der ersten Bebauung der Stadt, errichtete Palácio dos Leões, Av. Dom Pedro II, wurde 2002 restauriert und ist gegenwärtig Sitz der Landesregierung. Nebenan steht der zu Ehren des Stadtgründers Daniel de La Touche errichtete Palácio La Ravardière (1689), aktueller Sitz der Stadtverwaltung.
Palácio dos Leões Di–Fr 9–18, Sa, So 9–17 Uhr

Im Solar dos Vasconcelos, Rua da Estrela 562, befindet sich das Memorial do Centro Histórico mit einer interessanten Ausstellung über den Revitalisierungsprozess der historischen Altstadt (Projeto Reviver). Daneben befasst sich eine umfangreiche Exposition mit dem Bootsbau in Maranhão, viele Bootstypen sind als Modelle ausgestellt.
Mo–Fr 13–18 Uhr

Cafua das Mercês © Brasilien Insider

Gegenüber vom früheren Kloster Convento das Mercês (1654), Rua da Palma 502, steht ein fensterloser weißer Bau, das Cafua das Mercês, Rua Jacinto Maia 43. Das im Original erhaltene Gebäude gehörte zum Sklavenmarkt, hier wurden die Sklaven nach Ankunft zunächst eingepfercht und später versteigert. Heute befindet sich im Gemäuer das winzige Museu do Negro mit einigen Holzskulpturen.
Mo–Fr 9–17 Uhr, R$3 (zuletzt wegen Renovierung geschlossen)

Das Teatro Arthur Azevedo, Rua do Sol 180, erbaut 1815–17 im neoklassizistischen Stil, ist das zweitälteste Theater Brasiliens und eines der bedeutendsten und größten Lateinamerikas. Es wurde 2005 vollständig renoviert.
Führungen Di–So 16.30 Uhr, Eintritt R$5

Strände

Nirgendwo in Brasilien ist der Gezeitenwechsel so stark wie rund um São Luís, der Meeresspiegel hebt und senkt sich um bis zu 7 m. Die weitläufigen Strände der Stadt können allerdings im Vergleich zu den sonstigen Strandparadiesen Brasiliens nicht mithalten; die zentrumsnahe Ponta d’Areia (4 km) ist wegen Verschmutzung nicht einmal zum Baden geeignet. Etwas schönere Abschnitte gibt es an den belebten Stränden von Calhau (8 km) und Olho d’Água (12 km), wo man am Wochenende an zahlreichen Strandbuden sitzen kann. Ein Kontrast ist die 19 km entfernte Praia do Araçagi, ein Strand mit grasbewachsenen Dünen. Außerhalb von São Luís gibt es einfache Strände in Raposa (35 km) und São José do Ribamar (Praia de Panaquatira, 32 km), die hübschesten Strände der Region befinden sich in Alcântara (siehe unten).

Feste

Das populärste Fest in Maranhão ist das Volksspiel Bumba-meu-boi im Juni – ein bunter Reigen aus Theater, Tanz, Musik und Folklore. Es vereint portugiesische, afrikanische und indianische Elemente und findet an Dutzenden Spielstätten (Arraial) statt. Die mehr als 100 Bumba-meu-boi-Gruppen in São Luís beginnen mit den Vorbereitungen bereits kurz nach Karneval. Die gesamte Gemeinde ist beteiligt, von der Herstellung der Kleider bis zur Liedkomposition. Offizielle Eröffnung ist am 13. Juni, dem Dia de Santo Antônio. Die Feierlichkeiten finden ihren Höhepunkt am Vorabend des 24. Juni, dem Dia de São João. Am 29. Juni, dem Dia de São Pedro, treffen sich alle Gruppen im Viertel Madre Deus, beendet wird das Fest am 30. Juni mit der riesigen Festa de São Marçal im Stadtteil João Paulo, wo alle Gruppen sich nochmals einem großen Publikum präsentieren. In der Regel plätschern die Feierlichkeiten dann noch in den Juli hinein. Im Unterschied zu den großen Festas Juninas anderer Regionen im Nordosten wird beim Bumba-meu-boi kein Forró gespielt. Verbreitet ist vielmehr Tambor de Crioula, ein Bauchtanz mit afrikanischen Wurzeln; aufgeführt wird er von Frauen in bunten Röcken und mit weißen Turbanen, begleitet von rhythmischen Trommeln.

Zwei traditionelle afrobrasilianische Feste sind Tambor de Mina (Juli) und Festa do Divino, 40 Tage nach der Karwoche. Letzteres wird besonders spektakulär in Alcântara begangen, ist jedoch touristisch etwas überzüchtet.

Touren durch die Lençóis Maranhenses

Blick auf die Lagoa Bonita © Terra Nordeste

Terra Nordeste, Av. Colares Moreira 1, Golden Tower Building (Büro 416), Jardim Renascença. Auf Öko-Tourismus spezialisierte, sehr gut organisierte Agentur mit großem alternativem Angebot, unter anderem spektakuläre, mehrtägige Lençóis-Durchquerungen, zum Beispiel von Santo Amaro nach Barreirinhas oder von Atins nach Santo Amaro. Übernachtet wird in Hängematten in kleinen Oasen, in denen Viehzüchter und Fischer schon seit Generationen leben. Ziel ist es, mit der lokalen Bevölkerung zusammenzuarbeiten und dem Reisenden etwas von der sozialen, kulturellen Realität in Maranhão zu zeigen. Außerdem umfangreiche Reiseplanung der Rota das Emoções zwischen Fortaleza und São Luís fernab der üblichen Routen. Mehrsprachige, sympathische und sehr kundige Guides aus der Region. Kontakt auf Englisch per E-Mail .

Terra Nordeste ist der beste Ansprechpartner für Touren in den Nationalpark Lençóis Maranhenses © Terra Nordeste

Übernachtung

Brasilianer brauchen Sand und Wasser – so ist zu erklären, warum die Mehrzahl der Hotels an den örtlichen Stränden liegt. Europäische Reisende bevorzugen hingegen meist das wesentlich interessantere Centro Histórico.

Pousada Portas da Amazônia, Rua do Giz 129. Beeindruckende und urige Pousada, die sich über drei restaurierte Altstadthäuser aus dem 19. Jahrhundert erstreckt, das Mauerwerk konnte bei der Generalüberholung komplett erhalten werden. Viel gediegenes Holz, hohe Decken, es ist fast eine kleine Zeitreise. Die 36 Zimmer fallen in Größe und Ausstattung, wie man sich leicht vorstellen kann, ganz unterschiedlich aus: von einfach bis luxuriös gibt es alles. Am geräumigsten ist die Kategorie Master. Zur Pousada gehört weiterhin eine gute Pizzeria. Eine bewährte und besondere Adresse in exzellenter Lage im historischen Zentrum von São Luís. 5 % Tax. Pousada Portas da Amazônia buchen.

Die Pousada Portas da Amazônia zählt zu den besten Adressen im historischen Zentrum von São Luís © Brasilien Insider
Gediegenes Hotel in der Altstadt © Grand São Luís Hotel

Grand São Luís Hotel, Praça Dom Pedro II 299. Business- und Familienhotel im Zentrum mit allen Standards eines 4-Sterne-Hauses. Einige der gepflegten, gut renovierten Zimmer haben schönen Buchtblick. Großer Pool und separates Kinderschwimmbecken. 15 % Tax. Grand São Luís Hotel buchen.

Badezimmer in der Casa Lavínia © Brasilien Insider

Casa Lavínia, Rua do Giz 380. Sehr schöne Pousada, ruhig und persönlich, mit sechs Zimmern in einem restaurierten Haus im Kolonialstil. Die Pousada besitzt einen hübschen Innenhof, rustikal dekorierte Räume und angenehme Aufenthaltsbereiche. Ein echtes Kleinod mitten in der Altstadt! Casa Lavínia buchen.

Rustikal dekoriertes Zimmer in der Pousada Casa Lavínia © Brasilien Insider

Essen

Ein typisches Gericht in Maranhão ist Arroz de Cuxá: Das ist Reis mit besonderen, leicht säuerlichen Kräutern (Vinagreira), Gemüse und Shrimps. Gern gegessen wird auch Casquinha de Caranguejo (Flusskrebs serviert in der Schale, das Fleisch wird mit Gewürzen und Kräutern verfeinert) oder Vatapá (eine Masse aus Brot, Dendê-Palmöl und Shrimps). Keinesfalls auslassen solltet Ihr auch die Fruchtnachspeisen Mousse de Bacuri und Mousse de Cupuaçu sowie den typischen, dem Cachaça ähnlichen Schnaps Tiquira, der aus Maniokwurzeln gebrannt wird.

Cafofinho da Tia Dica, Rua da Alfândega. Einfaches, liebevoll geführtes Restaurant von Tia Dica mit gutem Essen zu angemessenen Preisen. Tipp: Reis mit Meeresfrüchten Arroz do Mar oder das gute vegetarische Risotto (2 Pers.).
tgl. 11–23 Uhr

Nachtleben

Am Wochenende zieht es die Ludovicenses, die Bewohner von São Luís, an die 5 km lange Strandmeile Av. Litorânea in Calhau oder an die Lagoa da Jansen, teilweise auch ins historische Zentrum. In Straßencafés wird oft Livemusik gespielt, besonders beliebt ist MPM – Música Popular Maranhense, eine Abwandlung der Música Popular Brasileira (MPB).

Jeden Abend ist rund um die Praça Nauro Machado etwas los. Von Reggae bis Samba spielen Bands und mit etwas Glück sind traditionelle Darbietungen zu sehen, zum Beispiel von lokalen Sambaschulen. Ein guter Ort, um die Nacht zu beginnen. Donnerstags finden zudem Reggae-Konzerte auf dem kleinen Platz Ecke Rua da Estrela/Rua Nazaré statt.

Die Praça Nauro Machado ist so etwas wie das Herz der Altstadt, hier ist immer etwas los © Brasilien Insider
Der Reggae-Klassiker in São Luís © Bar do Nelson

Bar do Nelson, Av. Litorânea, Calhau. Für Reggae-Fans ein Muss, einmal hierher zu pilgern und das nächtliche Treiben auf engstem Raum mitzuerleben. Drum herum herrscht viel Straßentrubel. Eine Filiale gibt es in der Rua do Trapiche (Freitag ab 21 Uhr).
Do, Sa ab 21 Uhr, R$10–20

Ein Geheimtipp ist die urige Tiquira-Pinte von Senhor Batista in der Travessa da Lapa, Erkennungsmerkmal sind die Plastikeimer vor der Tür. Allerdings erlaubt der Besitzer nicht, dass hier Fotos gemacht werden!

Tiquira, der typische Maniokschnaps aus Maranhão © Brasilien Insider

Praktische Tipps

Geld

  • Banco do Brasil, Av. Pedro II 78.
    Geldautomaten tgl. 6–22 Uhr
  • Bradesco, Rua do Sol 105.
    Geldautomaten tgl. 6–22 Uhr

Informationen

  • Die städtische Setur hat eine sehr gute Touristeninformation an der Praça Benedito Leite.
    Mo–Fr 8–18, Sa, So 8–12 Uhr
  • Eine weitere Tourist Info befindet sich am Flughafen.
    24 Std

Nahverkehr

Busse

Vor dem Bus-Terminal Integração Praia Grande halten etliche Buslinien (R$3,10) mit Aufschrift „Rodoviária“. Alternativ hält im Terminal zum Beispiel die Linie T-066 São Raimundo/Rodoviária (alle 15 Min.). Vom Busbahnhof fährt Rodoviária/João Paulo ins Zentrum (Terminal Praia Grande, alle 15 Min.). Wenn Ihr zum Strand von Calhau möchtet, könnt Ihr am Terminal Praia Grande zum Beispiel in die Linien Calhau, Cal Litorânea oder Praia Grande/Cohama steigen.

Taxi und Fahrdienste

Eine Fahrt mit dem Taxi vom Zentrum zur Rodoviária sollte etwa R$35 kosten, bis zum Flughafen dürften es um die R$50 sein. Uber funktioniert auch in São Luís hervorragend (etwa halber Preis).

Fernverkehr

Flüge

Der Flughafen Aeroporto Marechal Cunha Machado liegt im Stadtteil Tirirical, knapp 13 km vom Zentrum entfernt.

Busse

Die Rodoviária von São Luís liegt in der Av. dos Franceses im Stadtteil Santo Antônio, 10 km vom Zentrum.

  • Barreirinhas: Cisne Branco, tgl. 6, 8.45, 14 und 19.30 Uhr, 5 Std., R$60. Bequemer ist es jedoch mit einem Kleinbus, zum Beispiel über BRtur oder Fanttur, man wird gegen 7 Uhr abgeholt, 4–5 Std. (Frühstück unterwegs), R$80, über Pousada buchen.
  • Belém: Boa Esperança, tgl. 4.45, 7.30 und 19 Uhr, 13 Std., R$137–207 (Leito).
  • Fortaleza: Guanabara, tgl. 8.30, 13 und 17.30 Uhr, 20 Std., R$118–149.
  • Parnaíba: Guanabara, tgl. 8.30 und 20 Uhr, 9 1/2–11 Std., R$107–140.
  • Teresina: Guanabara, 6–8 x tgl. bis 22.30 Uhr, 7 1/2–9 1/4 Std., R$60–120 (Leito).

Der interessanteste Kurzausflug von São Luís führt ins 1648 gegründete Alcântara (22.000 Einwohner), der ehemaligen Hauptstadt von Maranhão. Hierhin sollte man mindestens einen Tagesausflug unternehmen, noch besser wäre es, gleich eine oder zwei Nächte dazubleiben (Übernachtungsmöglichkeit siehe unten), um in die ganz besondere Stimmung dieses mehr und mehr verfallenden Ortes einzutauchen. Das an ein koloniales Freilichtmuseum erinnernde Alcântara ist kurioserweise gleichzeitig Sitz eines Raumfahrtzentrums.

Einzigartige Stimmung am späten Nachmittag in Alcântara © Brasilien Insider

Die kleine Stadt steht seit 1948 unter Denkmalschutz. In den etwa 300 historischen Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert wohnten einst die reichsten Familien der Provinz, einige mit über 8000 Sklaven. Am besten, Ihr wandert einfach zwischen den faszinierenden Gebäuden umher und bestaunt die Ruinen, wie die des Palácio do Imperador, dem „Kaiserpalast“ an der Praça da Matriz (Praça Gomes do Castro). Gebaut wurde er von einer Großgrundbesitzerfamilie, die mit einer anderen darin wetteiferte, wer Kaiser Dom Pedro angemessener empfangen könne. Doch das Geld wurde vergebens investiert, denn am Ende ließ der Monarch sich nie blicken. Das insgesamt noch am besten erhaltene Bauwerk ist die Igreja Nossa Senhora do Carmo von 1784.
tgl. 8–15.30 Uhr

Zwischen Ruinen umherwandern, im Hintergrund die Igreja Nossa Senhora do Carmo des Karmeliterordens © Brasilien Insider

Markantestes Zeugnis aus der Sklavenzeit ist die letzte noch im Original erhaltene Strafsäule (Pelourinho) Brasiliens. Auf der großen Rasenfläche an der Praça da Matriz befindet sich daneben auch das Museu Histórico.
Museum Di–Fr 9–16.30, Sa, So 9–14.30 Uhr

Die letzte erhaltene Strafsäule Brasiliens steht vor einer Kirchenruine © Brasilien Insider

Sehenswert sind weiterhin die Häuserreihe der doppelstöckigen Sobrados mit ihren Azulejos in der Rua Grande und die Ruinen des alten Sklavenmarkts Palácio Negro. Ein kulinarischer Tipp sind die Doces de espécie, eine Süßigkeit aus Kokosnuss, die es nur in Alcântara gibt. Gemäß lokalen Schleckermäulern sollen die besten bei Antônio in der Rua das Mercês 401 zu kaufen sein.

Koloniale portugiesische Architektur in Alcântara © Brasilien Insider

Tagestouren rund um Alcântara

Ehemalige Sklavendörfer (Quilombos)
Besuch in einem Quilombo © Brasilien Insider

In der weiteren Umgebung von Alcântara gibt es über 100 ehemalige Sklavendörfer (Quilombos), in denen mehr als 3000 Familien leben. Ein interessanter Ausflug führt zu dem 28 km entfernten Mamuna. Hier kann man der traditionellen Herstellung von Maniokmehl in der alten „Casa de Farinha“ zuschauen oder der Gewinnung von Babaçu-Öl beiwohnen. Es gibt auch schöne Badestrände, an denen Einheimische in einfachen Hütten ein Huhn oder frischen Fisch zubereiten.

Maniokherstellung in dem Quilombo Mamuna nahe Alcântara © Brasilien Insider
Keramikherstellung © Brasilien Insider

Eine etwas weitere Fahrt führt in das 62 km entfernt gelegene Quilombo Itamatatiua, wo die Bewohner unter anderem Keramik und Musikinstrumente für regionale Feste herstellen. Es soll in Brasilien heute noch schätzungsweise zwischen 1000 und 10.000 Quilombo-Territorien geben. Organisieren könnt Ihr die Ausflüge zu diesen Quilombos am besten über die Pousada Bela Vista (Danilo) in Alcântara oder über den Touranbieter Terra Nordeste aus São Luís.

Von Quilombolas gefertigte Tontöpfe, die Fotos an der Wand zeigen besondere Momente und Mitglieder des Quilombos © Brasilien Insider
Strände und Inseln

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen auch die abgelegenen Strände, wie die nur mit einem Kanu zu erreichende Praia de Itatinga (ab Praia da Baronesa). Ausflüge zu Inseln der Umgebung, wie der Ilha do Livramento, lassen sich am Hafen organisieren. Diesen schönen Nachmittagsausflug sollte man unbedingt mit einem Besuch der Ilha Cajual oder dem Igarapé da Tainha verbinden, wo sich die seltene Vogelart der Roten Ibisse (Guarás) beobachten lässt.

Kanufahrt zu abgelegenen Stränden bei Alcântara © Brasilien Insider

Feste

Wer zufällig an einem August-Vollmond in der Nähe ist, sollte sich die dreitägige Festa de São Benedito in der Igreja de Rosário dos Pretos ansehen. Praktisch durchgehend wird hier der Rhythmus des nur in Maranhão vorkommenden Tambor de Crioula getrommelt. Noch immer wird das alte Sklavenfest in originalgetreuer Form durchgeführt: Die Männer trommeln, die Frauen tanzen sich in einen tranceähnlichen Zustand.

Wesentlich bekannter, aber auch etwas überlaufen, ist die zwölftägige Festa do Divino (40 Tage nach Ostern). Das religiöse Fest beginnt an einem Mi und endet am folgenden Wochenende. Besonders die letzten Tage sind ein großes Spektakel.

Übernachtung und Essen

Pousada Bela Vista © Brasilien Insider

Pousada Bela Vista (Pousada da Zinha), Rua Jericó 5, Tel. 98/3337 1569. Außergewöhnlich eingerichtete, spektakulär gelegene und ruhige Pousada, bestehend aus zwei Baumhäusern, eines mit tollem Blick auf São Luís, und drei weiteren Zimmern. Das ausgezeichnete Restaurant hat Meerblick. Danilo ist ein ausgezeichneter Führer und kennt die Gegend wie seine Westentasche. WLAN.

Nomen est omen: “Bela Vista” bedeutet “schöne Aussicht” © Brasilien Insider

Anfahrt ab São Luís

Personenboot nach Alcântara © Brasilien Insider

Von der Hidroviária in São Luís, Av. Beira Mar, Praia Grande, fahren Boote über die Baía de São Marcos nach Alcântara. Die Fähren Lusitana und Barraqueiro von Maria da Glória legen tgl. um 7 und 14 Uhr ab (plus/minus 1 Std., je nach Tide), Rückfahrt ist um 7 oder 16 Uhr (plus/minus 2 Std.), die Fahrtdauer beträgt 1–1 1/2 Std. und eine Fahrkarte kostet R$30 (hin und zurück). Bei unglücklicher Tiden-Konstellation kann die Hinfahrt erst um 10 Uhr, die Rückfahrt aber bereits um 14 Uhr stattfinden. Es ist deshalb sinnvoll, die Uhrzeiten einen Tag im Voraus zu erfragen. Manchmal schafft es die Fähre auf dem Rückweg wegen Ebbe nur bis Ponta d’Areia, dann fährt ein Shuttlebus den restlichen Weg. Achtung: Es herrscht meistens starker Seegang (ggf. Mittel gegen Seekrankheit mitnehmen).

Katamaran nach Alcântara © Brasilien Insider

Eine Alternative für sensible Mägen ist ein etwas stabilerer Katamaran (je Fahrt R$20). Abfahrtszeiten ändern sich wöchentlich, sie sind jeweils am Anleger in São Luís angeschlagen.

Windige Überfahrt auf dem Katamaran © Brasilien Insider
Blick von der Autofähre © Brasilien Insider

Neben den oben genannten Booten und dem Katamaran, die direkt nach Alcântara fahren, gibt es außerdem noch eine Autofähre (ab R$74 mit Auto), die 8 x tgl. zwischen 5 und 19 Uhr das Terminal Ponta da Espera mit dem kleinen Ort Cujupe (56 km von Alcântara) verbindet.

Mit der Autofähre von Ponta da Espera nach Cujupe © Brasilien Insider