ZUCKERHUT UND UMGEBUNG

Nicht weit von der Copacabana liegt der bekannteste Stadthügel der Welt: der Zuckerhut mit seiner unvergleichlichen Aussicht auf Rio und die Guanabara-Bucht. Für die Europäer war er stets das wichtigste Emblem von Rio, diente er den Kolonisatoren doch von Anfang an als wichtige Landmarke bei der einzigen schiffbaren Zufahrt in die Bucht von Guanabara, an der sich die Stadt entwickelte. Für viele Jahre hatte der Zuckerhut für die Seeleute sozusagen die Funktion des Leuchtturms von Rio inne. Entstanden ist der uralte Gneisfelsen vor etwa 570 Millionen Jahren nach der Kontinentenspaltung, als er aus tieferen Erdschichten hochgedrückt wurde. Den Namen Pão de Açúcar (Zuckerbrot) erhielt er, weil seine konische Form Ähnlichkeit mit einem kegelförmigen Rohzuckerbehälter besitzt beziehungsweise an den Kegel eines Zuckerhuts erinnert.

Der Zuckerhut liegt in dem erst 1921 gegründeten Stadtteil Urca, Rios kleinstem und wegen der Militärpräsenz sicherstem Viertel, zudem das einzige, das sowohl an der Bucht von Guanabara als auch am Atlantik liegt. Wegen der besonderen strategischen Lage sind hier mehrere Festungen und Marineschulen entstanden. Und so verwundert es auch nicht, dass an diesem privilegierten Ort eher reichere Bewohner in hübschen kleinen Villen leben. Schon bei der Anfahrt sieht man an der rechten Seite der Avenida Pasteur mehrere historische Prachtbauten. Da ist zunächst das frühere Hospício Pedro II., Brasiliens erste psychiatrische Klinik von 1852, in der heute ein Teil der staatlichen Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) untergebracht ist. 200 m weiter folgt das 1854 als Blindenschule gegründete Instituto Benjamin Constant mit seinen wuchtigen Säulen und der massigen Fassade, und kurz danach das neoklassizistische Gebäude der Companhia de Pesquisa de Recursos Minerais mit einem geologischen Museum und großen Tierstatuen am Eingang. Am Fuße des Zuckerhuts liegen weiterhin idyllische Buchten, ein kleiner Wanderpfad durch den Regenwald, reizende Mansionen sowie nette Bars und Restaurants, sodass es sich lohnt, im Anschluss an den Zuckerhut-Besuch noch ein wenig in Urca zu bleiben und durch diesen ruhigen Stadtteil zu schlendern (mehr Tipps dazu siehe unten).

Reisetipp: No Stress – Gelassen den Zuckerhut genießen
Ebenso wie beim Corcovado solltet Ihr euch auch beim Zuckerhut genug Zeit mitbringen. Auch wenn alles recht gut organisiert ist, können bei den insgesamt vier Seilbahnfahrten doch immer wieder längere Wartezeiten anfallen, besonders in der Hauptsaison. Richtet euren Zuckerhut-Besuch also am besten so ein, dass Ihr alles ganz entspannt und ohne Zeitdruck genießen könnt. Oben gibt es einige schöne Bars und die Aussicht ist traumhaft, es ist also eigentlich kein Grund vorhanden, ganz schnell wieder hinunterzufahren.
Beste Besuchszeit und Öffnungszeiten

Für einen Besuch solltet Ihr, falls es sich einrichten lässt, einen Werktag wählen. An Wochenenden bilden sich besonders im Sommer und über Ostern lange Warteschlangen. Hobbyfotografen bevorzugen in der Regel den frühen Vormittag (kein Gegenlicht beim Blick auf den Corcovado), sehr reizvoll können aber auch die Sonnenuntergänge mit dem Anblick der abendlich beleuchteten Stadt sein.
tgl. ab 8 Uhr, Kassenschluss 19.50 Uhr, Start alle 20 Minuten (bei Andrang häufiger), Eintritt R$120, Vip-Ticket “Acesso Rápido” oder “Fast Pass” (weniger Wartezeit) R$220, ab 60 Jahre und unter 21 Jahre sowie Studenten mit Ausweis zahlen die Hälfte, 5 Prozent Ermäßigung bei Ticketkauf über die Website. Wichtig: das Seilbahnticket bis zum Schluss aufheben. Anfahrt ab Leblon/Ipanema/Copacabana Bus Circular 1 nach “Urca”, 200 m vor der Talstation biegt der Bus links ab, dort aussteigen an der Haltestelle “Pão de Açúcar”

Auffahrt mit der Seilbahn

Die 1912/13 von der Kölner Firma Poligh Heckel konstruierte Seilbahn (teleférico), auch “bonde” oder “bondinho” genannt, war ein historisches Pionierprojekt, gab es doch damals erst zwei solche Anlagen auf der ganzen Welt. Seitdem sind ungefähr 37 Millionen Besucher hochgefahren, heute kommen mehr als eine Million Fahrgäste im Jahr. In den seitlich transparenten Kabinen der seit 2007 verkehrenden neuesten Generation haben jeweils 65 Passagiere Platz. Noch nie ist etwas passiert, lediglich im James-Bond-Film Moonraker – Streng geheim (1979) ging so manches schief.

Die Mittelstation auf dem Morro da Urca

Spätestens an der modernen Talstation bemerken die meisten Besucher, dass die Auffahrt in zwei Etappen erfolgt. Im ersten Abschnitt geht es zunächst auf den 220 m hohen Morro da Urca, den Hügel von Urca. Wenn sich die Spitze des Zuckerhuts in einer dichten Wolke verstecken sollte, was häufiger vorkommt, muss man nicht allzu traurig sein, denn schon von hier aus erschließt sich eine atemberaubende Aussicht.

Beim Ausstieg an der Mittelstation befinden sich auf der rechten Seite eine kleine Aussichtsplattform, ein Aussichtsdeck (Mirante) und der Anfang eines kurzen Wanderweges durchs Grüne (Via Verde), der zur zweiten Seilbahnstation führt. Wer stattdessen am Ausgang ein paar Meter nach links geht, sieht einen Seilbahnwagen der ersten Generation von 1912 sowie das zweite Modell, das 1972 eingeführt wurde. Kurz dahinter befindet sich Rios wichtigster Heliponto (Hubschrauberlandeplatz), von wo aus sich spontane Rundflüge buchen lassen. Außerdem könnt Ihr auf dieser Zwischenstation noch eine kleine historische Ausstellung namens “Cocuruto” besichtigen und euch dort einen kurzen Dokumentarfilm über den Zuckerhut ansehen. Wer mag, kann am Ende noch in einer Bar eine Caipirinha genießen – es ist ein idealer Ort für einen Sundowner, zum Beispiel auf dem Rückweg.

Sportlich Ambitionierte können übrigens auch auf einem 900 m langen, recht leichten Wanderweg in 30 bis 45 Minuten den Morro da Urca erklimmen und von da entweder mit der Gondel weiter nach oben zum Zuckerhut (R$60) oder wieder zurück zum Strand (R$30) fahren. Der Weg beginnt an der Pista Claudio Coutinho links vom Strand Praia Vermelha (siehe unten).
Zugang zum Wanderweg tgl. 8.30–17 Uhr, Ticketschalter Morro da Urca tgl. 8.30–19.30 Uhr

Endstation Zuckerhut

Die zweite Etappe der Seilbahn führt schließlich zum 396 m hohen Pão de Açúcar. Von den drei Aussichtsplattformen auf der rechten Seite bietet sich der beste Blick auf die Copacabana und die davor liegende Praia Vermelha. Auch sind von dieser Seite aus die “Zwillingsfelsen” der Dois Irmãos im Hintergrund, der Tafelberg Pedra da Gávea sowie die links im Meer liegenden Cagarras-Inseln gut zu erkennen.

Von den beiden größeren Plattformen auf der linken Seite fällt der Blick natürlich zuerst auf den Corcovado und die darunter liegenden Stadtteile Botafogo und Flamengo, schweift weiter nach rechts über die Skyline des Zentrums, fällt dann auf die lange Brücke, die über die Bucht von Guanabara führt, und endet schließlich bei der gegenüber von Rio liegenden Nachbarstadt Niterói – ein fantastischer weiter Rundblick, der seinesgleichen sucht!

Auf neu angelegten Spazierpfaden ist es jetzt auch möglich, durch den üppigen Wald zu spazieren (Schilder “Bosque” folgen). Gleich am Anfang lockt allerdings der Clássico Beach Club, bei dem schon so manch ambitionierte Wanderung ihr abruptes Ende fand. Bei (natürlich) spektakulärem Ausblick und entspannter Loungemusik nippt Ihr hier im Liegesessel an einer Caipi oder probiert einen der kreativen Cocktails, wie zum Beispiel Açaí Mojito.

Wahrzeichen von Rio: der Zuckerhut © Brasilien Insider
Nach dem Zuckerhut-Besuch

Im Anschluss an den Zuckerhut solltet Ihr noch einen Blick nach rechts auf die schöne Praia Vermelha werfen. Dieser kaum bekannte kleine Atlantikstrand hat seinen Namen von einer leichten Rotfärbung des Sandes. Zum Baden ist er weniger geeignet, aber für Zuckerhut-Fotos gibt es keinen besseren Standort. Auf der rechten Seite liegt der öffentlich zugängliche Clube Círculo Militar da Praia Vermelha. Wer durch eine dunkle Glastür tritt, gelangt zum Open-Air-Restaurant Terra Brasilis, von dessen Terrasse sich ein schöner Blick auf die Praia Vermelha und den Zuckerhut bietet. Kaum zu glauben, aber es ist Rios fast einziges Restaurant, das direkt am Meer liegt.

Auf der anderen Seite des Strandes beginnt die beliebte Wander- und Joggingstrecke Pista Claudio Coutinho. Dieser leicht zu laufende Asphaltweg schmiegt sich reizvoll an den Morro da Urca und noch ein Stück um den Zuckerhut herum und bietet unterwegs viele herrliche Ausblicke. Auf Infotafeln werden Details zu dem 91,5 ha großen Naturschutzgebiet Monumento Natural dos Morros do Pão de Açúcar e da Urca dargestellt. Wer die Strecke bis ganz zu ihrem Ende laufen möchte, braucht für den Spaziergang hin und zurück etwa 30 bis 40 Minuten (2,5 km).
tgl. 6–18 Uhr

Wer danach noch Lust auf einen etwas längeren Stadtspaziergang hat, kann durch das Viertel Urca streifen, das wie eine Landzunge sowohl am Atlantik als auch an der Bucht von Guanabara liegt. Vom Zuckerhut aus führt eine schöne Promenade bis an die Spitze der Halbinsel, in knapp 25 Minuten habt Ihr sie erreicht. Von der Praia Vermelha aus geht Ihr zuerst über den Platz zurück, vorbei an einer “Schule für Schiffskriege” (Escola de Guerra Naval), und folgt dann der ersten Straße rechts, der schattigen Rua Ramon Franco, bis Ihr die Uferpromenade Avenida Portugal erreicht. Dort erkennt Ihr auch bereits Rios wichtigsten Jachthafen.

Weiter auf der Avenida Portugal nach rechts gehend kommt Ihr auf einem der entspanntesten Spazierwege der Stadt vorbei an hübschen Villen sowie der kleinen Igreja Nossa Senhora do Brasil (Hausnummer 772) mit einer blau-weiß gefliesten Azulejo-Fassade. Nach ungefähr 15 Minuten führt der Weg an der Praia da Urca durch ein ehemaliges Kasino, das nach dem landesweit eingeführten Glücksspielverbot (1946) zwischen 1951 und 1980 Brasiliens erste Fernsehstation TV Tupi beherbergte. Derzeit wird das Gebäude von einer Designhochschule genutzt, im Innenbereich gibt es auch ein Café.

Einen weiteren Kilometer die Promenade hinauf erreicht Ihr schließlich die in ganz Rio für ihre herrliche Lage bekannte Bar Urca. Die kleine Kaimauer davor hat sich zu einem regelrechten Treffpunkt entwickelt, vor allem nachmittags und an Wochenenden füllt sich die Straße vor der Bar. Getränke und kleine Snacks holt man sich hier direkt am Tresen und setzt sich gegenüber auf die Ufermauer, eine Art Kult-Programm in der Stadt. Wer jedoch gesittet essen möchte, kann sich ins Obergeschoss des Lokals setzen, wo zudem ein noch schönerer Blick auf die Bucht wartet. Das Restaurant serviert gute Fischgerichte, vor allem Moquecas.
Mo–Sa 7–23, So 8–20 Uhr

Die Straße führt noch 100 m weiter bis zur Festung Fortaleza de São João, wo 1565 der portugiesische Feldherr Estácio de Sá die Ortschaft São Sebastião do Rio de Janeiro gründete. Eine Besichtigung der Anlage ist leider nicht möglich. Wer von hier aus mit dem Bus zurück nach Copacabana fahren möchte, kann ein Stück weiter an der Haltestelle auf die Fahrzeuge der Linien 581 und 582 warten.

Wer immer noch fit genug ist und Lust auf Einkaufen hat, kann den ganzen Weg zurücklaufen und in der Nähe des Zuckerhuts das Rio Sul Shopping Center aufsuchen. Es ist das zweitgrößte Einkaufszentrum der Stadt mit über 400 Geschäften, sechs Kinosälen und zwei Restaurantmeilen. Von der Seilbahnstation aus erreicht Ihr es in gut 20 Minuten durch ein angenehm ruhiges Wohngebiet über die Rua Doutor Xavier Sigaud und Rua Lauro Müller. Auch von dort fahren Busse nach Copacabana (andere Straßenseite).
Mo–Sa 10–22 Uhr, So Geschäfte 15–21 Uhr, Restaurants 12–21 Uhr

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