SÃO PAULO

Stadt der Superlative: São Paulo © Werner Rudhart
Werner Rudhart, dein Insider für São Paulo

São Paulo ist Brasiliens Stadt der Superlative. Die größte Stadt der südlichen Hemisphäre bildet eine der bedeutendsten Metropolregionen der Welt, mit geschätzten 22 Millionen Einwohnern des Großraums. São Paulo ist nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das kulturelle Zentrum des Landes. Wer in das hinter dem Küstengebirge sich ausbreitende Häusermeer eintaucht, stellt bald fest: São Paulo ist ein aufregendes, ganz und gar urbanes Erlebnis.

 

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Wer São Paulo kennenlernen will, muss das Zentrum der Stadt besuchen, am besten an einem Wochentag, wenn die City richtig brummt. Auf den vor Leben überquellenden Straßen und vor der Kulisse beeindruckender Architektur wandelt man durch die Geschichte der Stadt und Brasiliens. Besonders ins Auge fallen die vielen neoklassizistischen Bauwerke, darunter das von der Mailänder Skala inspirierte Opernhaus Theatro Municipal und das rosarot schimmernde Edifício Martinelli im Zuckerbäckerstil, São Paulos erster Wolkenkratzer. Beide Gebäude markieren die Epoche, als der Kaffeeboom die bis dahin eher unbedeutende Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf erweckte und ihr rasantes Wachstum stimulierte.

Die Avenida São João im Zentrum © Brasilien Insider

Ein anderes Hochhaus, das imposante Edifício Itália an der Praça da República, entstand 1965 zu einer Zeit, als São Paulo bereits zur Industriemetropole herangewachsen war. Der von der italienischen Stadtgemeinde realisierte Bau erinnert daran, dass dies anfangs hauptsächlich der Arbeitskraft italienischer Immigranten geschuldet war, und gleichzeitig auch an die Tatsache, dass, rein der Abstammung nach, heute in São Paulo mehr Italiener leben als in Rom. Gleichfalls die wachsende Bedeutung und den Reichtum der Stadt symbolisiert die Catedral da Sé. Der erst 1954 vollendete Kirchenbau gilt als als viertgrößte neugotische Kathedrale der Welt, trotz ihrer mächtigen Kuppel im Stil der Renaissance. Sie thront nur ein paar Schritte entfernt vom Pátio do Colégio, der Replik eines Jesuitenklosters aus dem 17. Jh. An seiner Stelle errichteten einst zwei Jesuitenpadres mit Hilfe der Indios eine Kapelle und feierten dort im Jahr 1554 am Tag des heiligen Apostels Paulus die erste Messe – São Paulo war geboren.

Fest auf dem Pátio do Colégio © Brasilien Insider

Auf einer Anhöhe südlich der Altstadt entstand um 1900 der erste Prachtboulevard der Stadt, die Avenida Paulista. Von den herrschaftlichen Villen und Palazzi der Kaffeebarone ist heute bis auf ein paar wenige Ausnahmen nichts mehr geblieben. „Steel and Glass“ prägen die modernen Hochhausfassaden, im Gegensatz zur augenscheinlichen Dekadenz im alten Zentrum.

Glitzernde Glasfassaden an der Avenida Paulista © Brasilien Insider

Während unter der Woche vornehmlich Business und Verkehr das Bild auf Brasiliens bekannteste Straße bestimmen, gehört die „Paulista“ an den autofreien Sonntagen (10-17 Uhr) ganz den Paulistanos: eine 3 Kilometer lange Flaniermeile voller Musik und Attraktionen, die Tausende von Bürgern anzieht. Immer mehr wird die Straße überhaupt zu einem kulturellen Brennpunkt, das belegen inzwischen eine ganze Reihe von hochkarätigen Kulturzentren und Museen, darunter das MASP, Brasiliens wichtigstes Kunstmuseum. So viel ist sicher: Die Avenida Paulista kommt nie zur Ruhe, hier ist man direkt am Puls der Stadt.

Das gibt’s nur am Wochenende: Capoeira auf der Avenida Paulista © Brasilien Insider

Ausblicke

Für alle, die im Gewirr des Asphaltdschungels gern den Überblick behalten wollen, bietet die Stadt eine ganze Reihe von Hochhäusern mit Aussichtsterrassen. Hier die wichtigsten: Der im Zentrum weithin sichtbare Art-déco-Bau des Farol Santander (oder auch Banespão, nach der früher dort ansässigen Landesbank; Rua João Brícola 24, Metrostation São Bento) bietet eine Aussichtsetage mit Café, sowie Ausstellungen auf diversen anderen Stockwerken. Der Eintritt beträgt R$20, an manchen Tagen lohnt sich der zeitsparende Vorverkauf über die Website.

Für den Zugang (Mo-Fr 15-16 Uhr) zum Edifício Itália, dem mit seinen 150 Metern immer noch zweithöchsten Gebäude der Stadt (Av. Ipiranga 344, Metrostation República) muss man sich rechtzeitig anstellen, um eines der 150 Lose zu ergattern, die täglich ausgegeben werden. Vereinfachen kann man die Sache mit einem Besuch des dort in luftiger Höhe angesiedelten Restaurants Terraço Itália und seiner rundum verglasten Bar – beide gehören aber nicht gerade zu den günstigen Lokalen der Stadt.

Blick vom Edifício Copan, rechts das Edifício Itália © Brasilien Insider

Direkt daneben und zudem kostenlos ist der Zutritt zum Edifício Copan. Die Dachaussicht von Oscar Niemeyers bekanntem Gebäudekomplex in der geschwungenen S-Form hat zudem den Vorteil, dass keine lästige Sicherheitsverglasung den Blick trübt (Einlass Mo-Fr um 10.30 und 15.30 Uhr an der Pforte von Block F, man sollte 15 Minuten früher da sein). Meinen persönlichen Lieblingsausblick bietet die Terrasse des Sesc Avenida Paulista (Nr. 119, Metrostation Brigadeiro): Das Gebäude steht an einem der höchsten Punkte der zentralen Stadtregion, der unbürokratische Zutritt ist kostenlos und ein Café bietet willkommene Rast (Di-Sa 10-22, So 10-19 Uhr).

Zur Abwechslung unbürokratisch erreichbar: Aussichtsterrasse des Sesc Avenida Paulista © Brasilien Insider

Museen

In einer Stadt mit 130 Museen fällt die Auswahl schwer! Hier seien wenigstens ein paar der wichtigsten aufgezählt. Das Museu de Arte de São Paulo (MASP) auf der Avenida Paulista, Brasiliens wichtigstes Kunstmuseum, bietet Werke großer Meister aus aller Welt und aus den verschiedensten Epochen. Ebenfalls auf der Paulista zeigt das Instituto Moreira Salles (IMS) ständig wechselnde Fotografieausstellungen. Die Ausstellungen der Pinacoteca do Estado, direkt neben dem Bahnhof Luz, ist spezialisiert auf brasilianische und südamerikanische Kunst. Gleich drei bemerkenswerte Museen befinden sich im Parque Ibirapuera, dem beliebtesten Stadtpark der Paulistanos: Das Museu de Arte Moderna (MAM), das Museu de Arte Contemporânea (MAC) und das Museu Afro Brasil. Ebenfalls dort findet alle zwei Jahre von September bis Dezember im Pavilhão da Bienal die Biennale von São Paulo statt. Sämtliche Museen im Park sind Teil eines vom Architekten Oscar Niemeyer geschaffenen Architekturensembles, das allein schon einen Besuch lohnend macht. Eine Art Freiluftmuseum für Street Art ist die Beco do Batman in der Vila Madalena. Dort sind die Mauern und Wände eines ganzen Quartiers voller faszinierender Graffitis.

Im Pavillon der Biennale von São Paulo © Brasilien Insider

Übernachtung

Im Laufe der Jahre sind fast alle Hotels, die sich mit mehreren Sternen schmücken können, aus dem alten Zentrum weggezogen, entweder zur Avenida Paulista oder in die neueren Geschäftsviertel von Itaim Bibi und Brooklin Paulista. Hier logieren zwar jetzt die großen Namen (Hilton, Hyatt etc.), doch wer der Stadt mehr als nur geschäftliches Interesse entgegenbringt, ist dort eher fehl am Platze, oder eben „jwd“ und viel zu weit weg vom Schuss.

São Paulo besitzt 410 Hotels mit ca. 42 000 Zimmern. Wegen der vielen Geschäftsreisenden ist die obere Businessklasse besonders stark repräsentiert. Es gibt aber auch zahlreiche einfache Optionen, darunter um die 90 Hostels, viele davon im beim jugendlichen Publikum beliebten Viertel Pinheiros. Das beste Angebot an Hotels der unterschiedlichsten Preisklassen herrscht um die Avenida Paulista. Manche der gehobenen Häuser, wie zum Beispiel das Tivoli Moffarej in der Alameda Santos 1437, bieten an den Wochenenden zudem verlockende Preisnachlässe. Recht günstig kommt man auch unter in den Budget-Hotels verschiedener Ketten, allen voran etwa im Ibis São Paulo Paulista, direkt an der Avenida. Wer am liebsten ganz zentral und trotzdem mit allem Komfort wohnen will, dem empfehle ich das Hotel Ca’d’Oro São Paulo in der Rua Augusta 129. Der Neubau des Traditionshotels bietet zudem ein Restaurant mit hervorragender italienischer Küche.

Ein weiteres exzellentes Hotel ist das L’Hotel Porto Bay São Paulo in der Alameda Campinas 266. In wenigen Schritten ist man auf der Avenida Paulista, und bis zur nächsten Metrostation Trianon/MASP sind es nur 200 Meter. Die Zimmer sind ausgesprochen komfortabel und auf dem Dach kann man sich in einem kleinen Pool erfrischen. Ein sehr nettes Extra: Zum Frühstück könnt Ihr hier den Tag gleich mit einem Glas Sekt beginnen … L’Hotel Porto Bay São Paulo buchen.

Schöne Zimmer in bester Lage: das L’Hotel Porto Bay São Paulo

Essen

São Paulo reiht sich selbst gern unter die besten kulinarischen Zentren der Welt ein, neben Paris, New York und Tokio. Brasiliens beste Restaurants befinden sich hier, und auch den internationalen Vergleich brauchen sie nicht zu scheuen. Um die 12 500 Gaststätten gibt es, mit kosmopolitischem Gaumenschmaus aus über 50 verschiedenen Ländern. Ein traditioneller Happen, den man überall an Ständen auf den Wochenmärkten angeboten bekommt, ist das Pastel, eine mit Hackfleisch, Käse oder Stockfisch usw. gefüllte, in heißem Fett ausgebackene Teigtasche. Geradezu Kultstatus genießen die Pastéis der Imbisse und Restaurants in der städtischen Markthalle Mercado Municipal. Als Zutaten gibt es hier außerdem den ständigen Trubel und den Duft unzähliger Früchte und Spezereien.

Auf der Empore des Mercado Municipal © Brasilien Insider

Süchtig geradezu sind die Einheimischen nach Pizza, rund eine Million der von den italienischen Immigranten etablierten Spezialität werden täglich konsumiert. Die Pizzeria Bráz bäckt mit die besten Fladen der Stadt an mittlerweile fünf verschiedenen Adressen. Mein Tipp: Das Haus in der Rua Vupabuçu 271 in Pinheiros. Wer im Zentrum unterwegs ist und eine schnelle und preiswerte Stärkung braucht, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, der kann sich an einem der Tresen des Estadão (Viaduto Nove de Julho 193) niederlassen. Der stadtbekannte Imbiss ist benannt nach der gleichnamigen Tageszeitung, die nebenan lange ihren Redaktionssitz hatte, und der Generationen von hungrigen Journalisten satt machte. Die Renner sind das Sanduíche de Pernil, ein üppiges, warmes Schweineschinken-Sandwich, und das Fleischgericht Picadinho mit Reis und Bohnen. Wer allerdings auf der Suche ist nach einem Lokal für den Anlass „Heute soll es mal was Besonderes sein“, der findet im behaglichen Ambiente des Tordesilhas feine und mit Sorgfalt zubereitete brasilianische Küche mit Gerichten aus allen Regionen des Landes, und das zu angemessenen Preisen.

Für den besonderen Anlass ist das Restaurante Tordesilhas eine gute Wahl © Brasilien Insider

Ausgehen

Tausende von Bars und Kneipen, ein vielfältiges Szeneleben und große Showhäuser mit Konzerten der Spitzenklasse machen São Paulo zu der Stadt mit dem reichhaltigsten Nachtleben Brasiliens – jeder Urban Tribe findet hier was für seinen Geschmack. Drei Stadtgegenden sind besonders zu erwähnen: Allen voran der Bezirk Pinheiros mit dem Viertel Vila Madalena. Durch die Nähe zur Universitätsstadt war die Region schon immer studentisch geprägt und ist heute praktisch zum Inbegriff der städtischen Bohème geworden.

Ausgefallen und hip geht es in der Beco do Batman in der Vila Madalena zu © Brasilien Insider

Im Bermuda-Viereck zwischen den Straßen Rua Aspicuelta und Rua Purpurina, sowie Rua Fradique Coutinho und Rua Harmonia reihen sich Kneipen aller Couleur und Restaurants jeden Geschmacks aneinander. Unter der Woche gibt es tagsüber überall ausgefallene Läden und Boutiquen zu erkunden und viel buntes Graffiti zu bestaunen, das richtige Treiben beginnt aber erst am späten Nachmittag mit der Happy Hour, an den Wochenenden bereits mittags. Am besten startet man in den Abend mit einem dunklen Bier im Salve Jorge oder mit einer leckeren Grundlage in der Empanadas Bar und schaut dann weiter.

Auch Revolutionäre haben Durst – Straßenkneipe in der Vila Madalena © Brasilien Insider

Etwas aus der Mode geraten, aber trotzdem noch munter, ist die Szene mit Kneipen, Clubs und Theatern um die Rua 13 de Maio des italienischen Viertels Bela Vista, Bixiga genannt. Der zwischen Zentrum und Avenida Paulista gelegene Teil der Rua Augusta – ehemals schicke Einkaufsmeile, dann heruntergekommen zum Rotlichtviertel – wurde in den letzten Jahren wiederbelebt und bildet jetzt mit den umliegenden Straßen das Nightlife-Quartier Baixo Augusta.

Samstagnachmittagsschwof auf dem Largo da Batata in Pinheiros © Brasilien Insider

Clubs

Wer das Ausgehen am liebsten mit viel Musik und Leibesübungen verbindet, für den hier ein paar Vorschläge: Eine ganze Halle mit Samba füllt das Traço de União in Pinheiros. Der Name ist Programm in der Morrison Rock Bar in der Vila Madalena. LBGT-Publikum und elektronische Musik finden zusammen im The Week im Viertel Água Branca. Seit 18 Jahren ist der Club D-Edge im Viertel Barra Funda eine Institution in der Stadt: Elektronische Tanzmusik, beste DJs und futuristisches Design.

Transport

Transportmittel Nummer Eins in São Paulo: das Auto © Brasilien Insider

Fernverkehr

Der Terminal Rodoviário Tietê im Norden der Stadt ist der größte Busbahnhof Lateinamerikas. Von hier aus starten Busse in alle Regionen und zu den meisten Städten des Landes: Wer über das nötige Sitzleder verfügt, kann bis nach Amazonien schaukeln. Zu bestimmten Städten (z. B. Rio de Janeiro) bestehen mehrere Linien, sodass es zu einer Art beständigem Shuttle-Service kommt. Über bestehende Verbindungen und Zeiten kann man sich auf diversen Internetportalen informieren (Clickbus, Busca Ônibus usw.). Zuverlässiger, und mit der Metro (Haltestelle Portuguesa-Tietê) direkt und schnell zu erreichen, sind die Informationen aber im großen Schalterbereich vor Ort. Es gibt noch zwei weitere Busterminals in der Stadt: Vom Terminal Barra Funda (Metrostation Barra Funda) starten die Busse zu einigen Zielen in Paraná und zu den Bundesstaaten Rondônia, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul. Vom Terminal Jabaquara (Metrostation Jabaquara) fahren die Busse nach Santos/Guarujá und zum südlichen Küstenabschnitt von São Paulo.

Stadtautobahn Marginal Pinheiros © Brasilien Insider

Nahverkehr

Vom internationalen Flughafen Guarulhos bis in die City sind es über 30 Kilometer. Wer dafür klassisch das Taxi nimmt, bezahlt zirka R$150 (mit Uber etwas mehr als die Hälfte) und braucht dafür je nach Verkehr ungefähr 1 Stunde. Die komfortablen Busse der Linien des Airport Service (www.airportbusservice.com.br) fahren regelmäßig zur Praça da República ins Zentrum (Fahrpreis R$50), zu den wichtigsten Hotels der Region Avenida Paulista, zu den Rodoviárias Tietê und Barra Funda und pendeln zum Stadtflughafen Congonhas. Seit Neuestem ist der Flughafen (endlich!) auch durch S-Bahn und Metro an die City angebunden. Zuallererst bringt einen ein Shuttlebus vom Flugterminal zur nahen S-Bahnstation Guarulhos Aeroporto. Dort hat man dann mehrere Möglichkeiten. Absolut Top ist der Airport Express, eine direkte Zugverbindung ohne Zwischenhalt bis zum Bahnhof Estação da Luz, mitten im Zentrum. Luz ist ein Knotenpunkt mit Anbindung an das Netz der Metro (oder man nimmt ein Taxi für den Rest des Wegs zum Hotel). Keine Verbindung ins Zentrum ist schneller (35 Minuten) und das für lächerliche R$8. Leider verkehrt der Express (bislang) nur zu diesen festen Zeiten: ab Guarulhos 9, 11, 13, 15 und 21 Uhr; zurück ab Luz 10, 12, 14, 16 und 22 Uhr.

Dann gibt es noch den Connect Service, dessen Züge halten unterwegs ein paar mal und die Fahrt endet an der Station Brás, wo man in die Metro umsteigen kann. Das ist noch günstiger (R$4) und möglich von Mo-Fr um 6.20, 7, 7.40, 18, 18.40 und 19.20 Uhr, samstags nur 6.20, 7 und 7.40 Uhr. Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob man sich zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends mit viel Gepäck ab Brás in einen U-Bahnwagen Richtung Zentrum zwängen will. Das gleiche gilt für die Benutzung der normalen S-Bahnzüge, die im 30-Minutentakt vom Flughafen starten. Um nach Brás zu gelangen, muss man vorher noch an der Station Engenheiro Goulart auf eine auch meistens volle Bahn der Linie 12-Safira umsteigen. Das möchte ich nur Reisenden mit kleinem Gepäck, viel Durchsetzungsvermögen und der nötigen Geduld raten.

Das Taxi ist für den Ortsfremden in São Paulo das bequemste Verkehrsmittel. Im Verhältnis zu Deutschland sind die Tarife günstig (wer mit Uber vertraut ist, zahlt noch weniger) und in der Regel wird man von den Fahrern nicht übers Ohr gehauen. Man kann die Fahrzeuge auch einfach auf der Straße mit Handzeichen anhalten.

Die Metrostation Paulista © Brasilien Insider

Die Metro ist meiner Meinung nach das ideale Verkehrsmittel in São Paulo. Obwohl im Verhältnis zur Größe der Stadt immer noch zu schwach ausgebaut und zu Stoßzeiten oft überfüllt, ist sie doch eine schnelle und sichere Alternative zur Straße. Die für den Besucher interessanten Stadtgebiete, also Zentrum, Avenida Paulista und zentrumsnahe Viertel sind bestens angebunden, fast alle Sehenswürdigkeiten und Hotels sind auf diesem Weg zu erreichen. Das Ticket bekommt man für R$4 an den Schaltern in den Stationen.

Lichtspiele in der Estação da Luz © Brasilien Insider

Wer die Stadt nur für kurze Zeit besucht, wird mit dem Bussystem nur wenig anfangen können. In São Paulo gibt es über 1300 Bus- und Van-Linien mit etwa 15 000 Fahrzeugen. Selbst für Einheimische ist es nicht immer leicht, über die frontalen Fahrtzielanzeigen und die an den Busseite angebrachten Stichworte schnell die richtigen Schlüsse über die Route zu ziehen. Nur für Eingeweihte! Eine Einzelfahrt kostet R$4, die man nach dem Einsteigen beim Kassierer bezahlt.

In den letzten Jahren sind in São Paulo fast 400 km neue Radwege entstanden. Obwohl das Netz noch viele Schwachstellen und Fehler hat, ist Radfahren in der City heute durchaus eine Option. So gehört jetzt unter anderem die Mitte der Avenida Paulista den Bikern und ein 45 km langer Radweg (ciclofaixa) verbindet vier Stadtparks. Trotzdem ist Vorsicht geboten, denn das Rad als Verkehrsmittel ist vielen Paulistanos noch eher fremd. Es gibt zwei große Anbieter von Leihrädern in der Stadt: Bike Sampa (Signalfarbe Orange) hat die meisten Terminals und Räder, die Bikes von Yellow stehen einfach irgendwo rum. Leider haben beide ein recht umständliches Leihsystem, was die Sache für den Besucher, der nur mal kurz in die Pedale treten will, zu aufwendig und unattraktiv macht. Findige Hostels und Hotels bieten aber inzwischen ihren Gästen eigene Räder, oder haben zumindest einen Tipp, wo man einen Drahtesel ergattern kann.

Graffiti auf der Avenida Faria Lima in Pinheiros © Brasilien Insider

Stadtführungen

Wer nur wenig Zeit mit im Gepäck hat, aber trotzdem etwas mehr von São Paulo sehen will, als der Blick aus dem Hotelfenster oder dem Konferenzraum erlaubt, dem biete ich in individuellen Führungen eine behutsame Annäherung an diese faszinierende Stadt, mit deren Alltag ich seit fast 30 Jahren bestens vertraut bin.

Mehr dazu hier: São Paulo Insider

Karneval und Feiertage

Gleich wie in Rio de Janeiro besteht der Karneval der Sambaschulen in São Paulo aus prachtvollen Umzügen über einen eigens dafür geschaffenen Parcours, das Sambódromo beim Kongresszentrum Anhembi im Norden der Stadt. Obwohl an Aufwand und Pracht nicht gespart wird, kommt man an den Glamour von Rio nicht ganz heran. Wer nicht gerade zu diesen Desfiles am Karnevalsfreitag und -samstag in der Stadt ist, kann den Sambistas beim Üben zuschauen. Besonders beliebt sind die Ensaios (Proben) der Sambaschule Vai Vai, die ab Januar immer donnerstag- und sonntagabends ab 19 Uhr beim Hauptquartier des Vereins stattfinden (Praça 14 Bis). In den letzten Jahren hat allerdings eine rasante und überwältigende Renaissance des Straßenkarnevals in São Paulo den Schulen den Rang als Hauptattraktion abgelaufen. Schon im Januar fangen die Blocos an, zunächst nur an den Wochenenden singend und tanzend durch bestimmte Straßen zu ziehen. Mit der Zeit nimmt das Treiben beständig zu, bis an wilden Tagen dann Zehntausende von Menschen ganze Viertel in Beschlag nehmen und die halbe Stadt auf den Kopf stellen.

Gute Laune garantiert – hier im Bloco dos Esfarrapados im Viertel Bixiga © Brasilien Insider

Irgendetwas wird immer gefeiert in São Paulo – bei den vielen Millionen von Menschen teils verschiedenster ethnischer Herkunft kein Wunder. Hier nur ein paar der wichtigsten Ereignisse: Virada Cultural, an einem Wochenende im Mai wird die Stadt nonstop von Samstag bis Sonntagabend mit Hunderten von kostenlosen Live-Acts (Musik, Theater, Tanz, Performance etc.) auf Bühnen in den Straßen und Parks überzogen. Die Parada do Orgulho GLST (gays, lésbicas, simpatizantes und transgêneros), mit 3 Millionen Teilnehmern weltgrößter schwul-lesbischer Umzug auf der Avenida Paulista, Abschluss-Show an der Praça da República (am Sonntag nach Fronleichnam). Am letzten Tag des Jahres findet morgens die Corrida de São Silvestre, der traditionelle Marathonlauf statt, Start und Ziel sind auf der Avenida Paulista. Abends wird die Paulista zum Schauplatz einer großen Silvesterfeier, mit Shows auf einer über die Straße gebauten Bühne und großem Feuerwerk.

Virada Cultural im Parque da Luz © Brasilien Insider

Praktische Tipps

Wer nach der Landung in Guarulhos gleich an brasilianische Real (R$) kommen muss, der sollte die im Flughafen angesiedelten Banken und Wechselstellen tunlichst meiden oder nur einen kleinen Betrag umtauschen, denn die dort praktizierten Kurse sind kriminell schlecht. Eine bessere Idee ist, nachdem man schließlich in der Ankunftshalle angelangt ist, mit seiner EC-Karte oder der Kreditkarte an einem der hier anzutreffenden Automaten etwas Geld zu tanken. Wer einen größeren Betrag von Euros oder Franken tauschen will, der macht das besser in der Stadt in einem der Reisebüros, die Câmbio anbieten, z. B. Interpax Turismo an der Praça da República 177.

Sich mit seiner Karte an einem Bankautomaten mit brasilianischem Bargeld zu versorgen ist in São Paulo kein Problem (man sollte sich nur vorher vergewissern, ob die Karte von der Bank zuhause auch dafür freigeschaltet ist). Geld bekommt man in den Filialen der Banco do Brasil (Signalfarbe Gelb), oder am besten in einer Filiale von Bradesco (Rot), der Bank mit dem größten Servicenetz. An den entsprechenden Automaten muss eine Reihe mit den Symbolen von Mastercard, Cirrus, Visa usw. sichtbar angebracht sein. Ebenfalls Bargeld bekommt man bei Banco 24 Horas, dem größten Interbank-Netzwerk in Brasilien, dessen Automaten meist an Orten mit großem Publikumsverkehr anzutreffen sind (Flughafen, Busbahnhof, Shoppingcenter usw.). Allerdings ist das mit einer etwas höheren Gebühr verbunden.

Zu jeder Tages- und Nachtzeit beeindruckend: São Paulo © Brasilien Insider