BÜCHERECKE

Brasilien – Ein Land der Zukunft, von Stefan Zweig

Wer sich positiv auf Brasilien einstimmen möchte, sollte zuerst dieses Buch lesen. Stefan Zweigs große Liebeserklärung an dieses Land macht Lust, es selbst zu entdecken. Der Autor war Europas berühmtester Schriftsteller, ein Sprachgenie ohnegleichen. In finsteren Zeiten des Holocaust floh er von Wien bis nach Rio, wo für ihn die Welt noch in Ordnung schien, fast ein Modell für eine bessere und humanere Zukunft. Ausführlich beschreibt er in teils schwelgerischen Tönen das so friedliche Miteinander der Menschen, die südländische Mentalität der Toleranz und Lebensfreude, die üppige Landschaft der Tropen und die geschichtlichen Hintergründe. Das Ganze liest sich ohne Anstrengung wie ein poetischer Reisebericht, mit nur wenigen Zahlen, ein weitgehend gelungener Versuch, die ewige Essenz eines Landes aufzuspüren. Ein echter Klassiker also, dem das Alter (1941) kaum einen Abbruch tut. – Helmuth Taubald

Gabriela wie Zimt und Nelken, von Jorge Amado

Was gibt es Schöneres, als im Urlaub einen Liebesroman zu lesen, der einem auch noch das Land erklärt? Kein anderer konnte das besser als Jorge Amado (1912–2001), Brasiliens bekanntester Schriftsteller. Sein erfolgreichstes Buch, „Gabriela wie Zimt und Nelken“, erschien 1958, auf Deutsch schon 1962, und wurde schnell zu einem Welt-Bestseller. Die junge, arme und schöne Mulattin Gabriela mit ihrer zimtfarbenen und nach Nelken duftenden Haut repräsentiert für viele das erotische Ideal der „Brasilianerin“ und ist zugleich eine emanzipierte Frau, die sich aus den Fesseln der Ehe löst und frei ihre Körperlichkeit wie die Lust an Sex, Musik und Tanz auslebt. Pablo Neruda lobte den Roman als „ein von Sinnlichkeit und Fröhlichkeit überschäumendes Meisterwerk“. Und um diese vitale Lovestory herum erfährt der Leser auch noch, wie das Leben in der Kleinstadt Ilhéus im Bundesstaat Bahia in den 1920er-Jahren ablief, die Intrigen der Großgrundbesitzer und Kakaobarone, sowie das Geschehen in der heute noch existierenden Bar Vesúvio, wo Gabriela für ihren Chef und Mann als Köchin arbeitete und sich dann wieder befreite. Alles in sehr feinsinnig humorvoller und lockerer Sprache mit einem Augenzwinkern geschrieben, Jorge Amado eben. – Helmuth Taubald

KulturSchock Brasilien, von Carl D. Goerdeler

Nach dem oben empfohlenen Buch von Stefan Zweig folgt nun ein Werk, das uns noch näher an die Gegenwart heranführt. Was erwartet uns auf der Reise? Was ist anders als daheim? Die Reihe bei Reise Know-How heißt „Kulturschock“, ganz so schlimm wird es zu Brasilien nicht, aber vieles ist doch anders, und Fettnäpfchen lauern an jeder Ecke. Es gibt mehrere ähnliche Bücher, doch dieses von Carl D. Goerdeler scheint uns das beste zu sein. Der Autor lebt schon seit Jahrzehnten im Land, hat vorher Politik und Publizistik studiert, war Diplomat in Tokio und Brasilia und schrieb danach für viele Zeitungen und Verlage. Und so erfahren wir aus der Feder dieses Insiders auf 262 Seiten, wie dieses Land tickt und funktioniert. Wie sehen sich die Menschen dort, wie meistern sie das Leben, was glauben sie, wie lieben sie, wie wichtig ist der Körper, wie feiern sie, wovon träumen sie, wie ist es, arm und dunkelhäutig zu sein, wie geht es der indigenen Bevölkerung, was bedeutet den Brasilianern Amazonien usw. Das Buch ist von 2012, aber kaum aktualisierungsbedürftig – Mentalitäten und Identitäten ändern sich so schnell eben nicht. – Helmuth Taubald