BÜCHERECKE

Brasilien – Ein Land der Zukunft, von Stefan Zweig

Wer sich positiv auf Brasilien einstimmen möchte, sollte zuerst dieses Buch lesen. Stefan Zweigs große Liebeserklärung an dieses Land macht Lust, es selbst zu entdecken. Der Autor war Europas berühmtester Schriftsteller, ein Sprachgenie ohnegleichen. In finsteren Zeiten des Holocaust floh er von Wien bis nach Rio, wo für ihn die Welt noch in Ordnung schien, fast ein Modell für eine bessere und humanere Zukunft. Ausführlich beschreibt er in teils schwelgerischen Tönen das so friedliche Miteinander der Menschen, die südländische Mentalität der Toleranz und Lebensfreude, die üppige Landschaft der Tropen und die geschichtlichen Hintergründe. Das Ganze liest sich ohne Anstrengung wie ein poetischer Reisebericht, mit nur wenigen Zahlen, ein weitgehend gelungener Versuch, die ewige Essenz eines Landes aufzuspüren. Ein echter Klassiker also, dem das Alter (1941) kaum einen Abbruch tut. – Helmuth Taubald

KulturSchock Brasilien, von Carl D. Goerdeler

Nach dem oben empfohlenen Buch von Stefan Zweig folgt nun ein Werk, das uns noch näher an die Gegenwart heranführt. Was erwartet uns auf der Reise? Was ist anders als daheim? Die Reihe bei Reise Know-How heißt „Kulturschock“, ganz so schlimm wird es zu Brasilien nicht, aber vieles ist doch anders, und Fettnäpfchen lauern an jeder Ecke. Es gibt mehrere ähnliche Bücher, doch dieses von Carl D. Goerdeler scheint uns das beste zu sein. Der Autor lebt schon seit Jahrzehnten im Land, hat vorher Politik und Publizistik studiert, war Diplomat in Tokio und Brasilia und schrieb danach für viele Zeitungen und Verlage. Und so erfahren wir aus der Feder dieses Insiders auf 262 Seiten, wie dieses Land tickt und funktioniert. Wie sehen sich die Menschen dort, wie meistern sie das Leben, was glauben sie, wie lieben sie, wie wichtig ist der Körper, wie feiern sie, wovon träumen sie, wie ist es, arm und dunkelhäutig zu sein, wie geht es der indigenen Bevölkerung, was bedeutet den Brasilianern Amazonien usw. Das Buch ist von 2012, aber kaum aktualisierungsbedürftig – Mentalitäten und Identitäten ändern sich so schnell eben nicht. – Helmuth Taubald