VERHALTENSTIPPS

Auch das richtige Verhalten am Strand will gelernt sein © Brasilien Insider

Andere Länder, andere Sitten … damit Ihr nicht zu denen gehört, die in eins dieser typischen Touristen-Fettnäpfchen treten, habe ich hier ein paar Verhaltenstipps für Brasilien-Reisende zusammengestellt:

Am Strand

Trotz der offensichtlichen Lockerheit der Bevölkerung sind einige Benimmregeln zu beachten, ganz besonders am Strand: Zum Beispiel werdet Ihr brasilianische Frauen niemals „oben ohne“ sehen. Hier überwiegt der möglichst knappe („Zahnseiden“-)Bikini (fio dental), neuerdings sind auch raffiniert geschnittene Badeanzüge zu sehen. FKK und topless sind in ganz Brasilien verpönt, von ein paar freigegebenen Stränden abgesehen. Touristinnen, die sich an belebten Stränden oben ohne sonnen, müssen damit rechnen, auf die öffentliche Badeordnung hingewiesen oder sogar verhaftet zu werden, die Empörung anderer Strandgäste ist jedenfalls garantiert (auch wenn sie nicht immer direkt geäußert wird).

Sensibilität beim Zeigen des eigenen Körpers ist auch beim Kleiderwechsel gefragt. Sich hinter vorgehaltenem Handtuch umzuziehen, gilt schon am Strand als unfein, noch weniger tut man es an anderen öffentlichen Stellen.

Ebenfalls in die Rubrik „peinlich“ ist der typische „Gringo-Sonnenbrand” einzuordnen, den sich viele unvorsichtige Neuankömmlinge an den ersten Tagen zulegen.

Der Strand von Praia do Francês in Alagoas © Brasilien Insider

 

Im Meer

Weit weniger harmlos sind die gefährlichen Strömungen und die oft starke Brandung, die an vielen brasilianischen Stränden auftreten. Hier kann ich nur dringend raten, dem Atlantik stets mit größtem Respekt zu begegnen. Seid besonders vorsichtig an leeren Stränden, an denen sich sonst niemand im Wasser aufhält und wo auch keine Lifeguards im Notfall in der Nähe sind! Mein Tipp: Erkundigt euch generell vor jedem Bad im Meer erst mal bei Einheimischen, ob es besondere Strömungen (correntes) gibt. Diese können nämlich auch nur zeitweise auftreten. Das heißt, an einem Tag ist das Meer ruhig und spiegelglatt, am nächsten Tag treten plötzlich tückische Strömungen auf. Ein gutes Maß an Vorsicht und Vorausschau ist hier auf jeden Fall die Mutter der Porzellankiste.

Die Sauberkeit des Wassers wird an vielen Stadtstränden durch rote oder grüne Hinweistafeln angezeigt. Nach längeren starken Regenfällen sollte man in Stadtgebieten ein Bad im Meer für mindestens einen Tag vermeiden, da vielerorts Straßenabfälle ungefiltert ins Wasser fließen.

Haie kommen an Brasiliens Stränden, anders als zum Beispiel in Australien, praktisch überhaupt nicht vor. Der einzige Ort, an dem schon Haiangriffe auf Surfer und Badende gemeldet wurden, ist die Stadt Recife. Hier müsst Ihr unbedingt die örtlichen Warnschilder beachten und euch vorher informieren, wie weit man ins Wasser gehen darf. Nicht alle Strände in Recife sind gefährdet, einige sind auch durch Riffe geschützt und daher zum Baden sicher. Auch rund um die Trauminsel Fernando de Noronha gibt es Haipopulationen, aufgrund der intakten Natur und der reichen Futterbestände innerhalb des Meeresnationalparks hatte es aber jahrzehntelang keine Angriffe auf Menschen gegeben. In letzter Zeit sind einige Unglücke von leichtsinnigen Touristen provoziert worden. Es sollte eigentlich jedem klar sein, dass Unterwasser-Selfies mit wilden Haien keine gute Idee sind …

Warnschild an einem Strand in Recife © Brasilien Insider

Feuerquallen oder andere gefährliche oder lästige Meeresbewohner kommen an Brasiliens Stränden nicht vor, sodass Ihr, wenn Ihr die obigen Hinweise beachtet, dem Badevergnügen ausgiebig frönen könnt.

 

Fotografieren

Brasilianer/innen lassen sich im Allgemeinen gern fotografieren, am liebsten mit Freunden in Gruppen. Bevor Ihr jedoch fremde Personen einfach ablichtet (beliebte Motive sind Fischer, Straßenverkäufer, Menschen in traditionellen Trachten usw.) solltet Ihr auf jeden Fall vorher um Erlaubnis bitten. Dies gebietet alleine schon die Höflichkeit, außerdem fördert Ihr dadurch zugleich die Kontaktaufnahme. In Kirchen und Museen ist Blitzlicht meistens verboten.

Im Restaurant Casa do Fogo in Paraty geht es feurig zur Sache © Brasilien Insider

 

Kleiderwahl

In ihrer Freizeit kleiden sich Brasilianer gerne informell: Kurze Hosen, knappe Kleidchen und die klassischen Havaianas gehören besonders in Strandbadeorten zum normalen Erscheinungsbild. Hier ist es auch kein Problem, Geschäfte oder öffentliche Einrichtungen in kurzen Hosen und Sandalen zu betreten. Dagegen ist in den Zentren der Großstädte eher konservativer Stil bzw. moderner City-Look angesagt.

Alles in allem legen Brasilianer viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres; unabhängig vom Einkommen versucht jeder, sich so hübsch wie möglich zu präsentieren, am besten noch mit einem feinen Duft versehen. Ein schmuddeliges Outfit, ungewaschene Haare oder eine zerrissene Hose werden dagegen mit Naserümpfen quittiert. Besonders von „wohlhabenden” Touristen wird ein adrettes Erscheinungsbild erwartet. Was in Europa vielleicht gerade noch als „Traveller-Look” durchgeht, stößt in Brasilien leicht auf Unverständnis. Dies solltet Ihr bei der Auswahl eurer Reisekleidung bedenken. Was ansonsten noch ins Reisegepäck gehört, findet Ihr in unserer Brasilien-Packliste.

Stadt der Avantgarde – In São Paulo werden Trends gemacht © Brasilien Insider

 

Im Lokal

Anders als in vielen Ländern Europas setzt man sich in Brasilien unter keinen Umständen in einer Bar oder einem Gartenlokal einfach zu anderen Leuten an den Tisch – auch dann nicht, wenn es so scheint, dass da eigentlich noch Platz frei wäre. Solche Anfragen werden von vielen Brasilianern als unhöfliches Eindringen in die Privatsphäre und fehlende Erziehung (falta de educação) interpretiert.

In besseren Restaurants wartet man in Brasilien generell ab, bis ein Angestellter einen freien Tisch anbietet. Und falls alle Tische besetzt sind, braucht Ihr nicht gleich abzudrehen. Oft wird flink improvisiert und schnell noch irgendwo ein Klapptisch mit zwei Stühlen für euch aufgebaut. Der alte Spruch “Geht nicht gibt’s nicht” trifft in Brasilien ziemlich ins Schwarze, zumindest wird man fast immer versuchen, alles für euch möglich zu machen …

Habt Ihr einmal einen Sitzplatz gefunden, wäre es übrigens ein weiteres Zeichen “schlechter Erziehung”, wenn Ihr euren Rucksack, Tasche oder Handtasche einfach auf den Boden stellt. Dies signalisiert in Brasilien mangelnde Wertschätzung gegenüber seinem Besitz, denn wer würde schon etwas Wertvolles in den Staub stellen (es spielt keine Rolle, ob der Boden blitzblank ist). Stattdessen behalten Brasilianer ihr Accessoire entweder auf dem Schoß oder legen es auf den Tisch oder am liebsten auf einen freien Stuhl. Sollte keiner in der Nähe sein, wird oft sogar einer nur für die Taschenablage vom Personal gebracht.

Bei Bedarf werden in Brasilien einfach weitere Tische aufgestellt, hier bei Tudo Azul in Salvador © Brasilien Insider

 

Rauchen

Brasilien ist ein Paradies für Nichtraucher. Nur knapp 10 % der Brasilianer rauchen, und in der Öffentlichkeit ist das Rauchen zudem durch verschiedene Gesetze stark eingeschränkt. So darf zum Beispiel nicht in öffentlichen und gemeinschaftlich genutzten Räumen geraucht werden, auch halb draußen unter Markisen ist es verboten. Die wenigen brasilianischen Raucher verhalten sich im Allgemeinen ausgesprochen rücksichtsvoll und stellen sich unaufgefordert von selbst ein paar Meter weiter, wenn sie eine Zigarette ziehen wollen. Um nicht unnötig anzuecken, sollten auch Ausländer sich dieser proaktiven Einstellung anpassen. Insgesamt kann man Brasilien durchaus als ein Vorbild für harmonisches Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern bezeichnen.

Auch in solchen offenen oder halboffenen Lokalen stellen Brasilianer sich meist von sich aus zum Rauchen ein paar Meter weiter, um die Tischnachbarn nicht zu stören © Brasilien Insider

 

Trinkgeld

Die meisten brasilianischen Restaurants und Bars berechnen automatisch 10 % Trinkgeld, Ausnahmen sind die zahlreichen Self-Service-Lokale (dort fällt kein Trinkgeld an). Es ist weder üblich noch notwendig, darüber hinaus etwas zu geben, aber natürlich dürft Ihr bei besonders netter Bedienung auch großzügiger sein.

Größere Rechnungen solltet Ihr immer nachprüfen, da es durchaus (unabsichtlich) zu Irrtümern kommen kann. In besonders touristischen Gegenden wird leider gelegentlich auch hier und da gezielt unkorrekt abgerechnet. Da findet der auswärtige Gast plötzlich ein paar Flaschen Bier mehr auf der Rechnung, als tatsächlich getrunken wurden. Insgesamt ist so ein Scam aber relativ selten und der ganz überwiegende Teil der brasilianischen Kellner arbeitet nach meiner Erfahrung seriös und ehrlich.

Besonders die besseren Hotels schlagen oft eine oder mehrere Gebühren („Taxa”) von insgesamt 5–15 % auf den Endbetrag auf. Darunter befindet sich auch die Taxa de Serviço, also das Trinkgeld für Service-Personal. Nach offizieller Lesart ist dies zwar manchmal „optional“, jedoch wird man bei Nichtbezahlung wahrscheinlich gefragt werden, ob mit dem Service irgendetwas nicht in Ordnung war. Im Zweifel solltet Ihr euch vor der Reservierung erkundigen, ob zu dem Endpreis noch etwaige “Taxas” hinzukommen.

Bei Taxi- und Uber-Fahrern ist es gängige Praxis, die Summe auf den nächsten vollen Real aufzurunden, ein Trinkgeld wird nicht erwartet.

 

Vortritt lassen

Verschiedene Bundesgesetze sprechen Senioren (über 65 Jahre), Schwangeren und Behinderten spezielle Rechte zu, und viele öffentliche Einrichtungen und Geschäfte bedienen diesen Personenkreis bevorzugt, in Supermärkten und Banken gibt es sogar eigene Kassen dafür. Niemand sollte sich also wundern (oder gar aufregen), wenn einmal ältere Menschen vor einem in die Schlange treten – dies ist keine Unhöflichkeit.